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Wien - Bei den Massenprotesten in Russland handelt es sich nach Ansicht eines Spitzenfunktionärs der russischen Wirtschaft und Vertrauten von Premier Wladimir Putin nicht um eine politische Oppositionsbewegung. "Sie versammeln sich aufgrund von Aufrufen und Informationen von Bloggern im Internet, die ihrer Überzeugung entsprechen, dass sie in einer ungerechten Welt leben", sagt Wladimir Jakunin im Gespräch mit dem Standard. "Sie wollen gehört werden, und sie wollen, dass sich ihr Leben ändert. Und es sind bei weitem nicht nur die 30.000 oder 40.000 in Moskau. Sie repräsentieren ganz Russland. Tief im Landesinneren könnte die Lage sogar noch schlimmer sein, was den Lebensstandard betrifft."
Jakunin ist Chef der Russischen Eisenbahnen und Präsident des World Public Forum. Diese hauptsächlich von russischen Wirtschaftskreisen finanzierte Stiftung will mittels eines Dialogs der Kulturen einer behaupteten westlichen Wertedominanz etwas entgegensetzen.
Am Wochenende war Jakunin in Wien, wo das Sekretariat des World Public Forum angesiedelt ist, um den zehnten "Dialogue of Civilizations" im Oktober auf Rhodos vorzubereiten. Zu Sowjetzeiten stand Jakunin unter anderem als Diplomat in KGB-Diensten.
Die Staatsmacht müsse die Botschaft der Proteste verstehen, sagt Jakunin, und in einen Dialog mit den Menschen treten. Anzeichen dafür sieht er darin, dass bei den Präsidentschaftswahlen am 4. März in den Wahllokalen Webkameras installiert werden sollen, um Betrug zu verhindern.
Jakunin unterstützt nachdrücklich Putins neuerliche Präsidentschaftskandidatur: "In diesen unruhigen Zeiten ist es extrem wichtig, dass die Person an der Spitze fähig ist zu führen. Ob sie Fehler macht oder nicht - sie muss führen." Es liege an demokratischen Prozessen und Institutionen, autoritäre Tendenzen zu beschränken. "Ich glaube, die Menschen suchen jemanden wie den jungen Putin. Die Frage ist:Kann der späte Putin so werden, wie der junge Putin war? Ich kenne ihn, seit er Mitarbeiter von Sobtschak (damals Bürgermeister von St. Petersburg, Red.) war. Ich weiß, dass er für die demokratische Entwicklung des Landes ist - vielleicht viel mehr als jene, die vorgeben, Demokraten zu sein." (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)
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war es, nicht gegen medwedew anzutreten. mit 90%iger wahrscheinlichkeit wäre er als sieger aus der wahl gegangen, hätte den russen die illusion der entscheidungsfreiheit gelassen und somit die jetzigen proteste nicht provoziert.
das vorgehen, das er gewählt hat, lässt dagegen im in- und ausland gar keine andere perspektive zu, als jene des ewigen politischen stillstandes. was die russen an breschnew erinnert und den westen halt an russland wie es immer war. bei licht betrachtet gab es seit der oktoberrevolution nur einen öffentlichen machtkampf in russland und der fand zwischen gorbatschow und jelzin statt.
putin scheint nicht begriffen zu haben, dass es um das volk bei laune zu halten neben brot auch spiele braucht.
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