Video-Sharing: Diskussion um Pornoclips auf Vine

  • Explizite Videoclips könnten für Twitters Vine ein Problem werden.
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    Explizite Videoclips könnten für Twitters Vine ein Problem werden.

Diskussion um Echtzeitmoderation von User-generiertem Content und Apples Richtlinien

Die im Besitz von Twitter befindliche Video-App Vine hat ein Problem. Eigentlich dient die App zum Erstellen und und Hochladen kurzer Video-Loops, quasi Twitter in Bewegtbild, nebst dazugehörigem Social Network. Doch nicht jeder nutzt das Programm für lustige Aufnahmen seiner Haustiere. Auch explizite Inhalte haben ihren Weg längst auf Vine gefunden, was ein Problem für das seit letzter Woche im iTunes-Store verfügbare Programm werden könnte.

Der Weg von Spaß zu nacktem Ernst ist kurz, diverse US-Medien berichteten über die vom Betreiber unerwünschten Inhalte. Unter Hashtags wie #porn, #ass und anderen, findet sich eine beachtliche Variation an anzüglichem Content, von den Selbstaufnahmen diverser Exhibitionisten bis hin zu abgefilmten Laptopbildschirmen, auf welchen Pornos zu sehen sind.

Social Sharing-Phänomen versus Store-Richtlinien

Die Frage, die nun in auf verschiedenen Seiten - darunter TechCrunch, The Verge und Atlantic Wire - diskutiert wird, ist, ob nun tatsächlich Vine ein Problem hat, mit dem jede App dieser Art früher oder später konfrontiert wird, oder ob das Grundproblem bei Apples rigiden Richtlinien liegt. Der iTunes-Betreiber hat erst vor kurzem den PhotoSharing-Dienst "500px" der Plattform verwiesen, weil über die Bildersuche über einen kleinen Umweg Nacktbilder aufrufbar waren und User angeblich auch kinderpornografisches Material gesichtet hätten.

Vine weiter verfügbar, 500px nicht

"Die Wahrheit ist, dass Vine kein Porno-Problem hat, zumindest keines, das nicht jede andere Social-App auch hat", argumentiert Joshua Topolsky bei The Verge. "Apple hat ein Problem: Seine puritanischen, ungleich exekutierten Store-Richtlinien für Erwachseneninhalte. Vine ist nur eines von vielen Beispielen."

Denn im Gegensatz zu 500px kann Vine nach wie vor heruntergeladen werden, und das obwohl der Zugang zu nackter Haut hier ungleich leichter fällt. Auch die Twitter-App selbst hat es noch nie getroffen, obwohl auch dort die Verlinkung von Hardcore-Content lange Zeit relativ ungehindert geschah, bis man die Zügel anzog. Im Gegenteil, iOS verfügt mittlerweile über nativen Support für den Kurznachrichtendienst.

Anpassen oder sterben

Anders sieht das Adam Clark Estes von Atlantic Wire. "Die App Store-Richtlinien zu pornografischen Inhalten gibt es solange wie den App Store selbst. Vine ist nicht die erste Video- oder Photo Sharing-App, die zugelassen wird", schreibt er. "Das ist keine Anomalie. Fast jeder neue Dienst dieser Art zeigt uns, dass es schwer ist, solche Seiten sauber zu halten. Also müssen die Firmen entweder lernen, wie sie ihre Dienste vernünftig kontrollieren, wie es etwa Flickr macht, oder sie verwittern und sterben, so wie ChatRoulette."

Topolsky vermutet, dass man bei Apple durchaus weiß, dass manche Leute eine solche App auch dazu verwenden werden, um Videos ihrer Geschlechtsorgane hochzuladen. Wahrscheinlich will man beobachten, wie Twitter damit umgeht, sobald es ein Problem wird. Vine ist also eine Art Labormaus für die schwierige Herausforderung, User-generierten Content in Echtzeit zu moderieren - etwas mit dem man dank Twitter aber ohnehin schon Erfahrung hat.

"Vine lebt jetzt in Apples Haus"

Eine Stellungnahme der Betreiber liegt auch schon vor. Kurz und knapp erklärt man, dass User problematischen Content melden können. Videos die potenziell gegen die Richtlinien verstoßen, können erst nach einer vorgeschalteten Warnmeldung angesehen werden. Bestätigt ein Moderator das Urteil der User, wird nicht nur der Inhalt, sondern auch der Account des Uploaders gelöscht. Ob dies ausreicht, wird sich zeigen. "Vine lebt jetzt in Apples Haus", so die Argumentation von Estes.

Grundsätzlich ist Vine mit seiner Regelung 500px nicht unähnlich, auch dort gibt es ein Meldesystem für die Community. Allerdings sind künstlerische Nacktbilder ausdrücklich Bestandteil des Angebots. Ein Algorithmus soll künftig verhindern, dass man sie über die iOS-App auffinden kann. Ein entsprechendes Update wurde aber offenbar noch nicht durchgewunken, die App ist nach wie vor nicht in den Store zurückgekehrt.

Warten auf Apple

Die Antwort, wie mit Vine nun auf Dauer umgegangen wird, kann nur Apple selbst geben. Der Aufruf von #porn in der App lässt aktuell noch ziemlich ungefiltert "passende" Videos über den iPhone-Bildschirm flimmern. In Cupertino hat man sich zur Causa bislang noch nicht geäußert. (gpi, derStandard.at, 28.01.2013)

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