"Mein Kind hat Bauchweh" interessiert Google+-User nicht

Interview
  • Wieland Holfelder, Jahrgang 1965, leitet seit 2008 das Entwicklungszentrum für Google Deutschland in München. Davor war er Chef der Forschungsabteilung von Mercedes-Benz in Palo Alto in den USA und war bei zwei Internet-Startups im Silicon Valley als Softwareentwickler tätig.
Holfelder hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim studiert und promovierte im Bereich Informatik in Mannheim und am International Computer Science Institute in Berkely in den USA.
    foto: standard

    Wieland Holfelder, Jahrgang 1965, leitet seit 2008 das Entwicklungszentrum für Google Deutschland in München. Davor war er Chef der Forschungsabteilung von Mercedes-Benz in Palo Alto in den USA und war bei zwei Internet-Startups im Silicon Valley als Softwareentwickler tätig.

    Holfelder hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim studiert und promovierte im Bereich Informatik in Mannheim und am International Computer Science Institute in Berkely in den USA.

  • Der WebStandard auf Google+
    screenshot: derstandard.at

    Der WebStandard auf Google+

Google-Entwicklungschef Wieland Holfelder über die Philosophie hinter dem sozialen Netzwerk

Standard: Facebook hat etwa 850 Millionen User, Google+ etwa 170 Millionen. Wurmt es Sie dass es Einschätzungen gibt, wonach Google+ nicht den Boom auslösen könnte, den man sich erwartet hatte, dass manche User von einer Geisterstadt reden?

Holfelder: Google+ ist das am schnellsten wachsende Google Produkt. Mit 100 Millionen Usern seit dem Start der Vollversion im September 2011 können wir sehr zufrieden sein. Man darf eines nicht vergessen: Facebook gibt es schon seit 2004 - und das ging auch nicht gleich von null auf hundert. Die Philosophie hinter Google+ ist auch eine ganz andere als die von Facebook. Ich muss mich hier in diesem Netzwerk engagieren, kommentieren und posten um etwas zu bewegen. In diesem Moment wird es relevant und lebendig. Ich darf nicht passiv darauf warten, dass die Menschen auf mich zukommen. Und es reicht wohl auch nicht, eigene Befindlichkeiten auf seine Pinnwand zu posten. Die Diskussionen auf Google+ werden von den Nutzern als qualitativ hochwertig eingeschätzt. Da wird tatsächlich nicht "Mein Kind hat Bauchweh" oder "Die Katze ist heute sauer auf mich" gepostet.

Standard: Erweist es sich vielleicht in Hinblick auf die Marktanteile als Nachteil, dass Google+ nicht über das "Sammeln" von "Freunden" wie auf Facebook funktioniert, sondern über inhaltliche Selektion, darüber, welche Information man wem zukommen lässt?

Holfelder: Das ist keinesfalls ein Nachteil. Wir hören von den Usern, dass sie das schätzen. Und wie gesagt: Wir sind zufrieden mit 100 Millionen aktiven Usern nach wenig mehr als einem halben Jahr. Die meisten dieser Menschen sind auch sehr aktiv in der Benutzung des Netzwerks. Und es spricht doch Bände, dass Facebook kurz nach dem Start von Google+ auch die Möglichkeit angeboten hat, Inhalte selektiv zu teilen. 

Standard: Gab es seit dem Start von Google+ auch Features, die nicht funktioniert haben? 

Holfelder: Wir probieren ja laufend neue Dinge aus. Einige User werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und zeigen uns mit ihrem Nutzungsverhalten, ob sie diese Entwicklungsarbeit annehmen. Wenn Sie Google+ nutzen, waren Sie sicher auch schon Testperson, ohne es wirklich gemerkt zu haben. Wenn es nicht funktioniert, wird das Feature adaptiert oder es kommt wieder weg. Tests zu Hause sind aber selbstverständlich nicht die einzige Entscheidungsgrundlage. Wir haben auch zahlreiche Usability-Labore, in denen wir Tests mit Eye-Tracking-Systemen durchführen. Dabei sehen wir ganz genau, ob eine Neuerung funktioniert - nicht nur bei Google+. Da gibt es keine heiligen Kühe. Beim Hangout waren wir zum Beispiel positiv überrascht. Wir dachten schon, dass es erfolgreich wird, aber dass es so einschlägt, haben wir nicht zu hoffen gewagt. Das Hangout, das einzige Multi-Personen-Videotool weltweit, nicht einmal Skype hat diese Möglichkeiten, wird heute für den direkten Kontakt mit Entwicklern genauso verwendet wie für Pressekonferenzen. Es gibt bereits Universitäten, die über diesen Kanal Vorlesungen anbieten.

