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Nachdem sich vor kaum 10 Jahren die deutschen HochschulrektorInnen und BildungspolitikerInnen an australischen Universitäten die Klinke in die Hand gegeben haben, um sich das Erfolgsmodell der dortigen Studienplatzfinanzierung anzusehen, beginnen sich jetzt auch schon die österreichischen Entscheidungsträger im Bildungsbereich (und die beschämend wenigen großen Töchter unter all den kleinen Töchterles) für den tertiären Bereich der Gegenfüßler zu interessieren.
Das australische System
Tatsächlich funktioniert das australische HELP-System erstaunlich gut. Studierende mit australischer Staatsbürgerschaft (man stelle sich vor: österreichischer) zahlen die vergleichsweise moderaten, nach Studienrichtung gestaffelten Semestergebühren nicht sofort, sondern bekommen sie als zinslosen Kredit (mit Inflationsausgleich), bis sie über eine kleine Erhöhung der Einkommensteuer abgestottert werden, sobald die Kreditnehmer ein Einkommen erreichen, das etwa zwei Drittel des Durchschnittseinkommens ausmacht. Studierende mit neuseeländischer (man stelle sich vor: EU-) Staatsbürgerschaft sowie Ausländer mit permanenter Aufenthaltsberechtigung studieren zum selben Preis, müssen allerding die Gebühren für jedes Semester im Voraus entrichten. Andere ausländische (man stelle sich vor: nicht EU-) Studierende zahlen volle (und ziemlich üppige) Studiengebühren. Und diese Studiengebühren tragen kräftig dazu bei, dass Bildung zur zweitgrößten und -profitablelsten Exportindustrie Australiens geworden ist, gleich nach dem derzeit boomenden Export von Bodenschätzen.
Leistungsgedanke auf beiden Seiten
Unis froh, Finanzminister froh, Studierende zufrieden genug, um klaglos zu zahlen. Paradiesische Zustände. Warum also nicht das australische System der Studienfinanzierung einfach übernehmen? Oder anders gefragt, wie es Graf Bobby gemacht hat: "Man liest immer, dass berühmte Künstler gestorben sind. Ich frag' mich, warum man nie liest, wenn welche geboren werden". So wie man (jedenfalls zu Graf Bobbys Zeiten, vor der Epoche der Kardashians und anderer wos-woar-mei-Leistungsträger) erst etwas geleistet haben musste, um berühmt genug für einen öffentlichen Nachruf zu werden, so müssen die australischen Universitäten ihren studierenden Kunden gegenüber eine Leistung erbringen, die ihnen - je nach Studiengang - für internationale Studierende bis hin zum Gegenwert eines kleinen Einfamilienhauses wert ist. Und das tun sie.
Die besseren australischen Universitäten stehen nicht nur in allen internationalen Rankings und allen Disziplinen akademisch auf den vorderen Rängen, sondern Universitäten investieren auch massiv in die administrative Betreuung ihrer Studierenden. Es wird zum Beispiel versucht, potentielle StudienabbrecherInnen frühzeitig zu erkennen und aufzufangen. Studierende finden hervorragend geschulte Ansprechpartner für bürokratische, interkulturelle, medizinische und psychische Probleme, und Lehrende sind normalerweise am intellektuellen Fortschritt ihrer Studierenden lebhaft interessiert - schließlich ist niemand pragmatisiert, und auch ProfessorInnen kann gekündigt werden, wenn ihre jährliche Evaluation in Forschung und Lehre schlecht ausfällt. Viel Spaß bei der Einführung all dieser Neuerungen an österreichischen Universitäten.
In Österreich ist dieses System nicht so einfach übertragbar...
Vielleicht sollte man die Möchtegernkapitalisten, die australische Studiengebühren für österreichische Universitäts-Dienstleistungen verlangen wollen, in ein Betriebswirtschafts-Proseminar einladen, wo sie erklären dürfen, wieso sie junge Menschen, die sie für klug genug halten, ein Universitätsstudium zu absolvieren, gleichzeitig für blöd genug halten, sich für Studiengänge an österreichischen Universitäten zu verschulden, die - im internationalen Maßstab gesehen - oft selbst geschenkt noch zu teuer sind. Im Gegenzug werden ihnen die Erstemester gern erklären, was der Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen ist, oder, wenn sie in der internationalen Wissenschaftssprache Englisch bewandert sein sollten, zwischen apples and oranges. (Heinz L. Kretzenbacher, derStandard.at, 19.12.2011)
Autor
Dr. Heinz L. Kretzenbacher ist Leiter der germanistischen Abteilung an der University of Melbourne.
