Archos 101XS: Das Surface unter den Androiden im Test

Interessantes Tablet mit beigelegter "TypeCover"-Alternative bietet gute Kombination mit kleineren Schwächen

Der französische Hersteller Archos, bekannt für Tablets im Einsteiger-Segment sowie portable Mediaplayer und E-Reader, hat mit dem Modell 101XS eine interessante zu gängigen Android-Convertibles wie dem Asus Eee Pad Transformer herausgebracht. Wir haben das Gerät, das vom Konzept her Microsofts Surface ähnelt, genauer angesehen.

Die schützende Tastatur

Die große Gemeinsamkeit des mit Windows RT laufenden Surface und dem mit Android 4.0 bespielten Archos-Tablets ist ihr Cover mit integrierter Tastatur. Die Variante des 101XS entspricht dabei ungefähr dem TypeCover mit haptischen Tasten. Das dünne Keyboard haftet magnetisch am Bildschirm und schützt ihn unterwegs vor Beschädigungen. Das helle Plastik des Covers ist leider etwas anfällig für oberflächliche Verfärbungen, die sich allerdings entfernen lassen.

Im Gegensatz zum Microsoft-Gerät ist der Standfuß jedoch nicht in das Tablet, sondern in die Tastatur integriert. Während das 101XS trotz eigenwilliger Retro-Plastikoptik in Sachen Verarbeitung einen passablen Eindruck macht, wirkt jene Konstruktion, die den 10,1 Zoll großen Bildschirm stützt, etwas fragil und sollte wohl nicht überlastet werden.

Mittelmäßiges Display

Positiv fällt die schlanke Bauweise auf. Das Tablet selbst ist lediglich rund acht Millimeter dick, das Tastaturcover kommt gar nur auf einen halben Zentimeter. Woraus sich summa summarum eine Gesamtdicke von 13 Millimetern errechnet. Damit ist die Kombination von beiden Bestandteilen kaum dicker als die meisten Tablets alleine.

Inhalte stellt das Archos 101XS auf 1.280 x 800 Pixel dar und liegt damit gleichauf mit dem wesentlich teureren Galaxy Note 10.1, das zwar keine Tastatur, dafür aber einen Digitizer mitbringt. Im Vergleich erreicht das Display des Archos allerdings eine bessere Helligkeit. Auch die Farbtreue bei spitzen Sichtwinkeln ist gegeben. Wunder vollbringt es allerdings auflösungsbedingt keine.

Hardware à la Kindle Fire HD

Unter der Haube werkt die OMAP 4470-CPU von Texas Instruments. Der Dualcore-Prozessor taktet mit 1,5 GHz. Für Grafikbeschleunigung zeichnet die PowerVR SGX544 GPU verantwortlich. Der Arbeitsspeicher ist einen GB groß. Die gleichen Komponenten finden sich auch im Kindle Fire HD mit 8,9 Zoll.

Das Gerät verbindet sich per WLAN mit dem Internet (auch WiFi Direct wird unterstützt), ein SIM-Slot ist nicht vorhanden. Dafür sind Bluetooth 4.0 und ein GPS-Modul integriert. Der 16 GB große Speicher kann per microSD-Slot erweitert werden. Der microUSB-Konnektor arbeitet auch als Host, per microUSB gelingt auch der Anschluss an externe Monitore. Die Wiedergabe von Full HD-Content funktioniert ruckelfrei. Die frontseitige 1,3 MP-Kamera kann 720p-Videos aufnehmen.

Solide Performance

Zu den Benchmarksergebnissen: Im Allround-Benchmark Quadrant bringt es das Gerät auf knapp 4.000 Punkte und liegt damit auf dem Level des Asus Transformer Prime. Antutu spuckt 7.300 Punkte aus, was etwa dem Galaxy Note-Phablet entspricht. Der Browser-Benchmark Vellamo bewertet die Performance mit 1.100 Zählern. Ein Punktestand, den auch die Smartphones Samsung Galaxy Nexus (mit Jelly Bean-Firmware) und Sony Xperia Ion erreichten.

Im 3D-Performance-Durchlauf mit BaseMark Taiji ES 2.0 schafft es 18 FPS und liegt in etwa gleichauf mit dem Galaxy Tab 7.7. Das Archos 101XS ist hauptsächlich ein Multimedia- und Surfgerät und weniger zum Spielen gedacht, auch wenn der Shooter Dead Trigger bei mittleren Einstellungen konstant flüssig läuft und folglich die meisten aktuellen Kracher bei entsprechend reduzierten Grafikdetails spielbar sein sollten. 

