"Hairdresser-Oscar": Frisörin des Jahres gekürt

Interview | Oliver Mark
19. November 2012, 09:45
  • Gina Aichbauer (Salon "Hairgott") wurde als erste Frau "Hairdresser of the Year". Die Auszeichnung wird seit sechs Jahren von Schwarzkopf vergeben.
    foto: henkel

    Gina Aichbauer (Salon "Hairgott") wurde als erste Frau "Hairdresser of the Year". Die Auszeichnung wird seit sechs Jahren von Schwarzkopf vergeben.

  • Aichbauers Fotos in der Kategorie "Damen Süd", die ihr den Titel "Hairdresser of the Year" einbrachten.
    vergrößern 500x332
    foto: henkel

    Aichbauers Fotos in der Kategorie "Damen Süd", die ihr den Titel "Hairdresser of the Year" einbrachten.

  • Pro Kategorie dürfen vier Fotos eingereicht werden.
    vergrößern 500x332
    foto: henkel

    Pro Kategorie dürfen vier Fotos eingereicht werden.

  • Aichbauer gewann neben dem Hauptpreis auch die Kategorien "Colour" und "Publikum".
    vergrößern 500x332
    foto: henkel

    Aichbauer gewann neben dem Hauptpreis auch die Kategorien "Colour" und "Publikum".

  • Insgesamt halten Gina Aichbauer und ihr Mann Wolfgang, der heuer bei den Männern siegte, bei insgesamt 14 Trophäen.
    vergrößern 500x332
    foto: henkel

    Insgesamt halten Gina Aichbauer und ihr Mann Wolfgang, der heuer bei den Männern siegte, bei insgesamt 14 Trophäen.

Gina Aichbauer darf sich mit dem Titel "Austrian Hairdresser of the Year 2012" schmücken: "Sind oft auch eine Art Psychiater"

Österreichs Friseurin des Jahres heißt Gina Aichbauer, sie wurde kürzlich als "Hairdresser of the Year 2012" ausgezeichnet. Der Award wird jährlich in zehn verschiedenen Kategorien vergeben, an der Spitze steht die Trophäe für den "Hairdresser of the Year". Im Interview mit derStandard.at erzählt die Gewinnerin vom Stellenwert der Auszeichnung und was für sie der Beruf "Frisörin" bedeutet.

derStandard.at: Wie wird man "Hairdresser of the Year"?

Aichbauer: Das ist ein unabhängiger Fotowettbewerb, bei dem man in verschiedenen Kategorien teilnehmen kann. Gewinnt man die Kategorie Damen oder Herren, dann hat man auch die Möglichkeit "Hairdresser oft he Year" zu werden.

derStandard.at: Welche Kriterien müssen für die Teilnahme erfüllt sein?

Aichbauer: Den Hairdressing-Award gibt es in verschiedenen Ländern. In Österreich darf jeder Frisör teilnehmen, der entweder in einem Salon angestellt ist oder als Selbstständiger arbeitet.

derStandard.at: Als Einreichungen reichen Fotos mit selbst kreierten Frisuren?

Aichbauer: Ja, mein Mann und ich haben in mehreren Kategorien teilgenommen. In der Kategorie "Damen" schickt man beispielsweise eine ganze Kollektion ein. Voraussetzung sind vier verschiedene Fotos, die müssen gewisse Kriterien erfüllen. Etwa dass man maximal 50 Prozent Haarteile verwendet. Das Tolle an dem Wettbewerb ist die Unabhängigkeit, die über die Zuteilung von Nummern gewährleistet wird. Eine internationale Fachjury entscheidet dann.

derStandard.at: Wie viele Teilnehmer hat es gegeben?

Aichbauer: Es waren 500 Einsendungen mit jeweils vier Fotos.

derStandard.at: Kann man in Österreich noch vergleichbare Titel gewinnen oder ist der Bewerb das Nonplusultra unter Frisören?

Aichbauer: Der Hairdressing Award ist eigentlich die Oscar-Verleihung der Frisöre. Es ist die höchste Auszeichnung, die man erreichen kann. Mit dem Highlight "Hairdresser of the Year". 2010 hat mein Mann gewonnen, 2012 habe ich es geschafft. Die Awards gibt es in Österreich das sechste Jahr und ich freue mich sehr, dass ich die erste Frau bin, die das gewonnen hat.

derStandard.at: Was bekommen die Gewinner? Ein Preisgeld?

