Firmenübernahmen: Auf Pump kaufen ist wieder in

Hermann Sussitz
19. Dezember 2012, 13:49
  • Ein Drittel der Deals soll in den letzten sechs Monaten sogar mit weniger als 30 Prozent Eigenkapital unterlegt worden sein.
    foto: apa/gindl barbara

    Ein Drittel der Deals soll in den letzten sechs Monaten sogar mit weniger als 30 Prozent Eigenkapital unterlegt worden sein.

Der Cashanteil ging bei Firmenkäufen zuletzt rapide zurück. Schulden werden wieder en vogue - wie vor der Krise

Raunz nicht, kauf! Dieses Motto beherzigen Finanzinvestoren in letzter Zeit wieder. So wie im Möbelhaus passiert das aber auch bei Unternehmenskäufen zunehmend auf Pump. Die Heuschrecken sind wieder da: Sie stürzen die von ihnen übernommenen Firmen in Schulden, um weniger Eigenmittel einsetzen zu müssen.

Geldschwemme verführt

Nach der Krise ist vor der Krise. Noch nie hat die Europäische Zentralbank (EZB) so viel Geld in Umlauf gesetzt wie heute. Auch die US-amerikanische Fed steht ihr darin um nichts nach. Die daraus entstandene Liquiditätsschwemme hat die Kassen der Banken mit Geld gefüllt. Die Institute suchen nun nach Möglichkeiten, es gewinnbringend einzusetzen.

Die Kreditvergabe ist eine Möglichkeit dazu. Und es ist eine, von der sich Private Equity- und Hedgefonds gute Geschäfte erwarten. Sie nutzen den wiedererstarkten Kreditmarkt, um Firmen mit geringeren Barmitteln zu kaufen.

Ein Drittel Cash

Das lässt sich mit Zahlen belegen. Vom vollen Ausbruch der Finanzkrise 2008 bis in das Frühjahr dieses Jahres wurden Firmenkäufe im Schnitt zu 42 Prozent mit Eigenmitteln gestemmt. In den letzten sechs Monaten allerdings gab es einen rapiden Rückgang auf 33 Prozent, wie das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Daten des Finanzdienstleisters Thomson Reuters berichtet.

Das kratzt an den Tiefständen von 2006 und 2007, als pro Übernahme nur 31 bzw. 30 Prozent Eigenmittel eingesetzt worden sind. Ein Drittel der Deals soll in den letzten sechs Monaten sogar mit weniger als 30 Prozent Eigenkapital unterlegt worden sein.

Schulden überrunden Gewinne

Ein weiteres Signal für mehr Risikobereitschaft ist die Höhe der Schuldaufnahme. Im Zeitraum Juli bis Dezember wurde übernommenen Firmen im Schnitt das 5,5-Fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) an Schulden aufgepfropft. Ein so hoher Wert wurde seit Anfang 2008 nicht mehr erreicht, ist dem Datendienst von Standard & Poors zu entnehmen.

Hinter dieser Strategie steht eine Marktregel: Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital. Da die Anteilseigner einer Firma ein höheres Risiko eingehen - Stichwort Haftung - erwarten sie eine Rendite, die die Zinsen einer Veranlagung bei der Bank übersteigt.

Einer der liebsten Kennzahlen der Branche ist dabei die Eigenkapitalrendite. Je geringer der Anteil der Eigenmittel am Gesamtkapital und des mit seiner Hilfe erwirtschaften Gewinns, desto höher fällt diese Kennzahl aus. Als Visitenkarte der Branche hübscht sie die Performance eines jedes Finanzmanagers auf.

Risiko steigt

Kommt es dann zu einem Verkauf, streicht die Firma den Gewinn ein. Wenn das Verkaufsobjekt überlebt hat. Was nämlich oft übersehen wird, ist, ob die übernommenen Firmen die ihnen überlassene Schuldentilgung auch stemmen können. Die Ratingagentur Moody's hat errechnet, dass das Risiko, in Insolvenz zu rutschen, für sie besonders hoch ist.

Für ihre Studie haben die Analysten 40 zwischen 2006 und 2008 auf Pump übernommene Firmen unter die Lupe genommen und verfolgt, wie viele davon im Jahr 2009 ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten. Es waren ganze 26 Prozent. Nahm man vergleichbare Unternehmen her, die nicht exzessiver Verschuldung ausgeliefert waren, lag die Insolvenzquote lediglich bei 17 Prozent, berichtet das WSJ.

