Was ist mit dem Neid?

Peter Truschner
30. Dezember 2012, 18:25
  • Baumgartners Erfolg ist nicht zuletzt deshalb so umfassend, weil er 
stratosphärische Dimensionen hat, dem eigenen Alltag also völlig enthoben 
scheint und daher bedenkenlos konsumiert werden kann ...
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    Baumgartners Erfolg ist nicht zuletzt deshalb so umfassend, weil er stratosphärische Dimensionen hat, dem eigenen Alltag also völlig enthoben scheint und daher bedenkenlos konsumiert werden kann ...

  • Peter Truschner: "Dieser das Spiel der freien Kräfte verunmöglichende gesellschaftliche Überbau 
wird detailgetreu in den Binnenmilieus von Gemeinden, Firmen und nicht zuletzt 
Familien reproduziert."
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    Peter Truschner: "Dieser das Spiel der freien Kräfte verunmöglichende gesellschaftliche Überbau wird detailgetreu in den Binnenmilieus von Gemeinden, Firmen und nicht zuletzt Familien reproduziert."

Wie groß ist unsere Genugtuung, wenn einer, der es probiert hat, es doch nicht schafft? - Und aus der Sphäre der gelebten Träume auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird

Wir erinnern uns. Die Infrarotaufnahme zeigt einen Punkt, der an eine Mikrobe denken lässt, die sich in der Finsternis eines Verdauungssystems ungewöhnlich schnell fortbewegt: Felix Baumgartner ist gerade aus seiner Kapsel gesprungen und fällt in die Tiefe.

Wird er den Rekord im freien Fall ohne Fallschirm brechen oder ihn vielleicht respektvoll seinem Vorgänger Kittinger überlassen, der ihm dabei geholfen hat, so weit zu kommen? Plötzlich zeigt der Bildschirm einen sich drehenden, taumelnden Stratonauten. Baumgartner wird später davon sprechen, dass er kurz davor war, das Bewusstsein zu verlieren. Die Sache geht jedoch für alle bekanntermaßen gut aus: für Baumgartner, für die Zuseher und nicht zuletzt für Dietrich Mateschitz und seine österreichische Weltmarke Red Bull.

Interessant daran aus österreichischer Sicht war nicht nur die Veranstaltung selbst, sondern waren auch die unzähligen Kommentare der Internet-Community, die sich im Anschluss an die Beiträge der Onlineausgaben österreichischer Medien befanden. Neben der Entäußerung individueller ("Hab' mir fast in die Hosen gemacht!") als auch kollektivistischer ("Immer wieder Österreich!") Gefühlsanwandlungen gibt es auch Kritik an der Aktion, teilweise sachlich, teilweise ebenso verunglimpfend wie die sofortige Reaktion darauf. Auf beiden Seiten fällt dabei immer eines der Hauptwörter aus der Grammatik des österreichischen Alltagslebens: Neid.

Wobei der Neid in unterschiedlichem Gewand auftritt, unterschiedlichen Motiven entspringt und verschiedene Funktionen erfüllt, die letztlich demselben Boden entwachsen: der österreichischen Neidgemeinschaft, der unfreiwillig auch jene angehören, denen dieses Gefühl fremd ist. Diese Neidgemeinschaft wird zumeist mehr beschrieben als begründet. In unzähligen Texten finden sich illustre Hinweise auf eine mehrheitlich "katholisch geprägte Landbevölkerung" oder eine dem k. u. k. Hofstaat geschuldete "Beamtenmentalität", denen im Kern eine gewisse kulturelle oder historische Relevanz zukommt, die aber nicht erklären können, warum das im Jahr 2012, in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung, immer noch so ist.

