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Adela Kuliga, Gründerin von "Networking Youth Career".
"Networking Youth Career" nennt sich ein Verein, der sich das Motto "Weniger von Partizipation reden und mehr Partizipation leben" auf seine Fahnen heftet. Gegründet wurde die Initiative vor einem Jahr von Adela Kuliga. Im Interview mit derStandard.at erläutert sie die Ziele und bilanziert das erste Jahr Vereinstätigkeit.
derStandard.at: Sie haben den Verein vor einem Jahr gegründet. Mit welcher Motivation dahinter?
Kuliga: Sicher die persönlichen Erfahrungen, die ich als Zuwanderin in all den Jahren gesammelt habe. In den ersten Jahren meines Aufenthalts in Österreich unterlag ich ja dem Recht für Drittstaatangehörige. Erst als Polen in die EU beigetreten ist, wurden einige Sachen auch einfacher. Die ersten Monate oder sogar Jahre und das Kennenlernen des neues Informations- und Sozialsystems, wenn man die Sprache noch nicht perfekt spricht, das sind wirkliche Herausforderungen. Ohne Netzwerke und Grundwissen, wie das Land tickt und wie sein Informationssystem funktioniert, ist es eigentlich ein ewiges Versuchen. Zuwanderer und junge Menschen wissen nicht, wer wofür zuständig ist und sie wissen oft gar nicht, welche Rechte und Pflichten sie haben. Und da habe ich beschlossen, eine eigene Initiative, ein Projekt zu starten.
derStandard.at: Ihre Bilanz nach einem Jahr Vereinstätigkeit: Wie vielen haben Sie bei welchen Projekten weiterhelfen können?
Kuliga: Im Dezember 2011 habe ich den Verein gegründet. Das erste Projekt fand aber erst im Mai 2012 statt. Das war eben die allererste Informations- & Karrieremesse für junge Menschen mit Migrationsbiographie in Österreich. Das Feedback danach war großartig. Nach zwei weiteren Karriereevents im Juli und November bekamen wir mehrere hundert Newsletter-Anmeldungen, viele Anfragen bezüglich weiterer Events und Bewerbungen. Es gibt bereits viele junge Menschen, die unbedingt bei Networking Youth Career mitmachen wollen. Für 2013 planen wir zusätzliche Projekte, in deren Rahmen wir konkret Arbeit bzw. Praktika vermitteln können. Damit es funktioniert, müssen künftig allerdings auch die Privatunternehmen mitmachen.
derStandard.at: Die genaue Tätigkeit des Vereins besteht also in der Organisation von Karriereveranstaltungen?
Kuliga: Ja, genau. Mit konkreten Kooperationspartnern oder Referenten zu konkreten Themen und Bereichen. Somit geben wir jungen Menschen mit Migrationsbiographie die Möglichkeit, die relevanten Ansprechpersonen persönlich kennenzulernen und so vielleicht ihren Traumjob zu finden. Manchmal reicht es einfach zu zeigen, dass ihre Mehrsprachigkeit und Motivation nicht nur theoretisch wichtig sind, sondern dass es tatsächlich wahrgenommen und gefördert wird. Es wird in Österreich sehr viel von Integration und Partizipation gesprochen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, weniger von Partizipation zu reden und mehr Partizipation zu leben. Unsere Events spielen dabei eine wesentliche Rolle.
derStandard.at: Wer kann bei Ihnen unter welchen Bedingungen Hilfe in Anspruch nehmen?
Kuliga: Wir wenden uns an junge Menschen mit Migrationsbiographie. Die meisten sind im Alter zwischen 22 und 30, sprechen mehrere Sprachen und sind auf der Suche nach neuen sozialen und geschäftlichen Netzwerken, wollen sich neu orientieren oder einfach einen neuen Job finden. Wir selbst sind allerdings keine Beratungsstelle, sondern wir versuchen, unsere Besucher einfach mit den für sie relevanten Ansprechpersonen und Anlaufstellen zusammenzubringen. Ab 2013 führen wir Mitgliedschaften ein. Neben den öffentlichen Karriereevents gibt es dann auch noch Seminare & Workshops zum Thema Karriere.
derStandard.at: Wie finanziert sich der Verein?
