Lakers vom Leader zur Lachnummer der Liga

Analyse |

Die Los Angeles Lakers sind nur mehr ein durchschnittliches Team. Dass es auch heuer wohl keine Finalspiele in Hollywood geben wird, hat gute Gründe

Los Angeles/Wien - "Ich bin einer der schnellsten im Team, und ich habe langsam den Körper eines 50-Jährigen. Was sagt das bitte über unsere Mannschaft aus?" Kobe Bryant bringt es auf den Punkt. Die Los Angeles Lakers gehen auf Krücken. So viel lässt sich nach dem ersten Saisondrittel in der NBA schon sagen. Alt, langsam, verbraucht. Dass die Hollywood-Stars nicht mehr in ihrer Basketball-Blütezeit sind, wurde vielfach bekrittelt. Und dennoch galten sie aufgrund ihrer individuellen Qualitäten als ein Top-Kandidat für die NBA-Finals.

Und jetzt? Sind sie im Nirgendwo. Platz zwölf in der Western Conference. Zuletzt gab es immerhin zwei Siege in Folge, die Bilanz ist aber verheerend: Elf Siegen stehen bereits 14 Niederlagen gegenüber. Die letzte Pleite gegen die New York Knicks war besonders ernüchternd. Was ist passiert?

1. Die Verrichtung der Dinge

L.A. schmeißt die Kugel nur allzu oft weg, gegen New York waren es genauso viele Ballverluste wie Assists (13). Nur die Houston Rockets produzieren mehr Turnovers in der Liga (16,44 im Schnitt). Während die Gegner den Ball schnell durch die eigenen Reihen wandern lassen, wirken die Lakers-Angriffe teilweise statisch, festgefahren und ohne Energie. Das hätte mit der Triangle-Offense von Phil Jackson auch nicht schlechter laufen können. Und: Bryant und Co. müssen immer wieder großen Rückständen nachlaufen, das kostet Kraft, und am Ende geht ihnen die Luft aus.

2. Defense

Basketball kann auch ein nüchternes Zahlenspiel sein: Gegen die Knicks haben die Lakers zum siebenten Mal in acht Spielen mehr als 100 Punkte zugelassen. Philadelphia und Washington haben zuletzt an der 100er-Marke gekratzt. L.A. ist einfach offen wie ein Scheunentor. Der mittlerweile 34-jährige Kobe Bryant hat mehr als nur einen schnellen Schritt verloren, Dwight Howards ist nach seiner Bandscheiben-OP nicht mehr der Alte. Bleibt eigentlich nur mehr Metta World Peace (formerly known as Ron Artest) als Viech.

Alles, was sich beim Gegner rund um die Außenpositionen am Flügel abspielt, ist für L.A. kaum zu verteidigen. Und man lässt sich auch gerne mal abschlachten. New Yorks Carmelo Anthony scorte 30 Punkte in nur 23 Minuten. Allein, bei den Lakers fand sich niemand, der ihm endlich einmal einen roten Abdruck auf seine Wurfhand geschnalzt hätte.

3. Das Personal

Ohne die verletzten Steve Nash und Pau Gasol fehlen den Lakers ungefähr 24 Punkte, zwölf Rebounds und 14 Assists pro Spiel. Ein Paket, das die Ersatztruppe Antawn Jamison, Jordan Hill und Chris Duhon nicht ansatzweise liefern kann, wenn man kombinierte sechs Punkte, zehn Rebounds und sechs Fouls interpretieren kann (an dieser Stelle bitte nicht Devin Ebanks erwähnen).

Die Lakers durchlaufen freilich einen Veränderungsprozess, aber andere Teams reagieren besser auf Verletzungspech (Chicagos Bilanz ohne Derrick Rose: 13 Siege, zehn Niederlagen; Minnesota lange Zeit ohne Love und Rubio: 12-10). Spielmacher Steve Nash soll es richten, ist aber erstens 38 Jahre alt, hat zweitens in den vergangenen zwei Jahren keine 30 Minuten im Schnitt mehr gespielt, und drittens kommt Nash von einem gebrochenen Wadenbeinknochen zurück. Easy ist etwas anderes.