Eine Grundvoraussetzung ist der zwar im demokratischen System verankerte, de facto jedoch nicht vorhandene freie Zugang der Bevölkerung zu den politischen und wirtschaftlichen Ressourcen. In Österreich herrscht nur bedingt der freie Wettbewerb der Ideen und Talente, wer wirklich vorankommen möchte, muss sich zwingend in das bestehende System integrieren. Eine Unausweichlichkeit, die ein Österreicher gewissermaßen mit der Muttermilch aufnimmt. Wer es zu etwas bringen will, muss sich mit Vereinen, Innungen, Kammern, Genossenschaften, Behörden, Verbänden, Gewerkschaften, Parteien, Burschenschaften, Clubs und Logen arrangieren, eigentlich: sich dem System, für das sie stehen, unterwerfen und damit dauerhaft seinen Frieden machen.

Obwohl es korporative Zwänge dieser Art natürlich auch im übrigen Europa gibt, dienen sie meist nur als Filter, der den Zugang zu den gesellschaftlichen Ressourcen reguliert. In Österreich sind sie jedoch längst zum Eigentlichen geworden, zur gesellschaftlichen Totalität. Der allgemeine Jammer über die EU-Administration hat daher eine betriebsblinde Komponente, da Brüssel in der Verschränkung von Politik, Lobbyismus und Selbstbereicherung geradezu wie ein Musil'sches " Weltösterreich" wirkt.

Da der Ehrgeiz des Durchschnittsösterreichers im Wissen um diese Gegebenheiten nicht besonders entwickelt ist, er diese Gegebenheiten lieber immer wieder verdrängt, anstatt gegen sie aufzubegehren, erschöpft sich die Vorstellungskraft der meisten im Anhäufen von Besitz und der Verwirklichung einer unterschwellig von Frustration genährten Bequemlichkeit, die sich auch darin äußert, dass man nach oben buckelt und nach unten tritt. Diese Bequemlichkeit ist dem Österreicher heilig, eine Störung derselben - und sei es in Gedanken - absolut unerwünscht.

Vielen fällt es nicht wirklich schwer, zurückzustecken, sich zu bescheiden - nicht zuletzt, weil in Österreich wirklich Karriere zu machen zumeist immer auch bedeutet, dass man es sich auf unbestimmte Zeit in verschiedenen Hintern wie in einem Wohnzimmer gemütlich machen muss, ausgestattet mit einem Rosettenblick auf die Welt sowie einer Enddarmsitzgarnitur. Eine für die durchschnittlich sensible Seele unappetitliche und mit beträchtlichen Mühen verbundene Vorstellung, der nur derjenige gewachsen ist, der sich unermüdlich vor Augen hält, dass sich die Scheiße, in die er greifen muss, für ihn irgendwann einmal in Gold verwandeln wird.

(Oder, wie ein Dozent mir einmal darlegte, nachdem ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität geworden war: "Zuerst müssen Sie ein paar Jahre lang der Institutsarsch sein, und wenn Sie das aushalten, dann dürfen Sie sich auch einen Arsch suchen.")

Dieser destruktive, das Spiel der freien Kräfte verunmöglichende gesellschaftliche Überbau wird detailgetreu in den Binnenmilieus von Gemeinden, Firmen und nicht zuletzt Familien reproduziert. Gemäß dem Freud'schen Diktum vom "Narzissmus der kleinsten Differenz" achtet der, der sich selbst beschränkt, penibel darauf, dass es der Verwandte, der Nachbar, der Kollege gefälligst auch tut. Wehe, der andere nimmt sich eine Freiheit, die man sich selbst nicht gegönnt hat, und verfügt dabei sogar noch über Talent und Willenskraft - dann sind ihm die nur mühsam verborgene Aggression und die Missgunst nicht weniger Mitmenschen sicher.

Wie groß ist da die Genugtuung, wenn einer, der es probiert hat, es schließlich doch nicht schafft! Dass er (wenn möglich schmerzhaft) aus der Sphäre der gelebten Träume auf den zementgrauen Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, wirkt auf nicht wenige Österreicher wie ein kleiner Orgasmus, der sich aus dem Glück am Unglück der anderen speist.

