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vergrößern 800x546Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Rektor Heinz Engl und der Wiener Kultursprecher der Grünen, Klaus Werner-Lobo (v. re.), beim Enthüllen des neu beschrifteten "Universitätsrings". Neue Enthüllungen machen indes offensichtlich, dass nicht nur Karl Lueger, sondern auch die Uni Wien früh antisemitische Tendenzen aufwies.

Zum Download: Dollfuß in der "Reichspost" am 24. September 1920.
Dieser Tage wurde die Umbenennung auch sichtbar vollzogen: Der verantwortliche Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) hat gemeinsam mit Klaus Werner-Lobo, dem Kultursprecher der Grünen, und Heinz Engl, dem Rektor der Universität Wien, "Universitätsring"-Tafeln enthüllt, die jene mit der Aufschrift "Dr.-Karl-Lueger-Ring" ersetzen.
Die Universität Wien, aber auch viele in- und ausländische Wissenschaftler - unter ihnen auch Nobelpreisträger Eric Kandel - hatten sich seit vielen Jahren für eine Umbenennung ausgesprochen. Die Gründe für die Umbenennungsaktion sind nachvollziehbar: Warum sollte ausgerechnet der Antisemit und deklarierte Wissenschaftsfeind Karl Lueger mit einem Ring-Abschnitt gewürdigt werden, an dem das Hauptgebäude der Universität Wien steht? So weit, so politisch korrekt.
Universität Wien eine Hochburg des Antisemitismus
Nur sollte das halt auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Universität Wien insbesondere nach 1918 (aber auch schon davor) eine Hochburg des Antisemitismus war - sowohl seitens der Studenten wie auch des Lehrkörpers. Und vielleicht ringt man sich ja auch am Universitätsring 1 noch auf, den hauseigenen Antisemitismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die universitäre Zuarbeit zum Nationalsozialismus lange vor 1938 besser aufzuarbeiten, als das bisher der Fall ist.
An den meisten Fakultäten - insbesondere der philosophischen, zu der damals alle geistes- wie auch naturwissenschaftliche Disziplinen gehörten - war es nach 1918 mit wenigen Ausnahmen ausgeschlossen, dass jüdische oder linke Forscherinnen und Forscher sich habilitieren konnten oder gar eine Professur erhielten. Das entsprach ganz einem Motto, das der Geologe und Paläontologe Karl Diener ausgegeben hatte, Rektor der Universität im Studienjahr 1922/23. Der Namensgeber der Karl-Diener-Gasse in Wien-Favoriten meinte Ende 1922 in einem Artikel in der rechts-katholischen Tageszeitung "Reichspost":
"In der geradezu erschreckenden Invasion rassen- und wesensfremder Elemente, deren Kultur, Bildung und Moral tief unter jener der bodenständigen deutschen Studentenschaft stehen, liegt der wahre Krebsschaden unserer akademischen Verhältnisse. Der Abbau der Ostjuden muss heute im Programm jedes Rektors und Senats einer deutschen Hochschule einen hervorragenden Platz einnehmen. Der fortschreitenden Levantisierung Wiens muss wenigstens an den Hochschulen Einhalt geboten werden."
Forderungen der Deutschen Studentenschaft
Diener schloss sich in dem Text den Forderungen der Deutschen Studentenschaft an, die bald nach dem Ersten Weltkrieg einen zehnprozentigen Numerus clausus für jüdische Studierende und Lehrende forderte. Mitbegründet wurde die Deutsche Studentenschaft übrigens von Cartell-Verbands-Seite durch einen gewissen Engelbert Dollfuß, der sich 1920 nicht nur für einen Arierparagrafen im CV aussprach; nein, das spätere Ehrenmitglied vieler Verbindungen des Österreichischen CV schlug bereits zwei Jahre vor Diener mit folgenden Worten eine Lösung der Fremdländer- oder besser Judenfrage an der Wiener Universität vor (am 24. September 1920, ebenfalls in der "Reichspost"):
"Hier hilft kein Herumdoktern, weg mit allen fremden Juden aus dem Osten, Beschränkung aller derer, die diesen den Weg vorbereitet haben, den so genannten bodenständigen Juden, auf die ihnen nach dem Friedensvertrag zustehenden Rechte, auf die ihnen nach ihren Köpfen gebührende Zahl! Nur so können wir unserer heimischen Jugend den akademischen Boden sichern (...)"