Aber, ich fuerchte, solange sich Bildungsfragen in unserem Land, von der Kindergartenpädagogik angefangen, bis zur Hochschulpolitik, in Haenden und Hirnen von Regierungsverantwortlichen befinden, die sich aus Machterhaltungsbestreben gegenseitig seit Jahrzehnten(!) in Geiselhaft halten und populistisch nach dem Motto handeln: "Wos brauch ma Pisa... mir ham eh Cordoba ...", laesst sich an der Misere insgesamt nicht viel aendern!
Australien hat nur ca. 20 Mio Einwohner und die EU als ganzes 400 Mio.
Was ich damit sagen will, per EU Regulativ darf kein EU Bürger in einem EU Mitgliedsland anders behandelt werden als ein dort ansässiger Bürger.
Wiederum aufgrund des EU Regulativs, wäre der Kreis den der Autor des Artikels zieht nicht Austr.-Neuseeland im Vgl. Österr.-Student zu EU Student, sondern EU-Student (mit Österreichern) zu Nicht-EU-Student.
D.h. das Problem im Vergleich zu den austr. Unis ist bei uns ver-20-facht (Milchmädchenrechnung).
Weiters können schon alleine von Neuseeland gar nicht so viele potenzielle Studenten nach Australien kommen, wie von D nach A.
Andere Systeme zu übernehmen zu wollen, muss wohl überlegt werden.
GB
Der Autor hat ja grundsätzlich recht,
aber die Argmentation führt zum Zirkelschluss:
Wir können keine Studiengebühren einführen weil die Studienbedingungen (teilweise!) so schlecht sind. Daher fehlen die Mittel um die Studienbedingungen zu verbessern, weswegen wir keine Studiengebühren einführen könne usw. usf.
Wie wäre es mit: 1 mal öffentliche Mittel in die Hand und in dei Studienbedingungen investieren, (+Evaluierung MIT Auswirkungen) und gleichzeitig anfangs niedrige Studiengeb. nach Australischem Modell einführen, die sukzessive bis auf einen anfangs festgesetzten(!) und vernünftigen Wert erhöht werden.
aber australische Unis sind nicht gut - was den GEWI und SOWI-Bereich betrifft (Ausnahme: Anthropologie). Nix mit eurozentrischer umfassener Human- und Allgemeinbildung. Auch organisatorisch gerne mal eher Chaos.
Dafür produzierens 25-jährige Abgänger mit 40.000-50.000 Dollar Schulden, Depression und Lohnsystemdruck.
Warum regen sich hier so viele auf?
Es wird doch nichts anderes verlangt, als das eine bezahlbare Leistung der Unis vorliegen sollte, wenn in irgend einer Form Studiengebühren eingehoben werden. Massenunis mit unzureichender Betreuung erbringen für den Einzelnen nur mangelhafte Leistungen und dafür braucht der Studierende nicht auch noch zahlen. Im Gegenteil, eigentlich müßte auf Vertragserfüllung geklagt werden.
Ich bin dafür, dass man sich über das österreichische Unisystem nur äußert, wenn man über die Änderungen in den letzten 20 Jahren informiert ist.
Weiters würde es mich noch interessieren, ob der Autor bei der jährlichen Evaluation an seiner australischen Uni Nachteile zu befürchten hat, wenn er etwas Negatives über seine Uni sagt.
