Falschmeldung zur Xbox 720 stellt Medien bloß - was nun?

Zsolt Wilhelm
26. Jänner 2013, 10:13

Eine neue Zeitungsente wirft die Frage auf, ob man über Gerüchte berichten sollte.

Es sind aufregende Zeiten für Gamer. Gleich zwei neue Konsolen stehen vor der Türe und mit ihr eine neue Generation von Videospielen. Leserinteresse und Medienberichterstattung schaukeln einander gegenseitig auf, jeder Hinweis, jede noch so kleine Info ("Information" wäre schon zu lang) kann, muss, will verwertet werden. Und dann passiert's: Eine Falschmeldung wird übernommen, kursiert durchs Netz und findet sich im Handumdrehen auf den ganz kleinen und ganz großen Nachrichtenseiten wieder. Und lässt alle Journalisten, die ihr nicht widerstehen konnten, richtig blöd aussehen.

Alle mit einem Schlag

Genau das ist vergangene Woche im Strom der Xbox 720- und PlayStation 4-Meldungen geschehen. Ein Internetnutzer wollte beweisen, wie einfach es ist, sich als Insider auszugeben und mit erfundenen Informationen in die Schlagzeilen zu gelangen. Per Email erreichte er als vermeintlicher Microsoft-Mitarbeiter gleich eine Reihe namhafter Games- und Technologieseiten und setzte das Gerücht in die Welt, dass Microsoft neben der neuen Xbox auch an einem Gaming-Tablet namens X-Surface arbeitet (Anm.: Der GameStandard hat die Meldung nicht gebracht, ist aber wie jede Zeitung auch nicht vor Enten gefeit.).

In einem Blog-Eintrag deckte er seinen Schwindel schließlich auf und stellte jene Medien, die darauf hereingefallen waren, bloß. Während sich die meisten Journalisten "sehr professionell" verhielten, sah er sich gezwungen einen der Journalisten namentlich zu nennen, weil dieser angeblich besonders aggressiv auf die Falschmeldung reagierte. Dem gewitzten Urheber dieser Zeitungsente zufolge wäre damit eines bewiesen: Anonymen Quellen ist nicht zu trauen und Journalisten, die anonyme Quellen zitieren, seien ihrer Jobbezeichnung nicht würdig.

Ist das so?

Nun, so richtig diese These erscheinen mag, so falsch wäre sie. Denn, dass sich Quellen (Insider) in Zeitungsberichten "anonym" äußern können, ist eine absolute Voraussetzung unserer Medien- und Meinungsfreiheit. Wären Menschen nicht in der Lage, ihre Identität zu schützen, wäre investigativer Journalismus oft gar nicht möglich. Der Vorfall zeigt gewiss, dass Medien noch genauer bei der Hinterfragung ihrer Informationsquellen vorgehen müssen. In der Regel jedoch geschieht das auch. Und es wäre fatal zu glauben, dass als "anonym" gezeichnete Quellen den jeweiligen Journalisten nicht bekannt sind. Im Gegenteil: Selbst einem international gesehen relativ kleinem Medium wie derStandard.at werden regelmäßig Informationen zugesteckt - und oftmals nicht von Personen, die einem unbekannt sind, sondern man nur allzu gut kennt. Herr oder Frau Falschmelder hat absolut Recht, wenn es darum geht, dass man seine Quellen kennen sollte. Nur aufgrund der einen oder anderen Falschmeldung pauschal zu verurteilen, schießt übers Ziel hinaus.

Kann man Gerüchten trauen?

Klar, würde man alles als Nachricht verkaufen, was im Internet zu lesen ist, hätte die nächste Xbox nicht nur ein passendes Tablet, sondern auch einen Projektor für Hologramme. Aber wie langweilig wäre nicht nur die Zeitungswelt, sondern unser gesamtes kommunikatives Leben, wenn man immer nur offizielle Pressemitteilungen berücksichtigen würde. Der Mensch tickt nicht so. Und das ist auch der Grund, weshalb Informationen durchsickern und große Geheimnisse vorab ans Tageslicht gelangen. Wo es ein großes Interesse gibt, wird auch getuschelt. Und anstatt dieses Getuschel zu ersticken, sehe ich die Aufgabe der Journalisten darin, diesen Gerüchten nachzugehen, sie zu filtern, zu bewerten und zu berichten. Vielleicht ist ab und an eine Falschmeldung dabei, aber würde man per se nicht über inoffizielle Informationen schreiben, entgingen den Lesern vermutlich die mitunter spannendsten Geschichten.