Immerhin: Nach Dollfuß ist keine Wiener Gasse benannt. Aber vielleicht sollte man sich in der ÖVP wieder einmal fragen, warum sein Porträt immer noch im Parlamentsklub hängt. Womöglich hat das ja auch damit zu tun, dass nicht nur die Dollfuß-Regierung nahezu exklusiv aus CVern bestand, sondern auch die gegenwärtige Regierungsmann/frau/schaft der ÖVP.
Eine diesbezüglich etwas dunkle Vergangenheit weist übrigens auch Ex-ÖVP-Bundeskanzler Josef Klaus auf. Der CVer unterzeichnete als Leitungsmitglied der Deutschen Studentenschaft an der Wiener Universität im Juni 1932 ein Flugblatt gegen Ernst Peter Pick, der Dekan der medizinischen Fakultät werden sollte. Der renommierte Pharmakologe solle bedenken, "dass die deutschen Studenten als ihre Führer nur deutsche Lehrer anerkennen!". Die Deutsche Studentenschaft stehe nach wie vor auf dem 1923 kundgetanen Standpunkt, "dass Professoren jüdischer Volkszugehörigkeit akademische Würdestellen nicht bekleiden dürfen".
Robert Lach, Musikwissenschaftler und kämpferischer Antisemit
Nach Klaus und Dollfuß sind in Wien keine Straßen benannt. Sehr wohl Gassennamensgeber ist hingegen der Musikwissenschaftler, Komponist und Dichter Robert Lach (1874-1958), der bereits vor dem Ständestaat kämpferischer Antisemit war, wie neue Recherchen des Innsbrucker Wissenschaftshistorikers Gerhard Oberkofler zutage förderten. Nach seiner Habilitation an der Universität Wien 1915 wurde Lach ebenda 1920 außerordentlicher und 1927 dann ordentlicher Universitätsprofessor. Er folgte damit Guido Adler nach, dem Doyen der Musikwissenschaft in Österreich, der sich vergeblich gegen Lach als seinen Nachfolger ausgesprochen hatte.
Lach war nicht nur seit 1918 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, sondern auch einer universitären Geheimclique namens "Bärenhöhle", die im Verborgenen antisemitische Unipolitik machte. Über die Ereignisse in Deutschland 1933 war er, wie ein von Oberkofler entdeckter Brief vom 24. August 1933 zeigt, entsprechend erfreut:
"Wer hätte vor drei Jahren zu hoffen gewagt, dass die Macht des Judentums so plötzlich und schnell gebrochen werden würde, wie dies Gottlob jetzt wenigstens in Deutschland (leider nur in Deutschland allein! Von dem armen Österreich ganz zu schweigen, das noch in jeder Hinsicht verraten und verkauft ist!) der Fall ist. Aber Gott gebe, dass Deutschland auch hier wie in allem Anderen der Kulturwelt als leuchtendes Beispiel vorangeht und der Welt ein neues Morgenrot, einen neuen leuchtenden Tag bringen wird."
Noch ein wenig expliziter wurde Lach wenige Monate später in einem Brief, der an den deutschen Musikwissenschaftler Erich Hermann Müller von Asow gerichtet war. Darin heißt es wie folgt:
"Ich habe mir neulich das 'Handbuch der Judenfrage' gekauft und mit Freuden darin Ihren Beitrag gefunden (...) Übrigens möchte ich mir erlauben, Sie nachträglich (...) auf einige Juden aufmerksam zu machen, die Sie in Wien vergessen haben: Den Regisseur an der Hofoper, Dr. Lothar Wallerstein, dann die vor wenigen Monaten nach Wien gekommene und natürlich an der Hofoper gelandete Jüdin Margarete Wallmann, ferner die Kapellmeister [Karl] Alwin, [Hugo] Reichenberger und [Josef] Krips, alle 'reinkultivierte' Juden schlimmster Sorte! Überhaupt ist die Oper jetzt unter dem famosen Regime des Clemens Krauß total verjudet; nicht ein arischer Kapellmeister oder Regisseur! Krauß ist total durch und durch ein Judenknecht schlimmster Sorte! Ist er nicht vielleicht selbst ein Jude?" Außerdem bittet Lach noch um Intervention gegen den österreichischen Physiker Arthur Haas, der als Aktuar der Wiener Akademie tätig war - "einer der widerlichsten und grauslichsten Juden, die man sich nur vorstellen kann".
