"Sie nannten mich Gary": Ein Abschieds-Interview mit Peter Westenthaler

Rainer Schüller, Marie-Theres Egyed
20. November 2012, 15:42
  • Peter Westenthaler bilanziert: "Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache."
    foto: derstandard.at

    Peter Westenthaler bilanziert: "Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache."

  • Wahlkampf mit Jörg Haider, 2008.
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    foto: apa/fohringer

    Wahlkampf mit Jörg Haider, 2008.

  • Westenthaler vor Gericht in der sogenannten "Prügelaffäre": Am 29. Juli 2008 wurde er nicht rechtskräftig wegen Falschaussage zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil wurde nach einem Berufungsverfahren am 18. Juni 2009 auf sechs Monate bedingter Haft reduziert. Am 18. Juni 2012 endeten sowohl Bewährungs- als auch Tilgungsfrist zu diesem Urteil.
    foto: apa/fohringer

    Westenthaler vor Gericht in der sogenannten "Prügelaffäre": Am 29. Juli 2008 wurde er nicht rechtskräftig wegen Falschaussage zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil wurde nach einem Berufungsverfahren am 18. Juni 2009 auf sechs Monate bedingter Haft reduziert. Am 18. Juni 2012 endeten sowohl Bewährungs- als auch Tilgungsfrist zu diesem Urteil.

  • Westenthaler vs. Strache im Wahlkampf 2006.

  • Wahlkampf-Video Westenthalers aus dem Jahr 2006 über "restriktive Ausländergesetze"

  • Westenthaler 2002 in seinem Haus in zehnten Wiener Gemeindebezirk.
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    foto: der standard/matthias cremer

    Westenthaler 2002 in seinem Haus in zehnten Wiener Gemeindebezirk.

  • Westenthaler mit Freund Frank Stronach bei einem Fußballspiel von Austria Wien 2002. Stronach war damals Austria-Mäzen, Westenthaler Bundesliga-Vorstand.
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    foto: apa/pfarrhofer

    Westenthaler mit Freund Frank Stronach bei einem Fußballspiel von Austria Wien 2002. Stronach war damals Austria-Mäzen, Westenthaler Bundesliga-Vorstand.

  • Archivbild aus dem Jahr 2002: Westenthaler mit Ex-FPÖ-Parteiobfrau Susanne Riess-Passer, Hubert Gorbach, Herbert Scheibner und Karl Heinz Grasser während einer 
Pressekonferenz nach Ende einer Sitzung des FPÖ-Bundesparteivorstandes
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    foto: apa/techt

    Archivbild aus dem Jahr 2002: Westenthaler mit Ex-FPÖ-Parteiobfrau Susanne Riess-Passer, Hubert Gorbach, Herbert Scheibner und Karl Heinz Grasser während einer Pressekonferenz nach Ende einer Sitzung des FPÖ-Bundesparteivorstandes

  • 2002: Der scheidende FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler überreichte ÖVP-Klubobmann Andreas Khol einen Wanderstab.
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    foto: apa/jaeger

    2002: Der scheidende FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler überreichte ÖVP-Klubobmann Andreas Khol einen Wanderstab.

  • Westenthaler mit Jörg Haider im Jahr 2000.
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    Westenthaler mit Jörg Haider im Jahr 2000.

  • Westenthaler über seinen Wahlkampf-Stil der 90-er-Jahre. Ausschnitt aus dem Film "Die Wahkämpfer".

Der BZÖ-Politiker über Ausländerpolitik einst und jetzt, Jörg Haider und den ORF

Peter Westenthaler hört auf. Diesmal definitiv, wie er im Interview mit derStandard.at betont. Nach der Nationalratswahl will er in der Immobilienbranche Fuß fassen und sich seinem neuen Hobby, dem Wein, widmen. Im Gespräch mit Rainer Schüller und Marie-Theres Egyed blickt er auf eine 22-jährige Karriere in der Politik zurück.

derStandard.at: Herr Westenthaler, Sie haben einmal die Fußball-Ikone Gary Lineker als ihr Vorbild genannt. Lineker hat 15 Jahre lang keine einzige gelbe oder rote Karte bekommen. Gibt es da nicht einen gewissen Widerspruch zu Ihrem Auftreten?

