Sozialphobie: An Angst gewöhnen

28. Jänner 2013, 09:54

Das menschliche Angstnetzwerk im Gehirn kann durch zumindest teilweise deaktiviert werden

Wien - Angst ist eine überlebensnotwendige Schutzfunktion vor möglichen Gefahren. Im Fall einer Angststörung wird diese positive Wirkung außer Kraft gesetzt: Sozialphobie-Patienten ängstigen sich vor ganz normalen, sozialen Situationen im Alltag, weil sie fürchten, sich unpassend zu verhalten oder von anderen für dumm gehalten zu werden.

Wissenschaftler vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik und der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien haben nun herausgefunden, dass dieses Angstnetzwerk zumindest teilweise deaktiviert werden kann.

Ronald Sladky vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik hat in der aktuellen Studie, mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie Änderungen der Gehirnaktivität von Sozialphobie-Patienten und gesunden Probanden gemessen, während der Betrachtung von Gesichtern. Dieses Experiment simuliert die soziale Konfrontation mit anderen Menschen, ohne die Person tatsächlich in eine für sie unerträgliche Angstsituation zu bringen.

Dauerhafte Konfrontation wirkt Angst mindernd

"Dabei zeigte sich, dass Menschen mit Sozialphobie zwar anfangs eine stärkere Aktivierung im Mandelkern und im medialen, präfrontalen Cortex des Gehirns aufweisen, nach einigen Durchgängen geht diese Aktivität allerdings zurück", so Sladky. Das widerspricht der bisherigen Annahme, dass sich das emotionale Netzwerk von SozialphobikerInnen nicht genügend an die stressauslösende Situation anpassen kann.

Die dauerhafte Konfrontation mit der Testaufgabe führte bei den Angstpatienten nicht nur dazu, schneller eine Lösung für das "Problem" zu finden, sondern auch dazu, dass manche Gehirnregionen umgangen wurden, die sonst, und krankheitstypisch, überaktiviert waren. Sladky: "Daher liegt der Schluss nahe, dass es auch im Emotionsnetzwerk von Sozialphobikern funktionierende Regulationsstrategien gibt, wenngleich es bei diesen Menschen etwas länger dauert, bis diese Mechanismen greifen. Die Fehlregulation dieser Gehirnteile kann also zu einem Teil kompensiert werden."

Personalisierte Trainingsprogramme

Diese Erkenntnisse könnte, so Sladky, der Anstoß zur Entwicklung von personalisierten Trainingsprogrammen sein, die den Betroffenen im Alltag helfen, die unangenehmen Situationen besser zu meistern. In Österreich sind jährlich rund 200.000 Personen von einer Sozialphobie betroffen. Die Dunkelziffer dürfte darüberhinaus sehr hoch sein, da viele Betroffene aufgrund der Angst nicht oder erst zu spät fachkundige Betreuung suchen. (red, derStandard.at, 28.1.2013)

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ja

deswegen habe ich mich von selbsthilfegruppen tunlichst ferngehalten. beim ersten schnuppern mutete mir so eine versammlung eher als pharmakologischer kaffeeklatsch an.
"und, welches medikament hat deine probleme bisher am besten in den griff gebracht?"
"seit ich öffentliche plätze meide, komme ich besser mit meiner platzangst zurecht" (es folgte zustimmung aus der runde)
"...das leben MIT der angst erträglich gestalten..." an der stelle wusste ich, dass ich dort falsch war.
ich hab immer geglaubt, die angst besiegen zu können. ein arrangement war ausgeschlossen.

Ich leide unter einer leichten Form....

.. der Sozialphobie! Ich könnte aber nicht zu so einer Sozialhilfegruppe gehen!

Da hab ich zuviel Angst davor!

Arztbesuche sind die Hölle!

Allgemeinarzt geht gerade noch!

Aber Psychiater bringt mich fast um! Schon alleine, wenn er fragt, ob die Medikamente schon geholfen haben!

können Sie!

