Online-Modehandel: Zalando will mit aller Macht Marktführer werden

Zalandos Geschäft boomte 2012, Gewinne schreibt der Online-Versandhändler aber noch nicht

Extra Stress im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft? "Bei uns war es das ganze Jahr wie Weihnachten", sagt eine Zalando-Angestellte. Das Geschäft des Berliner Internet-Modehändlers boomte 2012. In sieben neue Länder expandierte die Firma. Der Umsatz stieg rasant, viele Menschen wurden eingestellt. Aber am Gewinn mangelt es.

Eine Milliarde Euro Umsatz

Der Zalando-Umsatz in diesem Jahr soll laut Geschäftsführer Rubin Ritter bei etwa einer Milliarde Euro liegen - das wäre eine Verdopplung gegenüber 2011. Und im Vorjahr 2010 waren es für das erfolgreichste deutsche Start-up noch 150 Millionen Euro Umsatz - bei 20 Millionen Euro Verlust. Der Verlust für 2011 soll in den kommenden Wochen verraten werden. Die rote Zahl dürfte noch höher liegen.

Der erwartete Verlust hängt unter anderem auch von der sogenannten Rücklaufquote ab. Damit sind die Schuhe, Kleider oder Hosen gemeint, die von den Kunden zurückgesandt werden. Zalando verspricht wie andere Internet-Verkäufer kostenlosen Versand und kostenlose Zurücknahme der Ware. Das verlockt nicht nur zum gezielten Kauf. Beliebt ist auch Lust-Shoppen. Bestellen, Auspacken, Anprobieren, ein- oder zweimal Tragen - und zurückschicken. Und alles umsonst.

Wie hoch die Rücklaufquote bei Zalando genau ist, sagt das Unternehmen nicht. Sprecherin Kristin Dolgner weist aber Gerüchte zurück, wonach Zalando über dem Durchschnitt liegt: "70 bis 80 Prozent sind jenseits der Realität. Der Rücklauf liegt im Branchenschnitt."

Marktführer

Trotz der roten Zahlen expandiert das 2008 gegründete Unternehmen, um mit aller Macht Marktführer zu werden und die Gewinnzone zu erreichen. 2012 eröffnete die Firma nahe Erfurt den ersten Komplex seines bisher größten Versandzentrums. 1000 Lagerarbeiter verpacken und verschicken dort Kleidung. 2013 wird eine zweite Versandzentrale in Mönchengladbach für ähnlich viele Angestellte gebaut. Zalando verschickt inzwischen in 14 Länder, doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Der Hamburger Versandhändler Otto, seit Jahrzehnten etablierter Platzhirsch auf dem deutschen Markt, beobachtet das Treiben der Berliner sehr genau. Vom Umsatz her ist Otto immer noch mehr als doppelt so groß. Aber die Marketing-Offensive von Zalando hat einige Unruhe verursacht.

"Otto bleibt ein Universalversender, wird aber sehr viel spitzer auf Mode positioniert"

Im nächsten Jahr will der Marktführer gegenhalten und mit einer neuen Werbekampagne gegenhalten. "Otto bleibt ein Universalversender, wird aber sehr viel spitzer auf Mode positioniert", sagt Konzernsprecher Thomas Voigt.

Zalando, das unter anderem den Investoren Marc, Alexander und Oliver Samwer (Alando, Jamba), Holtzbrinck und der US-Bank JP Morgan gehört, spiegelt den Wandel beim Einkaufen schon jetzt wie kaum ein Konkurrent wider.

Buchhandlungen und Schuhgeschäfte schließen angesichts teurer Innenstadtmieten und der Abwanderung von Umsätzen in den Versandhandel, der durch das Internet erst wieder richtig attraktiv wurde. 27 Milliarden Euro Umsatz erzielt der Versandhandel, ein Zuwachs von 26 Prozent im Vergleich zu 2011. Der Anteil am gesamten Einzelhandel liegt bei neun Prozent. Der Trend geht nach oben.