Westenthaler: Meine Fussballfreunde haben mich früher mit Gary Lineker verglichen, weil ich in meiner jugendlichen Fußballerzeit angeblich einen ähnlichen Spielstil hatte. Deswegen haben mich meine Freunde Gary genannt. In meiner Fußballerkarriere wurde ich nur einmal ausgeschlossen. Da ist die Hitze des Gefechts mit mir durchgegangen. Ich habe aber mehrere gelbe Karten bekommen.

derStandard.at: Und in der Politik?

Westenthaler: Ich war immer ein Fan der geschliffenen Sprache. Auch der Auseinandersetzung. Aber ich habe manchmal über die Stränge geschlagen - mehr als Gary Lineker. Wenn man auf 22 Jahre Politik zurückblickt, tut mir heute auch manches leid. Im Nachhinein gesehen ist das nicht immer der Stil, den man pflegen sollte.

derStandard.at: Zu sagen, ich höre auf und wenn ich jemand beleidigt haben sollte, dann tut es mir leid, ist doch der klassische Jörg Haider-Schmäh. Was konkret bereuen Sie und bei wem wollen Sie sich entschuldigen?

Westenthaler: Es gibt einige Fälle, aber das ist etwas Persönliches. Ich habe es den Meisten, die ich meine, schon persönlich gesagt, und in dieser Sache Frieden gemacht.

derStandard.at: Ihr ehemaliger Parteikollege, Ex-Staatssekretär Eduard Mainoni, hat in einem sehr offenen Interview einmal gemeint, dass Sie dafür bestimmt waren, die C- und D-Wählerschichten und die Proleten abzudecken.

Westenthaler: Das Schlimme an dem Interview war damals, dass er es boshaft und abwertend gemeint hat. Ich habe aber nichts gegen Proleten. Das ist für mich kein Schimpfwort, das sind für mich Menschen aus einfachen Verhältnissen. Sie verdienen genauso Respekt, wie Menschen, denen Macht, Ruhm und Geld in die Wiege gelegt wurden. Ich habe mich auch an die Position selbst heran arbeiten müssen, die ich letztlich hatte.

derStandard.at: Wie schaut der typische Peter Westenthaler-Fan aus?

Westenthaler: Es wäre präpotent und abgehoben zu behaupten, dass ich Fans habe. Es gibt Leute, die haben Respekt vor dem, was ich in der Politik geleistet habe und dann gibt es Leute, die mich abgrundtief hassen. Dazwischen gibt es wenig. Ich hab mein ganzes politisches Leben polarisiert, die Leute, die sagen "ja, aber" sind dünn gesät.

derStandard.at: Waren Sie der menschliche Schutzschild für Jörg Haider?

Westenthaler: Nicht nur für Jörg Haider, sondern für die Partei. Als Generalsekretär bist du einerseits die Speerspitze der Partei, was den Angriff anbelangt, du bist aber auch der Schutzschild, was die Verteidigung anbelangt. Ganz vorne an der Spitze wird nicht mit dem Florett gefochten, sondern mit dem Hammer und schwererem Gerät. Hier wird man nicht beliebt.

derStandard.at: Sie haben 2002 den Hut genommen, sind aber als BZÖ-Spitzenkandidat 2006 wieder zurückgekommen und haben mit einem sehr scharfen Anti-Ausländer-Wahlkampf wieder polarisiert. Vorige Woche haben Sie im Parlament gemeint, dass Zelte für Flüchtlinge unmenschlich seien. Was ist passiert?

Westenthaler: Ich finde Zelte für Asylanten generell und im Winter besonders falsch und unmenschlich. Es stimmt, wir sind damals eine sehr kantige, restriktive Zuwanderungspolitik gefahren, die aber auch in der damaligen Zeit notwendig war.

derStandard.at: Es war jedenfalls ein Anti-Ausländerwahlkampf, der die damalige FPÖ in den Schatten stellte. Uns ist auch keine Aussage von damals bekannt, mit welcher Sie auf die unmenschliche Behandlung von Nicht-Österreichern hingewiesen hätten.

Westenthaler: Damals gab es auch die Situation nicht. Es gab Raumknappheiten, aber da konnten wir nichts dafür, sondern die Asylverfahren haben einfach zu lange gedauert.

derStandard.at: War ein harter Anti-Ausländerwahlkampf immer nur Mittel zum Zweck der Wählerstimmen-Maximierung, wie Ihr Kollege Mainoni im besagten Interview meinte?