Sie glauben nur, dass Sie nicht können. Das ist bestandteil der phobie. ich hab ein halbes jahr gebraucht, bis ich mich überwinden konnte, dorthin zu gehen.
ich hatte allerdings vor der störung schon öfter stundenlange "ausflüge" in die welt der panik, darauf möchte ich aber nicht unbedingt genauer eingehen.
und Sie finden, dass Sie unter einer "leichten" Form der SP leiden? Welche Medikamente bekommens denn verschrieben? SSRI haben mir gut geholfen. am anfang hab ich neuroleptika bekommen, davon wurde ich auch noch sehr depressiv, kein antrieb mehr, keine erektion. DAS war wohl die falsche medikation. mein (ex-) psychiater beharrte auf einer psychose, verdoppelte die dosis. darauf hin hab ich mir einen privaten psychiater gesucht...

Leichte Form der Sozialphobie!

Hab ich mir selber diagnostiziert! Im Vergleich, wenn jemand die Wohnung nicht mehr verläßt!

Ich gehe noch in die Arbeit!

Nach einer Psychotherapie, die mir sehr geholfen hat (die aber für mich auch die Hölle ist - das hingehen sowie jeder menschliche Kontakt) geht es mir wieder recht gut! Dort machte die Psychologin einen Test und der ergab eben, dass ich soziale Probleme habe!

Mit dem Chef reden, um Urlaub ansuchen (telefonisch), alles halt was mit anderen Leuten zu tun hat! (Nicht der Supermarkt, nicht die U-Bahn, nicht der Aufzugslift).

Medikamente: Bekomme ich derzeit keine! Die haben allesamt nicht geholfen: Trittico, Cipralex (zusammen), Sertralin, FluxHex, Paroxat, Wellburtin!

Jedes ein Jahr genommen.

"Die Angst besiegen" geht tatsächlich nicht, weil sie ein Teil von einem ist wie Hände und Füße! Wenn man ihr den Kampf ansagen möchte, sagt man einem Teil des eigenen Wesens den Kampf an, dieser Schuss geht nach hintenlos! Man kann tatsächlich nur sich mit der Angst arrangieren, sie lieben und akzeptieren so wie auch den Rest vons ich selber. Dann ist sie schon irgendwo noch da, aber "tut einem nichts mehr Böses". Angst ist im Grunde ja was Wichtiges, nur sollte sie nicht so ungezügelt herumwüteln in einem. Und man sollte AUF KEINEN FALL Dinge, die einem Angst machen meiden, weil das Vermeiden immer engere Kreise zieht, bis man sich gar nicht mehr unter Menschen traut....

ich sag mal so: angst ist dann gut, wenn sie was nützt.

als wir noch affen waren (was wir im prinzip heute auch noch sind, auch wenn wirs nicht gerne glauben wollen), hat angst einen einfachen, praxisbezogenen nutzen gehabt: sinne schärfen, achtsamkeit erhöhen, adrenalin hochfahren usw. wenn der organismus ECHTE zeichen für gefahr erkannt hat. nun ists anders. wenn man allerdings zu dem primitiven zurückfindet (weniger denken) kanalisiert sich auch die angst wieder in richtung ursprünglichkeit. das ist ja das störungsbild der phobie: sinnlose angst.
etwas was der verstand erschaffen hat, mit dem verstand zu "bekämpfen" ist nicht möglich, deswegen haut ein arrangement mit den angstgefühlen schon eher hin. das gelbe vom ei wars für mich aber nicht, deshalb hab ich echte auswege gesucht.

Sie sprechen nur von ihrem eigenen Weg .. der vielleicht bei Ihnen wirkt (zumindest laut Ihrern Angaben)

Was in anderen vorgeht können Sie aber nicht wissen. Alleine schon weil sich die Problematik bei jedem unterschiedlich zeigt und manifestiert .. ganz zu schweigen von der Intensität.

Ihre Methode wirkt vielleicht bei ein paar "leicht angehauchten Soziophoben" .. bei ernsthaft erkrankten aber nicht.

zweifel sind menschlich. und wir sind alle menschen. wenn ich nicht an den therapiemethoden gezweifelt hätte, wäre ich heute noch immer nicht geheilt.

es gibt immer menschen, die alles unendlich kompliziert sehen, aber es gibt auch angelegenheiten, bei denen simplicity zum erfolg führt.
ich war auch alles andere als "leicht angehaucht soziophob", schob permanent panikattacken und zwang mich trotzdem noch dazu, zur arbeit zu gehen. die ärzte gaben mir ohne lebenslange medikation keine chance ABER den mist hab ich nie geglaubt.
im wesentlichen geht es darum, ob man sich als opfer der umstände sieht oder aber als veränderer von umständen. ein einfaches prinzip. aber es ist ja unmöglich, dass es funktioniert, oder? wollen sie nicht lieber DARAN zweifeln?
menschen die sich an der phobie eine goldene nase verdienen, gibts genug, genau wie menschen denen beigebracht wurde, sich aufzugeben.