Die Bürde des Scorens lastet mehr denn je auf Kobe Bryant. Erfahrungsgemäß geht L.A. aber meist unter, wenn er zu viele Würfe nimmt. In "Kobe doin' work", einer sehenswerten Dokumentation des landauf, landab bekannten Filmregisseurs Spike Lee, wird Bryant ein ganzes Spiel lang aus verschiedenen Kamerapositionen gefilmt und spricht im Audiokommentar unter anderem über eine bärenstarke Einheit, in der er nicht dauernd dominieren muss. Es war die Lakers-Truppe, die 2009 NBA-Champion wurde. In der Qualität kein Vergleich mehr zur Gegenwart. 

Der Schatten von LeBron James

Heuer werden die Lakers zumindest noch 36 Spiele gewinnen müssen, um überhaupt die Play-offs zu erreichen. Und in Wirklichkeit brauchen sie wohl noch zehn Siege mehr, damit sie unter den besten vier im Westen landen, um zumindest zu Beginn der K.-o.-Phase Heimrecht zu haben. Der Blick auf den Spielplan bringt keine Erleichterung: Mit New York, den L.A. Clippers, San Antonio und Oklahoma City warten harte Brocken bis Anfang Jänner.

Vielleicht ist das aber auch alles wurscht, wenn LeBron James seinen Zenit noch nicht erreicht hat. Sollte dieser sein unglaubliches Talent nämlich zur Perfektion bringen, ist der Meisterpokal für die nächsten zwei oder drei Jahre so oder so für sein Team, die Miami Heat, reserviert. (Florian Vetter, derStandard.at, 17.12.2012)

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FOX Sports?

Your argument is invalid. Forever.

bin da anderer meinung

die lakers werden wieder kompetitiv sein. ich bin wahrlich kein fan der trades der vergangenen offseason - man wollte zu schnell zu viel und hat nur auf große namen geschaut. dennoch wird dieses team, wenn das system sitzt und pau und nash (packs immer noch nicht, dass der jetzt bei uns spielt) wieder zurück sind, in die playoffs kommen und dort eine rolle spielen.
natürlich ist das keine run and gun truppe, aber das waren sie zumindest seit nick van excel weg ist nie. triangle offense war auch nicht unglaublich dynamisch, nur in den playoffs kommt es darauf an, sich im setplay durchzusetzen, da ists vorbei mit fastbreaks. und das können die lakers immer noch.

"dennoch wird dieses team, wenn das system sitzt und pau und nash (packs immer noch nicht, dass der jetzt bei uns spielt) wieder zurück sind, in die playoffs kommen und dort eine rolle spielen."

na dann wünsch ich "euch" mal viel glück. ;) irgend-eine rolle spielt "ihr" bestimmt in den playoffs, sofern "ihr" es schafft überhaupt reinzukommen. aber die "gewinner-rolle" wirds wohl nicht. pau wird das sinkende schiff auch bald verlassen hab ich gehört..

aber hey! - the clippers are back!!! :)
und den titel machen sich wieder OKC und miami (leider) untereinander aus. hoffentlich wirds diesmal OKC.

meine güte, sie sind aber ein ganz genauer

Kobe wirds schon richten

kobe

richtet höchstens (auch bald) seine bandscheiben. ;)

Gianluca Wallisch
20
18.12.2012, 17:34
Wizards ein Witz

Von wegen schlechte Mannschaften... Habe vor drei Wochen in DC live die Washington Wizards gegen die San Antonio Spurs verlieren sehen. Unglaublich, welch mediocre Leistungen in der NBA tlw. geboten werden.

Florian Vetter
13
19.12.2012, 09:54
hmmm...

Irgendwie beneide ich sie trotzdem! ;)

Finals in Hollywood

So weit ich weiß spielen die Clippers auch dort... ist also schon möglich.
Spaß bei Seite: Einmal abgesehen davon, dass 5 Niederlagen alleine darauf zurück zu führen sind, dass Dwight Howard keine Freiwürfe werfen kann, glaube ich dass die Spielanlage der Lakers eine veraltete ist. Die meisten Teams besetzen die Positionen 4 und 5 nur mehr mit einem klassischen Big Man und spielen dadurch schneller und dynamischer. In den Playoffs wird das Spiel aber tendenziell langsamer und das könnte den Lakers entgegenkommen.
Houston ist auch mal als achter in die Playoffs gekommen und hat den Titel geholt.
Da ist noch alles offen und gewinnen wird die Mannschaft die im Juni den besten Basketball spielt.

nichts gegen Ihr Urteil, aber das ganze nur an D.H. Freiwürfen festzumachen zeugt für mich eher von gutem Humor...offense einfallslos, defense nicht vorhanden

Wie viel Power hat Kobe Bryant noch?

hmmm.... sechstes spiel in folge über 30 punkte, soviel power hat er.

das kobe

noch immer einen wurf hat, wenn man ihn lässt, steht ausser frage. aber dynamik ist was anderes. kobe kann kein team mehr "tragen" - musste er ja selbst in seiner glanzzeit nicht weil es "ein team" gab. das ist jetzt eben nicht vorhanden. da helfen auch keine 30 +/- pps.