1968 wurde die Robert-Lach-Gasse in der Großfeldsiedlung nach dem antisemitischen Musikwissenschaftler benannt. Guido Adler, der Begründer der modernen österreichischen Musikwissenschaft (und als Jude "natürlich" kein Mitglied der Akademie der Wissenschaften) steht bei der Kulturabteilung der Stadt Wien, wie Oberkofler in Erfahrung brachte, für eine solche Auszeichnung immerhin schon auf einer Warteliste. (Klaus Taschwer, derStandard.at, 23.7.2012)
Neuerscheinungen von und über Gerhard Oberkofler
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Meine erste und wohl auch letzte Begegnung mit dem Neurologen und Sachbuchbestsellerautor Oliver Sacks schaffte es sogar selbst in ein Buch, wenn auch irregulärerweise. Das trägt den Titel "Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam" und enthält mehr oder weniger originelle Zufallsbegegnungen mit Prominenten. Meine Begegnung in der Akademie der Wissenschaften war nicht ganz zufällig, aber immerhin recht witzig.
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Dafür waren 70 % der Österreicher (vor dem Anschluss). Österreich als Nation war nicht existent, sondern wurde erst mit dem Austrofaschismus geboren.
Nach dem Zusammenbruch der Monarchie war Deutschösterreich (so der Name zur Unterscheidung vom Erzherzogtum Österreich = NÖ u. OÖ) einfach ein Zusammenschluss aller Länder des ehemaligen Kaiserreiches mit überwiegend deutschsprachiger Bevölkerung.
Die Bürger fühlten sich 1. als Österreicher (Ehgtm.), Steirer, Westungarn, Kärnter etc., 2. als Deutsche und dann erst viel später, wenn überhaupt, als Deutschösterreicher. Und als Deutsche sahen sie ihre Zukunft natürlich in einer Vereinigung mit Deutschland.
Das muss man verstehen lernen, wenn es um den Anschluss geht.
Stimmt. Die Nazis in ÖSterreich und die Soialisten waren dafür. Die Sozialisten lange Zeit erst nachdem Hitler wieder weg sein sollte.
Dennoch gab es schon genug Menschen die die absichten von hitler erkannten und ablehnten. Die Sozis waren entweder zu dumm oder zu egoistisch.
sehr wohl ein Grund.
Im 38er Jahr war der politische/antisemitische Weg Nazi-Deutschlands absehbar. Vor allem für einen Berufspolitiker.
Die Nürnberger Rassengesetze waren in Kraft.
Seit drei Jahren.
Hier Verständnis zu heucheln ist fehl am Platz.
Früher einmal bedeutete "Adresse" auch so viel Petition; "Grußadresse" sagt man mitunter heute noch. Insofern waren und sind die "antisemitischen Adressen" schon auch ein bisschen doppeldeutig gemeint. Wir gehen also auch morgen wieder in die Redaktion und lassen das mit der Schulbank, zumal in den Ferien.
Tandler ist zweifellos ein schwieriger Fall. Man darf halt auch nicht vergessen, dass Sterilisierungen 1924 in den USA aus eugenischen Gründen gängige Praxis waren. Wir bleiben am Ball.
Und das noch zu einer Zeit, wo man, wie Sie meinen, wohl schon wissen musste, was das für die Juden, und auch für manche andere, bedeutet hätte. Und dann ja auch hat.
Aber das kann man ja alles nachlesen, ist doch vieldiskutiert worden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl... eutschland
Nicht nur, dass "Wortklingenfackel" nichts bedeutet und als Wortspiel, wenn es denn eines sein soll, misslungen ist. Nicht nur das.