Westenthaler: Das ist inhaltlich und historisch einfach falsch. Wenn man sich die 1990er-Jahre anschaut: Wir haben mit unseren Forderungen von damals sicher Schaden von Österreich abgehalten. Das war die Zeit, in der in anderen Städten aufgrund ethnischer Konflikte die Vororte gebrannt haben. In Österreich war das nie der Fall.

derStandard.at: Heute scheint Straches FPÖ das Monopol auf die Ausländerhetze zu haben. Kann man damit eigentlich noch punkten?

Westenthaler: Mit Hetze kann man niemals punkten. Hätte es damals die Aufarbeitung dieses Themas nicht durch die FPÖ und Jörg Haider gegeben, wäre das explodiert. Es war in der Bevölkerung eine aufgeschaukelte Stimmung.

derStandard.at: Zu der Sie mit der damaligen FPÖ ihren Beitrag geleistet haben.

Westenthaler: Nein, das ergibt sich ja. Wenn ich im 15. Bezirk wohne und merke, rund um mich ist kein Wiener mehr, da braucht es keine FPÖ und keinen Haider, da regt sich etwas in den Menschen.

derStandard.at: Die FPÖ hat die Stimmung geschürt.

Westenthaler: Wir haben sie nicht geschürt, wir haben sie kanalisiert. Das ist ein Unterschied. Wir haben die Probleme nicht ignoriert, sondern eine Diskussion möglich gemacht. Hätten wir damals das Problem nicht aufgegriffen, gäbe es vielmehr ethnische und soziale Spannungen. Wir haben die Dinge beim Namen genannt, ich stehe dazu.

derStandard.at: Also keine Altersmilde bei Ihnen?

Westenthaler: Ich bin insgesamt milder und gelassener geworden. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass unser Weg der richtige war und Österreich viel geholfen hat. Heute kann man aber mit der Politik von damals nicht reüssieren, heute muss man differenzierter vorgehen.

derStandard.at: Sie haben unlängst gesagt, dass alles nur noch lächerlich und schlechtgemacht wird: Wer trägt Schuld daran?

Westenthaler: Alle. Es herrscht in der Politik ein degeneratives Klima. Sie ist schlecht, das ist der Fehler der Politik. Und sie wird noch schlechter gemacht, das ist der Fehler jener, die Politik kommentieren und persiflieren.

derStandard.at: Was sollte geändert werden?

Westenthaler: Die komplette Geschäftsordnung des Parlaments gehört entrümpelt, neu und lebhafter gemacht. Schauen Sie sich die Debatten in anderen Ländern an, wie beispielsweise das Instrument der Zwischenfrage in Deutschland. Bei uns werden oft nur von wem auch immer aufgeschriebene Reden vorgelesen und das sogar nicht einmal unfallfrei. Es gibt Abgeordnete, die keine zehn Sätze unfallfrei vom Blatt lesen können. Das ist zum Genieren.

Es wäre auch eine Idee, dass jeder Abgeordneten nur zweimal gewählt werden darf. Das würde immer für Auffrischung sorgen und die Abgeordneten entsprächen einem repräsentativen Schnitt aus der Bevölkerung. Jeder Abgeordnete muss einen Beruf haben. Es muss aufhören, dass im Parlament Leute sitzen, die seit zwanzig oder dreißig Jahren dasselbe machen, nämlich die Regierungsvorgaben abnicken.

Das Parlament braucht auch einen Legislativdienst. Österreich ist das einzige Land in Europa, wo das Parlament nicht in der Lage ist, Gesetze zu schreiben. Da gibt es Parlamente in Entwicklungsstaaten, die weiter sind als wir.

derStandard.at: Wertet das Team Stronach das Parlament auf?

Westenthaler: Jede neue Bewegung tut gut. Egal, wer sich das antut, man muss den Hut ziehen. Bei Frank Stronach ist es besonders bemerkenswert, weil er ein Mann ist, der in seinem Leben gezeigt hat, dass er es kann. Genauso bin ich der Meinung, dass Josef Bucher eine Chance mit dem BZÖ verdient hat. Ich glaube auch, dass er es schafft.

derStandard.at: Auf wen würden Sie bei einer Wette um den Einzug ins nächste Parlament setzen: BZÖ oder Team Stronach?

Westenthaler: Wetten tut man im Sport auf Pferde oder im Fußball, aber das ist die Politik.

derStandard.at: Anders gefragt: Wen werden Sie wählen?