Standard: Sie sagen, dass Google das Userverhalten testet, ohne dass es die Nutzer merken. Was tun Sie denn, um die Daten der User zu schützen und woher kommt das Image, dass es Google mit dem Datenschutz nicht ganz ernst nimmt?

Holfelder: Man muss dazu eines festhalten: Wer surft, sich in sozialen Netzwerken bewegt, E-Mails schreibt, hinterlässt logischerweise Spuren. Da braucht man gar nichts beschönigen. Man muss nur richtig damit umgehen und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen treffen Wir versuchen nicht nur Vertrauen zu erwecken, mit Aufklärungskampagnen im Netz und auch durch Vorträge, sondern entwickeln, speziell in München, auch die Tools, um den Nutzern Transparenz und Kontrolle zu geben - zum Beispiel den Anzeigenvorgabe-Manager. Und wir bieten jedem User an, sein ganz persönliches, sicheres Profil zu erstellen. Man kann Werbung abschalten. Die meisten User nutzen die Möglichkeit zu entscheiden, welche Anzeigen sie bekommen wollen; Bergsteigen, Reisen, Babys, was auch immer. Wir geben dabei aber keinerlei Daten weiter, das wäre ja unsinnig. Die junge Generation der Google-Nutzer glaubt uns das auch. Die ältere müssen wir überzeugen, nicht, weil wir Google sind, sondern weil sie dem Web gegenüber insgesamt misstrauisch ist.

Standard: Apropos junge Generation: Wenn Ihr Kind Sie bitten würde, Google+ zu zeichnen wie es in zehn, fünfzehn Jahren ausschauen könnte, wie würde Ihr Bild ausschauen? Welche Vision haben Sie?

Holfelder: Wir haben die Vision, dass sich das soziale Netzwerk noch stärker als bisher über alle Google-Produkte legt. Das heißt zum Beispiel: Wenn Sie ein China-Restaurant oder einen Autohändler im Netz suchen, sehen Sie als Google-User mit einem Log-In, dass zum Beispiel zwei Kollegen und ein sehr guter Freund diesen Anbietern ein "+1" gegeben hat. Wir wissen heute, dass die Wahrscheinlichkeit, dass "+1" Ihre Wahl beeinflusst, um 20 Prozent höher ist als die Möglichkeit, doch ein anderes China-Restaurant oder einen anderen Autohändler zu wählen. So wie das ohne Internet auch funktioniert: Wenn ich einen Arzt suche, werde ich Freunde fragen, ob sie einen guten kennen.  (Das Gespräch führte Peter Illetschko, DER STANDARD, 17.04. 2012)

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woher kommt das Image, dass es Google mit dem Datenschutz nicht ganz ernst nimmt?

:-) na vielleicht daher, dass sich der Konzern mit dem Verkauf der Daten finanziert .. ?!

das stimmt so nicht ganz

verkauft werden die Daten nicht, allerdings steht in den Nutzungsbedingungen, dass goole private Daten weitergeben kann zu Werbezwecken. Allerdings machen das mitlerweile alle, somit ist Google da keine große Ausnahme :-)

Ich glaub du checkst nicht, wie Werbung online funktioniert. Keiner kann es sich leisten, Daten zu verkaufen. Das passiert höchstens indirekt auf FB, wenn du irgendeine App auf sein Profil klatscht und die dann Infos über dich auslesen kann.

