Discobrand in Brasilien: Lokal hatte keine gültige Betriebsgenehmigung

29. Jänner 2013, 06:56

Erlaubnis war im August 2012 abgelaufen - Beide Besitzer und zwei Bandmitglieder festgenommen

Santa Maria - Die Unglücksdiskothek Kiss in Santa Maria im Süden des Landes hatte keine aktuelle Betriebsgenehmigung der Feuerwehr. Das ist bisher die einzig sichere Erkenntnis, die die Behörden nach der Brandkatastrophe haben.

Die Besitzer der Disco räumten am Montag ein, dass die Betriebserlaubnis im August 2012 abgelaufen war. Die Verlängerung sei beantragt, aber bisher noch nicht genehmigt worden.

Vorläufige Untersuchungshaft

Die Justiz ordnete eine vorläufige Untersuchungshaft von fünf Tagen für vier Personen an. Die beiden Besitzer der Disco stellten sich freiwillig. Zwei Mitglieder der Band wurden festgenommen. Die Musikgruppe hatte während ihres Auftritts in der Nacht auf Sonntag eine pyrotechnische Show-Einlage präsentiert, wodurch das Feuer in dem Nachtclub in Santa Maria vermutlich ausgelöst wurde.

Die Musiker der Band äußerten aber Zweifel, dass der Brand durch den als "Sputnik" bekannten Effekt entstand, der nur bei einem bestimmten Lied genutzt werde. Sie berichteten von einem Kurzschluss in Kabeln an der Decke. Die Band habe bereits einen anderen Song gespielt, als das Feuer ausgebrochen sei. 

Tür abgeschlossen

Die Feuerwehr erklärte, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe eine wichtige Tür abgeschlossen war. In der Diskothek kam es zu einer Massenpanik. Zeugen berichteten zudem, dass die Sicherheitsleute des Nachtclubs am Anfang nur Besucher hätten herauslassen wollen, die auch ihre Rechnung bezahlt hatten. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Diskothek bezahlt.

Erst als sie den Rauch in der Disco bemerkten, gaben sie den Weg frei. Allerdings wurde die Flucht durch Absperrgitter erschwert, die vor dem Eingang aufgestellt waren. Viele Menschen stolperten über diese Gitter.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Feuerwehrleute und Besucher verzweifelt Körper aus dem völlig verqualmten Eingang ziehen. Die Bilder zeigten auch viele auf dem Boden liegende Leichen. Sie wiesen aber keine Brandverletzungen auf. In der Diskothek konnten bis zu 2.000 Besucher feiern. Wie viele Menschen tatsächlich in dem Gebäude waren, war weiter unklar.

Erste Opfer beigesetzt

Auf den Friedhöfen in der Universitätsstadt Santa Maria wurden am Montag indes die ersten Opfer beigesetzt. In Brasilien müssen Bestattungen grundsätzlich etwa 24 Stunden nach dem Tod erfolgen. In dem Land gilt eine dreitägige Staatstrauer.

Fußball-WM-Vorfeier abgesagt

Die Nachricht von dem Unglück sorgte weltweit für Bestürzung. Die Teilnehmer des Gipfels der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik gedachten in Chile der Opfer der Tragödie. Eine für Montag in Brasilia geplant Feier anlässlich von 500 verbleibenden Tagen bis zum Anpfiff der Fußball-WM in Brasilien wurde abgesagt.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief betroffen, dass so viele junge Menschen bei der Tragödie den Tod fanden.

Staatstrauer um 233 Tote

Nach jüngsten Angaben starben 233 junge Menschen bei dem verheerenden Brand. Die Diskothek war zu einer tödlichen Falle geworden, als um 2.30 Uhr am Sonntagmorgen ein Feuer ausbrach. Die meisten Opfer starben durch Rauchvergiftung. Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben des Zivilschutzes um 120 junge Männer und 113 Frauen. Mehr als 100 Menschen sind noch in Krankenhäusern. Die Mehrheit leide an Rauchgasvergiftung, etwa ein Fünftel der Verletzten habe Brandwunden erlitten, sagte Gesundheitsminister Alexandre Padilha.