Westenthaler: Ich war gewählter Obmann des BZÖ, es bleibt daher meine politische Heimat.

derStandard.at: Stichwort Glücksspiel: Wie ist der Stand der Ermittlungen der Salzburger Staatsanwaltschaft gegen Sie?

Westenthaler: Das weiß ich nicht, das müssen Sie die Staatsanwaltschaft fragen. Seit eineinhalb Jahren habe ich von denen nichts mehr gehört.

derStandard.at: Das BZÖ soll über ein achtseitiges Pseudogutachten 300.000 Euro bekommen haben. Es gab auch Aussagen im U-Ausschuss, wonach Sie involviert waren.

Westenthaler: Nicht das BZÖ, sondern eine Werbeagentur. Die Vorwürfe sind absurd. Ich war damals Spitzenkandidat und Parteiobmann des BZÖ, nicht Geschäftsführer, Buchhalter, Kassier oder Finanzreferent. Ich habe die Zeit meiner Obmannschaft von einem international renomierten Wirtschaftsprüfungsinstitut prüfen lassen, und habe einen Erfolg bekommen, der einwandfrei ist. Von den Wahlkampfspenden von den Casinos und der Telekom habe ich erst im viel später Nachhinein aus dem Medien erfahren.

derStandard.at: Anderes Thema, die Eurofighter. Es gibt ständig neue Meldungen über Ungereimtheiten. Sie sollen bei einem Treffen in Grinzing vor der Typenentscheidung dabei gewesen sein.

Westenthaler: Ich war öfters in Grinzing, den vorzüglichen Wein genießen. Aber ich war bei keinerlei Typenentscheidung oder Vorbereitung dabei. Da habe ich ein sehr, sehr reines Gewissen. Ich war Klubobmann der Parlamentsfraktion, nicht Regierungsmitglied.

derStandard.at: Glauben Sie, dass in der Causa Eurofighter alles supersauber war?

Westenthaler: Das kann ich nicht beurteilen. Die halbe Welt ermittelt jetzt zu den Gegengeschäften. Die Aufdeckungssheriffs reiten. Ich bin gespannt, was da rauskommt.

derStandard.at: Es gibt Spuren in Richtung Kärnten und Jörg Haider. Stichwort Lakeside-Stiftung. Haben Sie dazu eine Wahrnehmung?

Westenthaler: Nein. Ich kann nur die politische Zeit bewerten, in der ich selbst anwesend war. Ich bin 2002 aus der Politik ausgeschieden und war vier Jahre lang nicht politisch tätig. Was in diese Zeit fällt, kommentiere ich nicht. Aber bisher scheinen mir die sogenannten Spuren zu Haider äußerst dürftig und eher parteipolitisch motiviert zu sein.

derStandard.at: Sollte es zu einem Rücktritt vom Eurofighter-Vertrag kommen?

Westenthaler: Wenn nachweisbar ist, dass es einen Zustand gibt, der die Möglichkeit eröffnet, von diesem Vertrag zurück zu treten, wird die Regierung so entscheiden. Davon gehe ich aus.

derStandard.at: Eine andere Causa - Die Hypo Alpe Adria bekommt wieder Millionen vom Steuerzahler. Wer ist für dieses Debakel verantwortlich?

Westenthaler: Die ganze Hypo-Causa ist so ein undurchschaubarer Dschungel mittlerweile, dass man es gar nicht seriös kommentieren kann. Vergessen wir aber auch nicht das Desaster bei anderen Banken in Österreich, Stichwort: Kommunalkredit und andere.

derStandard.at: Sie könnten es mit der Zeit von Jörg Haider versuchen.

Westenthaler: Da gibt's meinerseits nichts zu kommentieren, weil ich da nicht in der Politik war und es deshalb nicht beurteilen kann. Und ich schon gar nicht jemand, der verstorben ist, in eine undifferenzierte Bewertung miteinbeziehe. Ich kann nur die Zeit bewerten, in der ich im Parlament war. Da wurde seitens der Rot-Schwarzen Regierung die Notverstaatlichung durchgeführt. Wie man heute weiß, war das ein Fehler.

derStandard.at: Hat sich Ihre Einschätzung zu Jörg Haider geändert?

Westenthaler: Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Jörg Haider muss jetzt in vielen Bereichen herhalten, weil er sich nicht wehren kann. Das ist in ganz schäbiges Spiel.

derStandard.at: Den ORF hätten wir noch auf der Fragenliste.

