Uni-Ranking: Und wo geht's hier nach Minnesota?

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  • Mitten drin im Kampf um die Spitzenplätze: Die Universität von Minnesota - hier repräsentiert von Defense-Star Garrett Brown, rangiert verlässlich unter den Top 50 der Welt.
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    foto: university of minnesota

    Mitten drin im Kampf um die Spitzenplätze: Die Universität von Minnesota - hier repräsentiert von Defense-Star Garrett Brown, rangiert verlässlich unter den Top 50 der Welt.

Warum viele Reaktionen auf das jüngste "Times"-Ranking zu kurz greifen. Und was Österreich von einer Hochschule im US-Mittelwesten lernen könnte

Mittlerweile reagieren Betroffene und Kommentatoren auf die jährlich veröffentlichten Uni-Rankings anders als vor acht Jahren als erstmals derartige internationale Vergleiche veröffentlicht wurden - doch ist die ruhigere Gangart auch die angemessenere?

Man erinnere sich an die ins Hysterische hineinreichenden Reaktionen, als 2004 erstmals Uni-Rankings Furore machten: Das war akkurat das Jahr, in dem Österreichs Unis in die Autonomie entlassen wurden und die damalige, nebenbei auch für den tertiären Bildungsbereich zuständige Ministerin von der Weltklasse schwadronierte, die damit erreicht werden würde. Die Reaktionen derer, die sich damals auf den Schlips getreten fühlten - die Damen und Herren Professoren und Rektoren - bezweifelten die Methoden der Messung, hielten Vergleiche von geistigen Leistungen ohnehin für unmöglich oder sahen sich in einem Abwehrkampf gegen den Einzug des Neoliberalismus in die doch so herrlich funktionierende Welt Humboldt'scher Prinzipien.

Diesmal fand die Meldung weit prominentere Beachtung (auch in dieser Zeitung) und die Kommentare bezweifelten zumindest nicht mehr die prinzipielle Richtigkeit der Platzierung der besten heimischen Uni hinter Platz 100 und der anderen irgendwo in den 200ern.

Falsche Botschaft

Das ist ja immerhin schon ein erster Schritt der Realitätstüchtigkeit, könnte man meinen. Allein, eine genauere Lektüre der Reaktionen und ein eingehendere Blick auf die Methode des Rankings zeigt, dass zwar eine Botschaft angekommen zu sein scheint, bloß ist es nicht die richtige.Das von Times Higher (einer britischen Wochenzeitung aus dem Murdoch-Konzern, die sich mit nichts anderem als dem höheren Bildungssektor beschäftigt) in Zusammenarbeit mit Thomson Reuters (einem Firmenkonglomerat von Informationshändlern) erstellte Ranking beruht nicht nur auf einer Befragung über die "Reputation" bei "17.500 Akademikern aus 137 Ländern" (Standard 15. 3.).

Das Ansehen macht nur 33 Prozent des Gesamturteils aus (und wird zudem bei Lehre und Forschung getrennt gemessen). Daneben wurden auch harte Fakten erhoben, wie z. B. Zitationen (30 Prozent), Drittmittelaufkommen, Promotionen je Professor, Veröffentlichungen je Forscher (je sechs Prozent), Internationalität der Lehrenden und Studierenden, internationale Publikationskooperationen und Verhältnis von universitären Erstabschlüssen zu Doktoraten (zusammen zehn Prozent). Die absolute Zahl der Studienanfänger trägt immerhin noch mit einem Anteil von 4,5 Prozent zum Gesamturteil bei.

Der Wissenschaftsminister (in der Kleinen Zeitung), Rektoren (im Standard und anderswo) und andere taten ihre Meinungen kund und alle wussten (plötzlich), woran es krankt: Fehlende Zulassungsbedingungen sagte der eine, fehlendes Geld die anderen. Das ist nicht ganz, aber hinreichend falsch!Sie alle hätten zuerst einen Blick auf die Methoden werfen sollen und danach schauen, welche Unis, die mit den heimischen vergleichbar sind, besser liegen, bevor sie Schlüsse kundtun. Beispielsweise die auf Platz 42 rangierende University of Minnesota, eine staatliche Uni im US-Mittelwesten, die mit mehr als einer österreichischen Uni ein Partnerschaftsabkommen hat. Von Minnesota könnte man zwei Dinge lernen:

  •  Wenn man sparen muss - und Minnesota musste nach 2007 extrem sparsam sein -, dann spart man besser bei den Gehältern der Oberen und nicht den untersten universitären Rängen.
  •  Minnesota finanziert seine, durch eine strenge Zulassung gehenden Doktoranden durchaus nicht fürstlich, aber doch so ordentlich, dass sie beispielsweise auf internationale Kongresse fahren können, statt wie die heimischen alle paar Jahre eine Zwangspause einlegen zu müssen, weil unsere Unis sich vor Kettenverträgen mehr fürchten als der sprichwörtliche Teufel vor dem Weihwasser.