Immer wenn Bryant mehr als 30 Punkte wirft, ist die Wahrscheinlichkeit dass die Lakers verlieren hoch(statistisch bewiesen). Wenn er seine Mitspieler nicht involviert und zu eigensinnig spielt, verliert die Mannschaft meistens.

Ist die Kausalität auch statistisch bewiesen?

Nur weil die Lakers verlieren, *wenn* Kobe viele Punkte macht, heißt das nicht, dass die Lakers verlieren, *weil* Kobe viele Punkte macht.

keine frage, kobe´s beste zeit (scoringtechnisch) war die schlechteste der lakers (after shaq)...
aber 30 punkte sind 30 punkte

Jup, Bryant mag defensiv heuer abgebaut haben, aber offensiv ist er momentan nahezu unaufhaltsam.

unaufhaltsam ist wohl etwas übertrieben

sonst würden die lakers wohl noch im "ernstzunehmenden teil" der liga spielen ;)

LeBron sucks...

Jaja, die Prognosen des Herrn V...

Vor zwei Monaten hieß es noch NBA-Finals, so schnell kann's gehen.

Es ist noch kein Drittel (!) der Spiele absolviert. Im Jänner werden wir das Team erstmals (!) über mehr als eineinhalb Spiele in Bestbesetzung sehen. Und gerade die Punkte 1 und 3 in dieser Analyse sollten sich mit Nashs Rückkehr erledigen.

Werden die Lakers Champions? Vermutlich nicht. Dafür ist Dwight noch zu lahm, das System noch zu wenig verinnerlicht und die Defense wohl schlicht zu schwach für das Schlachthaus, das die Western Conference ist.

Werden wir in der zweiten Saisonhälfte ein anderes, kompetitives Lakers-Team sehen? Garantiert.

"Werden wir in der zweiten Saisonhälfte ein anderes, kompetitives Lakers-Team sehen? Garantiert."

Naja das wiederum ist eine lahme Prognose deinerseits-denn recht viel schelchter gehts eh nimmer.

Und vor allem läuft den Lakers die Zeit davon -nicht nur was PO Platz bertrifft heuer sondern ganz generell -näcshtes jahr sind die Herrn 35 und 39 und man hat null raum für vernünftige (junge) Spieler-denk das wars für die Lakers jetzt mal die nächsten jährchen-was mir nicht wirklich leid tut.

LeBron wird in diesem Artikel überbewertet...

er ist nicht mal scoring-leader in der laufenden saison und hat einen Freiwrufprozentsatz unter 70... das ist alles andere als gut....

Florian Vetter
10
18.12.2012, 15:45
Lebron a freak of nature

Wie Bill Simmons auf ESPN schon oft geschrieben hat: "maybe we are witnessing the beginning of a dynasty"

Mir kommt eher vor, der hat den Lebron bis vor kurzem ein ums andere mal zerrissen, Stichwort "Lebrondown". Durch den einen Ring ist er jetzt aber doch Jordan, wahrscheinlich sogar besser...

Höhepunkt von Bills Schreiberei waren mMn die vergangenen Playoffs, wie die Spurs 2:0 vorne waren gegen OKC wurdens von ihm als praktisch unbesiegbar in den Himmel gelobt woraufhin die sofort 4 hintereinander verloren haben, im Finale bei 0:1 kam der nächste Artikel, die Heat hätten keine Ahnung "who they are", ausgegangen ists bekanntermaßen 4:1

--> dem Mann darf man nix glauben. Sein profundes Wissen über die Geschichte des Sports, seine Fanperspektive und seine Abneigung gegenüber den Lakers find ich aber supa.

tja, das "maybe" ist aber zeit seiner karriere nicht verschwunden.

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