Westenthaler: Um Gottes Willen!

derStandard.at: Sind Sie mit der Arbeit von General Wrabetz zufrieden?

Westenthaler: Nein.

derStandard.at: Aber es war Ihr Ticket, das ihn an die Spitze gebracht hat.

Westenthaler: Ja, aber das ist eben eine von mehreren Enttäuschungen für mich.

derStandard.at: Wie oft haben Sie beim ORF angerufen?

Westenthaler: (Lacht.) Wann?

derStandard.at: In Ihrer gesamten Karriere.

Westenthaler: Das waren drei Phasen. Die erste in den 90-er-Jahren, wo die FPÖ unter Jörg Haider sehr oft sehr ungerecht behandelt wurde, also entweder gar nicht vorgekommen ist, oder sehr verzerrt. Wir haben damals auch sehr viel prozessiert. Es war meine Aufgabe als Generalsekretär dort anzurufen und zu sagen: Freunde, das ist falsch.

Die zweite Phase war in der Regierungszeit. Da kann ich mich an zwei Anrufe erinnern. Einer davon wurde berühmt, weil ich in eine Sendung ohne mein Wissen überraschend live hineingeschaltet wurde. Das war so skurril. Ich habe das dann, das gebe ich zu, weidlich ausgenutzt. Ich habe eine Suada losgelassen, die recht anständig war. Wenn man mich lässt, tu ich's. Kein Problem.

Dann kam die Phase nach meinem Rücktritt. Da ist logisch, dass ich da überhaupt nicht mehr angerufen habe, außer beim Hörer- und Seherservice, wenn mich etwas geärgert hat. Seit ich BZÖ-Politiker bin, habe ich überhaupt nie wieder beim ORF angerufen.

derStandard.at: Was würden Sie sich vom ORF wünschen?

Westenthaler: Ich würde mir mehr Qualität wünschen. Denn, was jetzt passiert, ist der Abgesang eines öffentlich rechtlichen Runfunks.

derStandard.at: Was missfällt Ihnen konkret?

Westenthaler: Zur Zeit darf der ORF offenbar alles: Den Schläger Sido als Vorbild für unsere Jugend zurückholen und Drogen-Konsum im eigenen Haus verharmlosen, auf ORF III wurde ein Film gespielt, wo eine Pornoszene gezeigt wurde. Ich bin nicht prüde oder was, aber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen darf man das eben nicht machen. Oder die Geschichte mit Alaba und Stronach bei Stermann & Grissemann: Das ist unzulässig, was da passiert ist, das war ein letztklassiger rassistischer Gag.

derStandard.at: Wie finden Sie die politischen Formate im ORF?

Westenthaler: Grundätzlich nicht so schlecht, aber zum Beispiel die Diskussionssendung mit Scheuch, Kramar und Co. unlängst war doch auch unfassbar. Das war ein Niveau, das in einem Privatfernsehen durchfallen würde. Auf der anderen Seite macht ein Stefan Raab, ein Comedian, eine Demokratieshow in einem privaten Sender, die alle Stückl‘n spielt. Ich hab das sensationell gut gefunden.

derStandard.at: Sollte Politik mehr Show sein?

Westenthaler: Ich habe lieber Unterhaltung gemischt mit Information als eine niveaulose letztklassige Debatte, wo mir die Füße einschlafen.

derStandard.at: Die Auftritte von Frank Stronach haben das Niveau aber auch nicht unbedingt in lichte Höhen gebracht.

Westenthaler: Warum? Jeder Auftritt von Frank Stronach hat bisher Quoten gehabt, wie nie zuvor.

derStandard.at: Weil es so skurril war.

Westenthaler: Nein, weil er anders auftritt, nicht skurril. Das lasse ich nicht gelten. Der Frank Stronach macht eines: Er tritt nicht so auf wie das Establishment, sondern authentisch.

derStandard.at: Indem er Journalisten beschimpft.

Westenthaler: Er hat niemanden beschimpft. Ganz im Gegenteil, er war mit der Ingrid Thurnher sogar per Du: Sagn wiar du, Ingried. Das war großes Kino!

derStandard.at: Eben: Skurril.

Westenthaler: Nein, nicht skurril. Es war außer der Norm, das stimmt und das ist nicht schlecht oder langweilig. Es ist aber so, dass die Menschen das schätzen, dass einer einmal nicht so ist, wie alle anderen auch. Das wird letztlich auch sein großer Vorteil sein bei der Wahl, davon bin ich überzeugt.

derStandard.at: Wir werden es sehen. Stört es Sie, dass Sie von manchen immer noch Hojač genannt werden?

