Demokratie, Monokratie, Oligarchie: Über Bestimmung und Mitbestimmung an den Universitäten

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  • Gert Bachmann: "Auf die prophezeiten Ergebnisse der Stärkung der Stärken durch das UG 2002 warten wir noch."
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    Gert Bachmann: "Auf die prophezeiten Ergebnisse der Stärkung der Stärken durch das UG 2002 warten wir noch."

Universitäten brauchen demokratische Diskussions- und Entscheidungsprozesse, sowie entsprechende Transparenz

Im Zuge der Konzeption des österreichischen Universitätsgesetzes 2002 gab es eine bemerkenswerte Entwicklung, welche noch wenige Jahrzehnte zuvor, als Europa nach dem 2. Weltkrieg in Abstreifung des faschistischen Erbes und totalitärer Strukturen in eine neue Phase der Aufklärung eintrat, völlig undenkbar erschienen wäre: Die Hinterfragung und der nahezu vollständige Rückbau demokratischer Strukturen.

In der Zeit nach 1945 waren die europäischen Staaten, im unmittelbaren Eindruck des Leides, welches unkontrollierte Exzesse von Dominanzbedürfnis hinterlassen hatten, sukzessive entradikalisiert, demokratisiert und mit sozialen Netzen versehen worden. Dieser Konsens des transparenten Miteinanders, der Inklusion der LeistungsträgerInnen aus benachteiligten gesellschaftlichen Schichten, fand ihren Niederschlag nun auch an den Universitäten, die in der von Ministerin Hertha Firnberg initiierten Universitätsreform von 1975 mit drittelparitätischen Kollegialorganen (Studierende, Mittelbau, ProfessorInnen) einen beispielgebenden Aufschwung erlebten und eine Zeit der altertümlichen Ordinariendominanz hinter sich ließen. Dies lässt sich in zahlreichen tatsächlich exzellenten Forschungsergebnissen und Nobelpreisen nachvollziehen. Im Universitätsgesetz 2002 wurden diese partizipativen, motivierenden Strukturen buchstäblich über Bord geworfen. Auf die prophezeiten Ergebnisse der Stärkung der Stärken durch das UG 2002 warten wir noch.

Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet

Wie eingangs erwähnt hatte es im Vorfeld des UG 2002 eine seltsam konzertierte semantische Demontage der Demokratie in den Gelehrtenrepubliken der österreichischen Universitäten gegeben. Im Verband organisierte Ordinarien wetterten in Pressekonferenzen gegen die vorherrschend demokratische Ausrichtung der Universitäten, in deren Umfeld sie bezeichnenderweise selbst als ProfessorInnen berufen worden waren. Vom "Scherbenhaufen, welchen basisdemokratische Experimente hinterlassen haben", "verklärtem Denken" und der "Zusammenführung von Entscheidungskompetenz und Verantwortung" war hier die Rede.

Ministerin Elisabeth Gehrer untermauerte: Die Studierenden müsse man von der Politik entlasten, sie mögen weniger diskutieren, dafür mehr studieren. Verantwortliche Partizipation wurde als chaotische Basisdemokratie verunglimpft, politisches Engagement mit unvermeidlicher Minderleistung gleichgesetzt. Konsequenterweise wurden auch Karrieremodelle zerstört: Der schlechten Evaluierungspraxis wurde nicht durch eine bessere, sondern durch Abschaffung von unbefristeten Laufbahnstellen Rechnung getragen. In Negierung moderner Kommunikationsformen und schnellerer Reisemöglichkeiten wurde auf Zwangsverortung (der "Walz") bestanden.