Teil 2
... die "absolute Heilung" eher einreden, um nicht in einen Rückfall zu geraten.
Ich gönne ihnen durchaus den Erfolg, kann diesen aber so nicht glauben, sorry.

"absolute heilung"? das attribut kommt von Ihnen, nicht von mir. etwa zynismus? rückfälle kann es nach einer heilung kaum geben, nur solange sie nicht abgeschlossen ist. und heilung ist ein prozess, kein finales ereignis.

am ende steht ein neuer mensch, und zwar einer, der sich selbst viel besser kennt als jemals zuvor und nun auch von den charaktertypen, die er mal gefürchtet hat, als bedrohung wahrgenommen wird. eine art unverwundbarkeit in sozialen beziehungen, das wird sehr wohl auch von anderen instinktiv wahrgenommen, sie werden mit ihrer eigenen verwundbarkeit konfrontiert. nur wenige, ehrliche und authentische menschen halten das aus.
ich hatte für kurze zeit einen weltklasse psychotherapeuten. teuer aber ehrlich und auf hohen intelektuellem niveau. der unterschied sich erheblich, von all den psychofuzzis die ich sonst noch kennen lernen durfte. 99% der therapeuten sind quacksalber, haben selbst soziale probleme und können niemandem wirklich helfen.

Dass Therapeuten so gut wie immer aus eigenen Problemen heraus diesen Beruf wählten, ist eh bekannt. Doch das finde ich nicht schlimm, denn wenn jemand es schaffte, sich aus etwas herauszuarbeiten, spricht das absolut FÜR ihn und er kann mich dann auch viel besser verstehen als einer, der das nur vom Kopf her studiert hat und "nach Buch" arbeitet sozusagen. Ich habe nun erstmals einen, der fähiger wirkte als die anderen zuvor, ganz wichtig ist, dass man einen guten Draht zueinander hat, sonst wehrt man sich nämlich unbewusst ständig gegen dessen Ideen...
Ich habe auch schon viel erreicht, aber noch lange nicht ALLES und zynisch habe ich gar nix gemeint!

wie gesagt, ich kannte einen (!)

aber der wog alle therapeuten auf, die ich kennen lernen durfte. sehr radikaler typ, extrem authentisch. aber der grosse unterschied war: er konnte zuhören. und er hörte das wesentliche raus, anstatt irgendwas rein zu interpretieren. letzteres ist imho der hauptfehler, den die meisten psychotherapeuten begehen.
ich kenne auch leider keinen therapeuten, der sich selbst helfen konnte. zwar hatte dann jeder irgendwann einen guten überblick über seine "störungen" und lernte eventuell auch damit umzugehen aber das grundproblem der meisten therapien ist, dass man versucht mit dem verstand probleme zu lösen, die durch den verstand verursacht wurden. das kann nicht funktionieren, nicht ursächlich.

Ich habe mich nie als armes Opfer gesehen, egal ob von Menschen oder Umständen, meine Ansicht war und ist, dass jeder sein Leben selber in der Hand hat bzw. in die Hand nehmen kann.
Trotzdem gibt es psychische Probleme, denen man nie wirklich zu Leibe rücken kann oder nur bis zu einem gewissen Grad. Ich hatte gute und bessere Zeiten, doch sobald ein etwas tragischeres Erlebnis daherkam, bekam ich einen rapiden Rückfall, da half kein Gedankenspiel und "drauf sch....", das kam einfach daher, ganz von selber.
Auch wenn ich jetzt eine recht gute Zeit habe, bin ich das Problem trotz mehrerer Therapien nie wirklich losgeworden.
Und - seiens mir nicht böse -, so leichtfüßig wie Sie drüber reden, klingt das eher so, als ob Sie sich

das leben in der hand haben? ein gängiger irrtum, selbst ursache vieler probleme! es gibt nicht "ihr leben" oder "mein leben" es gibt nur DAS LEBEN und weil wir dem leben untergeordnet sind, können wir es niemals kontrollieren.

