Android 4.0 und das Update-Elend (am Beispiel Motorola)

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    grafik: google

Hersteller mit Vielzahl an Geräten überfordert, zu große Macht der Netzbetreiber

Mitte November war es, da hat Google den Source Code für die aktuelle Android-Generation "Ice Cream Sandwich" veröffentlicht. Rasch bemühten sich die diversen Smartphone- und Tablet-Hersteller, entsprechende Updates für ihre eigenen Geräte anzukündigen, schließlich will man doch nicht den Eindruck erwecken, weniger aktuell als die Konkurrenz zu sein.

Updates

Gut drei Monate später fällt die Bilanz aus KonsumentInnen-Perspektive allerdings wenig erfreulich aus: Bislang bleibt Android 4.0 ein absolutes Randphänomen unter den verschiedenen Ausgaben des mobilen Betriebssystems. Offiziell ist es bisher lediglich für Googles eigene Smartphones Galaxy Nexus und Nexus S verfügbar, und auch das nur mit Einschränkungen, haben doch noch immer nicht alle das Nexus-S-Update auf "Ice Cream Sandwich" erhalten. Für das US-amerikanische Nexus S 4G soll die Aktualisierung überhaupt erst in diesen Tagen starten.

Ausschnitt

Bei den Drittherstellern sieht es hingegen düster aus, kein einziges Smartphone eines großen Herstellers wurde bisher - offiziell - auf den neuesten Stand gebracht. Lediglich das Asus Transformer Prime Tablet ist bereits mit einem Upgrade versorgt worden, dazu kommen noch ein paar Geräte weniger etablierter Anbieter. Für jene KonsumentInnen, die sich nicht gleich für ein Nexus-Gerät von Google selbst entschieden haben - oder auf Community-Firmware gewechselt sind -, ist diese Situation natürlich einigermaßen unbefriedigend.

Stellvertretend: Motorola

Kaum etwas könnte diese Malaise wohl besser illustrieren als die gerade erfolgte Aktualisierung von Motorolas Update-Plänen. Nachdem man mit der ICS-Auslieferung für die US-Variante des - von Google mit Updates versorgten - Xoom-Tablet schon im Jänner begonnen hat, heißt es nun für alle anderen warten, und zwar länger. Im zweiten Quartal  - also irgendwann vor Ende Juni - sollen internationale KäuferInnen des Xoom folgen, auch das aktuelle Topgerät von Motorola, das Droid Razr, soll in diesem Zeitraum aktualisiert werden - zumindest die außerhalb der USA verkaufte Variante.

Details

Der Rest an aktuellen Modellen von Motorola muss zumindest bis zum dritten Quartal warten, darunter etwa das Photon 4G und das Atrix 2 und das gerade erst vorgestellte Tablet Xyboard 8.2/10.1. Für manche Geräte will man sich hingegen derzeit lieber nicht festlegen, so befinden sich die Updates für das US-Droid-Razr und das gerade erst vorgestellte Droid 4 noch in der "Evaluierungsphase". Einige andere nicht gar so alte Smartphones sortiert man gleich gänzlich aus, etwa Droid 2, Defy und auch das Droid X. 

Fehlersuche

Verantwortlich für diese Misere sind vor allem drei Faktoren: Einerseits sind es die diversen Eigenentwicklungen der Hersteller, etwa in Form von angepassten Oberflächen, deren Portierung bei jedem Update wieder einiges an Entwicklungszeit verschlingen. Dazu kommt aber auch, dass die Unternehmen ganz augenscheinlich mit der eigenen Fülle an Modellen und regionalen Varianten überfordert sind. Zumindest in diesem Bereich scheint man aber für die Zukunft lernen zu wollen, immerhin haben sowohl Motorola als auch HTC bereits angekündigt, sich künftig auf weniger Modelle konzentrieren zu wollen.

Bürokratie

Einen nicht zu unterschätzenden - laut Motorola gar den größten - Teil nimmt aber schlicht die Bürokratie ein: Jedes Update muss von den Mobilfunkbetreibern abgesegnet werden, dies führt oftmals zu einem wochen- bis monatelangen Hin und Her, gerade wenn die Netzbetreiber auch noch eigene Software auf dem Gerät unterbringen wollen. Kein Wunder also, dass es vor allem Tablets ohne 3G-Funktionalität sind, die bisher mit Android 4.0 versorgt wurden.

Gegenmaßnahmen

Googles Bemühungen, hier eine Besserung zu erreichen, verlaufen bisher weitgehend im Sand: Von der einst groß angekündigten "Update Alliance" hat man seit ihrer ersten Vorstellung vergangenen Mai nichts mehr gehört. Auch die Versuche, mit der neuen Oberfläche und den zusätzlichen Funktion von "Ice Cream Sandwich" den Herstellern ein Stück weit den Anreiz zur Veränderung des Betriebssystems zu nehmen, scheinen wenig zu fruchten. Aktuelle Vorab-Builds von Samsung, HTC und Co. zeigen, dass man die Strategie die Android-Oberfläche praktisch zur Gänze zu ersetzen, unbeeindruckt weiter fortsetzt. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 16.2.2012)

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