Anstatt die fallweise überbordenden Kommissionen zu durchforsten, wurde auch bei der Gremialarbeit das Kind mit dem Bade ausgegossen: Sämtliche Kollegialorgane außer dem Senat wurden abgeschafft und selbst die Fakultätskonferenzen wurden zu rein beratenden Gremien ohne Geschäftsordung oder Berichtspflicht degradiert, die nur sporadisch einberufen werden. Im Senat wurde eine 50%+1Stimme ProfessorInnenmehrheit per Gesetz festgelegt (inzwischen auf „nur" 50% revidiert). Nur wer sich unter partizipativen Bedingungen keinen Konsens erhoffen darf, der auf inhaltlicher, wissenschaftlich fundierten Argumenten beruht, benötigt dergleichen Ungewicht. Abgesehen davon gibt es heutzutage mehr Kommissionen und Arbeitsgruppen als je zuvor.

Der Unterschied ist dabei nur, dass diese sich heute in zwei Gruppen mit grenzwertigem Nutzen teilen: Taskforces von Lobbyisten oder Feigenblätter von eher pro forma inkludierten Personen. In den Betriebsräten erleben wir dies besonders häufig. Wir werden es erleben, dass der Rechnungshof grenznützliche Prestigebauten, Großgeräte und Überbetonung von Hypes bei gleichzeitig entglittener Personalstruktur kritisiert, welche Lobbys durchdrückten und die Betriebsräte erfolglos thematisierten.

Demokratie - Universität - Gesellschaft 

Konsequent weiter gedacht, stellt solch ein Weg allerdings mittelfristig auch die staatliche Demokratie samt ihrer Verfassung in Frage und bereitet so den Weg zu intransparenten, autokratischen und totalitären Strukturen. Wenn das Vertrauen in partizipativ geprägte Meinungsfindung an den Universitäten und Hochschulen, den ehemaligen Orten der Genese menschlicher und soziologischer Reife, derart untergraben wird, besteht keine Veranlassung zu hoffen, dies würde mit dem Eintritt in die Politik plötzlich wieder aufleben. Was in der Ausbildung nicht gelernt wurde und in erlernter Hilflosigkeit gegenüber autokratischen Entwicklungen endete, ist niemals wieder als demokratische Kultur des Diskurses zurückzugewinnen - man vergleiche die allgegenwärtigen Forderungen zu mehr direkter Demokratie in Österreich, die durch unglückliche legislative Schritte wie das UG 2002 quasi konterkariert werden.

Staatliche Universitäten brauchen, allein schon aufgrund der Fächervielfalt, neben einer handlungsfähigen operativen Ebene unbedingt auch demokratische Diskussions- und Entscheidungsprozesse sowie entsprechende Transparenz dieser Prozesse zur Motivation aller Bediensteten und zur Qualitätssicherung. Das Argument, dass in einer autonomen staatlichen Universität eine demokratische Kontrolle der Führungsebenen wegen der Verwendung öffentlicher Gelder nicht sinnvoll sei, ist sachlich nicht haltbar und darüber hinaus gesellschaftspolitisch gefährlich. Die Autonomie Österreichs ist ja hoffentlich auch nicht durch die demokratische Verfassung gefährdet!

Was tun?

Wir benötigen mit Sicherheit keine Extremexperimente, weder ein "revolutionäres Zurück zu 1968" noch Spielwiesen für AutokratInnen und egomane ProfessorInnen, sondern wir brauchen eine sinnvolle Balance zwischen verantwortlicher Direktive und Abstimmung mit den Interessen der im Arbeitsleben stehenden Personen - vulgo Personal oder Humanresourcen - und deren VertreterInnen, wie sie ja auch im Wechselspiel von Parlament und Regierung realisiert ist.

Wollen wir nicht vergessen, wie viele PolitikerInnen nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, in den Studierendenvertretungen und im universitären Mittelbau neben guter Allgemeinbildung auch demokratische und ethische Herangehensweisen zu erlernen, aus den Universitäten kamen. Heutzutage kauft sich die Wirtschaft in die Politik ein, um ihre Märkte durch Steuerung der Legislative zu servicieren.