das ist eine illusion, von der Sie sich besser verabschieden sollten. in wirklichkeit spielen Sie und Ihre probleme (wie auch ich und meine) überhaupt keine rolle, das macht Ihnen bloss ihr geprägter verstand vor. deshalb funktionieren, wie Sie auch festgestellt haben, gedankenspielchen nicht. psychische probleme sind hingegen ein deutlicher ausdruck einer falschen lebensweise. man muss "nur" so leben, wie es einem gut tun würde, nicht wie man glaubt, dass es richtig wäre. richtig und falsch ist auch so eine illusion aber das gehört (eigentlich) nicht zum thema. nur aus güte und daraus entstehendem (selbst)vertrauen kann sich mut entwickeln. und den braucht man, wenn man eine sozialphobie heilen will, das erkennen sie wohl auch, oder nicht?

Alle Achtung, das war bzw. ist jetzt ein schönes Posting, mit dem ich mich eher identifizieren kann als mit Ihren vorigen. :-) (keine Ironie!).
Erinnert mich stark an Oshos Buch "Mut - Lebe wild und gefährlich", schon mal gehört? Solche Lektüre kann einem auch viel weiterhelfen, na mir jedenfalls gings immer wieder so.

osho ist nicht schlecht.

habe auch zwei bücher von osho gelesen. den "durchbruch" brachte dann aber eckhard tolle mit "jetzt! die kraft der gegenwart". ich habe 7 monate für das mickrige buch gebraucht, ist extrem schwer aufmerksam zu lesen. muss man aber, denn sonst "greift" es nicht. ich habe seitdem kein einziges buch in der art mehr gelesen. das ist jetzt ca. sechs jahre her. vielleicht hilft es Ihnen auch aber vorsicht: wahrscheinlich alles was sie bisher geglaubt haben, wird darin auf eine probe gestellt (was es hoffentlich nicht besteht).
viel erfolg :)

Eckhard Tolle... kannte ich bisher nicht, hab grad auf youtube ein paar Reden von ihm angehört und muss sagen, dass mir der Typ sehr unsympathsich ist, seine Rede wirkt aufgesetzt, die Aussagen für "Lieschen Müllers", sorry, wills Ihnen nicht madig machen, bin nur ehrlich. :-) So einen würde ich nicht lesen wollen, er plappert so alles daher, was viele andere vor ihm - jedoch in besserer und glaubwürdigerer Sprache - schon gesagt haben. Da ist Osho um viele Längen besser! Oder Krisnamurti (vieleicht schreibe ich den falsch), das sind die WIRKLICHEN Größen! Der Tolle kommt sicher beim kleinen Volk gut an, weil er - bauernschlau - versucht, deren Sprache anzunehmen, will wohl einfach ein Stück vom Kuchen...

komisch.

ich fand osho und konsorten immer zu abstrakt bzw. östlich angehaucht. imho trifft es niemand so gut auf den punkt wie E.T.
aber ich möchte keine werbung machen, ich hab auch nur die eine quelle, videos hab ich mir gar keine angesehen. es gibt ein hörbuch, das umspannt 3 CDs, ich denke, dass youtube mit den clips da eher rausgerissene eindrücke vermittelt.
für mich ist ihr kritischer eindruck aber wieder der beweis, dass das was er im buch darlegt, stimmig ist. letzteres kann man verstehen, wenn mans gelesen hat...
die liebe haben auch viele erst durch deepak chopra verstanden, obwohl osho und viele seiner vorgänger vergeblich versucht haben, sie der menschheit näher zu bringen. beweihräucherung versus bauernschläue? zieh ich letzteres vor.

Einem Sozialphobiker diesen Ratschlag zu geben ist circa so sinnvoll, wie einem Depressionskranken zu sagen, dass er "sich mal zamreissen" soll.

bitte um einen deiner meinung nach sinnvollen ratschlag.

bullshit

so hab ich es geschafft. der typische sozialphobiker. sicher ist das nur grob umrissen, für details gibt es hier nicht den nötigen platz.
eines kann ich aber sagen: depressionen haben genau wie phobien einen handfesten grund, den man nicht einfach wegwischen kann, sondern grundsätzlich integrieren muss. man kann vor sich selbst nicht davonlaufen und genau daraus entsteht auch das krankheitsbild.
ich weiss schon wovon ich rede, keine angst.

