Künftig höhere Steuern beim Verkauf von Immobilien

18. Februar 2012, 14:38

Finanz kassiert auch bei Privaten 25 Prozent vom Veräußerungsgewinn - Hauptwohnsitze ausgenommen

Wien - Wer künftig eine Liegenschaft gewinnbringend verkauft, muss dafür mehr Steuern zahlen, außer, es handelt sich um den eigenen Hauptwohnsitz. Immobilienbesitzer sollen bis 2016 zusammen über 2 Mrd. Euro zum Sparpaket beitragen. Dazu wird die bisher geltende zehnjährige Spekulationsfrist abgeschafft. Die neuen Maßnahmen treten bereits mit 1. April 2012 in Kraft. Gegenüber den ursprünglichen Politikplänen hat sich im heute, Samstag, veröffentlichten Begutachtungsentwurf im Grunde nichts geändert. Lediglich die jährliche Inflationsabgeltung wurde von 2,5 auf 2 Prozent gekürzt, was aber nicht mehr Einnahmen bringen soll.

Bisher konnten Privatpersonen Gebäude oder Grundstücke nach zehn Jahren steuerfrei verkaufen. Damit ist es ab April vorbei: Auch nach zehn Jahren wird dann der Gewinn (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) mit 25 Prozent besteuert.

Hauptwohnsitze ausgenommen

Hauptwohnsitze sind von der Besteuerung ausgenommen - mindestens zwei Jahre zwischen An- und Verkaufszeitpunkt muss der Veräußerer durchgehend in dem Haus gewohnt haben. Neu ist: Wer innerhalb der letzten zehn Jahre - unabhängig vom Ankaufszeitpunkt - mindestens fünf Jahre seinen Hauptwohnsitz in dem Objekt hatte, ist auch von der Steuer befreit. Dies kommt vor allem geschiedenen Ehepaaren zugute: Derjenige Partner, der vor dem Verkauf aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen ist, ist ebenfalls begünstigt. Auch für "selbst hergestellte" Gebäude gilt die Steuerbefreiung. Außer - und das ist auch neu -, das Haus wurde innerhalb der letzten zehn Jahre vermietet. Im Falle einer teilweisen "Nutzung zur Erzielung von Einkünften" steht die Befreiung nur anteilig zu.

Unterschieden wird nun zwischen Liegenschaften, die vor und die nach dem 1. April 2002 erworben wurden. Bei Objekten, die nach dem 1. April 2002 gekauft wurden, ist nach zehn Jahren Behaltedauer ein Inflationsabschlag vorgesehen, der den (steuerpflichtigen) Veräußerungsgewinn mindern kann. Statt vorgesehener 2,5 Prozent soll nun eine jährliche Teuerungsabgeltung von 2 Prozent gewährt werden. Der Inflationsabschlag darf höchstens 50 Prozent ausmachen. Bei maximalem Inflationsabschlag beträgt der effektive Steuersatz also 12,5 Prozent.

Auch Umwidmungen betroffen

Auch beim Verkauf von Immobilien, die vor dem 1. April 2002 erworben wurden, schlägt die Finanz zu. Hier wird pauschal ein Wertzuwachs von 14 Prozent angenommen - es werden also effektiv 3,5 Prozent (25 Prozent von 14 Prozent) des Verkaufserlöses fällig.

Im Falle von Umwidmungen bittet die Finanz ebenfalls zur Kasse. Bei Veräußerung von Liegenschaften, die vor dem 1. April 2002 verkauft und davor, nämlich seit Anfang 1988, von Grün- und Bauland umgewidmet wurden, beträgt der Steuersatz 15 Prozent. Steuerpflichtige haben aber stets die Möglichkeit nachzuweisen, dass der pauschal angenommene Wertzuwachs geringer war.

Neuerungen kommen auch auf Firmen zu, die Grund und Boden verkaufen wollen: Hier soll künftig die Gewinnermittlungsart keine Rolle mehr spielen und der Veräußerungsgewinn - wie Kapitalerträge - mit 25 Prozent besteuert werden.

