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Zuhören zu können wird meist als Bringschuld der Kinder gesehen.

Simone Groos ist Projektleiterin bei der deutschen Stiftung Zuhören.
"Die Gesellschaft wird durch Millionen von Gesprächen gebildet", schreibt der schwedische Schriftsteller Henning Mankell. "Wenn ein Mensch seine Geschichte erzählen kann, wird er Teil einer Gesellschaft. Wem man nicht zuhört, der existiert nicht."
Auch wer nicht zuhören kann, hat es schwer. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2000 hat etwa gezeigt, dass aktives Zuhören und schulische Leistungen zusammenhängen: 70 Prozent der Kinder, die sich schon im Vorschulalter mit dem Zuhören schwer tun, haben später schulische Probleme.
Umgekehrt können Kinder, die gut zuhören können, besser mit Konflikten umgehen. Das bestätigt Marion Glück-Levi, ehemalige Vorsitzende der deutschen Stiftung Zuhören. Das Zuhören ist die Basis für den Erwerb vieler anderer Fähigkeiten. Psychologen nennen es nicht zufällig eine Basiskompetenz.
So weiß man heute, dass Kinder, die zuhören können, besser und sicherer sprechen können und achtsamer gegenüber anderen sind. "Es ist die Schlüsselkompetenz für gelingende Kommunikation", sagt Simone Groos von der Stiftung Zuhören. Eine Schlüsselkompetenz, die allerdings immer weniger Kinder haben - glaubt man entnervten Lehrern und Eltern.
"Aktives Zuhören braucht Zeit und Raum", betont Groos. Es setze den Willen zur Aufmerksamkeit voraus und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu filtern. "Die Zeit dafür nimmt man sich heute nicht mehr. Man müsste es aber tun, um einander zu verstehen, um nicht verbale Informationen zu sammeln."
Obwohl Zuhören als soziale Kompetenz und Voraussetzung für Wissenserwerb außer Frage steht, war es lange Zeit nicht Teil nationaler Bildungsstandards. "Zuhören zu können wird einfach vorausgesetzt", so Simone Groos. Vielleicht auch, weil es gerne mit dem einfachen Hören verwechselt wird.
Dabei sind Hören und Zuhören zwei Paar Schuhe: Zuhören ist ein aktiver Prozess. "Es entsteht nicht von selbst", betont Groos. "Es bedeutet, dass wir dem, was wir hören, eine Bedeutung geben. Aktives Zuhören ist die Voraussetzung für Empathie, für Anteilnahme und für das Verstehen, wie es einer anderen Person geht." Nur wer zuhört, könne die Welt wahrnehmen, sie sich erschließen, sie begreifen und mitgestalten.
Studien zeigen, dass das Hören für Kinder und Jugendliche immer mehr zur Nebenbei-Beschäftigung wird. Auch bei Musik. So zeigt eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2002, dass das konzentrierte Hören von Musik bei Jugendlichen seit den 80er Jahren abnimmt - zugunsten eines diffusen Nebenbei-Hörens.
Dazu kommen ein akustisches Dauerraschen vor allem in größeren Städten durch Autoverkehr und Umgebungsgeräusche, mediale Reizüberflutung und eine allgemeine Beschleunigung in vielen Lebensbereichen. Dass die akustische Reizfülle zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern führen kann, gilt heute als erwiesen.
"Um das Angebot der Umwelt einzugrenzen, lernen Kinder und Jugendliche, den Reizen keine Bedeutung zuzuweisen", heißt es in einer Studie aus dem Jahr 1995. Das bedeutet: Heranwachsende reagieren mit Weghören auf das Dauerrauschen. Doch erst durch aktives Zuhören entsteht Bindung. Und Bindung zu Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrern ist die Voraussetzung für Lernerfolge.
Was also, wenn Kinder nicht mehr zuhören können? Was tun, wenn Jugendliche nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen, einem längeren Gespräch ohne Unterbrechung zu lauschen? Dann müssen Eltern und Erziehungsberechtigte bei sich selbst ansetzen, sagt Simone Groos. Sie seien Zuhör-Vorbilder. Kinder und Jugendliche, die nicht gehört werden, lernen selbst nicht zuzuhören.
Es gelte, die eigene Haltung den Kindern gegenüber zu überprüfen: Höre ich meinem Kind wirklich zu? Lasse ich es ausreden? Nehme ich ernst, was es sagt - und wie reagiere ich darauf?
"Kinder lernen aus unserem Verhalten und werden auch uns zuhören", schreibt die deutsche Pädagogin Ingeborg Becker-Textor. "Mit der harschen Aufforderung 'Jetzt hör endlich zu!' werden wir nie ein Kind zum Zuhören bringen."
Zuhören zu können werde immer noch als Bringschuld der Kinder und Jugendlichen gesehen, sagt Simone Groos. "Also als etwas, was Erwachsenen und Erziehungsberechtigte einfordern können, ohne selbst etwas dazu beizutragen."
