Kein Sex führt zum Alkohol

  • Kommt es nicht zum angestrebten Tête-à-tête, dann ergeben sich Drosophila-Männchen dem Alkohol.
    foto: der standard

    Kommt es nicht zum angestrebten Tête-à-tête, dann ergeben sich Drosophila-Männchen dem Alkohol.

Abgewiesene Fliegenmänner betrinken sich exzessiv

Washington/Wien - Man kennt dieses Verhalten, wenn schon nicht aus eigener Anschauung, so zumindest aus Erzählungen eines Raymond Carver oder anderer literarischer Finsterlinge. Und es scheint sich nicht auf Homo sapiens zu beschränken: Weisen nämlich weibliche Fruchtfliegen (wissenschaftlich: Drosophila) die Avancen von Männchen zurück, dann stürzen die sich buchstäblich in den Alkohol, wie US-Forscher um Ulrike Heberlein von der University of California San Francisco herausgefunden haben.

Die entsprechenden Experimente, die in der aktuellen Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science vorgestellt werden, begannen mit geglücktem und weniger geglücktem Fliegensex. Das ist für Experten leicht zu steuern, denn Fruchtfliegenweibchen, die sich gerade gepaart haben, weisen alle Annäherungen von Männchen strikt zurück, während jungfräuliche Weibchen im Normalfall für Sex zu haben sind.

Jene Männchen, die auf bereits begattete Weibchen stießen, verloren in ihrer Frustration jede Lust auf Sex. Auch wenn sie nachher mit jungfräulichen Artgenossinnen zusammen kamen, zeigten sie keinerlei Avancen mehr. Es änderte sich aber auch ihr Trinkverhalten: Wurden den sexuell befriedigten und den ausgehungerten Fliegenmännern normales Futter sowie alternativ Futter mit 15 Prozent Alkohol vorgesetzt, dann wählten nur die deprivierten Tiere das Vergorene.

Das für die Forscher eigentlich Interessante trug sich freilich in den Gehirnen der einen Millimeter kleinen Tieren zu: Die Forscher entdeckten nämlich, dass das Saufverhalten der Tiere von einem kleinen Molekül im Hirn der Tiere abhing, dem Neuropeptid F, das zwischen Sex und Alkohol vermittelt. Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil es im Menschen ein ähnliches Molekül namens Neuropeptid Y gibt, das bei uns für Suchtverhalten mitverantwortlich sein könnte.

Wenn das wirklich so ist, sagt Heberlein, dann könnte man die Rezeptoren für das Neuropeptid blockieren - und so Suchtverhalten unterbinden. (tasch, DER STANDARD, 16.3.2012)

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