Westenthaler: Ach, der alte Hut. Ich war 1984, als ich die Namensänderung durchführte, in der Schule und wollte Profifußballer werden. Erst 1987 bin ich zur FPÖ gegangen. Dass die Namensänderung mit meinem Politikeinstieg drei Jahre später zu tun haben soll, wie manche immer noch behaupten, ist Schwachsinn.

Zwischen meinen Eltern stand eine Trennung im Raum. Ich war auf der Seite meiner Mutter. Dann habe ich ihren Namen angenommen. Übrigens heute völlig normal, man kann sich das heute sogar aussuchen. Damals war das mit Kosten verbunden.

Ein halbes Jahr später haben sich meine Eltern wieder vertragen, da hätte ich den Namen wieder umändern können. Das hätte aber wieder etwas gekostet. War halt nicht so. Es war mir damals wurscht und es ist mir heute wurscht. Wie jemand heißt, ist außer fürs Passwesen völlig irrelevant.

derStandard.at: Sie haben schon einmal Adieu gesagt, waren dann aber wieder da. Jörg Haider hat das sehr oft so gemacht. Schließen Sie eine Wiederkehr in die Politik diesmal aus?

Westenthaler: Ich habe gelernt, im Leben nichts ganz auszuschließen. Ich habe die Zeit zwischen 2002 und 2006 auch ohne Rückfallserscheinungen zur Droge Politik sehr gut überlebt. 2006 hat mich Jörg Haider zum Wieder-Eintritt gebeten, das war eine außerordentliche Situation. Da es diese Situation kein zweites Mal geben wird, schließe ich die Rückkehr jedoch aus. (Rainer Schüller, Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 20.11.2012)

Links:

Biographien von Peter Westenthaler auf der Homepage des Parlaments, wikipedia und auf der BZÖ-Seite.

Aktuelles Porträt von Peter Westenthaler im profil.

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20.11.2012, 17:54
der erfolg gibt ihm recht

das talentierte frontschwein von rechts zeichnete sich vor allem durch unterhaltsame angriffslust und eloquenz aus. er verstand es die politische bühne zu nutzen und von der oppositionsbank aus die unterschicht zu mobilisieren.

der begnadete verkäufer ging oft ohne rücksicht auf verluste in die offensive und konnte sich bei einer tätigkeit die keine fehler verzeiht lange halten - niemals feige, leise oder mutlos. eine angenehme abwechslung zur mehrheit der abgeordneten.

obwohl er für mich immer unwählbar war und geblieben ist, respektiere ich seine arbeit und werde seine humorvollen auftritte vermissen.

Man konnte zwar immer wieder über Westenthaler lachen, aber ihn deshalb als humorvoll zu bezeichnen? Da musst du dich jetzt auf die Halbmond/Gipfelkreuz-Geschichte beziehen, die hatte durchaus schon humoristische Züge

"Hauts de Oaschlecha auße" - das ist eloquent in deinen Augen? Das Einzige, was ich ihm wirklich zugute halten will, ist, dass er rhetorisch um ein Hauseck mehr drauf hatte als viele seiner KollegInnen im Nationalrat

einer der

widerlichsten

es gibt in der politik auch gute neuigkeiten, man kanns kaum glauben....

Er war also ein Fan der geschliffenen Sprache

Baba und foi ned

Gehört unter "Die beste Meldung"

onkel frank wartet schon.

so wie westi über den in wahrheit widerlich-herrischen und deutlich senilen stronach lobhudelt, kann man davon ausgehen, dass er nur die wahl abwartet, um im falle eines tatsächlichen erfolgs stronachs und dem absehbaren ende des bzö im nationalrat mit fliegender fahne in seine mannschaft zu wechseln, wie vielleicht auch noch manch anderer, mal sehen, wieviel platz es dort gibt. mit den derzeitigen gartenzwergen wird onkel frank ja nicht sehr weit hüpfen können, da wär ihm einer wie der westenthaler gerade recht, den du in jede schlacht schicken kannst, und der sich zwar meist durch dummdreistigkeit auszeichnet, sich aber durch dauerndes dazwischenquatschen rhetorisch nicht unterkriegen lässt. so einen schamlosen brauchst du dort einfach..

