Karlsplatz - "der logische Ort" fürs Wien Museum

Thomas Trenkler
30. Dezember 2012, 18:24
  • Eine nicht realisierbare Vision: Studie für eine Erweiterung des Wien Museums am Karlsplatz vom Team Henke Schreieck.
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    foto: visualisierung: henke schreieck

    Eine nicht realisierbare Vision: Studie für eine Erweiterung des Wien Museums am Karlsplatz vom Team Henke Schreieck.

Die Enquete "Wien Museum Neu" brachte ein eindeutiges Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der echten Fachleute sprachen sich für den Karlsplatz aus. Dennoch zögert der Kulturstadtrat

Wien - Am 16. Oktober fand im Architekturzentrum eine von der Stadt Wien organisierte Enquete statt. An die 40 Personen, darunter Architekten, Stadtplaner und Museumsberater, taten ihre Meinung zu den beiden möglichen Standorten für das unter eklatanter Platznot leidende Wien Museum kund. Soll es am Karlsplatz bleiben und einen (wie auch immer gearteten) Zubau erhalten? Oder soll es an den Hauptbahnhof übersiedeln - auf ein von Bürotürmen umzingeltes Grundstück der Ersten Bank?

Wolfgang Kos, der Direktor des Wien Museums, fühlte sich durch die Enquete bestätigt: Zwei Drittel hätten sich für den Karlsplatz ausgesprochen. Doch die Dokumentation jenes 16. Oktober blieb unter Verschluss. Der Standard erhielt nun die Möglichkeit, sie einzusehen. Was sofort auffällt: Eingeladen wurden nicht nur unabhängige Fachleute, sondern auch involvierte Personen - und mit Wolfgang Rosam ein einflussreicher Lobbyist. Er forderte "Andreas" und "Maria", also SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, auf, "Mut" zu zeigen und ein "Bekenntnis" zum neuen Stadtteil abzulegen.

Wenig verwunderlich plädierten nicht nur Architekt Albert Wimmer, der den Masterplan mitentwickelte, und Christoph Gollner, zuständig für Stadterneuerung in Favoriten, für den Hauptbahnhof. Agnes Husslein, Direktorin des Belvedere, sprach von einer "Jahrhundertchance": Zusammen mit dem 21er-Haus und dem Wien Museum könnte ein zweites MQ, ein "Quartier Belvedere", entstehen. Stadtbaudirektorin Brigitte Jilka ergänzte: "Das Wien Museum thematisiert gesellschaftliche, kulturelle, urbane Veränderungen, und es gibt keinen besseren Ort in Wien, der das widerspiegelt, als die Gegend des Quartier Belvedere."

Einige, darunter die Architekten Rüdiger Lainer, Wolf D. Prix und Andras Palffy, äußerten sich "ambivalent". Dietmar Steiner, Chef des Architekturzentrums, übte Kritik: "Ich halte das hier nicht für eine Fach-Enquete, denn was wir an Informationen bekommen haben, war eher auf einem touristischen Niveau." Architektonische Hoffnungen habe er für keinen der beiden Standorte.

Die meisten aber sprachen sich mehr oder weniger "eindeutig für den Standort Karlsplatz" aus, darunter der deutsche Stadtplaner Tom Sieverts, der Architekt Christoph Luchsinger (Professor für Städtebau an der TU Wien) und sein Kollege Rudolf Scheuvens (Professor für örtliche Raumplanung): Einen besseren Ort als jenen, an dem die "Verwerfungslinien aus der Geschichte dieser Stadt zusammentreffen", könnte man kaum finden - noch dazu an der Wien, wie die Architektin Maria Auböck ergänzte. Zum Karlsplatz bekannten sich auch der Wiener Raumplaner Kurt Puchinger, der in Berlin lebende Architekt Günter Zamp-Kelp, Friedrich Dahm (Bundesdenkmalamt) sowie die Soziologen Jens Dangschat und Kenan Güngör.