Bei Google funktioniert das so, dass der Werber die Zielgruppe eingrenzt und Google dann Werbung anzeigt, wenn du als zu dieser Gruppe zugehörig eingestuft wirst. Der Werber selbst weiß aber nie, wer genau seine Werbung gesehen hat.

wieso genau sollte ein konzern der davon lebt geld zu nehmen um dafür werbung zu verteilen userdaten verkaufen? die verwenden sie selber, ja, aber die passen sicher besser drauf auf als beispielsweise dein provider auf deine vorratsdaten...

Wie kommst du darauf, dass Google Userdaten verkauft?

Klar, dass Google+ schnell wächst

Jeder, der eine neue Google-Mailadresse anlegt, bekommt automatisch ein Google+-Konto verpasst, ob er will oder nicht.
Und die Leute, die die Mailadressen schon vorher hatten, werden auch mit großen Google+-Konto-Anlegen-Buttons gequält.

Fb-Pöbel? Twitter-Ersatz?

Einige User hier schreiben das sie den "Pöbel" von Fb nicht vermissen. Das wirft einige Fragen auf:

- Bezeichnet ihr eure Freunde ernsthaft als Pöbel? Zeig mir deine Freunde und ich weiß wer du bist.
- Wisst ihr wie man Fb nutzen kann? Es gibt Möglichkeiten den Pöbel stumm zu schalten, zu definieren wer was lesen darf, etc.
- Ist euch bewusst, dass wenn G+ jemals Erfolg haben sollte, euch eure Pöbelfreunde zu G+ folgen werden?

Außerdem, wenn man sich die Kommentare hier durchliest, kann man zu dem Schluss kommen, dass G+ eher ein Konkurrent für Twitter ist als für Fb.

also für mich

ist Facebook nicht mehr als ein Chat-Ersatz bzw. am Smartphone als SMS-Ersatz.

diese ständigen Status-Postings finde ich großteils sinnlos. Aber es ist eine nette Möglichkeit um mit Bekannten oder Freunden in Kontakt zu bleiben. Leute die ihr ganzes Leben in Facebook posten sind mir immer etwas suspekt. Haben die wirklich so einen Mitteilungsbedarf dass sie selbst ihr Essen fotografieren und posten müssen?

In der Tat haben die Leute, die ich kenne und etwas Grips haben, keinen FB Account.

FB ... dreht das doch immer alle 2 Wochen neu um ...

und dann muss man die Einstellungen wieder von vorne vornehmen ... ne mich interessierts nicht mit 2000 Leuten "Befreundet" zu sein und davon unterdrücke ich 1800 ... was hat das für einen Sinn?

2000 Freunde? Wozu?

Wieso addest du so viele Leute? Ich habe rund 200 Freunde auf Fb, das sind einerseits "echte" Freunde, Bekannte aus Studium, Ex-Arbeitskollegen und derzeitige Arbeitskollegen. Letztere dürfen nicht alles lesen, ansonsten darf bei mir jeder alles lesen. Ich kenne die Leute ja auch persönlich und poste nur, was ich ihnen auch im realen Leben erzählen würde.

Das ist es, wie man Fb verwendet - ich zumindest...
Und dafür ist es besser geeignet als G+ weil dort einfach zu wenige meiner Freunde/Bekannten sind.
Ich hoffe du zählst nicht zu jenen, die wie versessen "Freunde" sammeln und sich dann darüber beschweren, dass es so viele sind?! :-)

Mein Kind hat heute kein Bauchweh, aber ich hab heut sakrische Blähungen.

Oh, Entschuldigung - falsches Forum. Hätte ich das jetzt bei Gesundheit, Lifestyle oder unter Inland posten müssen?

mit blähungen kenn ich mich nicht so aus

aber wenn sie jeden hirnschas posten wollen schlage ich das nahost-ressort vor!

Mein persönlicher Eindruck ist auch, ...

... dass FB und G+ unterschiedlich verwendet werden.

Auf FB wird der Rahmen privater gehalten und auch die geteilten Inhalte sind persönlicher (Babyfotos, "Esszimmer zu verkaufen"-Meldungen, etc).