Und damit sind wir beim Kern der Notwendigkeit einer Re-Demokratisierung der Universitäten: Auch wenn die wörtliche Übersetzung dies nahelegt, liegt der Vorteil demokratischer Strukturen und Herangehensweisen ja nun nicht nur in der Herrschaft des Volkes unter Inklusion der Basis, sondern vor allem in den zwingend vorgegebenen Diskussionsprozessen und anschließenden Abstimmungen, welche ebenso zwingend Geschäftsordnungen, vollständige, sachliche und transparente Aufbereitung der Materie voraussetzt, über welche demokratisch entschieden werde. Nur dadurch kann die Maxime von Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit gelebt werden.

Demokratie und Wissensgesellschaft

Auch in staatlichen demokratischen Strukturen gibt es naturgemäß Interessensgemeinschaften und Lobbys, aber sie müssen sich zwangsläufig im Lichte bewegen, es kommt irgendwann zu einer öffentlichen Abstimmung samt Berichterstattung darüber. Lobbys können sich nicht, so wie bedauerlicherweise derzeit an unseren Universitäten, in clandestinen Treffen und Tagungsorten nach einer Phase des Antichambrierens unter Umgehung der Abstimmung der betroffenen UniversitätsmitarbeiterInnen der Zukunft bemächtigen.

Die Soziologie einer derartigen Oligarchie führt zwangsläufig zu einer Pseudoelitenbildung und zur Exklusivität für Strickleitersysteme, welche die Kinder der arbeitenden Bevölkerung, welche die Universitäten mit ihren Steuergeldern erhält, immer konsequenter von diesen Universitäten ausschließt. Dies wird uns ja derzeit in einer Zugangssteuerungs- und Vergebührungsdebatte vorexerziert, welche den Aufhohlbedarf Österreichs an nachhaltigen tertiären Bildungsstrukturen weitgehend negiert. Der Egoismus der Lobbys wird als Positivismus im Sinne von Auguste Comte verbrämt: Nur wer sich bereits bewiesenermaßen (durch Berufung an einen Lehrstuhl) bewährt hätte, entscheide. Der Altruismus der Basis inklusive Mittelbau wird hingegen a priori als sozialromantisches Chaos verunglimpft. Diesem schwarzweißen Denken müssen wir vernünftig begegnen.

Ich postuliere deshalb, dass eine nachhaltige Entwicklung Österreichs und ganz Europas, welche den Erfordernissen einer toleranten Wissensgesellschaft und des ökologischen Wirtschaftens unter immer schwierigeren Bedingungen Rechnung trägt, auch in Österreich nur bei demokratisch legitimierten Entwicklungen in expandierenden staatlichen Bildungsstätten und nicht bei industriebetrieblichem Direktionismus in schrumpfenden Universitäten mit beschränktem Fächerkanon möglich sei. Dies bringt der Verband der UniversitätslehrerInnen in seinem Leitsatz zum Ausdruck: Universität ist Leistung durch Kooperation und Verantwortung durch Partizipation. (Gert Bachmann, derStandard.at, 20.11.2012)

Gert Bachmann ist Assistenzprofessor am Zentrum für Ökologie der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien und forscht an den biochemischen und elektrochemischen Mechanismen der Zusammenarbeit und Konkurrenz zwischen den Organismen im Wurzelraum von Pflanzen. Er ist Gründungsmitglied der Sektion Bodenbiologie der Österreichischen bodenkundlichen Gesellschaft. Er ist Betriebsrat und dort für die Bereiche Raum-, Bau- und Sanierungsfragen sowie den ArbeitnehmerInnenschutz zuständig.

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haha, in welcher welt leben Sie denn eigentlich herr bachmann???

wie viele österreichische nobelpreisträger hat denn die unireform von 1975 ihres wissens hervorgebracht?

und dass das allgemeine personal oder eine hochschülerschaft, die nur einen bruchteil der studierenden vertritt und keineswegs repräsentativ für alle ist, bei der nachbesetzung von professuren mitzureden haben, ist wohl für sie ein sicherer hinweis auf exzellenz!?! altruismus?? honi soit qui mal y pense!

sehen sie sich doch mal die mitbestimmungsbefugnisse an unis an, die tatsächlich in der lage sind, nobelpreisträger hervorzubringen, etwa die eth zürich!

hoffärtige standesvertreter wie sie sind doch die sichere garantie dafür, dass österreichs unis in internationalen rankings auch künftig unter "ferner liefen" dahindümpeln werden.

die Welt in der ich lebe ...