Gott sei Dank haben australische Top-AkademikerInnen uns noch nicht überschwemmt! Nach hiesiger Mentalität ist anderswo sowieso alles besser und was nix kostet ist nix wert. Mit Krediten könnten sich Politiker der Verantwortung entledigen und Vorzeigestudierende hätten im herannahenden akademischen Show-down mit der Welt die Nase vorn. Oh, du seliges Österreich! Nicht „Wem nehmen wir es?“, sondern „Wem geben wir wie viel?“ sollte Thema sein. Davor fürchtet sich unsere Politik, das Gießkannenprinzip einzustellen. Freier Zugang zur Bildung soll für alle die große Chance bleiben. Ob man etwas kann weiß man erst, wenn man es versucht hat. Zur (leidigen) Qualitätsfrage österreichischer Studiengänge – siehe bitte oben, zweiter Satz.
...dass man aus der Anzahlt der Artikel glatt schließen müsste, die Hochschulpolitik wäre für die Bevölkerung allgemein interessant.
Die wesentlich wichtigere Frage der Volksschulprobleme, die JEDES Kind und ihre Eltern betreffen, werden vergleichsweise als Luxus-Problemchen behandelt.
"Studierende mit neuseeländischer (man stelle sich vor: EU-) Staatsbürgerschaft ... müssen allerding die Gebühren für jedes Semester im Voraus entrichten."
Die Rechnung hat der Verfasser ohne den EuGH gemacht.
Außerdem fehlen ein paar Dinge in der "Bilanz": Zugangsregeln, das weitaus niedrigere Steuerniveau in Australien, und auch, was es für Universitäten langfristig bedeutet, sich auf einen Exportmarkt auszurichten...
nicht so in Ö, wo allein schon durch die Steuern und Abgaben die Einkommen gleich gehobelt werden.
Wenn jemand zB 4500 € verdient, wird er als Großverdiener beschimpft, hat aber netto weit, sehr weit weniger als der, der die Hälfte davon verdient. der wir aber bedauert.
Grundsätzlich ist es aber falsch, Studien in unterschiedlichen Ländern miteinander zu vergleichen, das hat nie gestimmt und stimmt durch diese idiotische internationale Rankisierung noch viel weniger.
Es werden Akademiker für die eigene Volkswirtschaft ausgebildet und nicht für fremde.
und hat noch nie gestimmt. Europa hat zB. die meisten Doktorierenden der Welt, da alle Welt nach Europa kommt. Das war auch schon zu Kolonialzeiten so, ist es in einer globalisierten Welt mehr denn je und mit einem globalen Bildungsmarkt, indem Auslandserfahrung und -Studien eine Rolle spielen, erst recht.
Welch österr. Kleinmeierei da zum Vorschein kommt!
Gebe aber völlig recht, dass Vergleiche nutzlos und Rankings katastrophal sind.
alle Welt das europäische System, so verschieden es auch ist, als Vorbild nimmt.
Das ändert aber nichts daran, dass doch in erster Linie für das jeweilige Land ausgebildet wird. Deshalb hat man ja das Erasmusprogramm erfunden und das Bologniaprotokoll eingeführt. Das eine besser, das andere schlechter, meiner und vieler anderer Ansicht.
"Wenn jemand zB 4500 € verdient, wird er als Großverdiener beschimpft, hat aber netto weit, sehr weit weniger als der, der die Hälfte davon verdient. der wir aber bedauert. "
Woher kommt dieser forumsimmanente, ständige Irrsinn zu glauben, dass sich ein Spitzensteuersatz von 50% auf das GESAMTE Gehalt beziehen würde? Die Steuerklassen sind separat zu sehen; mit dem jeweils höheren Steuersatz wird der Teil des Einkommens versteuert, der über einem Schwellenwert liegt, aber nicht alles.
Deshalb schauen bei 4,5k brutto ca 2,5k netto, bei 2,25k brutto ca 1,5k netto heraus. Urlaubs- und Weihnachtsgeld noch nicht berücksichtigt.
Aber ich sagte immer schon, dass der durchschnittlich gebildete Österreicher schlicht zu dumm ist, Mathematik in ihren Grundregeln anzuwenden. Das zieht sich durch alle Lebensbereiche wie ein roter Faden.
Wenn es um Zahlen (oder Autos, Ausländer, etc.) geht, setzt das Hirn der Leute völlig aus.
Da könnens gleich mit einem Kind das das Down-Syndrom hat diskutieren. Die sind teilweise nicht so begriffstutzig!
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