AUA-Piloten rüsten sich für alle Fälle

Claudia Ruff, Günther Strobl
8. März 2012, 20:37

Die Fronten zwischen Managern und Belegschaft sind verhärtet. Die Piloten sorgen vor - und denken über Alternativen nach

Wien/Berlin - Bis zum Sonderaufsichtsrat der AUA am 13. März ist nicht mehr viel Zeit. Trotz nach außen hin unüberbrückbarer Positionen sei eine Einigung zwischen Bord-Betriebsrat und AUA aber noch möglich, heißt es unternehmensintern. Selbst wenn der von der AUA angedrohte Betriebsübergang auf die Tyrolean eingeleitet werden sollte, vergehen bis zur Umsetzung noch Monate.

Davor werden alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft, beginnend etwa mit einer einstweiligen Verfügung. "Bis Juni bleibt noch viel Zeit, um das abzublasen", wird betont. Ganz abgesehen von der Rechtsunsicherheit und den hohen Kosten - Klagen vom OGH bis zum EuGH werden erwartet. Das Ergebnis aus Wien muss Stefan Lauer, Lufthansa-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef, tags darauf am 14. März dem Lufthansa-Aufsichtsrat präsentieren. 

Emirates lockt die verwöhnten Kapitäne

Auch wenn offiziell nichts nach außen dringt, in dem nur für Piloten zugänglichen Internetforen wird jedenfalls intensiv über einen Umstieg zum Golf-Carrier Emirates diskutiert. Wie berichtet, ist Thierry Antinori - bis vor einem Jahr Lufthansa-Vorstand, dann doch nicht AUA-Chef und nunmehr bei Emirates für den Vertrieb zuständig - sehr an AUA-Piloten interessiert. Es soll sogar ein eigenes Paket für diese geschnürt werden. Etliche der KV-alt-Piloten (mit alten Kollektivverträgen vor der Lauda-Air-Übernahme) seien nicht an einem Umstieg zu einer AUA-neu interessiert. Sie dürften die Abfertigung von bis zu 39 Monatsgehältern (sechs Prozent Steuer) bevorzugen und das Unternehmen verlassen.

Der Grund, warum die rund 300 KV-alt-Verträge so viel besser sind, liegt in der Vergangenheit, als die AUA noch keine Langstreckenflotte besaß. Die Goodies verhandelten die Piloten aus ihrer Sicht anno dazumal sehr erfolgreich, als die AUA begann, Langstrecken zu fliegen. Statt einmal einen ordentlichen KV zu machen, basiert der jetzige KV-alt auf Zusätzen zu einem KV-uralt, der noch keine Langstrecke kannte. 

Kranich lobt AUA-Streckennetz

Apropos Emirates: der geschasste AUA-Vorstand Andreas Bierwirth flog zu Wochenbeginn nach Dubai. AUA-intern wurde bereits spekuliert, Bierwirth könnte wie Antinori zu Emirates wechseln. Andere Quellen meinen, dafür sei sein Verhältnis mit Antinori nicht innig genug. Über sein vorzeitiges Ausscheiden dürfte Bierwirth anscheinend selbst überrascht worden sein. Sein Vertrag wäre noch ein Jahr gelaufen und wird ihm wohl ausbezahlt werden. Es gibt auch das Gerücht, dass AUA-Vorstand Peter Malanik und mit ihm Personal-Chef Richard Piller abgelöst werden könnten. Malaniks Vertrag läuft bis Jahresende. Die Lufthansa sei von "seinen leeren Versprechungen über eine Sanierung der AUA schwer enttäuscht", wird spekuliert.