Sondern vielmehr: Diese? Was denn jetzt? Die "Wortklingenfackel" oder die letzten Tage der Menschheit? Oder gar doch die Gasse?
Und dann ist noch die Frage, wie man jemandem etwas "unter dem Grabstein weg umbenennen" kann. Wie macht man das?
Das schwierige Verhältnis des Karl Kraus zum Judentum kann man auf 750 Zeichen nicht behandeln. Aber es geht auch nicht an, dass er hier pauschal als Antisemit denunziert wird. Außerdem starb der Mann 1936 – und nichtsdestoweniger war er einer der ersten, der die Nazigreuel prophezeit hat. Aber das sagt natürlich keiner.
Ich würde auch nicht behaupten, dass er ein "schwieriges Verhätnis zum Judentum" hatte, sondern nur, dass er sich nicht eigentlich als Jude verstanden hat. Man gesteht Juden aus unterschiedlichen Gründen meist nicht das Recht zu, sich vom Judentum zu distanzieren - ein Punkt, indem sich Anti- wie Philosemiten durchaus einig sind.
Bei Lueger ist es Antisemitismus - bei Karl Kraus hingegen ist es ein "schwieriges Verhältnis zum Judentum"?
Die Wortklingenfackel ist in der Tat nicht geglückt - irgendwie sollte es als feurige Stimme oder scharfe Klinge rüberkommen. (Nicht nur) Deshalb bin auch nicht ich der Künstler, sonder der alte Kraus.
Kraus für einen Antisemiten zu halten, spricht für entweder für Probleme beim sinnerfassenden Lesen oder für Kenntnis bloß aus Hörensagen. Er hat viele Juden scharf angegriffen, aber nicht aus antisemitischen Gründen - und bei Weitem nicht nur Juden. Wenn man "Die letzten Tage der Menscheit" als antisemitisches Pamphlet liest, muss man schon enorme Wahrnehmungsschwierigkeiten haben.
Wenn man bloß "Die letzten Tage der Menschheit kennt", kennt man Kraus mit Sicherheit nicht.
Von "antisemitischen Pamphleten" war nie die Rede und wenn man untergriffig und unhöflich wird, wird ein falsches Argument nicht richtiger.
Ein Zitat wie Nachstehendes findet sich zum Beispiel im Buch "Ich bin der Vogel, den sein Nest beschmutzt - Erstes Buch - Sprüche und Widersprüche, IV. Presse, Dummheit, Politik":
"Die Schriftgelehrten können noch immer nur von rechts nach links lesen: sie sehen das Leben als Nebel."
Auch das Lesen von Ausgaben der Fackel würden sicherlich erhellen ...
Aber immerhin nett, dass Sie das auch zugeben. Aber über den "alten Kraus" scheinen Sie doch noch zu wenig zu wissen, sonst könnten Sie ihn nicht ernsthaft mit jemandem wie Lueger in einen Topf werfen.
Dazu kommt, dass der Kraus der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg nicht der Kraus der frühen Dreißigerjahre war.
Ja, bei Kraus ist es ein schwieriges Verhältnis zum Judentum, nicht zuletzt zum eigenen, falls Sie das nicht gewusst haben sollten.
Auch wenn das, was jetzt kommt, sicher sehr, sehr heikel ist: Aber ich glaube doch, dass man wirklich oder vermeintlich antisemitische Äußerungen, die VOR dem Holocaust gefallen sind, anders beurteilen muss, als Äußerungen danach.
... dass sich das jemand schreiben traut. Darauf wollte ich eigentlich hinaus.
Noch eine Geschichte zum Thema ... jahrelang feierten wir Weihnachten im Kreise der Familie und Mutter ließ sich niemals erweichen, einmal neue Geschichten lesen zu lassen - ihr Weihnachten war definitiv mit Waggerl verbunden. Neue Geschichten wurden zum Vorlesen nicht zugelassen.
Irgendwann steckte ich ihr, dass Waggerl kein unbeschriebenes Blatt war - das dritte Reich betreffend - und seitdem lesen wir alljährlich neue Geschichten vor dem Weihnachtsbaum.
:-)
Der Mensch ist dazu fähig mehr als nur eine einzige Sache gleichzeitig in Angriff zu nehmen.
