"We Steal Secrets" - Hollywood stürzt sich auf Wikileaks

Leben und Tun des Wikileaks-Gründers Julian Assange fasziniert seine Anhänger und empört seine politischen Gegner

Seit seinem 15. Lebensjahr hat er schlohweißes Haar, mit 16 schließt er sich einer Hackergruppe namens "The International Subversives" an. Seither treibt ihn sein dogmatischer Glauben, dass jede Art von Daten und Informationen für jedermann zugänglich sein muss. Er fürchtet sich vor nichts, nicht einmal vor den Mächtigsten der Welt. Er wird und ist der "Robin Hood unseres digitalen Zeitalters".

We Steal Secrets

Ein Plot, wie ihn die Filmindustrie nicht besser hätte erfinden können: das Leben des Wikileaks-Gründers Julian Assange. Bücher und TV-Dokumentationen wurden über ihn bereits verfasst, kommendes Jahr sollen die Vita und Visionen des heute 41-Jährigen Kinosäle füllen.

Den Auftakt wird We Steal Secrets bilden, eine mehr als zweistündige Filmdokumentation, die Assanges Geschichte nacherzählen soll. Premiere des unter der Regie von Alex Gibney (Oscar-Gewinner von 2007 mit Taxi zur Hölle) entstandenen Film soll am Sundance Film Festival 2013 Mitte Jänner in Utah sein.

Vorwand

Gibney verspricht in seinem Werk "Bahnbrechendes", besonders was die Aufarbeitung der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange anbelange. Im Gespräch mit der New York Times bat der Regisseur um Verständnis, dass er vor der Premiere keine Details preisgebe. Nur so viel: Seine Recherchen würden bei jenen, die in der geforderten Auslieferung Assanges an Schweden einen Vorwand sehen, damit er wegen der auf Wikileaks veröffentlichten militärischen Geheimnisse an die USA ausgeliefert werden könnte, keine Freude aufkommen lassen. Wieweit der Regisseur damit den Interessen der US-Regierung zu Hilfe kommt, bleibt abzuwarten.

We Steal Secrets beleuchtet auch das Schicksal jenes Mannes, dem Wikileaks einen Teil seiner Bekanntheit verdankt: Bradley Manning. Weil er der Plattform Videoaufnahmen des Beschusses und Todes irakischer Zivilisten weitergegeben haben soll, droht dem seit Mai 2010 inhaftierten US-Soldaten lebenslange Haft.

Dreamworks

Die Finger nach Wikileaks ausgestreckt hat auch schon Dreamworks. Regisseur Bill Condon will mit der Verfilmung von Inside Wikileaks des Ex-Assange-Mitstreiters Domscheit-Berg zu Beginn 2013 starten.

Gleichwie die Inhalte der Filme auch aussehen werden - der Rummel lässt Julian Assange, der vor einem halben Jahr Zuflucht in der ecuadorianischen Botschaft in London gesucht hat, im Gespräch bleiben. Für das Jahr 2013 hat der Ex-Hacker die Enthüllung von einer Million Dokumente angekündigt, "die alle Länder der Welt betreffen". (kat, DER STANDARD, 22.12. 2012)

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