Die Adressen des Jahres

Ansichtssache | Martin Putschögl
30. Dezember 2012, 17:00

London und Wenling, Mühldorf- und Reindorfgasse, New York City und Seestadt Aspern: Orte, die uns heuer irgendwie bewegten

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foto: putschögl

Seestadtstraße 27, 1220 Wien

Beginnen wir in Transdanubien. Dort wird seit dem heurigen Jahr nämlich wirklich und wahrhaftig an der künftigen "Seestadt Aspern" gebaut. Das allererste fix fertige und für den möglichst dauerhaften Bestand errichtete Gebäude (denn ein paar Containerhütten und das "Flederhaus" wurden früher fertig) ist das Technologiezentrum "Aspern IQ". Das Ende Oktober offiziell eröffnete Haus wurde von der Wirtschaftsagentur Wien errichtet und beherbergt unter anderem das Seestadt-Planungs-Unternehmen "Wien 3420 Aspern Development AG". Damit befinden sich in der nigelnagelneuen Seestadtstraße Nummer 27 vermutlich die (neben den "Parkraumkontrolleuren") sichersten Arbeitsplätze Wiens: Bis 2028 sind dort die Businesspläne (zunächst mal) angelegt. Es könnte aber auch länger dauern.

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Mixed-Use-Objekt

Stimmt schon, woanders würde man stolz sein, eine multifunktionelles Gebäude am Wasser, mit optimaler Verkehrsanbindung, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können.
"Kompetente" Stadtpolitiker wie z.B. C.Chorherr (Ökonom und Special Agent der Grünen) und N.Scheed (Beziksvorsteher Donaustadt) sind stolz und freuen sich, dass ein ca. 12 Jahre altes Gebäude, das um ca. 30 Mio gebaut wurde niedergerissen wird und dafür was "g'scheites" hingebaut wird (O-Ton).
Die Intelligenzleistung manifestiert sich darin, dass man 500 Wohnungen mit max 250 Parkplätzen schaffen will. Weiters wird ein Drittel der Wohnungen direkt vom Verkehr der Reichsbrücke beschallt und ein Viertel hat den Seidler Tower 30m vor den Fenstern.
Echt g'scheit.

Harry Seidler

Bei der Eröffnung des Hochhauses wurde Harry Seidler noch großartig von der Stadt und ihren Politikern geehrt. Kaum kommen ein paar Investoren mit großen Versprechungen, scheint er total in die Unwichtigkeit verbannt. Ein sehr eigenartiges Bild unserer nachhaltigen Stadtplanung.

Kaisermühlen - Wagramerstrasse 2

Das ca. 10 J. alte Gebäude, soll nun wieder abgerissen werden und einem Hochhaus mit Luxuswohnungen "Danube Flats" Platz machen. Die derzeitige Flächenwidmung ist Bauklasse 5 (26 m Höhe), mit Widmung Gewerbe.
Nach Verkauf des Gebäudes wurde ein privater Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem man von einer Änderung der Flächenwidmung (Erhöhung auf 160 m und Wohnungen) ausging, ohne dass noch irgendein offizielles Dokument vorlag. Offenbar war die Einbindung von Politikern "Garant" für eine Flächenwidmung auf Zuruf.
Für die Anrainer besteht kein Schutz, ihre Anliegen werden als "Privatinteressen" abgetan, während die finanziellen Interessen der Bauträger offenbar "öffentlich" sind. Alternativen zum Wohle aller wurden nie geprüft.

Den Zentralhauptbahnhof "Europa Mitte" vermisse ich hier.

Bitte: Hauptbahnhof

Die obenstehende lächerliche Wortschöpfung kam nur aud dem Rathaus, genauer aus dem Büro des damaligen Stadtrates Schicker, der uns auch so "geniale" Bezeichnungen wie "Skywalk" für eine kleine Fußgängerbrücke über den Gürtel bescherte. Die ÖBB sprangen zum Glüc nie auf diesen Zug auf. Das Projekt um den ehemaligen Süd-und Ostbahnhof hieß immer "Hauptbahnhof Wien" und das bleibt zum Glück auch so.

Dass das Projekt knapp daneben "Eurogate" heisst ist traurig genug. Das klingt für mich wie ein Skandal.

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