Junge Europäer fliehen vor Krise nach Brasilien

In den schuldengeplagten Ländern Europas ist die Arbeitslosigkeit hoch, Brasilien braucht dringend Fachkräfte, um den Boom fortsetzen zu können

Im vorigen Jahrhundert kamen erst die verarmten Bauern und dann die Weltkriegsflüchtlinge aus Europa, um sich in Brasilien eine neue Existenz aufzubauen. Jetzt sind es gut ausgebildete junge Akademiker aus Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA. Die Krise hält sie nicht mehr in der Heimat. Und die boomende brasilianische Volkswirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften, die das eigene Bildungssystem nicht genügend hervorbringt. "Wir sind eine Insel des Wohlstandes, das ist für viele attraktiv", sagt Ricardo Paes stolz, Koordinator für Migrationsfragen im Ministerium für Strategische Angelegenheiten.

Manager, Architekten und Ingenieure stehen ganz oben auf der Liste der Headhunter. Aber auch junge Börsenmakler, Webdesigner und Wissenschafter zieht es in eines der am schnellsten wachsenden Schwellenländer der Erde. 80.000 Anfragen verzeichnete die brasilianische Filiale des Online-Arbeitsvermittlers Monster im vergangenen Jahr. Tendenz steigend. Sogar ausgewanderte Brasilianer zieht es wieder zurück in die Heimat, mehr als zwei Millionen Rückkehrer verzeichnen die Behörden seit 2005.

Sechstgrößte Volkswirtschaft

Brasilien ist bereits die sechstgrößte Volkswirtschaft weltweit. Um 4,4 Prozent wuchs die Wirtschaft im Schnitt seit 2004; mehr als 200 Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen flossen ins Land; die Arbeitslosigkeit liegt bei fünf Prozent.

Und wegen der bevorstehenden Sport-Großereignisse gibt es noch eine Menge Arbeit. Für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 muss Brasilien rasch seine veraltete Infrastruktur auf Trab bringen.

Seit 2010 hat die brasilianische Regierung jährlich 30 Prozent mehr Arbeitsgenehmigungen erteilt. 1,5 Millionen Ausländer waren voriges Jahr offiziell registriert. Nimmt man die illegalen Migranten hinzu, die meist aus den ärmeren Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay stammen, sind es schätzungsweise zwei Millionen. Sogar aus Haiti flüchteten mehrere hundert Menschen nach dem Erdbeben 2010 in Richtung Brasilien. Auch die ungelernten Kräfte finden in der Regel Arbeit - als Bauarbeiter, Hausmädchen, Näherinnen und fliegende Händler.

Attraktiver Verdienst

Attraktiv sind nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Verdienstmöglichkeiten. 80 Prozent aller Weltkonzerne haben Filialen in Brasilien, und ein Expat kann in Brasilien unter Umständen mehr verdienen als in Paris und New York. Allerdings sind wegen des starken Real oft auch die Lebenshaltungskosten entsprechend hoch. Trotzdem lockt das gute Image, das Brasilien genießt: Strände, Sonne, Samba, freundliche Menschen. Die tropische Exotik überdeckt dabei oftmals die immensen Probleme, die das Schwellenland noch hat, etwa eine hohe Gewaltkriminalität, eine riesige soziale Kluft, Korruption und ein ineffizientes Bildungs- und Gesundheitssystem.

Die Qual beginnt für viele schon bei der Einreise. Eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen gleicht einem Hürdenlauf durch bürokratische Instanzen; die Gesetze stammen noch aus Zeiten der Militärdiktatur. Derzeit warten 400.000 bereits verpflichtete ausländische Fachkräfte auf die Arbeitsgenehmigung. Derart akut ist das Problem, dass Presseberichten zufolge so manche Erdölgesellschaft ihre Ingenieure mit Touristenvisum einfliegen lässt und direkt am Flughafen in einen Helikopter verfrachtet und auf eine Erdölplattform fliegen lässt, wo der "Tourist" dann die zulässigen drei Monate verbringt.

Es ist vor allem der schnelle Wandel, der die Behörden überfordert. Vor zehn Jahren noch war Brasilien ein Auswanderungsland, aus dem Hunderttausende auf der Suche nach Arbeit nach Portugal und in die USA flohen. Immerhin hat die Regierung das Problem erkannt, und Paes arbeitet gerade auf Anweisung der Präsidentin Dilma Rousseff an Neuregelungen, um den qualifizierten Interessenten den Aufenthalt zu erleichtern.

Ein Prozent Zuwanderer

Für alle anderen könnte es aber künftig schwieriger werden, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. "Wir sind an Technologietransfer interessiert. Wie großzügig wir der Welt helfen, die Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, müssen wir erst noch festlegen", sagt Paes. Brasilien ist mit seinen 195 Millionen Einwohnern und rund einem Prozent Einwanderer zwar noch weit entfernt von europäischen oder US-amerikanischen Verhältnissen, doch offenbar stößt es bereits an seine Grenzen in Sachen Solidarität und Gastfreundlichkeit. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung sei nicht vereinbar mit den Menschenrechten, so der Jesuitische Flüchtlingsdienst für Lateinamerika und die Karibik. (Sandra Weiss aus Puebla, DER STANDARD, 19.3.2012)

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Austausch innerhalb der EU

Die Euro-Krise offenbart, dass es eine kontinentale Kommunikation nicht gibt. In einem funktionierenden Währungsgebiet müssten in der jetzigen Krise Arbeitskräfte aus schwachen Regionen in starke abwandern. In den USA geschieht dies ständig. Für einen Portugiesen ist es jedoch nicht so einfach in den finnischen Arbeitsmarkt integriert zu werden, ein Grieche tut sich in Deutschland oder Österreich schwer, Iren suchen nicht etwa in anderen EU-Staaten Arbeit, sondern wandern gleich nach Kanada, Australien oder Neuseeland aus usw. Die Arbeitnehmermobilität ist im Gegensatz zum Güterverkehr in der EU aufgrund der Sprachenvielfalt sehr viel eingeschränkter als zwischen US-Bundesstaaten.