Softwarepaket mit Media Server

Softwareseitig verzichtet Archos auf große Anpassungen. Verwendet wird das Standard-Interface von Android, ergänzt wurden lediglich eigene Apps. Vorinstalliert ist etwa der Nachrichten-Aggregator News Republic, die OfficeSuite Pro, der virtuelle Kiosk Zinio, der eigene Taskmanager System Monitor und das simple Filmbearbeitungs-Tool Video Studio. Sehr sinnvoll, etwa für die Verwendung mit einem Smart TV, ist dazu der einfach konfigurierbare Media Server. Wer andere, W-LAN-fähige Archos-Geräte besitzt, kann diese via Archos Remote fernbedienen.

Praxisnah

In der Praxis macht die Tastatur-Tablet-Kombo absolut Sinn. Das Gewicht des Tablets liegt bei rund 600 Gramm, das Coverboard bringt weitere 200 Gramm auf die Waage. Dank der magnetischen Haftung lassen sich beide Teile als Einheit transportieren, sind aber trotzdem leicht auseinander zu nehmen. Der Umbau vom Flachbildschirm-PC zum Android-Netbook geht schnell von statten.

Das Keyboard wird nach dem Einsetzen des Tablets in das Dock ohne weiterem Zutun erkannt und ermöglicht flottes und angenehmes Schreiben. Um in diesem Modus die Touchinteraktionen auf ein Minimum zu beschränken, sind allerlei Sonderfunktionen als auch die wichtigsten Steuerbefehle des Betriebssystems auf der Tastatur untergebracht. Die Tasten sind nicht hintergrundbeleuchtet, was angesichts der Leuchtkraft des Displays in der Regel auch keinen Nachteil mit sich bringt.

Sechs bis neun Stunden Akkulaufzeit

6.800 mAh fasst der Akku des weißen Archos-Tablets. Bis zu 40 Stunden Musikwiedergabe bzw. sieben Stunden Videos oder zehn Stunden Websurfen verspricht der Hersteller. In der Praxis sind je nach Nutzungsintensität sechs bis neun Stunden zu erwarten. Wer von allem - Surfen, Spielen, Musik, Arbeiten - ein bisschen etwas macht, muss das Gerät nach sieben Stunde wieder ans Ladekabel hängen und zwei bis drei Stunden auf die Vollladung warten.

Schwächen bei Lautsprecher und Kamera

Von Schwächen befreit ist das 101XS allerdings nicht. So sind die Tasten zum Ein- und Ausschalten sowie zur Lautstärkeregelung extrem dünn und schlecht zu ertasten. Wenig Freude bereitet auch der Mono-Lautsprecher, der bei höherer Lautstärke arg blechern und undeutlich klingt. Das Tastaturdock stützt das Tablet zwar rückseitig, liegt das Gerät aber beispielsweise auf den Oberschenkeln auf und man bewegt diese etwas nach oben, kippt es nach vorne.

Die Kamera des Archos-Pads liefert nur bei guten Lichtbedingungen brauchbare Aufnahmen. Bei höherem Kunstlichtanteil oder allgemein wenig Licht muss man mit deutlichem Rauschen und Rotstich Vorlieb nehmen. Ab und an - dabei dürfte es sich aber mit hoher Sicherheit um einen behebbaren Softwarefehler handeln - benötigt das Display nach dem Einschalten einige Sekunden, um wieder auf Eingaben zu reagieren.

Fazit

Das Archos 101XS wird derzeit für rund 350 Euro verkauft. Gemessen an Hardware und Komponenten sicher nicht der günstigste Preis - denn immerhin wird das Highend-Gerät Nexus 10 nur unwesentlich mehr kosten. Berücksichtigt man allerdings, dass man mit dem beigelegten Keyboard-Dock eine sinnvolle Kombination im Stile eines Eee Pad in Vollausstattung erhält, relativieren sich die Kosten ein wenig (einzig ein Zusatzakku ist nicht in der Tastatur versteckt).

Wer seinen Fokus auf Praktikabilität legt, nicht unbedingt die aktuell schnellste Hardware haben muss und Android mag, dürfte mit diesem Produkt durchaus Freude haben. Archos hat mittlerweile ein Update auf Android 4.1 "Jelly Bean" veröffentlicht. Ob das Gerät auch eine Aktualisierung auf Version 4.2 erhalten wird, ist nicht bekannt. (Georg Pichler, derStandard.at, 12.11.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Habe eins.