In die Begeisterung über Baumgartners Erfolg ist gewissermaßen schon jetzt die Freude an seinem möglichen, künftigen Misserfolg verwoben. Wenn er einmal ein absurd großes Risiko nimmt oder eine zu große Selbstzufriedenheit an den Tag legt und im Urteil der Leute "abhebt", anstatt "bodenständig" und "einer von uns" geblieben zu sein, dann geht es ihm schnell wie jenen tödlich verunglückten Bergsteigern, denen in den Kommentaren zur Unglücksmeldung ungefragt und roh bescheinigt wird, "selber schuld" zu sein und ohnehin schon immer ein der eigenen Familie gegenüber "verantwortungsloses Leben" geführt zu haben.

Oder Sportlern wie Dinko Jukic, die im Grunde deshalb angefeindet werden, weil sie sich nicht klein machen und ihre Meinung in einer Weise vertreten, die sich nicht darum schert, ob sie der Allgemeinheit genehm ist oder nicht. (Man denke an all die Häme, mit der Marko Arnautovic geradezu übergossen wurde, der im Grunde nur ein simpel gestrickter, großmäuliger Junge ist, dem der allzu frühe Erfolg zu Kopf gestiegen ist.)

Wenn man sich dazu noch die Strukturen und die Besetzungspolitik der einzelnen Gremien von ÖFB und ÖOC bis hin zu irgendwelchen Landesverbänden zu Gemüte führt, wundert es einen nicht mehr, warum die Fußballnationalmannschaft über einen so langen Zeitraum ein derart tristes Dasein führte oder warum es bei einer Sommerolympiade nicht eine einzige Medaille gibt.

(Die Tatsache, dass kein einziger österreichischer Künstler zur diesjährigen Documenta eingeladen wurde, juckt naturgemäß niemanden, schlägt weder medial noch politisch irgendwelche Wellen, weil sich in Österreich ohnehin nur eine lächerlich geringe Anzahl von Menschen für Gegenwartskunst interessiert und sich jeder darin eingerichtet hat, dass die Vermittlung österreichischer Kunst und Kultur vor allem eine Tourismusveranstaltung zwischen Mozart und Klimt zu sein hat.)

Baumgartners Erfolg ist nicht zuletzt deshalb so umfassend, weil er stratosphärische Dimensionen hat, dem eigenen Alltag also völlig enthoben scheint und daher bedenkenlos konsumiert werden kann wie ein Blockbuster aus Hollywood. Ganz anders verhält es sich da bei seinem Förderer, Dietrich Mateschitz. Der einstige Kaffeevertreter hat sich entgegen allen ungeschriebenen österreichischen Gesetzen seine Träume verwirklicht, eine Weltfirma aufgebaut, noch dazu mit einem im Grunde sinnfreien, geradezu verspielten Produkt.

Kein Wunder, dass ihm auf österreichischen Internetportalen einerseits Verehrung, anderseits abgrundtiefer Hass entgegenschlägt. Hat er doch (als alles überstrahlender Repräsentant einer unsichtbaren Verbindung von Sportlern, Biobauern, nachhaltigen Energieunternehmern, Künstlern ... ) etwas geschafft, das - gemessen an den österreichischen Verhältnissen - viele nicht nur für unmöglich, sondern geradezu unstatthaft halten: Im Grunde gehört so was verboten!     (Peter Truschner, Album, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

 

Peter Truschner, geb. 1967 in Klagenfurt, ist österreichischer Schriftsteller und Dramatiker. Er lebt seit 1999 in Berlin. Im Frühjahr 2013 erscheint bei Zsolnay sein neuer Roman "Das fünfunddreißigste Jahr".

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Neben der

Nazi- ist die Neidkeule wohl die beliebteste.

Gut geschrieben.

....ein Gefasel über Neid.....? Man kann schwer bis

zum Ende durchlesen, ein anklagender Text, fast ein Rundumschlag gegen alle und jedes.
Also- ich bin dem Herrn Mateschitz nichts neidig, und dem Felix Baumgartner auch nicht.