Für Max Hollein, Museumsdirektor in Frankfurt, ist der Karlsplatz "der logische Ort". Selbst Franz Kobermaier von der Magistratsabteilung 19 (Architektur und Stadtgestaltung) sieht "die Vorteile mehr beim Karlsplatz". Die Architektin Martha Schreieck, die sich mit beiden Orten beschäftigt hatte, meinte, dass jener beim Bahnhof "äußerst kritisch zu sehen" sei: Das ganze Areal müsse neu gedacht, ein Brückenschlag nach Favoriten geschaffen werden. Simone Raskob, Kulturdezernentin in Essen, macht sich um die Stadtentwicklung am Bahnhof keine Sorgen: "Die funktioniert auch ohne Museum." Und der Museumsberater Dieter Bogner warnte die Politiker: "Am Bahnhof planen Sie einen Misserfolg!" Für Museen gäbe es die Regel, dass sie zum Publikum gehen müssten - und nicht umgekehrt. "Der Erfolg des MQ hat das gezeigt."

Mailath-Pokorny war über die vielen Plädoyers pro Karlsplatz doch ein wenig verwundert, hielt aber an der "einmaligen Chance" Bahnhof fest.   (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 31.12.2012/1.1.2013)

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http://www.nextroom.at/actor.php?id=3696

Auf "Gartenarchitekt" reagieren die wahren Städtebauer des 21. Jhdts ürbrigens schon lange nur mehr lächelnd entspannt ;)

Jaja, die Maria ...

nett,

wenn's so persönlich wird...echt konstruktiv.

Fakten !

"Am Bahnhof planen Sie einen Misserfolg!"

na, dann wird's ja wohl der bahnhof werden.

Gebt's doch zu, daß es nur darum geht der Erste Bank Geld in den Allerwertesten zu schieben, rote Bagage.

Vermutlich ist eine politische und keine sinnvolle Lösung angedacht. Das ist vom Ergebnis her egal, solange die sinnvolle Lösung auch die politisch gewollte ist.

In Fällen wie diesem, wo die Interessen auseinandergehn, wirds eben offenbar - und es wird auch publik, glücklicherweise.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es z.B. einiges Interesse daran gibt, das Wien Museum irgendwo hineinzupflastern, am besten im Rahmen eines Megaprojekts - "Freunde" bekommen Aufträge, einige Erfordernisse sind billiger zu lösen, und wen interessiert schon ein Museum.

Zugleich ist der Örtlichkeit am Karlsplatz sicher sündteuer zu vermarkten, wenn das Musuem verschwindet. Ergo...

Die Formulierung ist exzellent: "eine politische und keine sinnvolle Lösung". Das findet man in sehr vielen Bereichen in unserem Land.

ganz recht

und die großmutter verkaufen wir auch noch dazu.

am besten wird das museum

wohl am karlsplatz funktionieren wenn man an besucherzahlen denkt. sicher mag es interessen geben das an den bahnhof zu verlegen, das ist aber nur eine verlegenheitslösung, irgendwelche politischen oder baufirmen-interessen mögen das rechtfertigen. der "logische platz" ist der karlsplatz (auch wenn die plätze" in wien diesen namen nicht verdienen weil sie nur transitorte für autoverkehr sind) ein wien museum wird sicher andernots schlechter besucht und wahrgenommen werden.

besser, als das haus am karlsplatz mit einem weiteren zubau zu verschandeln, wäre, eine dependance zu schaffen.

das kann von mir aus im quartier belvedere oder auch auf der platte sein.

oder, am passendsten, auf hausbooten im überplatteten wienfluß mit unterirdischem zugang durchs kanalsystem...
für den olfaktorisch korrekten eindruck.

unsinn - ein museumsbesuch soll ja kein wandertag sein!

wobei es eher nicht sinnvoll ist museen auf mehrere standorte aufzuteilen.

gerade das wien museum hat ja schon mehrere dependancen.

aha, na gut. das wußte ich garnicht :)

http://www.wienmuseum.at/de/stando... seums.html

streng genommen heißt das, worüber wir hier dauernd sprechen, ja eigentlich "wien museum karlsplatz"

Das Haus muss ohnhin gemeinsam mit dem Winterthur-Haus nebenan abgerissen werden !

.
Aber selbst Otto Wagner ist an dieser Aufgabe gescheitert ("Der Karlsplatz ist kein Platz, sondern eine Gegend.").

Und Roland Rainer im Rahmen seiner Dissertation sowieso !

http://permalink.obvsg.at/AC00324433

Die jetzige Nähe zum Belvedere, zur Albertina und zur Innenstadt sollte nicht vergessen werden.

