Vorurteile beeinflussen Testleistungen negativ

  • Wenn Frauen hören, dass bei einem Test eher Männer gut abschneiden, kann das negative Auswirkungen auf ihre Leistung haben.
    foto: apa/fohringer

    Wenn Frauen hören, dass bei einem Test eher Männer gut abschneiden, kann das negative Auswirkungen auf ihre Leistung haben.

Psychologe Markus Appel: Vor allem Frauen wegen Gefühl der Bedrohung durch negative Stereotype unter Druck gesetzt

Wien - Vorurteile können die Leistungsfähigkeit bei Tests in Schule oder Uni negativ beeinflussen. Die Annahme etwa, dass Mathematik Männersache ist, kann ein in diesem Fach talentiertes und interessiertes Mädchen bei einem Test dermaßen unter Druck setzen, dass seine Leistung schlechter ausfällt, als sie sein könnte. "Zu einer Gruppe zu gehören, die laut negativem Vorurteil weniger begabt ist, während man sich selbst als kompetent einschätzt, bedeutet Stress", erklärte Markus Appel vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Universität Linz. Er hält am Montag an der Uni Wien einen Vortrag zur "Stereotype-Threat-Theorie".

Stereotype entwickeln Eigendynamik

"Stereotype Threat" beschreibt das Gefühl der Bedrohung durch negative Stereotype. Also wenn etwa einer Gruppe wie z.B. Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden.  Eine Person befürchtet dabei, auf Basis von negativen Vorurteilen beurteilt zu werden bzw. durch ihr eigenes Verhalten diese Stereotype zu bestätigen. "Man darf nicht unterschätzen, dass die Zuschreibung von Fähigkeiten zu Gruppen eine Eigendynamik entwickelt, die oft auch den Betroffenen selbst gar nicht bewusst ist", so Appel. "Es gibt zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass Frauen besser abschneiden, wenn der Druck des negativen Stereotyps reduziert ist."

Experimente zeigen Unterschiede

Erforscht wird "Stereotype Threat" mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Experimente, bei denen beispielsweise zwei Gruppen an demselben Leistungstest arbeiten, dabei aber unterschiedliche Vorinformationen erhalten. In jener Gruppe, der im Vorfeld gesagt wird, dass in dem Test Mädchen typischerweise schlechter abschneiden als Buben, zeigen sich danach deutlichere Geschlechterunterschiede zugunsten der Buben. Bei Gruppen, denen etwa gesagt wird, dass es beim Test um Problemlösung und nicht um etwa mathematische oder naturwissenschaftliche Leistungsfähigkeit geht. "Das minimiert den Druck, den Mädchen haben", erklärt Appel.

Vorsicht mit Spezialbehandlungen

Führende Wissenschafter in den USA fordern laut Appel, die Angabe des Geschlechts oder des ethnischen Hintergrunds bei Tests hintanzustellen, "weil dadurch möglicherweise größere Chancengleichheit geschaffen wird". Vorurteile zu bekämpfen sei zwar naturgemäß schwierig. Man müsse aber bei jeder Form von spontaner Spezialbehandlung, auch wenn sie freundlich gemeint ist, "vorsichtig sein", etwa wenn eine von drei Studentinnen in einer Klasse mit 80 Physikstudenten vom Professor bei Zuspätkommen besondere Aufmerksamkeit erhält.

In Initiativen der vergangenen Jahre, die verstärkt Frauen für Naturwissenschaften interessieren wollen, sieht Appel "viel Gutes". "Ich glaube, dass wir im Hinblick auf Bildungsungleichheiten sensibler geworden sind", so der Psychologe, der eine verstärkte Anstrengung bemerkt. "Ich bin da relativ zuversichtlich, nicht zuletzt weil mittlerweile auch die ökonomischen Konsequenzen gesehen werden. Die Wirtschaft kann heute auf Jugendliche mit Migrationshintergrund als studierte Fachkräfte oder auf Frauen in Naturwissenschaften nicht verzichten."   (APA, 19.3.2012)

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