Die Einen sehen solch einen "Erfolg" fast schon als Offenbarung, den anderen ist er egal, und wieder andere wundern sich zwar etwas, aber sonst?

Naja, wenn halt ein paar Begriffe wie Enddarmsitzgarnitur, Rosettenblick(?), etc. in einem Text vorkommen, dann ist er halt schon progressiv, modern, alternativ und innovativ, oder?

Und nicht zuletzt- ein, zwei Fäkalausdrücke müssen schon sein, damits richtig griffig wird?!

bist ja nur neidisch weil du nicht so schreiben kannst

wüßte nicht was daran ein erfolg wäre

der baumgartner hat sein leben sinnlos riskiert
und zufällig überlebt
und das wird jetzt gefeiert ?
sind jetzt alle misslunge selbstmordversuche
ein grund zum feiern ?
und btw
was wäre das für ein gejammer gewesen, wenn
er vor aller augen verdampft wäre.....

Der Kalti

erinnert an ein in Baby in Windeln gewandet.Wie da fällt was. Ist keine Eleganz wie bei Turm und -Synkronspringen.Dann gehts knapp am Tod vorbei.Kritik als Neid zu verdammen ist ziemlich totalitär.Ich find Turmspringer einfach geiler und den Sprung des Baumgartner im Vergleich dazu einfach lächerlich .Der Gedanke des Rekords finde ich steinzeitlich und den heutigen Internationalismus in solchen Fragen Naja...

Synchronspringen heisst das, wenn schon.

Und der Neid wegen des Erfolges von B. tröpfelt nur so aus Ihrem Text.

Finde ich nicht. Ist einfach nur seine Meinung. Meine übrigens auch- der Sprung ist den Aufwand nicht wert, geholfen hat er niemandem damit, jeder Arzt ohne Grenzen leistet mehr und schwereres.

Das minus

ist nicht von mir.

Böse aber gut...

leider muss ich im allgemeinen zustimmen... leider...

Enttäuschender Text.

Was zur Feier des Tages:

http://www.youtube.com/watch?v=Jqz1CpBVKHM

Frohes Neues! :-)

Hab's nur bis zur Mitte durchgehalten. Wer braucht dieses Gefasel?

leicht blosgestellt

gefuehlt ?

Dümmliche Schlussfolgerung.

danke

fuer die Bestaetigung

Jetzt empfinde ich keinen Neid

sondern Missgunst, dass solche Leute ein Forum gegeben wird.

Wieder jemand, der sich Gott ähnlich über Menschen stellt und sie beurteilt. Gähhn .... davon gibt es schon sooo viele.

Danke dem Standard für diese hervorragende Kulturglosse, welche gut lesbar (wie selten!) Aspekte des Lebens in Österreicha auf den Punkt bringt, auch wenn der Aufhänger des Statosphärensprungs Baumgartners ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist und

auch das Reizwort "Neid" offensichtlich nur die Aufmerksamkeit wecken soll.

Es geht offenkund vielmehr um die spezifisch österreichische autoritäre bis faschistoide Kultur in Institutionen, Organisationen, der öffentlichen Meinung - und eben auch in der Familie.

was ist mit dem sinn?

wieso sollte der neid als universelles gefühl typisch österreichisch sein? für mich ist es eher die großmannssucht, gepaart mit gleichzeitigen minderwertigkeitskomplexen, die die hiesige mentalität ausmachen. und da passen baumgartner und mateschitz eigentlich gut in die landschaft der öst. idole rein, neben arnie, cordoba und anderen "wödmastern".

es ist doch eigentlich eher ein gutes zeichen, wenn dieses höher-schneller-weiter-alles-ist-möglich-denken auch auf gesundes mißtrauen stößt. es gibt doch ohnehin genug menschen, die immer noch dem schnellen geld und dem erfolg nachlaufen. ich gönne ihnen ihre vorbilder, nur habe ich andere und bin ihnen auch nichts neidig.