Kuliga: Wir hatten bis jetzt sehr wenig Fremdfinanzierung. Mit den Fördergeldern konnten wir nur ca. 20 Prozent der gesamten Projektkosten finanzieren. Dank dem ehrenamtlichen Einsatz aller Teammitglieder und der Unterstützung von einigen öffentlichen Institutionen, gemeinnützigen Vereinen und Privatpersonen konnten wir aber bereits im ersten Jahr den Verein ordentlich auf die Beine stellen. 2013 werden wir aber bei den Bundesministerien und anderen Förderstellen um Finanzierungen ansuchen. Wir hoffen auch sehr, dass Privatunternehmen unsere Initiative unterstützenswert finden und uns künftig begleiten werden.
derStandard.at: Menschen mit Migrationshintergrund sind überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen und oft unter ihrem Ausbildungsniveau beschäftigt: In welcher Hinsicht können Sie hier helfen?
Kuliga: Für diese Menschen wollen wir eine Plattform der Begegnung sein. Menschen mit Migrationsbiographie mangelt es oft am richtigen Netzwerk und Informationen. Wir sind hier die Schnittstelle und veranstalten Karriereevents, wo sich junge Menschen mit Migrationsbiographie informieren und gleichzeitig netzwerken können. Wir machen Mut und zeigen neue Wege und Alternativen.
derStandard.at: Wo bestehen Ihrer Meinung nach die größten staatlichen Defizite bei der Integration von Personen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt?
Kuliga: In Österreich gibt es eigentlich viele Informationsmöglichkeiten über das Angebot am Arbeitsmarkt für Menschen mit Migrationsbiographie. Das Problem ist die Intransparenz. Menschen mit Migrationsbiographie haben zu Beginn nicht den Durchblick, von wo sie welche Information bekommen, und da setzen wir eben an. Anfangs ist es fast schon eine Tortur. Man wird von einer Stelle zur anderen geschickt und am Ende stehe man doch mit leeren Händen da. Sei es aufgrund von sprachlichen Barrieren oder der Überlastung einiger öffentlicher Institutionen. Dem Staat fehlt es hier meist an Sensibilität. Zuwanderer sind anfangs oft eingeschüchtert, weil sie eben diesen Background von Familie, Freunden usw. im fremden Land nicht besitzen und meist auch mit existentiellen Hürden zu kämpfen haben. Mitarbeiter staatlicher Institutionen müssen hie ein größeres Verständnis aufbringen.
derStandard.at: Und umgekehrt: Welche Probleme müssten Menschen mit Migrationshintergrund in Angriff nehmen, um die Karriere zu forcieren?
Kuliga: Generell geben Menschen mit Migrationsbiographie nach einiger Zeit einfach auf, wenn sie in das Ausland gehen, um dort die gleiche Arbeit zu finden wie in ihrem eigenen Land. Manche verschicken 200 Bewerbungen und werden kaum zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, weil sie beispielsweise einen anders klingenden Namen haben. Viele haben studiert, haben einen Titel. Das Problem ist, dass Menschen mit Migrationsbiographie um einiges hartnäckiger sein müssen als Menschen ohne Migrationshintergrund. Nur irgendwann gibt man nach der x-ten Bewerbung auf und gibt sich mit dem zufrieden, das man bekommen hat: Taxifahrer oder Verkäuferin in einem Modegeschäft. Wichtig ist der Aufbau eines Netzwerks, das auf dem Arbeitsmarkt nützt.
derStandard.at: Glauben Sie, dass sich solche Initiativen einmal erübrigen, weil alles "bestens" funktioniert?