Einkaufserlebnis

Klassische Geschäfte setzen dagegen auf soziale Kontakte und das Einkaufserlebnis. Viele Menschen wollen weiter vor dem Kauf herumwühlen und anprobieren. Aber auch da hat Zalando vorgesorgt. In Berlin-Kreuzberg findet man den sogenannten Outlet Store. Hier reiht sich Schuhregal an Schuhregal. Und billiger als im Internet ist es auch.(APA, 01.01.2013)

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Zalando

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Rücklauf "Gerüchte"?

Wobei die Quellen dieser Gerüchte mitunter Instanzen und Dienstleister sind die eigentlich ein ganz gutes Bild vom Volumen hätten.

die letzte Doku über Zarlando die im dt. FS gelaufen ist war ernüchternd. Aber es scheint ein Problem unserer Zeit zu sein - früher war es in Firmen üblich zuerst Gewinne zu schreiben und anschließend zu wachsen. Heute scheint es vorerst oft egal zu sein ob man verdient oder nicht - hauptsache man wächst. Kein Wunder dass die Wirtschaft an allen Ecken kränkelt. Manager denken im besten Falle bis zum Ende des Datums das im eigenen Vertrag angedruckt ist und nicht nachhaltig. Hab das letzte Mal einen Bericht über Miele gesehen - dort sagt man, dass ein Prozent mehr oder weniger Markanteil nicht so wichtig ist, wichtig ist, dass das Unternehmen auch in der nächsten Genration noch die Familie und die Mitarbeiter ernähren kann.

Zalando macht eigentlich nichts anderes als andere zuvor. Viel Lärm um "nichts", mit "lustiger" Werbung auffallen, und dadurch den Mitbewerb aufschrecken. Dabei ist Zalando wirklich vor allem eins: Laut. Und kann nichts besser als andere Versandhändler.

Media Markt resp. Saturn haben vorgemacht, wie das funktioniert. Auf der Strecke bleibt letztlich alles: Qualität der Bedienung, Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit, und vieles mehr.

Was aber vielen Käufern nicht aufzufallen scheint: Die "Lautesten" sind oft alles andere als preiswerte Anbieter.

Man merke sich: Wer viel TV-, Radio und andere Werbung macht, holt sich das Geld über höhere Preise hinein. Von wegen "bessere Einkaufspreise", die "weitergegeben" werden.

Den Preis eines derartigen Geschäftsmodells ...

... müssen andere zahlen.

http://www.youtube.com/watch?v=grc1o8wgTJ4

Ein ZDF-Artikel auf Krone-Niveau

@Joe Avridge, arbeiten Sie bei einem dieser Online Versandhäuser? In Deutschland sogar vielleicht?

Nein. Mir ist Zalando unsympathisch und ich würde dort nichts einkaufen. Ich habe mir den 28 Min. langen Beitrag auf Youtube angeschaut und konnte nichts erkennen, was das ganze Getue mit versteckter Kamera etc. rechtfertigen würde.

Ja, klar ist Zalando eher auf der harten Tour unterwegs. Aber aus einem Klo in der Mitte der Halle so ein Aufhebens zu machen, erscheint mir reichlich übertrieben.

Ganz tief ist jedoch, den Anteil an Mitarbeitern aus dem EU-Land Polen als verwerflich darzustellen und das Filmen der Autos mit unkenntlich gemachten Kennzeichen als »Enthüllung« verkaufen zu wollen. DAS ist Krone-Niveau.

Zalando zahlt Niedriglöhne – no na ned. Die polnischen Mitarbeiter sind zufrieden.

Viel Aufregung um nichts also.

Liefern sie uns doch ein paar intelektuelle ausführungen um das ganze besser aussehen zu lassen.

Schauen Sie sich den Beitrag an und dann unterhalten wir uns.

Ich verstehs nicht

ist es shcon oft extrem aufwändig in einem geschäft passende Kleidung zu finden, sich dann noch den Aufwand mit dem Packerl schicken bei nichtpasseden Größen zu machen .... und dann die ganze Kartiongeschichte (landet alles im Papiercontainer...)

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