Denn sonst hätten ja auch Sie keine Zeit zum Posten, wo Sie doch parallel die wirklich grossen Probleme der Menschheit lösen.
Haben sie sich schon mal die Frage gestellt wie das wäre, wenn sie eine Frau wären und wenn sie jüdischen Glaubens wären? Und wenn sie jeden Tag damit konfrontiert werden, dass sie entweder nur mitgemeint weren oder gar nicht genannt werden und wenn sie jeden Tag an Namen vorbei müssen, die für die Vorbereitung des schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte stehen und wodurch viele ihrer Familie ermordet wurden.
Denken sie so weit? Warte ich helfe ihnen bei der Beantwortung: Nein.
Wenn wir Straßennamen ändern anstatt aufzuklären, dann ist das für mich keine taugliche Methode. Anstatt zur Geschichte zu stehen und dies zu erläutern (Zusatztafeln), verschließen wir die Augen und verleugnen die Geschichte.
Lueger war im Übrigen sicherlich weder Verbrecher noch Mörder bzw. Vorbereiter des schlimmsten Verbrechens der Weltgeschichte.
Sie werden dieser ÖVP das nie abschwatzen können, Zusatztafeln aufzuhängen. Da ist es leichter ie Straße umzubenennen. Beschweren sie sich bei der ÖVP.
Und doch, Lueger war der Vorreiter des modernen Antisemitismus, Hitler und andere Nazigrößen haben sich positiv auf ihm bezogen. Er legte den Grundstein für den rassistischen Antisemitismus. Bitte informieren sie sich, es ist mittlerweile unerträglich wie sie über mehrere Postings hier einfach Lueger von jeder Schuld lossagen wollen.
Populistischer Antisemitismus - ja klar - dafür stand Lueger und er war sich des Erfolgs beim Wähler sehr wohl bewusst und hat dies auch kritisch als "Pöbelsport" bezeichnet. Er hat allerdings auch diverse politische Leistungen aufzuweisen, so dass ich ihn nicht bloß darauf reduzieren würde.
Lueger für die Wahnsinnigen, die sich ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod auf ihn - seine Ideen und seine dikussionswürdige Geisteshaltung - berufen haben, verantwortlich machen zu wollen ... das halte ich für ... sagen wir mal "seltsam".
Soll auch der Friedrich Engels Platz wegen dem, was Stalin aus den Ideen Marx' und Engels' gemacht hat umbenannt werden?
Aufklärung anstelle Verdrängung wäre mein Zugang.
Also wenn Sie die Nazi-Vergangenheit Österreichs als nicht wichtig erachten, selber schuld. Ich finde das ziemlich wichtig.
Nur weil sich die größten Idioten der Geschichte immer die prächtigsten Plätze und Straßen mit ihrem eigenen Namen haben benennen lassen, heißt das nicht, dass das auf immer und ewig so bleiben muss. Davor haben sie ja auch irgendwie geheißen. Bestes Beispiel ist der Schwarzenbergplatz, der von 1946 bis 1956 Stalinplatz hieß!
Das würde ich jetzt nicht als Vorwegnahme der Rassengesetze interpretrieren, sondern als Eingeständnis eines (teilweise auch) zynisch-kalkuklierten Antisemitismus. Jedenfalls scheint Lueger viel dazu beigetragen zu haben, offenen Antisemitismus salonfähig zu machen und seine Rolle als Vorbereiter der Nazis scheint mir unbezweifelbar zu sein, auch wenn er selbst nicht so weit gegangen wäre wie die Nazis.
„Ja, wissen‘S, der Antisemitismus is‘ a sehr gutes Agitationsmittel, um in der Politik hinaufzukommen; wenn man aber einmal oben is‘, kann man ihn nimmer brauchen, denn des is‘ a Pöbelsport!“
Die Rassengesetzte von 1935 (?) vorweggenommen durch Lueger in Wien - vor 1910?
Man kann ja wirklich aus jeder Mücke einen Elefanten machen - einen populistischen Antisemiten als Vorläufer der Nazi-Verbrecher zu bezeichnen ... nun das ist irgendwie schon ziemlich ... weit hergeholt.
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