Mahnmal Tribune

Dass Hedgefonds oftmals den Konkurs des verschuldeten Kaufobjekts hinnehmen, ihre Ausstiegskosten minimieren und sich einer neuen Firma zuwenden, hat ihnen den Spitznamen "Heuschrecken" eingebracht. Ein Beispiel ist das Medienunternehmen Tribune. Es wurde 2007 vom Immobilien-Unternehmer Sam Zell übernommen, wobei er selbst weniger als 15 Prozent des Kaufpreises beisteuerte. Der Rest war auf Pump finanziert, wobei die dem Medienhaus aufgeladenen Schulden den Gewinn um das Achtfache überstiegen.

Im Zuge der Krise 2008 ging Tribune Pleite, seitdem streiten sich alte und neue Schuldner. Die neuen Schuldner rund um das Investmenthaus J.P. Morgan Chase und den Hedgefonds Oaktree sicherten sich die Fernseh- und Radiosparte des Konzerns. Die Zeitungen, darunter die Chicago Tribune, dürften nun auf den Markt geworfen werden.

US-amerikanischer Reigen

Die Angst vor so einem Szenario ist in letzter Zeit aber wieder gesunken. Die Bilanzen der gekauften Firmen seien stärker als vor der Schuldenkrise, davon sind viele Fondsmanager überzeugt. Einer davon ist Francesco Ossino, der den Virtus Senior Floating Rate Fund leitet. Dem Finanzmanager ist die geringere Eigenmittelausstattung bei Firmenkäufen nicht entgangen. Dennoch kauft er in großem Stil Schulden aus fremdfinanzierten Übernahmen auf, wie er der WSJ kundtat. Das, was es an finanzieller Absicherung dabei gibt, reicht ihm.

Nicht nur dieser Fondsmanager vertraut den schuldenfinanzierten Deals. Die Übernahme der US-amerikanischen Kesselbaufirma CleaverBrooks erfolgt nur zu 30 Prozent mit Eigenkapital. Die Lacksparte des Chemiekonzerns Du Pont wechselt ebenfalls den Besitzer, der Käufer Carlyle Group soll aber nur 25 Prozent dafür selbst auf den Tisch legen. Derselbe Käufer steckt hinter dem Kauf der Bildagentur Getty Images. Hier setzt Carlyle 28 Prozent Eigenmittel an, berichten mit dem Deal Vertraute der WSJ. Im Schlepptau beider Übernahmen entstehen nun über sechs Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) neue Schulden.

Die Heuschrecken feiern eine Renaissance. Und es scheint so, also ob das, was bei den Staaten zunehmend verpönt ist, bei Unternehmensübernahmen wieder en vogue wird: Schulden. (sos, derStandard.at, 19.12.2012)

Link zum Artikel des Wall Street Journal: Debt Loads Climb in Buyout Deals. Auf Deutsch gibt es ihn auch.

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Stimmt ist mein Fehler ich bin davon ausgegangen das Banken ehrlich sind.

Ich frage mich nur wie das geht das jemand eine Firma mit 1/3 Eigenkapital kauf, wer haftet für dem Rest? Gut eine Bank aber die muss ja auch blöd sein wenn sie nicht bemerkt, das es Ihren Kreditnehmer nicht darum geht eine Firma zu kaufen sondern schnelles Geld zu machen! Stimmt ist mein Fehler ich bin davon ausgegangen das Banken ehrlich sind.

"Gut eine Bank aber die muss ja auch blöd sein wenn sie nicht bemerkt, dass ..."

Was unterscheidet jemanden, der mit 1/3 Eigenkapital Geschäfte macht vom östereichischen Durschshnittsunternehmen?

--> 30%: so viel Eigenkapital haben dei wenigsten österreichischen Unternehmen.

Bin zwar prinzipiell Ihrer Meinung, möchte allerdings eines hinzufügen:

Stellen Sie sich die Bilanz eines Unternehmens vor, sagen wir mal 20 % EK und 80 % FK.

Jetzt kommt eine "Heuschrecke" und will dieses Unternehmen kaufen, und bietet eine Summe Geld für das Eigenkapital an. Diese Summe bringt die "Heuschrecke" allerdings nur mit 50 % Eigenkapital auf, und der Rest wird fremdfinanziert.

Es bleiben also die alten 80 % Fremdkapital und noch einmal 10 % neues Fremdkapital, da das "alte" Eigenkapital zur Hälfte mit Schulden bezahlt worden ist.

Zugegeben, ist ziemlich vereinfacht, allerdings dient es nur zur Erläuterung. Und in diesem Fall wurde die Firma auch für das bilanzielle EK verkauft, was auch nicht realistisch ist.

Naja , bendekn's aber auch:

* 38 % der österreichischen KMU haben negatives Eihgenkapital - da ist das jetzt dann nicht so wenigg im Vergleich.

* Der Wert eines Unternehmens ist nicht die Bilanzsumme.

Punkt 1 ist mir durchaus bewusst, das waren nur Zahlen, mit denen man leicht rechnen kann.