...ist eine, in im ehrlichen Diskurs geprüfte Argumente aller Ebenen proportional Gewicht und Gehör haben mögen - und nicht überkommene Schattengesellschaften (wie u.a. der zitierte Hosenbandorden) wo tatsächlich hoffährtige Standesvertreter (ohne -Innen) mit autoritärem Gehabe und wenig tatsächlicher Autorität sich anmaßen mit unangemessenen Mehrheiten die Regeln für das Zusammenleben aller Menschen an den Universitäten zu bestimmen.
Wollen Sie wirklich so plakativ erklären, warum sich seit UG02 das Ranking der Universitäten Österreichs Unis vor allem wegen der katastrophalen Betreuungsverhältnisse derart entwickelte? Wo leben Sie?
Es gab nach 1975, vor und nach UG02 bei uns (wie unten bereits korrigiert) leider keine Nobelpreise mehr.

die postings der Uni-Mitarbieter sind großteils erschütternd

Für die effizinetere Gestaltung einer neuen Mitbestimmugn sollte gestritten werden. Ich weine der Drittelparität nicht nach, aber den Institutskonferenzen und Fakultätsversammlungen mit Entscheidungsbefugnissen. Die Studierenden können sich in allgemeinen Fragen über die ÖH artikulieren, die wissenschaftlichen und nicht wissenschaftlichen Mitarbeiter über die Betriebsräte. Die Mitspracherechte des BR werden noch nicht überall wahrgenommen, weder vom Management noch von den Mitarbeitern. Für die laufende Arbeit wären Institutskonf. und Fakultätsversammlungen (Budgetaufteilung) direkt auf die Arbeit bezogen wesentlich. Dort sollten auch die zahlreichen Drittmittelassistenten vertreten sein. Für eine zeitgemäße Mitbestimmung ist zu kämpfen.

Für eine zeitgemäße Mitbestimmung ist zu kämpfen

In der Tat, und das werden wir auch tun! Zeitgemäß ist hier das Stichwort. Also weder rückwärtsgewandt, noch Fundamentalopposition, noch Resignation. Einige Rektoren haben bereits erkannt, das sich manche Dekanate mangels partizipativer Geschäftsordnung zu schwarzen Löchern für Information von oben nach unten und von unten nach oben entwickelten, und dem in ersten Revisionen von Organisationsplänen gegengesteuert.
Verzagen wir nicht.
"No cause is lost if there is but one fool left to fight for it."
(At world´s end, POC 3)

Der Betriebsrat hat gewisse Rechte, welche im Arbeitsverfassungsgesetz geregelt sind, aber dadurch kein Mitsprachrecht in diversen anderen Gremien. Wenn eine Universität schon als Betrieb (was produziert der eigentlich?) geführt werden soll, dann aber richtig, das heißt volles Mitspracherecht gem. Aktiengesetz im Aufsichtsrat und nicht so halb wie im Unigesetz.
Das UG 2002 ist ein hybrid, ist nicht Fisch und nicht Fleisch und ist lediglich eine Krücke um eine staatliche Universität einem Betrieb anzunähern, mehr nicht. Die Gehälter stimmen nicht, die Sozialleistungen ebenfalls nicht, keine Karrierechancen, viele prekäre Verträge etc.

Lieber Gert,
einen Fehler hast du noch gemacht,
du vergisst bei Deiner Aufzählung das allgemeine Personal. Dieses war im UOG 75 genau so wie der Mittelbau und die Studenten gleichberechtigt und in allen Gremien zu 25% beteiligt und stimmberechtigt.

Das ist unrichtig.

