"Ich dachte, er hat ein Messer"

29. Dezember 2011, 13:09

Rote Karte nach Fanattacke gegen AZ-Goalie Esteban im Spiel gegen Ajax zurückgenommen

Amsterdam - Alkmaar-Tormann Esteban Alvarado Brown hat seine Tritte gegen einen Hooligan von Ajax Amsterdam mit Angst vor einer Waffe erklärt. "Ich dachte zuerst, er hat ein Messer", sagte der Schlussmann der costa-ricanischen Sportzeitung Al Día. "Wenn Sie sich verteidigen, denken Sie nicht über ein oder zwei Tritte nach. Ich hatte Angst, dass der Mann bewaffnet war."

Alkmaars Torhüter war erst durch das Publikum auf den 19 Jahre alten Angreifer aufmerksam geworden, der sich von hinten genähert hatte. "Die Leute begannen zu pfeifen, der Schiedsrichter deutete hinter mich. Als ich mich umdrehte, sah ich ihn auf mich zuspringen und ich musste seinem Tritt ausweichen. Er wollte mich schlagen."

Rachegefühle hegt Esteban aber nicht. "Wenn ich ihn treffen könnte und er mir eine Entschuldigung anbietet, nehme ich diese an. Es wäre nett, wenn er um Vergebung bitten würde", sagte der 22-Jährige, der sich für sein eigenes Verhalten ebenfalls entschuldigte. "Ich entschuldige mich gerade bei unseren jüngeren Fans, für die ich ein Vorbild bin. Aber ich musste mich verteidigen."

Das Achtelfinalduell des niederländischen Fußballcups zwischen Ajax Amsterdam und Alkmaar war am Mittwochabend beim Stand von 1:0 abgebrochen worden. Alkmaar-Trainer Gert Jan Verbeek hatte seine Spieler in der 37. Minute zum Abtreten aufgefordert, nachdem Esteban nach seiner Selbstverteidigung vom Schiedsrichter ausgeschlossen worden war.

Platzverweis aufgehoben

Am Donnerstag wurde die Rote Karte allerdings für ungültig erklärt. Die Anklagevertretung beim niederländischen Fußballverband (KNVB) befand, dass die gewalttätige Reaktion des Costa Ricaners auf die Attacke nicht zwingend mit einem Platzverweis bestraft hätte werden müssen. Dem Keeper wurde zugutegehalten, er sei "hinterrücks überfallen worden, er konnte den Angreifer nicht sehen". Beide Klubs müssen nun bis zum 27. Dezember einen Bericht an den KNVB schicken. Einen Tag später will der Verband über die Wertung der Begegnung entscheiden.

Es stellte sich übrigens auch heraus, dass der 19-jährige Fan gar nicht in der Amsterdam-Arena hätte sein dürfen, weil ihm wegen früherer Vorfälle längst ein Stadionverbot erteilt worden war. Abgesehen von einem Strafverfahren droht ihm nun ein lebenslanges Verbot, niederländische Fußballstadien zu betreten.

Nach dem Abbruch ist es zu schweren Ausschreitungen wütender Fans gekommen. Die Polizei rückte vor der Amsterdam Arena mit Wasserwerfern an und nahm acht mutmaßliche Randalierer fest - vier wegen Gewaltanwendung und vier wegen des illegalen Einsatzes von Feuerwerkskörpern.

Entschuldigung von Ajax

Der Amsterdamer Klub entschuldigte sich für den Zwischenfall. "Das ist ein schrecklicher Vorfall, den wir als Verein sehr bedauern. Wir bieten unsere ehrlich gemeinte Entschuldigung an. Wir finden das sehr schlecht, und das wird der Junge zu spüren bekommen", erklärte Ajax-Finanzdirektor Jeroen Slop.

Der 19-jährige Fan war auf das Spielfeld gerannt und auf den Alkmaar-Torwart zugestürmt. Der Schlussmann  verteidigte sich - "begreiflicherweise", wie die Zeitung "De Telegraaf" am Donnerstag urteilte. Schiedsrichter Bas Nijhuis schickte den Keeper dennoch zunächst mit Rot vom Platz. Begründung: Alvarado habe noch zwei Mal auf den Fan getreten, als dieser bereits am Boden lag.