Gut gefolgert

und der Poldi Fesch merkt nicht das er ein philosophischer Verlierer ist.Selbst sein Nick liegt auf dieser Schiene.Poldi vertritt RTL und Söhne und meint dies sei progessiv.

eine der klassischen

Selbstluegen typischer Verlierer

eher ein gutes zeichen,

und genau DAS ist das oesterreichische Kleinkarierte, welches der Artikel anprangert. Ich glaube es gibt kein Land auszer Aut, in dem du so problemlos verlieren darfst

was heißt "verlieren", was heißt "erfolg"? und ist gesellschaftliche anerkennung das wichtigste? bei deinen postings seh ich hier eine ziemlich beschränkte sicht der dinge.

einfach mal zum nachdenken: Vincent Van Gogh war ein solcher "loser", verkaufte zu lebzeiten kaum ein bild und mußte von seinem bruder theo durchgefüttert werden.

dafür hat er der welt etwas einzigartiges hinterlassen, während all jene die nach damaliger sicht ein erfolgreiches leben führten, längst vergessen sind.

fein, und

was hat er davon ? Eben

baumgartners "erfolg" ist ein erfolg der marketingabteilung von rb sonst nix. de facto handelt es sich um experiment aus den 50ern jahren, welches man frisch angestrichen hat und mit high tech aufgemotzt hat und als weltweit bahnbrechndes experiment für die raumfahrtforschung "verkauft" hat. wer sich für die zeit interessiert sei folgender film ans herz gelegt: http://de.wikipedia.org/wiki/Wir_... ren_Helden
vielleicht findet die rb marketingabteilung ein neues experiment zum wiederverwerten...

ups der falsch link:
http://www.imdb.com/title/tt0086197/
das war der film.

Was schreiben er!? Was interessieren ihn!?

"Die Tatsache, dass kein einziger österreichischer Künstler zur diesjährigen Documenta eingeladen wurde, juckt naturgemäß niemanden..."

Diese neue Form des "Extremismus" à la BledBull, also diese Verachtung des Alltags und des alltäglichen, diese Verachtung des Gewöhnlichen und ergo auch des Gemeinwesens, "mein Gott", das verlangt "die Gesellschaft" nun mal auch vom "Schriftsteller & Daramtiker" und deshalb macht er sich halt auch die "richtigen" Gedanken und stellt Schrift = Ödnis pur, fast schon Echolalie!

II

... "Neidgesellschaft" wird es schon geben, aber so "typisch österreichisch" ist sie wahrscheinlich auch wieder nicht. - Und was der Autor überhaupt nicht erwähnt: die immer wieder auf die Kritiker hinterfragenswerter Ungleichgewichte (seien es z.B. absurd hohe Pensionen bei der OeNB oder ebenso absurde Steuerprivilegien der Bauern) herabsausende "Neidkeule": Ihr seid ja nur verbitterte kleine Neider! Nichts ist unsympathischer als Neid. Die Neidkeule eignet sich wunderbar, um nicht mehr zu rechtfertigende Privilegien gegen Kritik zu immunisieren. Außerdem wäre die Frage interessant, wieviel Projektion da dahintersteckt: Wer sich überall von Neidern verfolgt sieht, dem ist wohl der Neid aus seiner eigenen Gefühlswelt nicht ganz unbekannt.

"Gemäß dem Freud'schen Diktum vom 'Narzissmus der kleinsten Differenz' achtet der, der sich selbst beschränkt, penibel darauf, dass es der Verwandte, der Nachbar, der Kollege gefälligst auch tut. Wehe, der andere nimmt sich eine Freiheit, die man ...

sich selbst nicht gegönnt hat, und verfügt dabei sogar noch über Talent und Willenskraft - dann sind ihm die nur mühsam verborgene Aggression und die Missgunst nicht weniger Mitmenschen sicher." - Das mag schon stimmen, nur machen es die Grasserstrassermeischbergerhocheggermensdorffs dieses Landes auch jenen, die frei von Neidgefühlen sind, nicht gerade leicht, daran zu glauben, dass da immer und ausschließlich nur Talent und Willenskraft im Spiel sind.