Ich glaube, dass Onkel Frank - so eigen er auch immer ist -

keine verurteilten Kriminellen in seinem "Team" haben will. Obwohl mein Freund Pjotr fachlich und intelligenzmäßig wunderbar dazu passen würde...

Herzelichst
Ihr Lappe

ach gott

wegen dem bisserl falschaussagen... das kann jedem passieren, jetzt ist er ja geläutert und WTF...

sie haben mitgestaltet.
sie gehen.
wir müssen das gestaltete aus-und fortleben.
ps.
sie sind kein einzelfall im gehen.

Für den Westenthaler Peter ...

ist nicht nur die Hypo Alpe Adria ein "undurchschaubarer Dschungel".
.
Der Bursche leidet unter chronisch pathologischer Selbstüberschätzung; und dass ohne jemals mehr gewesen zu sein als der Akten-Träger von Jörg Haider selig.

"Es gibt Leute, die haben Respekt vor dem, was ich in der Politik geleistet habe..."

nein peter, die gibt es nicht.

Proleten?

Und das Gegenteil von Proleten sind ja nicht Leute, denen Macht, Ruhm und Geld in die Wiege gelegt wurden. Da müssten Sie auch noch einmal darüber nachdenken, Herr W.

" ... geschliffene Sprache" ?? Westenthaler???

:-)

Wir wollen dem Westenthaler den Gefallen tun, ein wenig über Sprache zu philosophieren:

Der intellektuelle Westenthaler wäre jedenfalls ein kristallklares Oxymoron, genau so eines wie die anständige FPÖ ...

ein fan der geschliffenen sprache mag er ja sein, an der beherrschung der selben hats ihm halt gemangelt.

mir fehlen

die Worte...

Aber sicher doch! "Degeneratives Klima" z.b. ist besonders eine geschliffene Wortschöpfung.

Ich hab mich schon anstecken lassen vom Schleifen und vom Degenerativen:-)

Der

Uwe Boll der Innenpolitik. Gruselig jedoch, dass ich ihm bezüglich seiner Kritik am Parlamentarismus (fehlender Legislativdienst) zustimmen muss.

die Lücke...

die er hinterlässt, wird ihn voll und ganz ersetzen...

Nettes Wortspiel ;-)

Grandioser Spruch

Von Ihnen?

so unnötig wie ein kropf!!

Meinein Sie mein Freund Pjotr Westic?

Bei aller Freundschaft zu ihm, da muss ich Ihnen leider recht geben...

Herzelichst
Ihr Lappe

Wie bedauerlich

für Sie, Herr Lappe, und für mich auch, da ich mich über Ihre Postings Ihren Freund Pjotr betreffend immer zerwutzelte.
Taucht er jedoch beim Strohsack auf - irgendwann einmal - lasse ich in Bezug auf Sie nicht alle Hoffnung fahren. ;o)

Wenn hier nicht alle mitlesen würden,...

...dann würde ich Ihnen ein nettes Foto samt Gschichtle von meinem Freund hereinstellen schicken. Nur aus triftigen Gründen (ich erklären Sie Ihnen gern) bin ich nicht gewillt dies zu tun. Ich kann Ihnen alledings den Link mailen, wenn Sie mir eine Ihrer email-Adressen hier hinterlassen:

pjotr.westic@weinenvorglueck.de

So, und jetzt werde ich sicher zugespammt...

Herzelichst
Ihr lappe

Häme und Spott sind völlig unangebracht!

Peter Westenthaler ist einer der führenden politischen Köpfe der letzen 20 Jahre gewesen. Daraus hat sich die entsprechende katastrophale Politik ergeben. Es ist erschütternd, wie sich dieser Mann, der 20 Jahre für hemmungsloses Rabaukentum und Salonfähigkeit für Ausländerhass und Intoleranz am Ende selbst weichschmeichelt. Schön ist, dass Herr Westenthaler in der Privatwirtschaft verschwindet. Unschön ist, dass er dafür 22 Jahre benötigt hat. 22 Jahre verbrannte Erde.

zuerst hab ich mich auf das Interview gefreut,

weil ich alters- und erfahrungsbedingte Entwicklungen bei Politikern immer recht spannend finde. Vor allem bei solchen 'Kalibern'. Aber ich weiss nicht wie oft ich bei diesem Interview immer wieder runter gescrollt habe, um nachzusehen, wann ich es denn endlich geschafft habe...die letzte Frage hab ich dann einfach nicht mehr geschafft.

