Berlusconi: "Italien braucht mich - und ich bin bereit"

Berlusconi wieder omnipräsent - Monti schmiedet Allianz mit Ferrari-Chef

Viel Erfreuliches konnten sich die Italiener zu Weihnachten ohnehin nicht erwarten, und auch die neuerliche Dauerpräsenz ihres Ex-Premiers auf allen TV-Kanälen verheißt nichts Gutes: Während die meisten Parteien noch nicht auf den Wahlkampf eingestellt sind, präsentiert sich Silvio Berlusconi bereits in Hochform.

Mal kündigt Berlusconi die Rückkehr zur Lira an, mal geißelt er den deutschen Egoismus, mal verspricht er die Abschaffung der verhassten Immobiliensteuer. Am Dienstag forderte er plötzlich eine Verschiebung der Parlamentswahlen, die für Februar angesetzt sind. Den Christdemokraten Pier Ferdinando Casini und Ex-Parteifreund Gianfranco Fini bezeichnete er als "horrende Personen". Im Senat kippte Berlusconis Partei Popolo della Libertà (PdL) den bereits vereinbarten Fahrplan zur Auflösung des Parlaments. Auch das Budgetgesetz wird verzögert.

Staatspräsident Giorgio Napolitano erteilte Forderungen nach einer Verschiebung des Wahltermins allerdings eine Absage. Italien benötige "alles andere als einen langen Wahlkampf".

Berlusconi versicherte, er werde den "PdL mit 40 Prozent zur stärksten Partei machen". Mit drei TV-Auftritten habe er bereits vier Punkte zugelegt: "Italien braucht mich - und ich bin bereit." Die Christdemokraten erklärten nach dem Auftritt, Berlusconi sei "kein politisches, sondern ein medizinisches Problem".

Inzwischen scheint sicher, dass der parteilose Interimspremier Mario Monti doch kandidieren wird. Laut Indiskretionen bastelt er an einer Liste, auf der auch Ferrari-Chef Luca Di Montezemolo stehen soll. Die Liste soll eine Allianz mit den Christdemokraten, Finis Partei und abtrünnigen PdL-Vertretern um Franco Frattini eingehen. Umfragen sehen das Bündnis bei 20 Prozent. (Gerhard Mumelter aus Rom /DER STANDARD, 20.12.2012)

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