In manchen Kommissionen (zB Studienkommissionen) waren sie ueberhaupt nicht vertreten. In anderen Kommissionen waren sie in der Regel mit weniger Sitzen vertreten, als die drei anderen Kurien.

ABs unerwähnt geblieben

völlig richtig, bitte um pardon!

Assistenzprofessoren (also nicht habilitierte Pragmatisierte) rufen bei mir immer ein gewisses Unwohlsein hervor.

sind nicht pragmatisiert (sie verwechseln das mit Ao Profs.). Vergleichbar mit tenure-track positionen im angelsachsischen raum. Ist ein stelle auf der man sich habil. soll. bitte informieren, bevor blöd aufschreien.

es gibt zwei Typen ASS. Profs

Es gibt die Alten Ass. Profs. ca. 200 an der UNI Wien (sterben spätestens in 15 Jahren endgültig aus) und die neuen Ass. Profs nach Kollektivvertrag - die haben es bis dorthin hart (mehr als die Hälfte war schon Habilitiert als sie die sogenannte Qualifizierungsvereinbarung bekamen - ca. 40 - 50 momentan mit unbef. DV) - und es bis zum Asso. Prof noch härter haben werden. Aber auch diese gehören nicht der Prof. - Kurie an, was ich gelinde gesagt als absolut falsch empfinde.

Die Aussage ist bedingt richtig,
es gibt sogenannte Assistenzprofessoren nach Beamtendienstrechtsgesetz und dann gibt es noch Assistenzprofessoren nach dem neuen UNI KV.
Ass.Prof. nach BDG sind nicht habilitiert, haben aber ähnliche Qualifikation wie Habilitierte.
Also bitte zuerst nachlesen und dann schreien !

habe ich geschrieben? es gibt genug nicht habilitierte Ass. Profs., jene mit einer Leistungsvereinbarung, die wie obiger Poster schon beschrieb, sich in einem sehr competitiven Umfeld behaupten müssen. bei zumind solchen braucht man kein unbehagen zu hegen. die anderen wie ebenfalls oben erwähnt, wird es nicht mehr lange geben.

ass. prof

in der Regel können wir aber sogar mit Messer und Gabel essen, beherrschen einige Kulturtechniken und sind sogar meist der deutschen Sprache mächtig. Und wenn sie wollen reichen wir ihnen gerne den Speibkübel beim Anblick eines Ass. Prof. - gerne lagere ich welche bei mir im Büro ein (Rennweg 14)

es geht weder um kulturtechniken noch um speibkübel, sondern darum, ob sich jemand im zarten alter des autors, der immer noch nicht habilitiert ist, nicht fragen lassen muss, ob er (i) wissenschaftlich gescheitert ist und es (ii) verantworten kann, einem (oder zwei) nachwuchswissenschafter(n) den platz wegzusitzen.

umkehrschluss?

dann würde habilitation an sich schon für wissenschaftlich erfolgreich stehen. und was hieße das für wissenschafterInnen in den länder, die keine habilitation haben?

zum Thema Diskursmündigkeit

abgesehen davon das ich mich weder meines Alters noch meiner Arbeit schäme (danke an vegetation für die geduldige Erläuterung) irritiert bei Ihrer Wortmeldung, daß Sie hier nicht inhaltlich, sondern rein personenbezogen argumentieren. Was soll uns das sagen? Meinen Sie, daß die Habilitation eine Vorraussetzung sei, sich über Demokratie im Konnex mit Universitätsentwicklung zu äußern zu dürfen? Diese diskriminierende Art des Diskurses, welche auf eine fragwürdige höhere Qualifikation der Habilitatiierten auch abseits des Publikationswesens pocht, um den Großteil der WissenschafterInnen (Postdocs, LektorInnen) von der Mitgestaltung an den Unis auszuschließen, ist eine der Motivationen für diesen Blog. Ein Beitrag zur Fakulty kommt noch...

Ass. Prof.