Selbstreguliert

Wichtig sind meiner Meinung nach aber zwei Dinge: Erstens, dass sich Autoren wie Leser darüber im Klaren sind, dass Gerüchte keine bestätigten Fakten sind, aber dennoch richtig sein können. Und zweitens, dass man als Journalist und Leser nicht aufhört, Meldungen zu hinterfragen. Ich hatte bisher allerdings das Gefühl, dass sich das Verhältnis "Neugier vs. Zweifel" gerade im Internet immer ganz gut selbst reguliert. Vielleicht haben manche auch einfach noch nicht realisiert, das Medien etwas Lebendiges und Nachrichten etwas Flüchtiges sind. Gerüchte, Meinungen, Fakten - die Zeit, in der Dinge in Stein gemeißelt wurden, ist vorbei. Auch offizielle Aussagen und Unternehmensberichte können schon morgen nicht mehr stimmen. Und wer sich von der Fülle an News und Berichten gequält fühlt, sollte Folgendes nicht vergessen: Wir haben die Freiheit zu entscheiden, welche Nachrichten wir lesen. (Zsolt Wilhlem, derStandard.at, 26.1.2013)

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"Eine neue Zeitungsente wirft die Frage auf, ob man über Gerüchte berichten sollte."

Das sollte nicht von einer Zeitungsente abhängen.
Die Grundlagen des Journalismus sind mit dem Online-Zeitalter längst begraben worden.

Würde man die befolgen, gäbe es keinen Raum für Zeitungsenten.

Dem gewitzten Urheber dieser Zeitungsente zufolge wäre damit eines bewiesen: Anonymen Quellen ist nicht zu trauen und Journalisten, die anonyme Quellen zitieren, seien ihrer Jobbezeichnung nicht würdig.

Hat er schön umschrieben. Er wollte wohl darauf aufmerksam machen, wie stark schon der Bild-Journalismus in der Welt um sich gegriffen hat!

Seriöse Berichterstattung statt Heisser-Luft-Propaganda!

Und sowas passiert wieder nach dem 2. WK!!

wär aber

ein schönes design...

Ähnlich wie Doritogate, stellt es bloß einmal wieder den Spielejournalismus bloß. Nicht "die Medien"!

Das ist schon ein bisserl ein Unterschied.

Nein?

Dutzende angebliche Hardwareprototypen bei Apple die angeblich bald kommen werden schaffen es jedes Jahr in alle mögliche Medien, auch in den Standard. Den Apple-Fernseher hätten wir demnach schon 3 mal gehabt. Hat wenig mit Spielejournalismus zu tun, sondern mit Journalismus im generellen (und ist auch nichts neues - der Amerikanisch-Spanische Krieg ist nur durch Zeitungen und deren Agitation überhaupt zustande gekommen).

Ich habe hier dier neue XBOX, die neue PS4 und das neue iPhone rumliegen. Leider ist aber meine Kamera gerade kaputt. Gegen Zahlung von 100€ für eine brauchbare Kamera schicke ich umgehend Fotos der Produkte...

unglaubwürdig...

um 100€ gibts keine brauchbare kamera - wir wollen schließlich was hochauflösendes und nicht wieder mr. blurrycam =D

sorry, aber die ueberweisung nach nigeria ist mir zu teuer!

"Der GameStandard hat die Meldung nicht gebracht"

Na klar, die Spiele News die hier veröffentlicht werden kann man ja nicht wirklich zu "top-aktuell" zählen. Da kann es schon passieren das ein Gerücht revidiert wird bevor es hier überhaupt veröffentlicht wird! ;)

so falsch war die meldung übrigens gar nicht

Also entweder hatte der Mensch tatsächlich Zugang zu MS Plänen für die nächste Xbox, oder er hat gut geraten.

Was ist daran neu?

Falschmeldungen gibt's schon seit dem ersten Tag der Presse.

Der wird sich dann ganz schön blöd vorkommen, wenn dann tatsächlich sowas wie ein "X-Surface" rauskommt.
;-)

Hätte er sich nur den Namen gesichert... :D

uebersetzung

besonders einfach sind identitaeten zu schuetzen die den von den journalisten gewuenschten entsprechen, was der hersteller festlegt.

Du hast meistens hier entweder ungekennzeichnete Gerüchte im Indikativ oder fiskal motivierte Presseaussendungskopien.