Gasometer

Wieso nicht gleich in das ehemalige Lieblingsprojekt der amtierenden Stadtregierung in den Gasometer. Das Super-Projekt wurde uns doch jahrelang angepriesen! Oder nach TownTown, oder in die Seestadt Aspern! Alles Super-Tolle-Stadterneuerungsgebiete, die uns als grossartige Jahrhundertchancen verkauft wurden.

ja, seestadt hört sich gut an:

direkt neben die parmamentscontainer...

ich würd auch das rathaus und alle magistratsabteilungen da raus bringen:

nur so kann diese pampa aufgewertet werden: für die rathäusler bleibt eh vieles gleich: sogar die ubahn-linie.

und innerstädtisch werden exklusivste bauplätzle frei...
herr benko, wollens nicht mal mit den stadtgranden abendessen gehen (oder wo man halt derartige deals macht)???

konsequenterweise müsste man eigentlich den gasometer ins wienmuseum stellen.

dann wirds natürlich am karlsplatz wirklich zu klein.

wer das wienmuseum schon einmal besucht hat, weiss, dass der standort stimmt.
museen in neubaugegenden - da gabs ja schon mal so eine spitzen idee: guggenheim auf der donauplatte - war auch eine luftnummer.
dass husslein dafür ist, ist verständlich: von besucherrekorden im 21er haus hört man nichts, da brächte das wienmuseum natürlich die erhoffte frequenz in die gegend.
am karlsplatz aufstocken oder dort klein bleiben, am hauptbahnhof wird das wienmuseum zum rohrkrepierer.

Guggenheim auf der donauplatte wäre MEGA gewesen.

guggenheim im salzburger mönchsberg wäre GIGA gewesen.

ich wäre für terra- oder peta-vorschläge! ;)

Die abgebildete Variante finde ich grottenhässlich.

Wundert Sie das bei den Architekt/inn/en ?

Hässlich nicht, aber sie lebt davon Leichtigkeit zu suggerieren wo sie nicht annähernd da sein kann. Siehe Deckenstärken, Stützendimensionen. Am Ende wärs wohl um einiges weniger chic.

ich glaube nicht, dass das statisch ein problem ist.

ist ja nicht viel dran: eine etage aus glas, der boden eine verbundkonstruktion, das dach kann noch leichter sein.

das ist auch keine variante, sondern nur eine studie -
quasi ein geschoss drauf und a bisserl auskragen, zwecks signalwirkung (wobei die hier einigermassen plump rüberkommt).
es wird so gewesen sein: ein stadtrat hat bei den architekten angerufen "geh machts ma da irgendwas, irgend a schaubüdl mit eiam namen drunter. ich brauch des frs marketing, kriagts dafür an auftrag ..."

was/wer steckt hinter dieser debatte? scheinbar sind alle persönlichkeiten mit kulturellen interessen für den karlsplatz, alle mit ökonomischen interessen für den neuen hauptbahnhof.
und was macht eigentlich ein lobbyist in dieser runde???

Diese Gebäude, Museum und Winterthur, passen dorthin wie "die Faust aufs Auge".

Könnte man für dort nicht die Pläne von Otto Wagner hervorholen und sowas bauen?

Übrigens: Alle Jahre wieder?:

Die falschen Töne der "Signalarchitektur"
6. September 2009:

http://derstandard.at/125203671... rchitektur

oder vielleicht finden wir in irgendeiner schublade noch pläne für ein nettes biedermeier-schlössl? das wäre sowas von nett dort!
hallo, wir schreiben 2013 ab morgen! aufwachen!!!

der kasten, den der wagner dorthin entworfen hat, ist jetzt aber auch kein qualitätsschub ...
... ausserdem ist der 100 jahre alt. die gegend hat sich dch ein bisschen verändert seither.
man könnte auch mal rem koolhaas einladen ...

Sie sprechen mir aus der Seele. Museum und Winterthur gehörten abgerissen! Die verschandeln den ganzen Karlsplatz.

die pläne wagners sind toll, keine frage.

aber es wäre doch etwas eigenartig im 21. jahrhundert die pläne eines MODERNEN architekten, des 19. jahrhunderts hervorzukramen, der zeit seines lebens immer wegen seiner modernität und der abkehr von der damaligen architektur angefeindet wurde.

Karlsplatz - was sonst?