Ich bin mir ALLER Gründe voll und ganz bewusst, die bei mir zur Sozialphobie geführt haben, könnte sie auflisten, beschreiben, verbal darlegen bis ins Detail.... Habe da nie was verleugnet oder weggedrängt, nicht eine Sekunde lang! Doch was soll das helfen? Ich gebe niemandem hasserfüllt "die Schuld", doch es nützt mir keinen Deut, genau zu wissen, woher das Problem kommt, wo die Wurzel ist. Was mache ich dann mit dieser Wurzel, die ich schon seit über einem Jahrzehnt in Händen halte? Konnte mir bis jetzt auch noch kein Therapeut sagen!

die wurzel, die Sie in den händen halten? das konnte Ihnen kein therapeut sagen? wundert mich nicht. nun, wenn es tatsächlich die wurzel ist, nicht nur ein auslöser:

lassen Sie sie los.

Wenn Sie sie los lassen können, dazu mussten Sie sie zuerst integrieren, können Sie bald darauf alles loslassen was Sie irgendwie festhält. Der trick ist, zu erkennen was Sie festhält, wie eben z.b. Ihre "wurzel".
Ich musste mich vier Jahre komplett von meiner Familie trennen! Anfangs, als die panikattacken begonnen hatten, war es mir "nur" unangenehm in der gesellschaft meiner elterlichen familie zu sein. Wenig später wusste ich, dass ich sie komplett loslassen musste, um zu mir selbst zu finden. Das mag alles etwas dramatisch bis esoterisch anmuten, war es im grunde aber nicht.
man glaubt verpflichtungen zu haben, die man nicht wirklich hat. damit baut man sich ein gefängnis für die seele, die sich irgendwann wehrt.

Das mit der Familie verstehe ich gut! Ich habe nicht mehr viel an Familie, doch das, was da am Belastendsten war, habe ich bis auf ein Minimum reduziert, für mich gibt es solche "Verpflichtungen" nicht mehr. Zu Leuten aus der Familien, die mir seelisches Unbehagen bringen, ist KOntakt nur noch ganz spärlich, unbedeutend und so gehts mir bedeutend besser als früher!
Doch die "Wurzel", die habe ich schon über ein Jahrzehnt, integriert ist sie, aber sie nützt mir nichts... Alte Erinnerungen kommen trotzdem oft mal horrormäßig daher, ob im Traum oder aus einer Situation heraus. Wie soll man da "loslassen". Was geschehen ist, ist geschehen, die Vergangenheit kann man allenfalls verdrängen, aber nicht VERGESSEN.

schwieriges thema. ich fasse in groben schritten zusammen, hoffentlich ists noch verständlich...

solche erinnerungen wird ihr verstand immer wieder hochwürgen. sowas bleibt bestandteil eines geprägten gehirns. allerdings hat die "seele" über das bewusstsein immer wieder die chance, das erlebte neu zu bewerten. so verändern sich langsam die gefühle, die diese erinnerungen auslösen. niemand hat anspruch auf ein problemloses leben. das ist eben der preis für ein unendlich wertvolles geschenk. wenn man das wieder zu schätzen lernt, relativieren sich die "probleme" in richtung "herausforderungen", spass muss nicht mehr krampfhaft erzwungen werden, man lernt wieder zu lachen, am meisten über sich selbst :) und dann kann man über alles lachen. auch z.b. über den mobbenden chef und die angst ein besseres (berufs)leben beginnen zu wollen.

Lachen habe ich NIE - jedenfalls nie lange - verlernt, ich lache mehr als die meisten und habe die Gabe, sogar sehr frustige Menschen zum Lachen zu bringen. Am meisten lache ich über mich selber. :-) Doch das hat mit den Phobien wenig zu tun, die mal mehr mal weniger waren in all den Jahren, mein oft für andere sehr erfrischendes Wesen ändert nichts daran, dass ich durch Menschen auch immer wieder in Panik gerate, dann flüchte und genug Tricks gelernt habe, dass das nicht jeder so schnell merkt....
Ich war NIE ein Frustknochen, Lachen muss ich also nicht erlernen und trotz allem hat mir das Leben so gut wie immer viel Freude gemacht, weil ich unnormal kindliche Neugierde habe, die ist Gold wert. :-)

Um mich der Mathematikersprache zu bedienen:
Das mag durchaus notwendig sein - nur ist es deswegen noch lange nicht hinreichend.
Und: was ist bitte der "typische Sozialphobiker"? Als ob es nicht eine erhebliche Bandbreite gäbe, was Auslöser, Symptome und Schwere betrifft.