"Ich habe gesehen, dass Esteban attackiert wurde und sich verteidigt hat", sagte der verständnisvolle Ajax-Coach Frank de Boer. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, aber ich kann ihn mit seinem südamerikanischen Temperament verstehen." Der Angreifer wurde festgenommen. (sid/APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1078
Die Ausred merk ich mir...

ich würd sagen, dass es in unserer natur liegt, sich gegen einen angriff zu wehren und auch zu verhindern, abermals angegriffen zu werden

Hier ist immer von "Sport" und sogar "Spitzensport" zu lesen.

Im Zusammenhang mit Fußball versteh' ich das nicht.
Fußball ist Unterhaltung...keinesfalls Sport.

Leider hat der Tormann den Hool nicht wirklich ins Gesicht getroffen. Schade!

scheinbar darf ein sportler im 'spitzensport'

auf einen am boden liegenden menschen drauf- und eintreten (unmengen an stadion- und fernsehzuschauern) und das ganze dann auch noch notwehr nennen. toll.

genau

er sollte sich viel mehr von seinem angreifer abwatschen und zusammenschlagen lassen ohne widerstand. das gibt dann ein gutes vorbild, falls wir in den nexten 30 jahren noch mehr "appeasement" idioten brauchen.

Wie schon mal geschrieben, als Profi hätt er fester zutreten sollen.

2x Nachtreten nach einer überraschenden Attacke von hinten kann schon mal vorkoommen.
Wenn sie anderes schreiben zeigen sie nur daß sie keine Ahnung haben.

?

Haben Sie sich mal das Video angeschaut? Der liegt ja nur am Boden weil sein Tritt gegen den Tormann nicht traf und ihn dieser abwehren konnte. Und selbst als er am Boden liegt, versucht er noch nach Esteban zu treten.

Vergessen sie nicht, dass ein Fußballer darauf trainiert ist, auf alles was sich am Boden bewegt zu treten. Daraus erklärt sich das Handeln des Torhüters und ist dem entsprechend völlig verständlich.

hooligans sind keine menschen. höchstens untermenschen.

sie sind scheinbar besorgt, dass sich opfer eines angriffes wehren. warum bloß?

und was genau hat der am "boden liegende mensch" am fußballfeld verloren?

der am boden ligende mensch hatte vermutlich nicht umsonst stadionverbot! wobei man sich fragen muß, was stadionverbote eigentlich für einen sinn haben, wenn so irre dann sogar die spieler am feld attakieren können...

hut ab vorm alkmaar-trainer, der genau das richtige machte nach der roten für seinen goalie...

Der Hool kann den Tormann eh verklagen

Glaub kaum erfolgreich! Bin nach diesem Vorfall für ne Regeländerung. Zuschauerattaken auf Spieler und daraus folgenden Gegenreaktionen, egal ob Notwehr oder übertriebene Notwehr (dafür gibt es Gerichte), sollten keinen Einfluss auf den Spielverlauf haben. Werden Spieler verletzt, gehört natürlich Abgebrochen- Zustand des Platzstürmers für das Spiel ebenfalls uninteressant!

Oh ja,

der arme, arme - eigentlich aus dem Stadion verbannte - Hooligan wollte den Esteban sicher nur um ein Autogramm bitten.

nicht scheinbar - sondern anscheinend!!! Weil er RECHT hat!!! Der Irre hat mit seiner feigen Attacke für die nächsten vier Sekunden ALLE Rechte verwirkt!!! Ist es jetzt angekommen?!? Nicht nur toll - sondern großartig! Noch größerer Respekt dem Alkmaartrainer, der nach der peinlichen Roten Karte Moral und Courage bewiesen hat und seine Spieler vom Feld geholt hat.

Stimmt, der unschuldige Zuschauer hat sich nur verlaufen, und wollte nach dem Weg zurück zu seinem Sitzplatz fragen..

na klar, das rechtfertigt vollauf, auf einen am bodenliegenden (und offensichtlich bereits 'außer gefecht' gesetzten) brutalst einzutreten. bravo!

Wer legt fest oder wo ist festgelegt, wann jemand außer Gefecht ist? Der Angreifer war noch bei vollem Bewusstsein und laut dem Treten am Boden war er noch in der Lage, zu attackieren.

Ja,

tut es.

no comment!

1049 kommentare, not bad, not bad...

ein thema, das die massen bewegt.

Klare Notwehr,

alles andere ist lächerlich, genauso wie die Reaktion des Schiris.

ganz ehrlich:

wenn mich jemand attackiert (egal wo und egal ob möglicherweise gleich Hilfe kommt), muss er damit rechnen dass ich ihn nicht mehr aufstehen lasse, egal wie

Süss, .....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1078

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.