Präsidentin Rousseff war nach der Nachricht über die Tragödie direkt von Chile nach Santa Maria geflogen. Dort sprach sie in einem Gymnasium mit Familien und Freunden der Opfer.

Bisher wurde noch nichts über mögliche Ausländer unter den Opfern bekannt. Die 270.000-Einwohner-Stadt Santa Maria ist etwa 300 Kilometer von Porto Alegre entfernt und Standort einer der größten öffentlichen Universitäten des Landes. Der Süden Brasiliens beheimatet auch die größte Gemeinde deutscher Auswanderer. Viele von ihnen kamen vor Generationen nach Brasilien. (APA, 28./29.1.2013)

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dass der Notausgang versperrt war, ok kann passieren, aber dass die Sicherheitsleute noch die Eintritte/Getränke kassierten bei einem Brand, zeugt wieder von Intelligenz mancher Menschen...

eher umgekehrt ...

für die zukunft als vorbeugung

die beiden chefs, samt sicherheitsleute die die tür zusperrten in einem raum sperren und lange mit rauch in kontakt halten bis sie umkippen

"Erlaubnis war im August 2013 abgelaufen"...

derStandard.at/Panorama
01
29.1.2013, 10:19
Danke, wir haben's ausgebessert.

Hier ist man wiedermal seiner Zeit weit voraus...

Auweh! Da gabs ja vor Jahren schonmal einen Diskobrand wo zig Menschen ums Leben kamen. Ebenfalls durch Feuerwerk ausgelöst.

Betreiber solcher Diskotheken und Festivals sollten die Ursachen solcher vermeitbaren Unfälle eigentlich in- und auswendig kennen!

Denen geht's nur um's Geld.

Die Feuerwehr zum Gutachten kommen zu lassen, kostet Geld, die ganzen Behördengänge usw.

Da riskieren's lieber ein paar Tote.

Dämmstoffe eben

wenn sie mal brennen, dann brennen sie wie Trockenspiritus

Stimmt, man kennt ja das kalte brasilianische Klima.

Schalldämmung?

Notausgänge sind entweder nicht vorhanden, als Müllablageplatz verstellt oder abgeschlossen um Diebstähle zu verhindern. Auf diese Arte kommen jede Woche menschen um. Verantwortliche bestrafen.

In Gedenken an

Raquel Daiane Fischer Corti...

unglaublich diese Tragödie, noch schlimmer, wenn man eine Familie kennt, die davon betroffen ist.

wer jetzt denkt: jaja - brasilien! bei uns in Ö auf der insel der seligen kann sowas nicht passieren.

grosser irrtum! kann immer und ueberall geschehen.

Derartiges passiert viel seltener und geht wesentlich glimpflicher aus, weil mehr kontrolliert wird (das ist dann die pöhse "Bürokratie").

Angeblicher Dialog zwischen Lokalbesitzer (Graz Zinzendorfgasse, Prinz X) und Feuerpolizei:

Feuerwehr: "Na Herr Wirt, ham's eh net mehr als die zugelassenen 500 Leut auf ihrer Eröffnungsparty, oder?"

Wirt: "Aber geh! Bei 1000 hob i zan zählen aufg'hört!"

... Angeblich hat die Feuerpolizei dann die Party beendet und er musste nochmal umbauen, aber das hab ich nur aus dritter Hand.

Man erinnere sich z.B. an die Styroporparty in Bad Goisern vor ca. 13 Jahren... Zum Glück gabs keine Tote, aber genug Verletzte...

und wenn nicht in einer disco, dann in einer seilbahn...

nur um das zu relativieren

wie viele menschen werden jedes jahr in brasilien erschossen ?

Sie meinen also, es sollten mehr Leute erschossen werden, damit die Disco-Tragodie besser zu verarbeiten ist?

um einer zuwenig

...keine ahnung...

...ist uninteressant, sch**egal und hat überhaupt nichts mit dieser Tragödie zu tun...

Nomen est omen.

was kann man davon halten? Geschmacklos. Sag mal, bist du nicht ganz bei Trost?

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