man befrage den duden:

der da sagt:
"typisch: (a) einen [bestimmten] Typ verkörpernd, dessen charakteristische Merkmale in ausgeprägter Form aufweisend"
"charakteristisch" in dem zusammenhang evtl. auch nachschlagen...

für mich war es eben der zentrale punkt, der zur genesung führte: das selbst nicht an dem umfeld zu bewerten und damit aufhören zu vergleichen.
man bewegt sich in einem komplexen system. ändert man etwas, ändern sich tausende andere dinge gleichzeitig und darauf folgend mit. ich merke, ich bringe es einfach nicht auf den punkt. könnte aber auch an dem grippalen infekt liegen, der mich zur zeit plagt.

*rolleyes* Eine Dudendefinition für "typisch"? Echt jetzt? Ok, vielleicht hilft dir ja die klassisch-polemische Autoanalogie:
Obiges wäre in etwa, in einer Diskussion über Spritverbrauch zu sagen: Autos sind eh alle sparsam, da ich mit meinem nur vier l/100km brauche, und ich hab ja ein typisches Auto (weils vier Räder und ein Lenkrad hat).

Du hasts aber tatsächlich auf den Punkt gebracht, und zwar mit den ersten beiden Worten des zweiten Absatzes: "Für mich".

apfel-birnen-joe...

den vergleich lesen sie bloss aus meinem text heraus.
in wirklichkeit müsste er so ähnlich lauten:
mein auto macht keine probleme mehr, seitdem ich es richtig warte. vorher hatte ich keine ahnung von autos und dauernd ging was kaputt. natürlich wird es auch irgendwann (bei einem unfall oder wegen durchrostung) sterben müssen.

sie müsssen aufpassen, dass sie beim lesen nicht etwas dazudichten was nicht drin steht.

googlen sie mal das "vier ohren prinzip" (schulz v. thun). das ist der grund, warum menschliche kommunikation nicht gut funktioniert, wie sie gerade erfolgreich bewiesen haben.

Ihr Text gibt aber nichts anderes her - Sie insinuieren mit Ihren Antworten nämlich, dass Ihre Art und Weise, wie Ihr Auto zu warten ist, für alle Autos gleich zutreffend sei.

Zumindest schön zu sehen, daß Ihre Phobie einer ordentlichen Portion Egozentrik gewichen zu sein scheint.

psychologie:

egozentrik entwickelt sich im kleinkind-alter. phobien erst wesentlich später. also ist ihr letzter absatz blödsinn oder ironie.

was sie glauben, dass ich insuiere, insuierte ich nicht. ich meinte, dass ich die selben eigenschaften oder werkzeuge wie (fast) jeder andere mensch habe, behinderungen ausgenommen natürlich.
es ist eine frage des umgangs, wie effizient man werkzeuge einsetzt und geschickten umgang muss man erlernen. hat man den umgang falsch erlernt, erreicht man mit der bestens ausgestatteten werkstatt sein ziel auch nicht.
sie könnten schon verstehen, wenn sie ihr ego nicht dauernd vorschieben würden.

Oh, ich habe Sie schon verstanden. Sie liegen nur falsch.

tja

das ist IHRE variante.
ich werd wohl besser wissen was ich meine, als sie.
oder? :)

Nochmal: ich verstehe, was Sie meinten, deshalb direkt bezugnehmend auf Ihre Aussage:
"ich meinte, dass ich die selben eigenschaften oder werkzeuge wie (fast) jeder andere mensch habe, behinderungen ausgenommen natürlich."
Nein. Haben Sie nicht. Und das ist der Kern der ganzen Sache.

na dann begründen sie mal.

ich habe gefühle, mit denen mir mein körper etwas über meine denk- und lebensweise sagt. ich habe ein bewusstsein, das ich verändern kann, um meine lebensweise anzupassen. ich bediene mich mittels (selbst)hypnose der introspektion, um unbewusste inhalte meiner psyche zu entschlüsseln. mit den gewonnenen erkenntnissen verändere ich meine persönlichkeit, da ich lerne so zu leben, dass mir mein körper keine angstsignale mehr schickt.
das alles ist wiederum grob umrissen,
aber Sie sind eigentlich derjenige in der diskussion, der mit details geizt. Würden Sie das bitte ändern?