Außerdem passiert bei FB mehr persönliche Kommunikation, allein schon wegen der Tatsache, dass eine "Freundschaft" auf Gegenseitigkeit beruht, d.h. man kennt sich in der Regel. Funktionen wie Geburtstagsreminder und Veranstaltungsorganisator verstärken das noch zusätzlich.

G+ ist mMn öffentlicher gehalten. Inhalte werden tendenziell eher nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, dafür sind sie auch unpersönlicher (Links, YT-Videos, etc).
Es wird auch mehr "reshared".

TL;DR: FB ist eher das persönliche Netzwerk, G+ ähnelt hingegen einem Forum.

man kann es auch einfach ausdrücken:

Niveau.

ich behaupte mal, in Summe besitzen G+ User eine höhere geistige Reife als die Facebook-User

würde man die Schwarmintelligenz der beiden Netzwerke miteinander vergleichen, wäre g+ das produktivere und fb das lautere

zumindest hab ich noch nichts von Parties gehört, die über g+ organisiert wurden und dann von anderen gecrasht wurden - http://derstandard.at/1334368952768

Schwarmintelligenz bei Menschen?

Haha, der war gut :D

Ok, Zynismus beiseite: Stimmt, G+ hat tatsächlich ein etwas anderes Publikum als FB. Wobei, "anderes" ist nicht ganz korrekt, denn die Usermengen sind ja nicht disjunkt. Sagen wir, G+ bedient nur einen Teil der User, weil FB einfach alteingesessen ist und es für die Wenigsten einen Grund gibt, zu wechseln.

Dadurch ergibt sich sicher ein Niveauunterschied, der sich aber im Laufe der Zeit womöglich angleichen wird. Vorausgesetzt, die breite Masse wechselt tatsächlich irgendwann, aber davon gehe ich derzeit nicht aus.
Ich bin nämlich nach wie vor der Meinung, dass sich Facebook längst etabliert hat und keine Blase mehr ist, die jederzeit platzen könnte.

Ich hab noch von gar nichts gehört was über g+ organisiert wurde. ;).

nach wave

die größte nächste pleite von google.

google docs, gmail, google x, webaccelerator, voice search, video player, orkut, checkout, usw. - alles flops.

die haben von user-experience und user-interface überhaupt keine ahnung. es sieht alles steinzeitmäßig aus und der killer-faktor fehlt.

eine suchmachine ist eben etwas anderes als anwender software.

Wave ein Flopp?
Wave ist -technisch gesehen- wohl eher etwas sehr produktives, würde es gerne als email-ersatz sehen.

Außerdem wird Wave ja noch immer weiterentwickelt, von der Apache Foundation, also wird es früher oder später (vermutlich eher später) kommen.

Dein Post scheint mehr ein Trollpost zu sein, oder du hast einfach keine Ahnung von dieser Welt...

haha, sehr lustig. google docs ist noch in den kinderschuhen und wird trotz seiner noch fehlenden funktionen stark genutzt. gmail ein flop?! gmail ist in meinem bekanntenkreis die mit abstand häufigste maildomain!! ich kenne kein unternehmen dass so viele gratis webprodukte anbietet wie google. natürlich flopt da mal das eine oeer andere..

auf welchem planeten ist bitte google docs und gmail ein flop? genauso wie android, google wallet (in verbindung mit play store), etc. sind mehr als nur erfolge.
google wave als flop zu bezeichnen ist wohl auch etwas übertrieben.. im vergleich zu anderen google produkten konnte es in der user akzeptanz halt nicht mithalten.. es hatte auch teilweise eher den eindruck einer tech demo als eines fertigen produktes..

Goodle Docs ist grossartig

Und wird sehr oft verwendet.
Ich verwende es fuer Informationen die ich unterwegs brauche und ich krieg oft Links zur Spreadsheets (Excel) die nochmal um einiges praktischer is.

Wave ist nachwievor grossartig!

überhaupt schon mal mit google-produkten ernsthaft beschäftigt?

gmail: 350 million active users worldwide (Jan 2012)
und das soll ein flop sein...?

gmail ist mmn konkurrenzlos.

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