Und dass dem Dietrich Mateschitz so abgrundtiefer Hass entgegenschlägt, wär' mir bisher auch noch nicht aufgefallen. Da überwiegt eindeutig der Respekt vor einer großen Unternehmerkarriere, die nur durch Risikobereitschaft, Geschick und Tatkraft möglich war.

Die vielzitierte ...

leider hat herr truschner

mit seiner anaylse recht. diese haltungsweise von sehr vielen österreichern dh "weder ich noch du" ist die schlimmste form des menschlichen characters.

Wenn ein wirklich großer Geist in der Welt erscheint, kann man ihn untrüglich daran erkennen, dass sich alle Dummköpfe gegen ihn verbünden.

Das ist überall in der Welt so, nicht nur in Österreich.

Umso erstaunlicher ist es, dass es trotzdem immer wieder einige schaffen Großes zu leisten trotz all des Widerstands und der Mißgunst.

Also auf den hervorragenden Erfolg der rettungsgasse

... Bin ich echt neidig... Ehrlich...

Wort des Jahres

Ich schlage vor, den im Artikel verwendeten Ausdruck "Rosettenblick" als Wort des Jahres 2013 zu nominieren.
In einem Wort verdichtet die Lebenswirklichkeit vieler Landsleute zu beschreiben ist genial !
Ansonsten: brillante Analyse - Hut ab !

In Österreich herrscht nur bedingt der freie Wettbewerb der Ideen und Talente, wer wirklich vorankommen möchte, muss sich zwingend in das bestehende System integrieren. Eine Unausweichlichkeit, die ein Österreicher gewissermaßen mit der Muttermilch a

Ich kannten den Herren bisher nicht. Er schafft aber eine geradezu geniale und auf den Punkt gebrachte Analyse. Hut ab!...

... und die österreichische Neid-Seele sucht bei Neuerungen zuerst Gründe wieso etwas nicht funktionieren kann, anstatt sich zu fragen was dazu beigetragen werden kann um etwas zum Funktionieren zu bringen.

Neid ist aber nur ein Aspekt, der uns typische Österreicher am Leben hält. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Kadavergehorsam und nicht zu vergessen: ein ausgeprägtes Obrigkeitsdenken.

Pros(i)t Neujahr!

Feiner Artikel der österreichischen Seele und unseres Niederganges.
Aber Österreich hatte nie wirklich eine Revolution , 1848/1868 (im groben) war ein bisschen was, dann Abdankung unserer Familie Kaiser, und danach Totalitarsimus bis heute (mag sein das sich offiziel ein paar Farben im Vordergrund wichtig machen), aber Parteiorganisation inkl Vorfelder entspricht der Nachkriegsordnung (1. WK).

Ich denke wir sind kaputt, wir können nur mehr mit starker Unterstützung von aussen gerettet werden, Druck wie in Rumänien gerde erhält.

eines wurde vergessen: wenn der oesterreicher mal die gelegenheit hat etwas zu verhindern, dann wird er es tun. das ist die einzige gelegenheit, wo er macht verspueren darf. zwar destruktive macht, aber immerhin macht.

Der Sprung: cui bono?

Zwei Antworten.

Die erste: Who cares?

Die zweite: Felicem.
Der hat seinen Traum verwirklicht – hat jemanden gefunden, der ihm das Unterfangen finanziert, hat sich penibelst vorbereitet, hat seine Furcht überwunden und hat es getan. Er ist der größte Nutznießer des Falls, und viele freuen sich mit ihm, ich auch.

Traum verwicklicht

ist der Altvaterisischte und spießisgste Traum ,den ich nur irgendwo orten kann.Bevor ich einen Traum verwickliche,kratz ich lieber ab.