Sie beschreiben hier eine Methode der Psychotherapie (von vielen), die bei Ihnen funktioniert hat. Sie gehen offenbar deswegen davon aus, daß diese bei (wie Sie sagen: fast) jedem Menschen mit Sozialphobie funktionieren müsse.

Details dazu, dass das falsch ist, finden Sie in unzähliger psychologischer und psychotherapeutischer Fachliteratur. Es ist nicht meine Aufgabe, den Widerspruch einer (ebenfalls unbegründeten) Behauptung, die dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Konsens völlig zuwiderläuft, auch noch begründen zu müssen.

na bitte, geht doch.

aber kommens mir ned mit wissenschaft, denn wenn es nicht ständig alte wissenschaftlich belegte modelle zu widerlegen gäbe, würde die wissenschaft nicht überlebt haben. kaum etwas polarisiert im gesundheitsbereich mehr als diese blindgläubigkeit der wissenschaft gegenüber, die auf der erforschung ihrer eigenen irrtümer beruht. nun gleiten wir aber in andere bereiche ab...
ich wollte ursprünglich betonen, dass diese oben beschriebenen mittel, derer ich mich bedient habe, jeder mensch besitzt, der nicht geistig beeinträchtigt ist. und das haben Sie als unrichtig hingestellt.

ich wundere mich nun aber über ihren background. selbst sozialphobiker bzw. gewesen?
sie ahnen, worauf ich hinaus will?

"Kommens mir ned mit Wissenschaft" - hätten Sie das nicht gleich sagen können?
Dann hätten wir uns die Diskussion ersparen können. Schönen Abend noch.

sehe ich auch so.

unsere ansichten sind wohl zu gegensätzlich. VG

Ich gebe Ihnen insofern recht, als ich der Meinung bin, dass man viele psychische Probleme mit Philosophie abmildern, manche vielleicht sogar beheben kann. Oftmals sind ja psychische Störungen das ergebnis unseres sozialen Biotops, der Wertvorstellungen (Erziehung) und Reaktion auf Umwelteinflüsse. Eine veränderte (Lebens)Philosophie kann tatsächlich helfen, habe ich selber an mir (auch Betroffener) erlebt.

ABER: Das funltioniert nur, solange sich nicht Befürchtungen bestätigen. Denn eine sist auch klar: Andere KÖNNEN einen vernichten, wenn sie wollen. Diesen Fakt sollte man bei allem positiven Denken berücksichtigen. Und macht man mal diese Erfahrung (nach einer vermeintlichen Heilung), geht arg zu. Das wieder durchbrechen-fast unmöglich.

Stimme Ihnen wieder zu! Wenn man z.B. in eine Mobbingsituation gerät, kommen die schrecklichen Ängste ganz schnell zurück, auch wenn sie wochen- oder monatelang nur mild vorhanden waren, das Sichhilflosfühlen, während man ungerecht behandelt wird, das man sooo gut aus der Kindheit (Schule, Elternhaus) kennt, da hilft kein Philosophie, da kann man nur froh sein, wenn man Menschen hat, denen man soo nahe ist, dass sie über einen Bescheid wissen und einen in diesen Problemen stützen. Hatte ich zum Glück im Erwachsenen alter immer, 2-3 Menschen, die mich wirklich gut kennen und immer zu mir halten!

positives denken funktioniert nicht. die erfahrung hab ich auch leider machen müssen. allerdings hat es mich auf einen guten weg gebracht, nämlich den unterschied zwischen optimismus und pessimismus zu begreifen.

das sind zwei verschiedene paar schuhe, denn positiv denken lässt einen nicht mit rückschlägen umgehen. diese können zwar ignoriert werden, in dem sensibel-verwundbaren zustand aber keineswegs. zudem sind rückschläge echte wegweiser, es ist eben schwer mit den "nebenwirkungen" klar zu kommen. das ändert sich aber langsam mit der zeit. ein tanz auf dem drahtseil, aus dem aber langsam eine hängebrücke wird, quasi.
willensstärke und bereitschaft zur überwindung alter gewohnheiten bei offenheit für alle damit erlebbaren gefühle, das ist die mischung, die zum erfolg führt. solange die angst lähmt, anstatt zu mobilisieren (fight or flight), nützt sie einem praktisch nichts. ich hoffe das ist nicht zu kryptisch um verstanden zu werden.