Die Piloten sind jedenfalls für alle Eventualitäten gerüstet und haben ein zweites Kommunikationsforum gestartet, falls die AUA - wie beim Streik 2003 - die interne Kommunikation kappen sollte. "Das AUA-Streckennetz ist ein wichtiger Beitrag für die Lufthansa", sagte Lufthansa-Bereichsvorstand Jens Bischof bei der Tourismusmesse ITB in Berlin. Eine Skizzierung möglicher Szenarien bei anhaltendem Konfrontationskurs zwischen AUA-Management und Belegschaft lehnte er ab. Eine Gefahr für Wien bzw. für das AUA-Flugnetz durch den neuen Lufthansa-Hub Berlin will Bischof nicht erkennen. "Es gibt Wachstumsrestriktionen an vielen Standorten, gleichzeitig rechnen wir speziell in Osteuropa mit stark wachsender Nachfrage. Der Ausbau der Flughäfen in Wien, Frankfurt und Berlin wird in 20 bis 30 Jahren bei weitem nicht reichen", sagte Bischof. (Claudia Ruff, Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9.3.2012)

 

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Das wäre das erste Forum das dicht ist ;-)

Nach AVRAG steht der Betrieb

Und das nicht wegen Streik sondern weil der Großteil der Piloten, besonders KV-alt gehen wird.

Ist eine Milchmädchenrechnung: jetzt gehen mit bis zu 39 Gehältern oder in einem Jahr gekündigt werden ohne Abfertigung und länger als ein Jahr wird das nicht dauern bei diesem Managment, es bleibt also eigentlich keine Alternative

die gier is a hund

aber das ist eben kapitalismus in reinkultur, das haben ja alle gewollt, denn gehts der wirtschaft gut, gehts uns bekanntlich allen gut.

Da hat sich die Lufthansa ordentlich einen Nagel eingetreten. Eigentlich scheinen die 500 Mio aus heutiger Sicht eine Mezzie ...

Jaja, die kulturellen Unterschiede sind wesentlich größer, als sich das die Lufthanseaten vorgestellt haben.
Die Uhren in Österreich ticken schon etwas anders...

Sieger in jedem Fall Antinori

Schön langsam wird klar warum bei den Verhandlungen nichts weiter geht. Die Manager glauben die Piloten brauchen die AUA und die Personalvertreter glauben die AUA braucht die Piloten und beide haben recht. Die unbekannte Variable ist nur die Anzahl der Wechselwilligen in dem Poker und da schüttet der schlaue Antinori mit seinem Angebot Öl ins Feuer.
Er erhöht damit die Anzahl der potentiell Wechselwilligen und stärkt damit die Position der Personalvertretung. Der mögliche Effekt, die AUA hat weiterhin hohe Kosten oder für Emirates noch besser, es wechselt eine genügend grosse Anzahl an Piloten, damit ist ihr Personalproblem gelöst und die AUA übersteht möglicherweise den Massenexidus nicht, bzw. wird zu einem Regionalcarrier geschrumpft.

Ich glaube, dass das germanische Management recht hat. Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier und die meisten Piloten haben sich ein durchaus nettes Nest gebaut bzw. Familie gegründet oder frönen einem kostspieligen Hobby, was die Abwanderung doch erheblich erschweren wird.

Und selbst bei Durchsetzung eines neuen KV's haben die Piloten ja nicht wirklich was zu verlieren. Es wird ja lediglich der automatische Lohnzuwachs vorübergehend eingedämmt und vielleicht auch endlich die Firmenpension bzw. die Flugunfähigkeitsversicherung (die berühmten 39 Gehälter) ausgelagert.

Am Hungertuch wird keiner nagen.

AVRAG heißt Untergang

Bei einem Betriebsübergang nach AVRAG bleibt das Hauptproblem der AUA ungelöst, nämlich das unfähige Managment. Das und das Chaos, das durch eine Zusammenführung der beiden Flugbetriebe entstehen würde wird die AUA entgültig an die Wand fahren, deshalb mag sein dass das Ist-Gehalt bleiben würde, aber für wie lange.

Dann schon lieber mit Abfertigung einen Neuanfang bei einer seriösen Airline, für ein Semperit-Szenario ist hier keiner zu haben.

Auch Ihnen wünsche ich alles Gute für den Neuanfang bei einer seriösen Airline in China oder in einem Emirat.
Dort ist sicherlich alles viel besser. Vor allem das Management.

Übrigens: Das Semperit-Szenario ist längst (seit Übernahme durch LH) Realität. Sie scheinen da irgend etwas nicht ganz "gecheckt" zu haben...

