Künftig höhere Steuern beim Verkauf von Immobilien

Finanz kassiert auch bei Privaten 25 Prozent vom Veräußerungsgewinn - Hauptwohnsitze ausgenommen

Wien - Wer künftig eine Liegenschaft gewinnbringend verkauft, muss dafür mehr Steuern zahlen, außer, es handelt sich um den eigenen Hauptwohnsitz. Immobilienbesitzer sollen bis 2016 zusammen über 2 Mrd. Euro zum Sparpaket beitragen. Dazu wird die bisher geltende zehnjährige Spekulationsfrist abgeschafft. Die neuen Maßnahmen treten bereits mit 1. April 2012 in Kraft. Gegenüber den ursprünglichen Politikplänen hat sich im heute, Samstag, veröffentlichten Begutachtungsentwurf im Grunde nichts geändert. Lediglich die jährliche Inflationsabgeltung wurde von 2,5 auf 2 Prozent gekürzt, was aber nicht mehr Einnahmen bringen soll.

Bisher konnten Privatpersonen Gebäude oder Grundstücke nach zehn Jahren steuerfrei verkaufen. Damit ist es ab April vorbei: Auch nach zehn Jahren wird dann der Gewinn (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) mit 25 Prozent besteuert.

Hauptwohnsitze ausgenommen

Hauptwohnsitze sind von der Besteuerung ausgenommen - mindestens zwei Jahre zwischen An- und Verkaufszeitpunkt muss der Veräußerer durchgehend in dem Haus gewohnt haben. Neu ist: Wer innerhalb der letzten zehn Jahre - unabhängig vom Ankaufszeitpunkt - mindestens fünf Jahre seinen Hauptwohnsitz in dem Objekt hatte, ist auch von der Steuer befreit. Dies kommt vor allem geschiedenen Ehepaaren zugute: Derjenige Partner, der vor dem Verkauf aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen ist, ist ebenfalls begünstigt. Auch für "selbst hergestellte" Gebäude gilt die Steuerbefreiung. Außer - und das ist auch neu -, das Haus wurde innerhalb der letzten zehn Jahre vermietet. Im Falle einer teilweisen "Nutzung zur Erzielung von Einkünften" steht die Befreiung nur anteilig zu.

Unterschieden wird nun zwischen Liegenschaften, die vor und die nach dem 1. April 2002 erworben wurden. Bei Objekten, die nach dem 1. April 2002 gekauft wurden, ist nach zehn Jahren Behaltedauer ein Inflationsabschlag vorgesehen, der den (steuerpflichtigen) Veräußerungsgewinn mindern kann. Statt vorgesehener 2,5 Prozent soll nun eine jährliche Teuerungsabgeltung von 2 Prozent gewährt werden. Der Inflationsabschlag darf höchstens 50 Prozent ausmachen. Bei maximalem Inflationsabschlag beträgt der effektive Steuersatz also 12,5 Prozent.

Auch Umwidmungen betroffen

Auch beim Verkauf von Immobilien, die vor dem 1. April 2002 erworben wurden, schlägt die Finanz zu. Hier wird pauschal ein Wertzuwachs von 14 Prozent angenommen - es werden also effektiv 3,5 Prozent (25 Prozent von 14 Prozent) des Verkaufserlöses fällig.

Im Falle von Umwidmungen bittet die Finanz ebenfalls zur Kasse. Bei Veräußerung von Liegenschaften, die vor dem 1. April 2002 verkauft und davor, nämlich seit Anfang 1988, von Grün- und Bauland umgewidmet wurden, beträgt der Steuersatz 15 Prozent. Steuerpflichtige haben aber stets die Möglichkeit nachzuweisen, dass der pauschal angenommene Wertzuwachs geringer war.

Neuerungen kommen auch auf Firmen zu, die Grund und Boden verkaufen wollen: Hier soll künftig die Gewinnermittlungsart keine Rolle mehr spielen und der Veräußerungsgewinn - wie Kapitalerträge - mit 25 Prozent besteuert werden.

Insgesamt sollen die Steuererhöhungen bis 2016 2,05 Mrd. Euro in die Staatskasse spülen. Für 2013 werden 350 Mio. Euro budgetiert, für 2014 450 Mio. Euro, für 2015 500 Mio. Euro und für 2016 750 Mio. Euro. (APA)

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