"Der Wohnzimmerkaktus, der höhere Gartenzwerg und die Charterflugsehnsucht sind ihm, ob er will oder nicht, erbarmungslos in sein Gesicht geschrieben." (=> das war jetzt kein Kompliment)

Ich bin zutiefst überzeugt, dass der Hojac in ein/zwei Jahren ein Polit-Comeback beim Stronach feiern wird... Fix oida!

Gut, dass er dann doch nicht Profi-Fußballer wurde,...

...sondern beschloss, Politiker zu werden.

Nein, dem Parlamentarismus hätte er mehr gedient, wenn er Profifussballer geworden wäre.

das ist aber ein ganz lieber geworden

Wos woa sei Leistung?

Der wird sicher niemandem abgehen.

Hatte ihn bei FB dabei weil ich es immer interessant finde was solche Menschen so absondern. Als er den Stronach als die Zukunft Österreichs anpreiste, konnte ich es mir nicht verkneifen ihn zu fragen wie um alles in der Welt ein 80 jähriger Greis die Zukunft Österreichs sein kann. Keine zwei Minuten später war ich und mein Post gelöscht. So setzt man sich mit anderen Meinungen in seiner Welt auseinander...

Der Standard hat es eh verlinkt, aber das damalige Sommergespräch zwischen Strache und Hojac war, gemessen an der Gesprächskultur, der absolute Nullpunkt. Vom Niveau her das Tiefste was ich jemals in einer politischen Informationssendung miterleben musste

Westentaschler....

Zieh mit Gott, aber zieh.
Bitte!
Danke!

irre ich mich oder ist das parlament plötzlich schlauer geworden?

Wieso das Parlament?

Gut, dass er von der politischen Bühne verschwindet!

1. "geschliffene Sprache"? Ich nenn das, was er in seiner polit. Laufbahn so von sich gegeben hat, tiefstes, miesetes Gossenniveau.

2. Während er den 15. Bezirk höchstens durch die Scheibe seines Dienstautos kennt lebe ich hier, mit ein paar Unterbrechungen anderswo, seit 40+ Jahren. Das Einzige was sich da in Zusammhang mit den im Interview angerissenen Themen "in mir regt" ist die Abscheu vor Leuten wie ihm, die beständig bemüht sind Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

3. Ich hab ihn einmal privat, im Plauderbereich einer Sportveranstaltung getroffen: Ein sehr unguter, präpotenter Wichtigtuer, der in seiner Großmannssucht das Personal dort spüren ließ, für wie wertlos er es hält.

Er regt sich ueber den Verfall der Sitten auf...

Also die Fernsehdebatte mit dem HC war legendär!
Wie viele Frauen gibts in Österreich? - Mehr als Männer
Wie viele Pensionisten? - Heute haben Sie sich die Zahlen aufgeschrieben!
Wie viele Mindestrentner? - Sehr viele!

Meine persönlichen Highlights!

"Sie werden mir keine Träne nachweinen"

wär der bessere titel gewesen.

Baba und foi net

Für mich nach wie vor unglaublich wie sich so ein Typ durch Politik und Wirtschaft durchschummelt, noch dazu ohne schlechtes Gewissen und hochbezahlt.

Dass er jetzt Immobillienmakler wird bestätigt wiederum meine Meinung über diese Berufsgruppe...

Irgendwie würde ich mich aber auch nicht wundern wenn er in ein paar Monaten wieder beim Stronach auftaucht.

Beim Stronach ist der doch schon längst am Werken.

"immobilienmakler"

da kann man nichtmal witze drüber machen. oder vielleicht doch, geht er zum plech?

Ungeklärt ist auch,

warum sich Peter Hojac in Peter "Westentaler" umbenennen hat lassen?

Minderwertigkeitskomplex wegen des slowakischen Namen seines Vaters?

Hat Jörgl damals verlangt nur mit Buberln teutscher Abstammung zu "verkehren"?

Oder was gab es sonst für einen Grund seine Vorfahren zu verleugnen!

Wenn Sie das Interview gelesen hätten, hätten Sie es erfahren und hätten hier nicht fragen müssen.

Peter Hojac...

...klingt doch bei weitem besser als Pjotr Westic. Darum hat er sich erstmalig umtaufen lassen...

Herzelichst
Ihr Lappe

Die Antwort auf diese Frage steht im Interview.

interview lesen, da steht's

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