Insgesamt sollen die Steuererhöhungen bis 2016 2,05 Mrd. Euro in die Staatskasse spülen. Für 2013 werden 350 Mio. Euro budgetiert, für 2014 450 Mio. Euro, für 2015 500 Mio. Euro und für 2016 750 Mio. Euro. (APA)

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9 Postings
Die Steuer soll ja nur bei Veräußerungsgewinnen

anfallen.

Seit der Aufhebung der Erbschaftssteuer ist das Verschenken von Dingen ja steuerfrei. Wie sieht es nun aus wenn ein Landwirt einen Grund umwidmet und seinem Kind und dessen Partner schenkt?!?

Mangels Veräußerungsgewinnes müsste bei Schenkungen ja dann keine Steuer anfallen, sondern erst wenn die Beschenkten den Grund verkaufen. Oder habe ich das falsch verstanden?!?

Was soll der Blödsinn mit der Inflationsabgeltung,

man kann doch die Inflationsabgeltung für die Zukunft nicht festlegen.

Was ist, wenn die Inflation zu galopieren beginnt?

z.B. Kauf einer Wohnung um 150 000.-,
Verkauf um 1 500 000.-.
Da müsste man ein Viertel des Werts an Steuern abdrücken. Das kanns doch nicht sein.

Tja

Höhere Steuern für den Verkäufer == Höherer Preis für den Käufer

Oder glaubt hier wirklich irgendjemand, das würde nicht auf den nächsten abgewälzt werden ?

wie sieht diese steuer bei erbschaft aus?

wenn ich ein geerbtes haus verkaufen muss, um meine geschwister auszuzahlen - kassiert dann der fiskus 25 % vom gesamten verkaufserlös (die erwerbskosten waren ja sozusagen null)?

Verkäufe durch einen Nachlassverwalter

gelten als Verkäufe des Verblichenen. Deshalb ist es oft günstiger, Immobilien vom Nachlassverwalter verkaufen zu lassen und den Erlös zu erben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einer der Käufer ein erbberechtigter Nachkomme ist, manchmal vorteilhaft, dass ein Gutachten erstellt wird. Da staunen oft alle, dass das geliebte Anwesen oft sehr magere Werte hat…

danke für den tipp

was ist der "Veräußerungsgewinn" in solch einem fall ? das grundstück und haus bspw. meiner grosseltern wurden schliesslich in reichsmark bezahlt und in summe das haus mehrmals erweitert und zuletzt komplettsaniert.

rechnungen über alle investitionen der letzten 90 jahre... ? glaubt doch kein mensch, dass private so tolle archive haben. auch die finanzämter stehen schon bei der hälfte meist an...

im endeffekt sieht es so aus, dass die steuer kleine private mit zweit/vorsorge/kinder-wohnungen volle länge trifft: kleine wohnungen verkaufen sich ganz gut, sind gefragt, für guten zustand gibts brauchbare preise und die privaten haben selten rechnungen, um ordentlich abzuschreiben. WIN-WIN, sozusagen...

Ist ganz einfach

sie zahlen 3,5% vom Kaufpreis weil die Immobilie vor 2002 angeschafft wurde. Hier wir mit einer Pauschale gearbeitet weil ganz allgemein von einem Wertgewinn von 14% ausgegangen wird zwischen damaligen Anschaffungspreis,auch wenn das im Jahre Schnee war, und jetzigem Verkaufspreis.

Scheidungen

Wie sieht´s mit einer Wohnung aus, die vor sagen wir 15 Jahren gekauft wurde, dann saniert und vor 3 Jahren i.R. einer Scheidung einem Partner zugesprochen wurde?
Kauf- und andere Belege sind beim geschiedenen Partner, also nicht verfügbar. Sind´s da auch einfach 3,5% vom Verkaufspreis? Danke

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