Manifest gegen den antieuropäischen Kleingeist

Kommentar der anderen

Von André Glucksmann, Bernard-Henri Lévy, Peter Schneider und Hans-Christoph Buch

Angesichts der schwersten Krise der Europäischen Union seit ihrer Gründung erinnern prominente deutsche und französische Intellektuelle an die "politische Utopie Europa".

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Ein Traum von Europa - unter diesem Motto versammelten sich Schriftsteller aus Ost und West, Nord und Süd im Mai 1988 in Berlin, um Fragen zu diskutieren wie: "Gibt es historische und kulturelle Traditionen, auf die sich eine Identität Europas gründen lässt? Sind Schriftsteller geeignet, auf solche Fragen zu antworten? Wie unterscheiden sich ihre Antworten von denen der Politiker, und warum werden sie nicht Politik?" Damals wurde in Berlin die Öffnung der Mauer vorweggenommen - von Harry Mulisch, Susan Sontag, Horst Bienek, Libuše Moníková, Jirí Gruša und anderen Autoren, die nicht mehr unter uns sind.

Heute, nach dem Ende der Sowjetunion und der Osterweiterung der EU, stellt sich die Frage anders: Ist der Traum von Europa ausgeträumt? Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt und hinterlassen unseren Kindern nichts als Schuldenberge? Sind wir zu Europaskeptikern geworden und machen die EU-Bürokratie für alle Übel der Welt verantwortlich? Warum schweigen Europas Intellektuelle? Warum begraben sie ihre Ideale von gestern - soziale Marktwirtschaft, Demokratie und Ökologie - und lassen nur die Politiker reden? Oder sind solche Utopien obsolet angesichts des Vormarsches linker und rechter Populisten, die die Rückkehr zum Nationalstaat, zu eigener Währung und geschlossenen Grenzen fordern?

Unsere Antwort lautet Nein: Europa steht nicht am Ende, sondern am Anfang eines Einigungsprozesses, der nicht zur Disposition gestellt werden darf, weil Parteipolitiker, die nur in Wahlperioden denken, die EU in eine Sackgasse manövriert haben.

Auch die USA wurden nicht über Nacht aus der Taufe gehoben - ihre Entwicklung zum Bundesstaat war von Rückschlägen begleitet, ähnlich wie die Gründung der Vereinten Nationen oder der von Immanuel Kant prophezeite Weltstaatenbund, der wünschenswert bleibt.

Erst mit Blick auf diese Langzeit-Perspektiven offenbart das EU-Projekt seinen Sinn. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa, nicht weniger, sondern mehr Demokratie. Dazu gehört größere Entscheidungsbefugnis nicht nur fürs EU-Parlament, sondern auch für Europas Bürger. Wir brauchen eine europaweite Debatte über Auswege aus der Krise.

Warum hat kein Politiker den Wählern vorgerechnet, was die Rückkehr zur nationalen Währung oder die Reduzierung des Euro auf Kerneuropa kosten würde? Angesichts des drohenden Scheiterns der EU dürfen wir die Diskussion nicht länger den Experten überlassen: Entscheidungen über milliardenteure "Rettungsschirme" oder "Hebel" betreffen die Existenz jedes Bürgers und das Wohlergehen der künftigen Generation. Die Einigung Europas kann nur gelingen, wenn sie nicht vom Kleingeist der Gegenwart bestimmt wird, sondern vom Mut der Gründungsväter, die aus zwei Weltkriegen die richtigen Konsequenzen zogen.

"Sind nicht auch Sie der Ansicht, dass es höchste Zeit ist, Europas Probleme vernünftig zu regeln, damit die Menschheit sich den Problemen von Hunger, Armut und Umweltzerstörung zuwenden kann?" Mit diesem Aufruf endete ein offener Brief der in Berlin versammelten Schriftsteller an Ronald Reagan und Michail Gorbatschow. Die Frage vom Mai 1988 muss heute neu gestellt und beantwortet werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2011)

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Die einseitige "Markt"-Orientierung ohne jegliche soziale Wärme hat das provoziert.

Lissabon passte nur auf ein paar reiche Zentralregionen in Europa. Weil es ideologisch der selbsternannten Europa-Partei so schwer heraufging, "Lissabon" zu kritisieren, spricht man nach außen artig vom Weg Ö´s nach Europa, bunkert sich aber gleichzeitig innenpolitisch in den Nachkriegsstrukturen ein und lässt die Landesonkel sich mostselig als Beschützer inszenieren. "Unsa Londesrot hot als ersta dos Antigentechnik-Gsetz gmocht!" Lieber pulvert man Milliarden in neun Landeslegislativen als in Universitäten oder Facharbeiter-Initiativen. Das Hemd ist eben doch näher als der europäische Rock. Die Konservativen haben mit ihrer blinden "Markt"-Träumerei Europa verbockt. Erst wenn Europa mit sozialer Sicherheit winken wird, wird es vorangehen.