Ich habe seit 3 wochen das Archos 101XL und bin sehr zufrieden damit. Preis (300E) / Qualität stimmt für mich. Natürlich ist es kein Ipad, aber dafür müsste man ja einige mehr hinblättern.

Wenn die Archos Tablets nur nicht (meistens) so hässlich wären...

Bei diesem Modell gibt es auch mehr Rahmen als Display - bei 7" ist das ja ok, aber bei 10" wird's mühsam...

Der Vergleich mit einem Eee Pad hinkt meiner Meinung nach, weil gerade der Zusatzakku sowie die zusätzlichen Anschlüsse (USB und SD-Cardreader) machen die Transformer-Serie aus, nicht die Tastatur an sich (Tastatur an sich könnte man auch per Bluetooth nachrüsten).

Ipad + BT tastatur, fertig

Mit pages, office und keynote gibts auch noch eine vernünftige office lösung.

wenn man Apple mag ok

wenn nicht dann halt was anderes...

Geht bestens mit der Bildschirmtastatur allein.

Email, Pages, Numbers brauchen außer der Tastatur noch Gesten am Bildschirm und das ist umständlich wenn man von der Tatatur hingreifen muss.

Hochgreifen auf den Bildschirm für Fingergesten?

Wo ist der Vorteil gegenüber einem 11 oder 13 Zoll Notebook?

Wenn das so billig und wackelig ist, wie es aussieht, dann gute Nacht...

Klar

oder glaubst du die "Tradition" der hässlichen, billigen, China-Klon-Plastik-Schaniere von den MacBookAir-Kopien aka "Ultrabooks" wird einfach so eingestampft? :-)

Irgendwie muss man ja die dummen überzeigen können und das geht am besten beim Preis.

Aber gut, es gibt auch genug die extra nach Tschechien um ein paar € zu sparen weil dort die Marlboro billiger sind und kommen dann darauf dass nur Marlboro draufsteht aber nicht drinnen ist ;)

So billig wie das iPad?

Dieses typisch chinesische Design finde ich persönlich potthäßlich.

so ein Sch...s

Das Ding hat ja nicht mal ein Diskettenlaufwerk eingebaut.

Die Spiegelung des Displays habens extra noch draufgepackt oder? Herrlich!

Ich warte bisweilen immer noch auf das TP Tablet2. Spätestens damit werden Tablets wirklich Business-tauglich.

Der Jänner wird (hoffentlich) spannend: W8 Pro Tablets und BB10!

Das ding ist ja dicker als ein ubook!
Plastikbomber at its best.

Das Surface...

Das Surface...

Warum immer diese Haarsträubenden Vergleiche? Archos hat sowohl seinen Platz als auch Zielgruppe, hat aber nicht viel mit einem Referenzgerät zu tun.

ich will ja nicht nachtragend sein, aber war nicht für den selben autor das galaxy note 10.1 ein fehlgriff?

Georg Pichler
23
31.12.2012, 12:31

Ja. Gemessen an seinem Preis ist bzw war es das auch (ja wie der aktuelle straßenpreis ist). Und was hat das nun mit dem archos zu tun? :)

Georg Pichler
13
31.12.2012, 12:31

Ja. Gemessen an seinem Preis ist bzw war es das auch (ja wie der aktuelle straßenpreis ist). Und was hat das nun mit dem archos zu tun? :)

Heurige Visionen

Rustikal - auf der an Seitn des Tablets die Tastatur, auf der andan die Blunzn, des Display steckt passabel im Grammlschmalz.
Verfeinerte Version - stilvolle Schneidbrett-Rückseite gedacht für Comté, Beaufort oder Gruyère mit vorinstallierten Käse-Apps

Zukunftsvision!

Jetzt fantasiere ich mal: Vielleicht könnte man die Aufstecktastatur mit Scharnieren am Tablet festmachen - so, dass sie zugeklappt gleich auch als Schutz für das Display dient.

wer hats erfunden? LENOVO hats erfunden :-)

Niemand erfindet was außer Apple. Merk dir das.

coole idee!
und wir nennen das dann... ultrabook oder laptop oder notebook! :o)

äh, du hast den "ansteck"-teil vergessen ... also 100%-optional das ganze teil quasi, was mit note-ultra-net-books ja nicht geht.

lies nochmal zannowichs posting auf das ich mich bezogen habe:
"[...]mit Scharnieren am Tablet festmachen[...]"

Posting 1 bis 25 von 58
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.