Aichbauer: Nein, Geld gibt es keines. Gewonnen habe ich eine Reise.

derStandard.at: Wie oft waren Sie schon dabei?

Aichbauer: Wir haben jedes Jahr teilgenommen. In den fünf Jahren davor waren es insgesamt schon neun Oscars, heuer sind noch einmal fünf dazugekommen.

derStandard.at: Auf was kommt es beim Model an?

Aichbauer: Die Vorlage war, dass ich ein ganzheitliches Konzept mache. Wichtig ist es, die richtigen Models dafür zu haben. Meine Nichte, die mir sehr am Herzen liegt, war zum Beispiel dabei. Das zweite Model war eine Kundin von mir. Zuerst formen sich die Ideen im Kopf, danach überlegen wir, welche Models wir für die Umsetzung verwenden. Das Konzept muss zum Model passen, also Haare, Make-Up und Styling.

derStandard.at: Hatten Sie immer schon den Berufswunsch "Frisörin"?

Aichbauer: Ja, von klein auf war das mein Traumberuf. Meine ältere Schwester war auch Frisörin. Im Volksschulalter bin ich schon mit ihr in den Salon gefahren, um zu kehren und wegzuräumen. Der Weg in die Selbstständigkeit war dann das weitere Ziel.

derStandard.at: Was zeichnet eine gute Frisörin aus?

Aichbauer: Einerseits das Beherrschen des Handwerk und auf der anderen Seite die Liebe zum Job. Wichtig ist, auf Kunden einzugehen, ihnen zuzuhören, sie glücklich zu machen. Wir sind ja oft auch eine Art Psychiater. Kundenzufriedenheit steht an oberster Stelle, denn Haare sind der schönste Schmuck des Menschen. Die Frisur sollte sitzen.

derStandard.at: Reden Sie Kunden Frisuren auch aus?

Aichbauer: Natürlich haben Kunden auch Wünsche, die ich nicht erfüllen kann oder will. Da kommt halt die Beratung ins Spiel. Manche haben beispielsweise zu wenige Haare für gewisse Frisuren, zu feine Haare oder der Frisurwunsch passt nicht zur Gesichtsform.

derStandard.at: Zum Beispiel?

Aichbauer: Wenn eine Kundin ein rundes Gesicht hat, kann ich ihr keinen Pony schneiden. Das passt einfach nicht. Das muss man Kunden klarmachen, eine wichtige Aufgabe von Frisören.

derStandard.at: Wenn Ihre Überzeugungsarbeit auf taube Ohren stößt, würden Sie Kunden auch Schnitte verweigern?

Aichbauer: Ich habe mich schon öfters geweigert, jemanden eine bestimmte Frisur zu schneiden. Natürlich mit der Erklärung, warum ich das nicht machen möchte. Mit "Hairgott" verfolgen wir ein bestimmtes Konzept, das gewisse Looks auch ausschließt. Wir machen zum Beispiel keine Dauerwellen oder Farbenspiele wie oben blond und unten schwarz.

derStandard.at: Wieso nicht?

Aichbauer: Weil es nicht im Trend ist. Das Schöne an unserem Beruf ist, dass er sehr schnelllebig ist und dass Trends kommen und gehen. Man informiert sich, auch was international abgeht. Die Victoria Beckham ist zum Beispiel für mich eine Trendsetterin, oder auch Nena. Die sind immer top gestylt. Über diese Trends machen wir selbst Seminare und Schulungen. Das muss alles mit dem Make-Up und der Kleidung zusammenpassen. Es ändert sich laufend, was uns zu Gute kommt, weil wir kreativ sein können.

derStandard.at: Welcher Persönlichkeit würden Sie gerne die Haare schneiden?

Aichbauer: Das wäre der Brad Pitt, das hat aber nichts mit seiner Frisur zu tun.

derStandard.at: Können Sie sich einen anderen Beruf vorstellen?