War das jetzt ein Bewerbungsschreiben?

toller artikel, der die österreichische seele auf den punkt bringt

danke :)

Neid auf das Unternehmen Red Bull vernehme ich aller höchstens von frustrierten Rapid-Fans oder Anhängern ähnlicher Clubs.

Mich persönlich freut der erfolgreiche Sprung von Felix Baumgartlinger, obwohl diese Spektakel natürlich vorwiegend ein Marketinggag war.

No na, wenn ein Unternehmen 50 Millionen investiert will es zumindest einen gewissen Werbewert daraus schlagen.

"No na, wenn ein Unternehmen 50 Millionen investiert will es zumindest einen gewissen Werbewert daraus schlagen."

der wert von all den sendungssekunden weltweit (exklusive der zeit von servustv) geht in die milliarden. dh wenn sich red bull all diese übertragungen kaufen hätte wollen, hätten sie eine 9 stellige summe zahlen müssen.

ich bin allerdings nicht sicher, ob sich diese zahlen auf alle versuchstage beziehen oder nur an den tag, wo der sprung geglückt ist.

das war nicht irgendein marketinggag, sondern die ausgeburt von marketing. apple, vw und eigentlich eh alle würden sich die finger abhacken um an so eine chance heranzukommen.

Das Problematische am Erklärungsmodell "Neidgenossenschaft"...

...sind dessen Advokaten, von Herrn Karl Zuschönjungintelligent bis zu Herrn Franz Ichkaufmireinenabgeordneten und den üblichen Leistungsträgern.

Herr Truschner, sind die Menschen in Deutschland weniger vom Neid zerfressen?

Sie haben ein ziemlich gutes Bild der österr.Seele gezeichnet. Aber ich denke, das ist anderswo nicht total anders. Vielleicht durch unser kleines Land und den vergangenen imperialen Glanz etwas verstärkt.
Da Jeder über sein Leben selbst bestimmen kann und - wie das Sprichwort sagt - seines Glückes Schmied selbst ist, ist auch jedem der Erfolg, wenn er einen erringt, zu gönnen. Baumgartner, z.B-, hätte sein Leben verlieren können. Ich gönne ihm seinen Erfolg, nachmachen möchte ich es nicht. Und jedem Unternehmer, der sein ganzes Vermögen einsetzt, um eine Firma aufzubauen, und Erfolg hat - ich gönne ihm (ihr) den Erfolg. Denn alles könnte auch negativ ausgehen.

"aha, ned schlecht"

das höchste maß von anerkennung, das man von einem österreicher bekommen kann

"aha, ned schlecht"...

dann kommt noch was wie das Amen im Gebet, "aber........"

Mateschitz und Stratosprojekt sind insofern typisch Österreichisch, dass mehr Schein als Sein aufgeblasen wird. Red Bull ist zum größeren Teil nicht Österreichisch, auch nicht von der Idee und nichts Besonderes.

Beim Statosprojekt wurde versucht, es als hoch wissenschaftliches Pionierprojekt, vom dem "die NASA profitiert", hinzustellen.

Womit man gleich einen "Shitstorm" ausgelöst hat, da sich die NASA schon länger etliche Stockwerke "höher" und riskanter bewegt.

Übriggeblieben ist die "Dramatisierung" des megagefährlichen freien Falls, wobei ich glaube, dass einer aus dieser übergeschnappten Szene in Kürze noch höher springen wird, womöglich ohne Fallschirm auf ein Luftkissen ums noch zu toppen.

Na ja, es sind beides, wie so schön formuliert, ein: "im Grunde sinnfreies, geradezu verspieltes Produkt".

Neid?

Wenn schon, dann sind diese "Produkte" das Minimalste, beim Traum von "steinreich, megaerfolgreich, bildschön und pumperlgsund".

Neid: Gerne einmal (wenn auch nur für kurze Zeit) das Demokratieverständnis eines Herrn Baumgartner haben dürfen. ^^

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