Kuliga: Ehrlich? Nein. Auch wenn ich mir es wirklich wünschen würde. In den 60er Jahren hat Österreich dringend Facharbeiter gebraucht. Jetzt schaut die Situation nicht viel anders aus. Es mangelt bereits an Fachkräften, Tendenz steigend. Und Menschen, die aus dem Ausland kommen, müssen sich stets mit der gleichen Problematik auseinandersetzen: neues Land, neue Regeln, neues Informationssystem, etc. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Berufsmigration irgendwann ganz selbstverständlich wird und die Mobilität bereits vorher gut überlegt und geplant wird: Diese Menschen werden immer die relevanten Netzwerke brauchen und nach einem Ort oder Organisationen suchen, wo sie diese eben finden. Wer kann denn die jungen Menschen mit Migrationsbiographie besser verstehen als Menschen mit Migrationsbiographie selbst? (om, derStandard.at, 31.12.2012)
Zur Person:
Adela Kuliga ist Initiatorin von "Networking Youth Career". Den Verein gründete sie Ende 2011 gemeinsam mit Ekaterini Mpinou und Agnieszka Miklusiak. Kuliga ist gebürtige Polin, sie studierte an der Uni Wien. In Österreich lebt sie seit 2003.
Link
www.nyc.co.at
Facebook:
facebook.com/networking.youth.career
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Heutzutage ist ein junger und intelligenter Mensch mit Migrationsintergrund sehr wohl in der Lage ist sich via Internet zu informieren, für ihn persönlich Relevantes zu recherchieren, um beruflich weiterzukommen. Gerade in Österreich gib es europaweit überdurchschnittlich viele Quellen und Ansprechpartner, die einen beruflich weiter bringen, vorausgesetzt man interessiert sich auch dafür. Es ist nahezu unnötig alles auf dem silbernem Tablett serviert zu bekommen, zumal sich der Verein nachweislich nicht selbst wirtschaftlich tragen kann. Auch ich kenne kein solides Unternehmen, welches einen jungen und qualifizierten Migranten nicht einstellen würde; Herkunft spielt gar keine Rolle. MfG, ein Personalchef und ebenfalls Einwanderer
bei unseren kunden kann ich oft beobachten, dass dort leute aus allen ländern arbeiten, griechen, inder, deutsche etc. das sind mehrheitlich multinationale unternehmen. wenn der betrieb jemanden will, und der ist geeignet, erledigen sich dann auch bürokratische hürden wie von selbst.
natürlich liegt die betonung auf eignung sowie deutsch und englisch perfekt. wer das nicht bringt, wirds billiger geben müssen. so ist es nun mal.
Im Zeitalter des Internets sollte es doch leicht möglich sein, sich über alles im Voraus- vor der Zuwanderung - zu informieren bzw. Wenn man schon längere Zeit im Land lebt, hat man genügend Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen.
Wer neu zuwandert, könnte ja bereits aus dem Ausland mit der Jobsuiche beginnen. Ich habe dies Anfang der 1970er Jahre durchd as Studium von Stellenanzeigen in ausländ. Zeitungen gemacht und bin mit einem abgeschlossenen Arbeitsvertrag in ein fremdes Land gegangen.
Sprachkenntnisse waren und sind auch heute eine notwendige Voraussetzung!
sie haben schon recht, was das gut vorbereitete, gut qualifizierte migrieren betrifft.
allerdings:
das funktioniert in österreich nichtmal im selben bundesland, geschweige denn bei einem umzug ins andere oder ins ausland.
und bitte verwechseln sie den lebenslauf dieser dame nicht mit der definition des zielklientels: junge menschen mit migrationshintergrund.
es geht hier auch um nachkommen der migrantInnen...
und eben nochmals erhöhte unsicherheiten, unwissen, fehlen von informationen und "netzwerken" also bekannten und durchaus verwandten.
ein eingeborener aus einer österreichischen traditionsfamilie kann dieselben probleme habe und benötigt dann ebenso beratungen, netzwerkfördernde vereine, usw.
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