Marokkanische Hausmädchen: Das schlechte Leben der "Guten"

  • Protest gegen die Beschäftigung minderjähriger Hausangestellter in Marrakesch
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    foto: insaf/ap/dapd

    Protest gegen die Beschäftigung minderjähriger Hausangestellter in Marrakesch

"La bonne" - die Gute - nennen die Marokkaner ihr Hausmädchen. Viele davon sind minderjährig. Alleine in Casablanca sollen - so Schätzungen der Regierung - 13.500 unter 15 Jahre alt sein. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat sich jetzt des Themas angenommen und 20 ehemalige Hausmädchen befragt.

Was dabei herauskam, ist ein 73- seitiger Bericht, der tiefen Einblick in die Zustände in Marokkos besserverdienenden Haushalten bietet. Die Mädchen werden angeschrieen, geschlagen und selbst sexuell missbraucht. Mehr als 12 Stunden Arbeit am Tag sind keine Seltenheit. Die Hausangestellten schlafen oft auf dem Boden in irgendeiner Ecke der Wohnung. Schulbesuch wird nicht gestattet und der Lohn beläuft sich im Schnitt auf umgerechnet rund 50 Euro im Monat. Doch auch von nur zehn Euro wurde HRW berichtet.

Die Mädchen freilich sehen vom Geld nicht einen Dirham. Die Arbeitgeber bezahlten an einen Vermittler oder direkt an die Eltern. Diese leben meist in extremer Armut irgendwo auf dem Land. Die Arbeit ihrer kleinen Töchter ist oft die einzige feste Einnahmequelle.

"Arbeiten macht mir nicht aus, aber die Schläge und nicht genug zu Essen zu haben, das ist hart", zitiert der Bericht eines der Mädchen. "Meine Chefin warf mit jedes Wort an den Kopf, das ihr nur einfiel. Sie nahm mich mit in ein Zimmer und schlug mich. Das passierte mehrmals die Woche", berichtet ein Mädchen, das mit nur neun Jahren anfing zu arbeiten. "Der älteste Sohn kam in mein Zimmer und stellte Sachen mit mir an. Er befahl mir, mit niemandem darüber zu reden. Ich hatte Angst, er könne mir wehtun, wenn ich etwas sage", erzählt ein anderes Mädchen von ihre Erlebnissen im Alter von 14.

Laut HRW hat die marokkanische Regierung in den letzten Jahren viel getan, um die Kinderarbeit zu bekämpfen. Sie ist von über einer halben Million betroffener Kinder in allen Wirtschaftsbereichen im Jahr 1999 auf 123.000 gesunken. Dennoch verlangt der Kinderrechtsanwalt und HRW-Sprecher Jo Becker dass sich Marokko, "der speziellen Isolation und Verletzlichkeit der Kinderarbeiter in Haushalten" annehme. "Mädchen unter 15 Jahren müssen sofort aus den Haushalten herausgeholt und die zwischen 15 und 17 einer besonderen Aufsicht unterstellt werden", sagt Becker.

An Gesetzen fehlt es nicht. Beschäftigung von unter 15-Jährigen ist verboten. Und Hausangestellte gibt es ein Gesetz, das Arbeitszeit, Lohn und Ruhetage regelt. Marokko müsse diese Gesetze strikter anwenden "und die Arbeitgeber und Vermittler, die Kinder unter 15 Jahren anstellen oder vermitteln" bestrafen. (Reiner Wandler, derStandard.at, 20.11.2012)

 

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