Erste Folgerung: Reputation als Forschungsstandort gewinnt man durch Sichtbarkeit und sichtbar ist man in der Wissenschaft für andere, weil aus einem Land oder von einer Uni möglichst oft möglichst Viele auf den gern als Jahrmärkte der Eitelkeit verschrienen Kongressen auftauchen.

Zweite Folgerung: Eine Einrichtung wie das jüngst auch auf dieser Seite kontroversiell diskutierte Ist Austria findet man in diesem Ranking gar nicht und daran wird sich auch künftig nichts ändern, weil Times Higher nur Universitäten, die auch "undergraduates" auszubilden bereit sind, bewertet. Sinnvoller als die noble Isolation hinter dem Kahlenberg wäre daher das Bemühen, das Ist zur Graduate School der Wiener Universitäten zu machen.Diese und andere durchführbare Maßnahmen werden die heimischen Universitäten nicht in die Top Ten katapultieren, aber Plätze zwischen 50 und 100 sind erreichbar, siehe Minnesota. (Christian Fleck, DER STANDARD, 21.3.2012)

Autor

Christian Fleck ist Soziologe an der Universität Graz.

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1) Das IST Austria hat was Publikationen und ERC-Grants betrifft absolute Spitzenzahlen aufzuweisen. In so ein Ranking wird es so oder so nie hineinkommen, weil viel zu klein...

2) Meine bisherige Erfahrung zeigt mir, dass Kongresse ganz nett sind, um andere Leute zu sehen und gesehen zu werden, inhaltlich aber nur "ganz nett". Ans Eingemacht gehts meiner bisherigen Erfahrung nach nur bei Journalpublikationen.

Und mit der Uni München 3 Plätze drunter dürfen sich die österr. Unis nicht vergleichen?

...wenn der Vergleich mit der ETH schon so pfui gack ist??

...

bla bla blaa immerhin hat mein professor auch aufgrund meiner arbeit viel verdient

Die Quadratur des Kreises funktioniert nicht

Danke fuer den Vergleicht mit Minnesota, eine staatliche Uni. Berkeley waere auch staatlich, und ist noch viel besser geranked.

Im Gegesatz zu unseren staatlichen Unis duerfen sich aber diese beiden die Studenten aussuchen. Und jeder weiss, dass das zu weniger Dropout, besserer Betreuung, schnelleren Abschluessen, etc fuehrt. Seit wir Aufnahmetests bei Medizin machen, ist die Dropoutrate von 50% auf 5% gefallen, nur als Beispiel. Paradoxerweise werden also nicht weniger Leute fertig, nur halt schneller.

Dass sowohl Berkeley als auch Minnesota Gebuehren verlangen versteht sich wohl von selbst.

Man muss sich halt entscheiden, entweder miese Masse oder strengere Aufnahmekriterien und wohl auch Gebuehren. Beides geht wohl nicht.

nichts verstanden?

bei folgenden Kriterien der Bewertung: itationen (30 Prozent), Drittmittelaufkommen, Promotionen je Professor, Veröffentlichungen je Forscher (je sechs Prozent), Internationalität der Lehrenden und Studierenden, internationale Publikationskooperation

und Verhältnis von universitären Erstabschlüssen zu Doktoraten (zusammen zehn Prozent), sowie die absolute Zahl der Studienanfänger (4,5 Prozent).

Ich kann hier keine Bewertungskriterien finden, die sich auf Dropouts(vor dem ersten Abschluss) oder Studienabbrecher bezieht, oder bei denen die Länge der Studienzeit eine Rolle spielt.

Worum es in diesem Kommentar geht, ist, dass durch politische Maßnahmen diesen Kriterien entgegengewirkt wird, indem an falschen Stellen eingespart wird

Hat eine Universität also eine hohe Dropoutrate, hätte sie mehr Studienanfänger. Wäre der Unibetrieb in Ordnung nachdem 50% draußen sind, hätte dieser Umstand nur positive Auswirkungen auf das Ranking. Die Kosten einer solchen Prüfung sind ebenfalls nicht hoch

äpfel und birnen

werden hier verglichen. der durchschnittliche uni-absolvent aus den usa würde hier niemals auch nur die matura schaffen. nicht mal in englisch. und ich kenne persönlich mehr als genug davon; auch aus meiner eigenen verwandtschaft.