Punkt 2 hab ich auch angesprochen "... wurde die Firma auch für das bilanzielle EK verkauft, was auch nicht realistisch ist." Die Bilanzsumme hat da gar nichts zu "melden", noch eher das Eigenkapital.

Allerdings hat auch dieser Wert wenig mit dem Wert des Unternehmens zu tun, das ist richtig.

Putzig hier ist von nach der Krise die rede. Die Krise ist noch in der anlaufspur... wenn die österreichische immo-blase (wien, ibk, salzburg) platzt geht's richtig rund...

Na geh! Jetzt versaust du uns aber den schönen Tag mit deiner Schwarzmalerei! ;)

tschuldigung :-(

ich kauf mir eine firma

nehme dafür einen kredit auf
kann diesen nicht zurückzahlen
soll der staat doch einspringen, es geht ja um arbeitsplätze...

Das Witzige an diesem System ist, dass defacto die gekaufte Firma für den Kaufpreis den Kredit aufnimmt. Erscheint im ersten Moment absurd gehört, aber tatsächlich zum Standard einer Firmenübernahme.

Ein ausgesprochen anschauliches Beispiel dafür ist, wie es die Familie Glazer mit Manchester United gemacht hat.

http://www.spiegel.de/sport/fus... 73265.html

das find ich ja immer herzallerliebst

wenn sich firmen geld borgen, um damit andere firmen zu kaufen, und wenns gelungen ist, der gekauften firma dann die bankschulden umzuhängen. das mag rechtlich alles gedeckt sein, dem bauchgefühl nach ist sowas schwindel und betrug. paradebeispiel olivetti / telecom italia, wo die wesentlich kleinere olivetti milliardenkredite aufnahm, um TI zu schnupfen, und dann natürlich nach erfolgter fusion der neuen TI die schulden umhängte, an denen diese ewig knabberte, nur damit ein herr collanino die macht an sich reißen kann und durch verkäufe noch reicher werden, ohne rücksicht auf die gesundheit des gekaperten unternehmens. so etwas ist ganz einfach widerlich.

Firmenübernahmen: Auf Pump kaufen ist wieder in

So ein Zufall aber auch.

Könnte das irgendwie mit den minimalen Kreditzinsen zusammenhängen? Je teurer Kredite sind, desto weniger wird mit ihnen gekauft. Gilt auch umgekehrt.

"...ob die übernommenen Firmen die ihnen überlassene Schuldentilgung auch stemmen können. Die Ratingagentur Moody's hat errechnet, dass das Risiko, in Insolvenz zu rutschen, für sie besonders hoch ist."

Was für eine Leistung!
Ich habe übrigens letztens herausgefunden, dass das Risiko im Freien nass zu werden, bei Regen besonders hoch ist.

Teflon beschichten lassen wie ein gewisser ex Minister - dann werden Sie nicht mal im Regen naß ;)

Meine Empfehlung: zwischen den Tropfen gehen.

Wow! Déjà-vu!

Das ist die Endphase einer jeden Spekulationsblase.

Wem ists zu verdenken?..

Wer will am 1.1. schon ein + am Firmen Konto? Gewinn machen wird eh bestraf-steuert.

die zeit ist reif, um sich eine bank zu kaufen!

Blöd nur....

.... dass ich schon alles Geld für Weihnachtsgeschenke verballert habe, eine große Bank geht sich diesen Monat einfach nicht mehr aus.

sparen's noch a bissal. systemrelevant sollts schon sein die bank. man will sein geld ja gut angelegt wissen ;)

Pfeif auf Banken!

ich werde morgen meine Kundenberaterin fragen, ob sie mir einen Kredit für den Erwerb von Siemens gewährt. So richtig schön filetiert und scheibchenweise verramscht bringt das allen Beteiligten sicher einen schönen Batzen Geldes!

Nimm gleich Coka Cola dazu

Dann kriegt die Gute 2 Provisionen, und die Kredite sind Dir sicher.

ich würd schon gern zur nutznießerschaft des ESM gehören.

wobei, zwecks beteiligung - ich hätt da ein bezauberndes anwesen mit jagd übers wochenende zur verfügung und schnecken, da werden sie augen machen!

Am Wochenende

bin ich bereits von meinem Kumpan Silvio zum Pokerspielen in die Bunga-Bunga-Grotte in Sardinien eingeladen, und dort gibt's Schnecken allerhöchster Güteklasse... ich muß also leider absagen, aber herzlichen Dank!

bitte lieber standard

hier wird derart fahrlässig mit begriffen herumgeschmissen, dass es einem zeitungsartikel im wirtschaftsteil nicht würdig ist !

die/der Redaktreur/in ruft ja eh nach Hilfe

deshalb steht auch sos dabei

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