Alle Ewigkeiten einmal gibt es einen mutigen Artikel (wie der warum Spielen am PC heute nicht mehr tragbar ist und warum Steam und Origin ihren grossen Anteil daran haben, dass PCs heute als Spieleplattform erledigt sind). Und dann hast sofort wieder ein DRM City-Gewinnspiel (obwohl DRM City Kundengängelung der schlimmsten Sorte ist) und einen Bericht über The Cave bei dem wie selbstverständlich angefügt wird, dass es das Spiel am PC und Mac nur in Form eines Zwangsabos gibt.

Der Wilhelm scheint einige gute Ansätze als Spieleredakteur zu haben. Wenn er nur mal Rückgrat gegenüber fiskalen Druck zeigen würde.

"Gerüchte, Meinungen, Fakten - die Zeit, in der Dinge in Stein gemeißelt wurden, ist vorbei. Auch offizielle Aussagen und Unternehmensberichte können schon morgen nicht mehr stimmen"

Das ist so komplett falsch. Fakten sind Fakten und Gerüchte sind Gerüchte.

Und ja, ihr tragt da Hauptschuld. Denn ihr berichtet über Gerüchte (wohlgemerkt reine Gerüchte! Wären sie offiziell bestätigt, wären es ja Fakten) so gut wie immer im Indikativ.

Und das ist eine Riesens**erei gegenüber allen Lesern.

Also ja, ihr seid deshalb sowas von Mitschuld. Und nein, Gerüchte und Fakten waren nie dasselbe und werden es nie sein. Und wenn das ein Spielredakteur meint, tut er mir einfach nur leid.

Die Frage ist nicht OB man berichtet sondern WIE. Man kann auch ohne seine Quelle zu verraten dem Leser ein Gefühl dafür geben wie zuverlässig die Quelle ist. Und ob es gesichert ist dass jemand Microsoft-Mitarbeiter ist, oder ob die Quelle das nur behauptet hat, das muss man dem Leser als verantwortungsvoller Journalist eben mitteilen.

Mitarbeiter oder nicht sagt gar nichts aus. Das kann ein Mitarbeiter sein, der Teil eines inoffiziellen Kampagne ist. Oder es ist ein Mitarbeiter, der seinem Unternehmen eines auswischen will.

Gerüchte sind und bleiben Gerüchte und haben in einer Zeitung rein gar nichts verloren. Weisst worauf dieses Blatt mal so stolz war :) : Auf die saubere Trennung von Fakten und Kommentaren. Und heute berichten sie zum Großteil über Meinungen als wären es Fakten. Das ist noch schlimmer als Boulevard.

Sollen sie einen klar gekennzeichneten Gerüchteteil einführen (so wie den Kommentarteil im Print). Da könnens dann Märchen aka Gerüchte veröffentlichen bis sich die Balken biegen :) .

Oh the irony

ich muss schon sagen... ich könnts wahrscheinlich nicht besser. aber professionell sieht das rendering nicht aus. jemand, der sich viel mit neuen gadgets etc beschäftigt, sollte da zumindest skeptisch werden...

Immer dieses Gebrabbel wegen "Das ist ja photoshopt" oder "'Das ist ja schlampig gerendert!". Das sagt gar nichts aus. Weder das es ein Gerücht ist, noch das es keines ist. Auch Firmen haben einfache interne previews. Und die schauen genauso aus.

Wichtig ist einzig und alleine Gerüchte auch als solche darzustellen. Und da versagen alle durch die Bank. Die Red hier macht da alles andere als eine Ausnahme (mir ist kein anderes Onlineblatt bekannt, dass dermassen viele Märchen aka Gerüchte in Artikel als Indikativ hinstellt. Egal in welchen Teil der site hier).

nein, die sehen nicht so aus. denn bei diesem rendering hat offensichtlich jemand, der nicht besonders viel vom 3D-modelling und schon garnicht viel von industrial design versteht, einfach IRGENDWAS gemacht.

Dann schau dir mal interne Studien an :) . Glaubst da wird lange rumgedoktert? Da geht es darum, dass ein von Rendering ahnungsloser Vorstand irgendwas sieht.

Stimmt - mindestens die Schachtel hat was von Toy Story I.

Ja! Das Rendering ist am Stand von vor 10 Jahren mit lieblos gewaehlten Shadern (Materialien) und langweilig gesetztem Licht.

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