Österreich sollte sich hier ein

Beispiel nehmen - wenn hier steht:

"Wir sind an Technologietransfer interessiert. Wie großzügig wir der Welt helfen, die Armut und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, müssen wir erst noch festlegen"

Und die boomende brasilianische Volkswirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften

Hihi - hääääääänderingend!

zum Stronach

die Frage ist doch was er damit bezwecken will,
und weniger ob er das glaubt was er verzapft

und wenn er in die Politik will stimmen Medienkanal und Botschaft - leider ...

aber hier aufm Standard drüber zu raunzen bringt genau so viel wie in einem Paralleluniversum ein Kerzerl für einen Hiesigen anzünden zu wollen ...

Was hat das mit diesem Artikel zu tun?

Ähh...

... wo kommt da jetzt der Stronach vor?

Falscher Thread?

yep ...

falsches Fenster ;-)

Die armen Brasilianer

Bald werden die 'gut' ausgebildeten Akademiker anfangen zu rationalisieren, Jobs auszulagern .......

Dieser Text ist dermassen naiv, dass es weh tut.

Kein "normaler" Arbeiter oder Akademiker aus ESP, oder PRO geht freiwillig nach Braslinien/Südamerika.

Diejenigen, die dass machen sind meistens bereits in ESP gute Verdiener, die dann oft einfach mit Geld zugeschüttet werden von den Firmen da unten.

Die haben aber auch in Spanien kein Problem einen Job zu finden. Für 90% der Jungen ist Südamerika kein ernsthafte Alternative oder gar Verbesserung. (auch in BRA komtm man mit 1500 euro im monat nicht sehr weit)

.

ein prozent migranten und das boot ist voll:-)

Ja warum nicht nach Brasilien auswandern. Was spricht dagegen?

Nicht nur Brasilien!

Auch Länder wie Argentinien, Kolumbien und Ecuador lachen über Europa, welches nun durchmacht, was dort vor 10 Jahren war. Zigtausende neue Stellen in Forschung und Wissenschaft sprechen für sich und locken kluge Köpfe an...

Soll sich EUR doch zu Tode isolieren!

Gehören Sie da nicht dazu, zu den zu Tode Isolierten?

So ein Blödsinn?

Das sind verblendete europäische Versager, die vor der Polizei wahrscheinlich fliehen. Oder Möchtergern-Goldgräber.

Wenn man sich die ökonomischen Eckdaten von Brasilen anschaut, flieht kein Mensch aus ökonomischen Gründen nach Brasililien.

Zum glück bleiben ja solche, wie SIE hier im alten Reich und gehen mit unter!!!

Es ist eine Frechheit zu unterstellen das junge Ausgebildete Menschen vor der Polizei flüchten, wenn man bedenkt das die Arbeitslosigkeit in Europa so hoch ist. Auch wenn es Österreich noch nicht sooo betrifft.
Europa steht im Zugzwang diesen Menschen eine Möglichkeit sein Leben hier zu bestreiten anstatt sie mit Polizeigewallt zu unterdrücken.

Die dann oft alle mal gleich einen schokc bekommen wenn sie feststellen dass in sao paola das leben sicher nicht billiger ist als in Madrid...auch mit job.

und man portugisisch und nicht spanisch sprechen sollte...

naja für das reichts dann bei den meisten doch noch.

Die Angst vor dem Krieg! Schmelzt die Waffen ein und baut stattdessen Bomben.

Nicht verwunderlich...

In einem Europa, wo dilettantische Politiker das Sagen haben, wo nach und nach die Grundrechte ausgehöhlt werden, wo man schon von einem Vereinigte Staaten von Europa träumt, wo der Massenzuwanderung aus dme Süden und Südosten nicht im geringsten Einhalt geboten wird, wo es kaum natürliche Ressourcen gibt (was in wenigen Jahrzehnten zum Problem werden wird), wo unsere einzige Ressource, die Bildung, durch ideologisch verblendete Politiker ruiniert wird, wo in wenigen Jahrzehnten in einigen Großstädten Europa bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen werden (wie man ja bereits im letzten Sommen in GB gesehen hat), ... wer will sich da schon eine Zukunft (womöglich mit Kindern) aufbauen?

Ein Vereinigtes Europa wäre bestimmt nicht schlecht, denn wenn man auf die USA schaut, hat die ihre Macht nur aus der Einigkeit heraus erreicht. Was wollen denn in Europa die kleinen Zitzerl-Staaten allein? Nicht jeder Staat kann eine Steueroase werden wie die Schweiz.

.

die grundrechte der europaeer werden nicht weiter beachtet, das stimmt. wenn es um "menschenrechte" fuer zuwanderer geht ist keine forderung zu absurd

Und du glaubst wirklich die brasilianischen Politiker sind besser? :-\

Naja irgendwann kommen alle mal drauf, dass woanders auch nicht milch und honig fliesst. Wenns sie dann aber bettelnd zurück kommen ins warme, nette europa ist der zug leider oft abgefahren.

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