Ca. 20.000 $ pro Jahr

Das ist der Betrag, den die UMN jenen berechnet, die ein "Undergraduate" (Bachelor-level) Studium betreiben... (rund 8.365 pro Semester "tuition fees", sowie diverse sonstige Gebuehren, die sich zu rund 20.000 aufaddieren).

In dem Betrag sind Kosten fuer Unterbringung noch NICHT enthalten....

Äpfel und Birnen

die $20k sind der Stickerpreis, den fast niemand wirklich bezahlt. Dann würde ich auch vorschlagen, nach FASFA zu googlen, bzw. nach "529 tuition plans", auch im Zusammenhang mit den wesentlich geringeren Lohnsteuern in den USA. Außerdem gibt es wesentlich mehr Stipendien und anderen Geldquellen als in Österreich.

Na und? Wenn man gut genug ist oder einen Sport für die Uni betreibt muss man wiederum nichts zahlen. Ist man nur durchschnittlich, muss mal halt einen Kredit aufnehmen. Und sofern man ins Doktorat aufgenommen wird (was nicht so einfach ist), zahlt man sowieso keine tuition fees und bekommt noch $20,000 im Jahr.

Sicher besser als die österreichische Einstellung, nichts und niemanden zu fördern.

Also vom FWF geförderte PhD Studenten verdienen auch nicht weniger (brutto verdienen sie sogar 34,700). Zumindest in den life sciences sind auch fast alle Dissertationen gefördert...

ganz genau

und man ist als junger student sofort von irgendwelchen banken und finanzinstitute für die nächsten 20 jahre abhängig wenn man nicht schnell einen hochbezahlten job findet oder annehmen will.

Bei allem Respekt, aber Minnesota........

zum mittleren Westen der USA zu zählen ist geografisch gesehen sehr tollkühn. Warum dieser Bundesstaat wohl "Star of the North" heißt?

http://www.census.gov/geo/www/u... regdiv.pdf
Das Census Bureau wirds wohl wissen...
Und (oh, böse Wikipedia): "Though it is geographically in the north, and more eastern than western, the term refers to the fact that the region is midway to the opposite coast when heading directly west from New England and New York, where the term originated."

keine Ahnung haben, aber mitreden...

Sie, oder?

Habe zufälliger Weise in Minnesota gelebt und Minnesota wird nicht dem Mittleren Westen zugerechnet! Got it?

Ich weiß, WIKIPEDIA ist geduldig, aber wie gesagt....

"Star of the North". Danke für Ihre freundliche und sachlich orientierte Rückmeldung - dem Herren/der Dame über mir fehlt es offensichtlich an Feingefühl.

Eine sehr gute Analyse, aber meiner Meinung nach fehlt in Österreich vor allem der Wille zur Reform und zu unpopulären Maßnahmen.

uni-rankings sind ähnlich aussagekräftig

wie die oscar-verleihung.

Ja, und ?

ganz einfach:

diese rankings sind schrott

Sehr gut analysiert!

Seit der Autonomie (befreit vom schnöden staatlichen Gehaltsschema) gönnen sich die Obersten (Rektoren) fürstliche Gehälter (Argument: "Elite muss was kosten!"), während engagierte junge AssistentInnen regelmäßig stempeln geschickt werden, damit kein Kettendienstverhältnis zustande kommt. Der Unibetrieb stinkt von innen heraus! Aber gewaltig!

Ich bin den Rektoren ihr Gehalt nicht neidig

Wenn man vergleicht, was Manager - und nichts anderes sind Rektoren - in der Wirtschaft mit weit weniger Arbeit und Verantwortung verdienen, geht das fuer mich ok.

Was mich viel mehr erregt, ist dass jungen Wissenschaftler in AT keine Perspektive geboten wird. Es gibt kaum permanente Stellen, die Bezahlung ist schlecht, null Planungssicherheit, selbst nach mehrmaligen Auslandsaufenthalten.

Und genau das ist der Grund, warum soviele gute Leute in die USA, Australien oder sonst wohin gehn, weil Tenure - und damit Planungssicherheit - dort leichter zu bekommen ist.

Unser Unisystem ist aufgebaut, wie eine Firma deren Policy es ist, alle guten Leute so schnell wie moeglich rauszuschmeissen, weil sie dem Chef Konkurrenz machen koennten ...

Ich finde so ein enormes Gefälle einfach nicht OK.

Es ist ein Widerspruch in sich. Wenn sie so gut wären, dass sie so viel Geld "verdienen", müssten sie es auch schaffen, ihren talentierten Nachwuchsforschern ordentliche Diensterhältnisse anzubieten, merh Sozialkompetenz haben. Es erweist sich aber, dass die über Geld selektierte Elite am besten beim Inszenieren des eigenen Egos ist.

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