Keine Ahnung, oder?
Nach dem AVRAG eine Änderungskündigung und schon sind es -30% Gehalt ohne Absicherung und Jobgarantie. Nein, da nimmt man jetzt lieber die Abfertigung!

Eher viel Ahnung bzw. Erfahrung, lieber Peter Pan!
Unterschätzen Sie mich nicht!

Ich kann Ihnen versichern, dass ich sämtliche Geschichten im Rahmen des AVRAGs (AAS in Tyrolean, Lauda in Austrian) live miterlebt habe und daher ganz genau weiß, was Sache ist.
Niemand hat bei diesen Betriebsübernahmen auf sein aktuelles Gehalt verzichten müssen! Ist auch gar nicht möglich!

Mit Jobgarantie und Absicherung haben Sie recht. Aber wer (außer ein Beamter) hat das heute noch?
Dort ist das möglich, weil ja eh nur der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird.

Gut ausgebildete Piloten brauchen doch keine Jobgarantie; oder?

Alles live miterlebt und jetzt .... frustriert oder als Anwalt reich?
Wenn ich Managementbezüge und variable Gehalstbestandteile bekomme, dann mache ich ihnen auch Vorschläge.
Einen gibt's gratis! Auslagerung der IT Abteilung. Die haben es jetzt seit 20 Jahren kein Crew Management System zusammen gebracht, das machen jetzt zwei Copiloten besser und schneller!

PS:

wegen Unfähigkeit einzelner Mitarbeiter schmeissen wir gleich alle raus? Dann wünsche ich Ihnen auch Arbeitslosigkeit an den Hals!

genau!

Vor allem deshalb, weil sie sich nicht an Vorgaben und Richtlinien halten - wenn Ihr auch ohne Einhaltung von Vorschriften fliegt, dann gute Nacht!

Ich werde mich jetzt hier nicht als einziger "outen", solange sich jeder hinter einem Synonym versteckt. Das werden Sie sicherlich verstehen.

In diesem Punkt muss ich Ihnen aber recht geben: Die IT-Abteilung gehört sicherlich zu den Schwachstellen im Konzern, was aber in vielen Unternehmen so ist. Solange das Management keine Ahnung von IT hat, kann man denen so gut wie alles verkaufen. Die Lufthansa IT ist da auch nicht besser. Überhaupt profitiert LH in erster Linie von ihrer Größe und nicht von Ihrer Innovation. Wäre die LH so klein wie die AUA, würde sie wahrscheinlich wesentlich schlechter dastehen. Es geht halt nichts über einen großen Heimatmarkt, den es in Österreich leider nicht gibt.

Was nützt es, wenn ...

... man zwar am Ist-Gehalt hängenbleibt, aber das drumherum im Chaos versinkt? Arbeitszeit, freie Tage, all das was das Leben noch lebenswert macht?

Warum nicht für das doppelte Nettogehalt nach China gehen, für die paar Jahre die noch zur Pension fehlen? Oder in den goldenen Käfig? Wen absolut kein Vertrauen ins Management existiert, dann ist der Abgang mit einer kräftigen Finanzspritze sicherlich die bessere Alternative!

Um das Vertrauen wieder herzustellen müßte LH die ersten zwei Managementebenen komplett und die Dritte zu einem guten Teil austauschen. Ohne das die Abgelösten irgendwo im Konzern "versorgt" werden!

Ein Betriebsübergang nach KV Kündigung ist eine Umgehung gesetzlicher Schutzbestimmungen! Viel Spaß liebes Management!

Ich wünsche Ihnen viel Spass und alles Gute in China!
Bei den Chinesen ist sicherlich alles besser.

An der mantraähnlichen Verteufelung des Managements hat sich offensichtlich im Flugetrieb in den letzten 30 Jahren nichts verändert.

Konstruktive und konkrete Vorschläge waren und sind allerdings aus dieser Richtung Mangelware.

Daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern....

Mantraähnliche Verteufelung des Management?

Sorry, aber ich darf ihnen jegliches Verständnis für die Sachlage absprechen!
Wer dieses Management, damit sind die ersten drei Ebenen angesprochen, verteidigt, dem kann nicht mehr geholfen werden. Ausnahmen bestätigen zwar auch hier die Regel, aber die sind leider selten und waren immer schon abschußgefährdet.