Aktives Zuhören durch die Eltern bestehe darin, das vom Kind Gesagte zu wiederholen, um zu prüfen, ob man es richtig verstanden hat. So lassen sich Missverständnisse vermeiden. Es besteht darin, mit Mimik und Gestik auf das Gesagte zu reagieren, Fragen zu stellen.
Kinder spüren sehr genau, ob Eltern ihnen zweckfrei oder zweckgebunden zuhören. Sie spüren, ob man ihnen um ihrer selbst willen zuhört. (Lisa Mayr, derStandard.at 19.12.2012)
Info
Die deutsche Stiftung Zuhören betreibt 2.000 Hörclubs in Schulen und Kindergärten. Hier lernen Kinder auf spielerische Art und Weise, wie man gekonnt hört und zuhört.
Link
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"So zeigt eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2002, dass das konzentrierte Hören von Musik bei Jugendlichen seit den 80er Jahren abnimmt - zugunsten eines diffusen Nebenbei-Hörens."
Na ist es ein Wunder, bei all der Berieselung, der man überall ausgesetzt ist?
http://www.hoerstadt.at/beschallu... llung.html
auch mit einer Untersuchung eines Privatsenders in Österreich überein:
Nur 4% der Hörer dieser Dudel - Format - Hintergrundradios wissen nach einem sofortigen Anruf, was gerade im Radio war ( welches Lied oder über was gesprochen wurde).
Bei Ö1 wissen es 85 % was gerade im Radio war !
( Die Werbewirtschaft scheint das auch noch nicht geschnallt zu haben, wenn ein Sender damit wirbt, wir haben 100.000 "Hörer" für ihre Werbebotschaft und in Wirklichkeit haben nur 4000 gehört.)
Nach meiner Erfahrung erzählen Kinder spontan, und sie spielen spontan (oft ganze Theaterstücke aus dem Stegreif). Und es gibt eine natürliche Neugier, die zum Zuhören führt. Kinder sind doch die großen Fragensteller. Diese spontanen Fähigkeiten werden dann oft behindert oder zerstört, sowohl durch zuviel "Erziehung" als auch durch Verwahrlosung, Techno-Verwahrlosung. Einmal saß ich mit meiner Tochter in einem Regionalzug, uns gegenüber zwei Kinder in ihrem Alter, beide mit Gameboy. Meine Tochter stellte sich zu ihnen hin. Irgendwann versuchte sie, etwas zu sagen. Keine Antwort, nicht einmal Kopfheben. Sie kam zu mir zurück und sagte enttäuscht: "Mit denen kann man nicht einmal reden." (Natürlich gibt es auch ganz andere Beispiele.)
Ich have viel mit 70-Jährigen zu tun. Die können auch nicht zuhören. Je älter die Leute werden, desto mehr bestehen sie darauf, dass sie es sind, die reden und die anderen zuhören müssen. (Warum fällt mir da nur ein österr. Neo-Politiker ein?)
Heute vor genau 200 Jahren (am 20. Dezember 1812) erschien der erste Band der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm (die es auch nicht gerade leicht hatten)! Drum setzt Euch zusammen, leset vor
UND HÖRT ZU!
Freundliche Grüße!
Z.B. das Märchen vom eigensinnigen Kind? http://www.textlog.de/40155.html
Im Ernst: Von wegen dem Volk aufs Maul geschaut. Grimms Märchen sind einfach nur eine unsystematische Sammlung von Geschichten, die sich die Leute damals erzählt haben, und die z.T. ihren Ursprung in Kriminalberichterstattung in der Zeitung oder in Horrorgeschichten aus der Schundliteratur hatten. Später hat man angefangen, fast nur noch zensierte Auswahlen zu publizieren und hat diese Sammlung verklärt.
Dieses “Zuhören“ ist etwas schwammig, finde ich.
Vielleicht kann man andererseits auch überlegen, ob es manchmal nicht kontraproduktiv ist, einen Lernenden ständig zuzutexten. Ich picke jetzt zum Beispiel Sport heraus: Unglaublich, wie oft von Erwachsenen versucht wird, koordinativ komplexe Bewegungen verbal zu instruieren anstatt sinnvollen methodischen Aufbau anzuwenden, der vielleicht auch noch mehr Spaß macht, als sich nach der Schule wieder dem Monolog eines Erwachsenen unterwerfen zu müssen.
Und um auf dass Zuhören zurückzukommen: Wenn man weiß, was das Gegenüber interessiert, wird man in ihm vielleicht einen aufmerksamen Zuhörer finden - ob man ein Baby zum Staunen bringt oder einen Erwachsenen mit einer Geschichte fesselt - egal.
dass chronifizierter Stress die Hörfähigkeit einschränkt, und zwar vor allem in den Frequenzen, die für die zwischenmenschliche Kommunikation wichtig sind. Kinder, denen nie richtig zugehört wurde (von der Geburt an), leiden unter diesem Stress, sodass sich ihre Zuhör-Kompetenz nicht entwickeln kann.
Daraus folgt, dass die Wurzel der Unfähigkeit zum Zuhören (und der Versuchung, sich mit anderen Klängen zuzudröhnen) in frühkindlichen Bindungsstörungen liegt.
zuhören ist eine frage der umgebung...
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