Es gibt Ass. Profs, die diese Übung für sich ablehnen aber mehr als genug wissenschaftliche Arbeiten haben - aber als Zuarbeiter in vielen Bereichen Co-Autoren sind (Beispiel: ich hab zur Zeit 135 gültige Publikationen aber ca. 90% davon in Co-Autorenschaft - das ist nach meiner Definition für eine Habil einfach zu wenig). Andere wieder haben ihren Schwerpkt in der Lehre oder auch in der Wissenschaftsverwaltung - vergleichbar den heutigen Senior Lecturer oder Senior Scientists. Und einige ganz wenige haben wirklich versagt und dann doch Glück gehabt - glauben sie mir, der Autor gehört nicht zur letzteren Gruppe.
Wenn es nur Häuplinge gäbe und keine Indianer, würde die UNI nicht funktionieren

nun ja, wir sind strukturell wieder bei der Ordinarienuniversität des jahres 1934 angelangt-totalitäre Tendenzen lassen grüßen

Zitat ...

"Wollen wir nicht vergessen, wie viele PolitikerInnen nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, in den Studierendenvertretungen und im universitären Mittelbau (...) erlernen, aus den Universitäten kamen."

Na, da kann man ja an den Unis einiges lernen. Und wird gut vorbereitet auf die Arbeit im Parlament. Ich spare mir Links z.B. zum Betrieb von Gastronomie ... die wird sicher mal ne tolle Finanzministerin.

Die Beschreibung von Österreichs Unis zwischen 1975 und 2002...

... ist eine reine Fantasie.

Es ist argumentativ sicher sinnvoll, ein bisschen zu übertreiben, was man gutreden will, aber das hier geht doch entscheiden zu weit.

Transparentes Mitereinander?
Exzellenz?
Nobelpreise?
Beispielgebender Aufschwung?

Also bitte.

Ich erinnere mich an Hausberufungen, Pragmatisierungen von Ass.-Profs. aufgrund von Habilitations-Vorhaben(!), Institute ohne jeden weltweiten Impact und Verhaberungspartien -- und plötzlichen Massen von Studierenden ohne quantitativ adäquates Gegenüber.

Hausberufungen, Seilschaften etc.

Glauben Sie wirklich, dass sich dabei Grundlegendes geändert hat? Seilschaften und Verhaberungen gibt es weiterhin - in einer eng begrenzten Kommunity eines Forschungsgebietes kennt jeder einen jeden. Hausberufungen gibt es weiterhin - und sind manchmal auch sinnvoll, da man SpezialistInnen, für die der Staat eine Menge für ihre "Ausbildung" ausgab, wohl auch "verwerten", dh nutzen sollte. Auf Berufungskomm. wird weiterhin von Außen Einfluss genommen. Demokratie mag nicht die beste Regierungsform sein, sie hilft aber, das Schlimmste zu verhindern. Wer mitentscheidet trägt Mitverantwortung, wenn eh nur der da oben Verantwortung trägt ...
Und in einer Habilkomm hatten die Berufenen immer die Mehrheit, da nur Habilitierte abstimmen durften.

es ist sicher argumentativ sinnvoll, ein wenig zu übertreiben, wenn man abwerten will, aber das hier... :-)
im Ernst, es gab sicherlich auch all das, was Sie erwähnen, aber es gab Hoffnung und aktive Mitarbeit durch legalisierte Partizipation, welche heute einer Lethargie durch negierte "Beratung" wich - das ist doch wohl nicht zu übersehen.

sehr gut

lieber gert

sehr gut dein kommentar - schade, dass die gegner unserer gedankenwelt sich nicht trauen einen kommentar zu liefern. in ergänzung - wir dachten nach dem regime Gehrer kann es nicht mehr schlimmer werden - die gegenwart zeigt uns, dass es doch geht

karl

"zahlreiche....Nobelpreise"

Mir fällt kein einziger Nobelpreis ein, der durch das UOG'75 wenigstens indirekt ermöglicht wurde.

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