Ich verabscheue nun einmal Verallgemeinerungen, wie das Management oder die Deutschen, etc. Die Geschichte hat schon zu oft gezeigt, wohin das führen kann.

Wenn Sie meinen, dass das gesamte Management der ersten drei Ebenen bei der AUA ausgetauscht werden muss, dann muss ich Ihnen zumindest mangelnde Objektivität und vor allem Unkenntnis unterstellen. Sie sollten sich weniger an Gerüchten, sondern mehr an Fakten orientieren.

Mir ist übrigens völlig klar, dass es auch im AUA-Management Blindgänger gibt. Die gibt es überall. Haben Sie sich schon einmal im Lufthansa-Headoffice umgesehen?

Trotzdem wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft im Lufthansa Konzern oder bei den Emirates.

Ich verabscheue nun einmal Verallgemeinerungen, wie das Management oder die Deutschen, etc. Die Geschichte hat schon zu oft gezeigt, wohin das führen kann.

Ich behaupte nicht, das die Deutschen ein Problem sind, obwohl LH keinerlei Führungsfähigkeit bewiesen hat.
Mir fällt bei Durchsicht des Organisationsplan in der zweiten Ebene niemand auf, der sich positiv hervorgetan hätte. Das Gegenteil schon eher, wenn auch nicht Jeder sich dieses Privilegs "erfreuen" darf. Der Vorstand selber hält die Probleme zusammen. Ich sehe nicht viel Hoffnung für die AUA, wenn nicht der Managementapparat auf neue und schlankere Beine gestellt wird. Ja, ich bin subjektiv, ich bin nämlich selbst betroffen und habe es satt von diesen Versagern ... (ihre Fantasie)
Das LH nicht das Gelbe vom Ei ist weiß ich, dort war mit Weber ein Visionär am Werk und jetzt kommen die Bürokraten um die Pflanze umzutopfen! Mal sehen!

eine neugründung auf basis der tyrolean wird wohl die einzige lösung sein

so wie es auch bei der swiss damals gelaufen ist.

wenn ein

Unternehmen nicht mehr funktioniert (d.h. keine Balance mehr zwischen Einnahmen und Ausgaben), dann haben sich gewisse Rahmenbedingungen geändert. Im Wesentlichen gibt es nur die zwei Parameter an denen man Schrauben kann: einnahmenseitig bzw. ausgabenseitig. Ein hoher Teil ausgebenseitig in diesem Fall scheinen Personalkosten zu sein. Was also tun, wenn auf alte Verträge gepocht wird, die sich auf nicht mehr gegebene Voraussetzungen stützen? In logischer Konsequenz sind neue Verträge unumgänglich. Dies geht freiwillig (durch Einsicht) oder über den Umweg der Firmenschließung. (in Ö. allerdings noch eine beliebte Sonderlösung: Subvention durch die Allgemeinheit in Form von Steuergeldern...)

:(

Nur ein kleiner Teil sind PERSONALKOSTEN (ca. 25%)! - obergschei schreiben aber KEINE Ahnung haben!

ihr nick ist programm

klein und groß

ist bekanntlich relativ - ich finde, dass 25% der Gesamtkosten nur für Personal schon sehr viel ist. Orientieren Sie sich bei Ihrer Bewertung (so wie ich) auch an den anderen Fluggesellschaften?
Sie können natürlich auch an den Materialkosten "sparen" - backen Sie einmal einen Kuchen mit nur dem halben Materialeinsatz...
(In diesem Vergleich steckt Einiges an Zusammenhängen, ich hoffe sie werden es checken andernfalls bin ich gerne bereit es zu erläutern).
Bei den Personalkosten geht es um den (Geld-)Wert der Arbeit: warum bekommen die einen mehr Geld für die gleiche Arbeit als die anderen (z.B. die Piloten)?
Materialpreise sind global, Personalgehaltspreise lokal.
Im globalen Wettbewerb bleibt nur die Schraube auf der Personalseite z

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