Aichbauer: Eigentlich nicht, denn es war schon immer mein Traumberuf. (om, derStandard.at, 19.11.2012)

Zur Person:

Gina Aichbauer, 38, begann ihre Lehre 1989, selbstständig ist sie seit 2004. Mit ihrem Mann Wolfgang betreibt sie in Graz und Leoben den Salon "Hairgott". Weiters im Portfolio: Aus- und Weiterbildungsangebote für Frisöre.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Selber sich so fesch herrichten, und die armen Models bekommen nur den Mopedhelm!

Kennt wer einen Frsör, der nicht übers Wetter schwafelt?

einen frisör, der übers wetter schwafelt kenne ich nicht.

aber ich geh auch hauptsächlich zu frisörinnen, vielleicht rede ich deshalb mit denen nie übers wetter.

das ist aber schön für Fräulein Gina!

oben blond, unten schwarz

wo genau unten. das in der mitte unten, oder das oben unten?

ich hoffe sie meint, sie ist eine art psychologin, nicht psychiaterin. oder vertickt sie bei bedarf tatsächlich auch medikamente, in kombination zur neuen frisur? ;)

Anekdote

Ernest Hemigway war mal beim Frisör.
Dieser fragte ihn wie er denn die Harre geschnitten haben möchte.
Er sagte: "Ohne Worte"

wirklich schlimm

sie verweigert kunden einen haarschnitt, weil er aktuell nicht im trend liegt.
also so eienn schwachsinn hört man selten.

was ist dann, wenn ein kunde/in nicht so willenschwach ist, daß er/sie dem trend hinterherläuft sondern eine eigene meinung hat und diese nicht ändert egal was grad angesagt ist oder nicht.

ich unterstütz auch ungern den ie6, auch wenns manche kunden wünschen.

ich glaub, dauerwelle ist da das äquivalent.

Äußerst eigenartige Aussage, in der Tat.

Allerdings gelten für Haareschneidenlassen zumindest in Wien angenehmer Weise die Gesetze des freien Marktes, man geht also einfach zum/zur Nächsten, und die gute Frau Oscar-Gewinnerin wird entweder noch immer genügend Kunden haben, oder ihr Konzept ändern wenn ihr ohne Kundschaft in Ihrer Bude langweilig wird, oder den Laden dicht machen.

Ja, ich finde die Aussagen der Dame auch etwas eigenartig.

Wenn ich eine Beratung beim Frisör wünsche, dann frage ich danach. Wenn ich einen bestimmten Schnitt haben möchte, dann will ich darüber nicht diskutieren. Unterm Strich bin ich dann diejenige die mit ihrer Frisur leben muss - was eine Victoria Beckham trägt, interessiert in diesem Zusammenhang nicht im Geringsten.

Genderalarm

Korrekt heissen müsste es HairdresserIN! Unglaublich, jetzt erkennt man(n) die Frau schon wieder nicht.

Neue Rechtschreibung in Ehren,

aber "Frisörin" mutet doch zu seltsam an. Wäre "Frisöhrin" vielleicht besser?

Als jemand, der noch mit Politessen aufgewachsen ist, geht sowieso nur die Friseuse durch.

Politessen sind aber keine Polizistinnen. ;-)

Eh nicht. Das waren damals Strafzettelschreibsen, also quasi die Vorgänger der heutigen Parksherrifs, allerdings in ungleich hübscherer Uniform.

"FrisÖHRin"

Weil sie immer die Ohren schneidet?
(C:

Warum hat sie nicht auch selbst so eine Frisur?

weil sie sich nicht selber die haare geschnitten hat?

weil sie keinen geschmack hat u etwas am kopf daß an eine nasse bisamratte erinnert

Ich gratuliere, Gina, reife Leistung. Die Frisuren erinnern an Stahlhelme....

der 1. preis

müsste eigentlich ein opel manta sein.

"Wir machen zum Beispiel keine Dauerwellen oder Farbenspiele wie oben blond und unten schwarz."

Das kann ich jetzt nachvollziehen.
Wenn schon dann oben und unten rum blond.

jetzt weiss ich wenigstens, wo ich besser nicht zum frisör gehe! ich würd mich genieren mit so einem helm!

es gibt mehr friseure mit irgendwelchen titeln wie, welt oder europameister, of year xxx als ohne, ich habe das gefühl diese werden ersessen wie bei den beamten.

Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.