Das Erzwingen des neuen Standorts wäre ein unlauterer Versuch mehr, Menschen in tote Winkel der Stadt zu bringen, um dort dann eine Sekundärstruktur von Geschäften, Cafes etc. am Leben zu erhalten. Guter Versuch aber zu durchsichtig. Ah ja, der Baugrund am Karlsplatz ließe die Stadtkasse ganz ordentlich klingeln, wenn ich mich nicht irre und das ist bestimmt eine Überlegung wert, oder? Nein, liebe Leute, nein! Die Kirche auf dem Kahlenberg würde auch nicht besser auf die Simmeringer Haide passen, Stadtkultur und -geschichte ist ein zentraler Anspruch und soll auch zentral zu finden sein, nicht am Blinddarmfortsatz.

Altwien nach Neuwien

Da das Museum Wien kaum mehr als Altwien (das Wien von St. Stephan bis zur Zinshauskultur) auszustellen hat, gehört es logischerweise nach Neuwien, also in die weite Welt jenseits des Gürtels.
Altwien ist schon ein einziges Museum; es braucht heute keine kulturelle Selbstbespiegelung mehr. Die Logiken der Kuratoren, des Tourismus und der Bauindustrie sollten der Politik Blunzn sein.

altwien wurde spätestens in der gründerzeit großteils demoliert.

Noch nie dortgewesen?

Ich weiß schon,

das Ding ist ein Juwel der Baukunst der 50er. Aber ich finde es einfach hässlich.

Ebenso wie damals das SteyrHaus am Schwarzenbergplatz. Eklig.

Geschmack lässt sich bilden!

Bitte lösen sie sich von ihren Vorurteilen über Ästhetik. Wenn sie sich mit dem Gebäude auseinandersetzen, werdende es lieben lernen.

Danke für den Hinweis. Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht? Vielleicht kann ein Mensch wie ich, der es einfach ästhetischer findet, wenn ein Haus nicht nur eine Schuhschachtel mit verglasten Löchern ist, auch einfach nicht lassen und trauert der Zeit nach, als Architektur noch schön sein durfte. Einfach dem Auge gefällig und nicht ein Gegenstand, den man sich "durch die Auseinandersetzung mit der Stadtsoziologie und die Konfrontation der Alten und der Neuen bla bla bla". Schauen Sie sich die Architektur der letzten Jahrzehnte an. Das ist alles gleich. Mit ganz wenigen Ausnahmen (Hadid, Himmelblau,...). Le Corbusier entwickelte in den 30ern eine Ästhetik und Formensprache, die bis heute gebaut wird.

genau das wird heute nicht gebaut.

Es geht auch erstmal nur um den Standort. Wenn Wien Mut hätte (und ein bissl Geld), würden sie am Karlsplatz ein neues Gebäude hinstellen.

der standard ist ja nicht

unbedingt die speerspitze des investigativen journalismus.
und wenn ich lese, dass rosam involviert ist, schlagen die alarmglocken an.
es ist anzunehmen, dass sein(e) auftraggeber irgendwo im verzweigten firmenbereich der "qb" investoren (erste group bank ag, porr solutions, simmo ag, strauss&partner, seeste etc.) zu suchen sind.
so ähneln sich die hpes der simmoag.at, quartier-belvedere.at und der wien.at u.a. sehr.
obwohl die vorstellungen doch differieren.
stadtbaudirektorin brigitte jilka hat am 27.5.2011 schon die pläne in einem video präsentiert.
zwischen gürtel, schweizer garten und dem hauptbahnhof soll wien welt werden.
wenn man dann in 10 jahren hoffentlich nicht nach dem weltuntergang sehnsucht verspürt.

@bula sagt

für Ihren letzten satz würde ich Ihnen gerne noch mal grün geben!

bitte, danke! genau solche informationen hätte ich mir eigentlich im artikel gewünscht.
doch gut, dass es postings gibt.

die lage wäre ja prinzipiell nicht so schlimm weil das gelände in einem neubaugebiet am neuen hbf liegt.

das grundsätzliche problem ist, dass es ziemlich stupide ist zwischen bürohochhäuser ein kleines niedriges wien-museum zu bauen, und das alles am rande der städtischen bebauung.

Noch stupider ist es allerdings, mit solchen architektonischen Bereicherungen die Innenstadt noch weiter zu verschandeln.

wo lesen sie in meinem posting etwas von architektonischen verschandelungen?

Posting 26 bis 75 von 94
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