Positivdenken + Atemtraining hat mir immer am meisten geholfen, negative Erwartungen (sich also Zukünftiges dunkel ausmalen), sind das ärgste Gift für solche Ängste!

doch, du bringst es auf den punkt.

"der ausweg ist, sich selbst als mensch anzuerkennen. einfach einen sch**ss drauf geben, wie andere über einen denken."

Genau DAS ist ja das Problem von Sozialphobikern, dass sie nicht aus ihrer Haut können, nicht viel von sich selber halten, sondern ständig nach außen schauen und fürchten, von anderen "abgewertet" zu werden. Was Sie hier als schnelles und leichtes Trainieren bezeichnen, ist jahrelange Therapie und auch solche ist nicht immer erfolgreich! Sozialphobiker hatten meist wenig emotionale Sicherheit in der Kindheit, wurden in der Schule gemobbt, oft enttäuscht von Menschen, sodass die Angst vor sozialen Kontakten eine Art von "Schutzfunktion" darstellt, um - unbewusst! - andere nie zu nahe heranzulassen.

da haben sie recht.

ich weiss das alles auch aus erster hand.
die erkenntnis, dass es nur ein leben gibt und ich es nicht bis zum ende in angst vor einer krebsartigen gesellschaft leben wollte, hat mir bei der genesung stark geholfen. grundsätzlich muss man alle diese geprägten wertungen über sich selbst über bord werfen und sich (nicht das was man tut) anerkennen und lieben lernen.
das bisher nicht gelebte "nach aussen gehen" kommt dann bald mal von selbst. symptomatisch mit selbstverteidigungskursen und antidepressiva zu arbeiten empfand ich immer als grundsätzlich sinnlos. man passt sich mit solchen strategien nur der ellbogen-mentalität der gesellschaft an...

Die Vorschläge, eine VT (Verhaltenstherapie) zu machen,

habe ich bisher aus ähnlichen Gründen abgelehnt, wie Sie hier aufführen. Auch wenn es ein Stress ist, so habe ich kein Interesse daran, mich vorsätzlich abstumpfen, meine Sensibilität abhobeln zu lassen. Die meisten Methoden sind zudem schlichte Symptombehandlung - und an mir habe ich festgestellt (neurotische Komponente), dass jede Symptombehandlung nur temporär ist. Die Probleme kommen bei einer anderen Tür wieder herein, und zwar vehementer als davor.

'Einfach drauf sch...' wäre auch meine bevorzugte Strategie, gelingt aber nicht alleine durch Willenskraft. Manchmal hilft, sich vor Begegnungen philosophisch zu 'puschen'. Sehr mühsam, auf Dauer.

Leichter ist Alkohol. Und auf den verzichte ich als Lösungsmittel lieber.

Bleibt: Angst.

Sie sprechen mir aus der Seele! Verhaltenstherapie IST nur Symptombehandlung und die Probleme wirklicher - normalerweise beginnt sie in der Spätpubertät - Sozialphobie liegen seeehr tief, entstanden in der frühesten Kindheit, die kann man nur bedingt "wegtrainieren". Sicher ist es enorm wichtig, sich niemals abzuschoten oder die Angstsituationen zu meiden und ein gewisses Maß an Training ist ganz gut, doch damit wird man die Sache nie völlig los. Es hilt nur langdauernde Gesprächstherapie, wo man den eigenen Details auf die Spur kommt, ist eine zähe Sache, ich weiß, wovon ich spreche!
Viele verwechseln Schüchternheit mit Sozialphobie, dabei ist das was völlig verschiedenes.

ich hatte mich nach einem halben panik-jahr auf die halbe vom arzt verschriebene dosis SSRI eingelassen...

...diese nach einem weiteren halben jahr laaangsam auszuschleichen angefangen. daneben hab ich daran gearbeitet die stärken, die ich durch die SSRI gewonnen habe, selbst aufzubauen. da ist eine ordentliche selbst-revision notwendig, das schafft eine kognitive therapieform imho nicht. letztere hab ich immer eher belächelt.
das "philosophische pushen" war der anfang, danach mehr feintuning sozusagen. rückschläge, also feedback, waren ganz wichtig für mich. ich habe dabei so wenig wie möglich externalisiert, sondern mehr meine herangehensweise angepasst. dann war da eines tages der punkt an dem alles, was mich ursprünglich in die angst geführt hat, egal wurde. an dem tag fing mein leben quasi ein zweites mal an (und wurde um einiges besser).

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