Der Glucksmann, der alte Krauterer.

Die "Intellektuellen" werden auch immer dümmer ;-)

Ein Manifest gegen ein menschenverachtendes sklavenhalterisches Europa der globalen Großkonzerne und internationalen Finanzhaie wäre wesentlich wichtiger. (und das dann auch durchsetzen)

Klar,

Glucksmann, Levy, Schneider und Buch wollen unsere Gesellschaft zerstören. Wer sich dagegen wehrt, ist ein Nazi.
Gott geht mir das auf die Nerven!

Toll. Und wer sich nicht am nationalistischen Kleingeistdenken und "Bilderberger-Ostküsten-SchuldSindDieBanken-FrüherWarAllesBesser" denken beteiligt ist ein Sklave der Finanzindustrie und ein Eurokrat. Das geht mir auf die Nerven. ;)

mir auch

Ein 93jähriger heute in Berlin ist konkreter und besser als die Herren Itellektuellen

" Es ist Zeit sich zu wehren "

http://www.tagesspiegel.de/politik/a... p5919258=3

Pathos um des Pathos Willen

Bronner´s Bilderberger Freunde und Logenbrüder vereint im inhaltsleeren Manifest.

Wenn man Kriegstreibern und Rassisten eine derartige Plattform bietet, braucht man sich nicht wundern, wenn es in Europa bergab geht. Europas wahre Intellektuelle schweigen keineswegs, sie werden von den korrumpierten und USrael-hörigen Medien totgeschwiegen oder, wie hier, als linke oder rechte Populisten dargestellt. Sie sind Aufklärer und dafür verantwortlich, daß eine immer größer werdende Masse an Menschen aufwacht. Der Versuch, sie mit den üblichen Propagandalügen, mit Aussicht auf ein friedlich vereintes Europa, wieder einzuschläfern ist durchschaut und wird mißlingen. Dank ihnen, entsteht das wahre Europa von 500 Mio. Bürgern gerade in deren Köpfen, völlig abseits der perversen Hirngespinnste dieser pseudointellektuellen Verführer.

Wenn Pseudointellektuelle anfangen

so zu sprechen ist die Diktatur nicht mehr weit. Levy als perfekter Opportunist weiß woher der Wind weht und was er zu sagen hat. Er ist feig und über alle Masen eitel und selbstverliebt.
In seiner Phantasie sitzt er zur Rechten des Diktators

Pseudointellektuelle sind die Herren sicher nicht

wenngleich man über ihre Politische Ausrichtung diskutieren kann.

In der heutigen Zeit

stimmt das vielleicht.
Aber das ist kein Kompliment an die heutige Zeit.

Europa steht nicht am Ende, sondern am Anfang eines Einigungsprozesses

Wollen wir es hoffen, wollen wir es hoffe. Und wollen wir hoffen dass es ein Schritt vorwärts sein wird. Oder sogar ein goßer Sprung.

http://www.youtube.com/watch?v=y4b7cbI_MVI

ein bisserl mehr Inhalt

hätt diesem "Manifest" nicht geschadet. Wie auch immer, ich glaube auch an die Zukunft Europas, bin froh, dass ich bei meinen vielen Auslandsbesuchen überall frei bewegen darf, die gleiche Währung in der Tasche habe, und mich mit der gleichen Sprache (englisch) unterhalten kann.

Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung

Was war denn früher, bis zum 1. Weltkrieg? Da war Europa der dominierende Faktor in der Welt. Russland, USA - lol... Kultur, Wissenschaft, Fortschritt - Europa hat der Welt seinen Stempel aufgedrückt, Europa hat die ganze Welt entdeckt, wurde aber selbst nie entdeckt. Nur weil wir Europäer uns gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben, anstatt unsere Kräfte zu bündeln, konnten uns die anderen Weltregionen so überflügeln - und sich unseren Kontinent aufteilen...
Wenn wir zusammenhalten und kooperieren, dann können wir sozialen Fortschritt, wirtschaftliche Entwicklung und europäisches Denken wieder exportieren, anstatt Raubtierkapitalismus, Klassenkampf und Ausbeutung zu importieren (wie wir es die letzten 30 Jahre gemacht haben). Europa go!

Europa hat die Welt nicht nur entdeckt sondern auch brav unterdrückt und ausgebeutet...

Das ist jetzt egal

Wer einen Funken Zukunftsbewusstsein hat, muß erkennen, dass es für Europa bald darauf ankommen wird, dass nicht außereuropäische Mächte ihre Schweineschnauzen in unseren friedlichen Garten stecken. Und dazu muß Europa einig sein.

Ein bisschen mehr gesundes Eigeninteresse wenn ich bitten darf.

aha, so sieht also der antieuropäische kleingeist aus.

die intellektuellen werden nicht gehört...

... weil sie einerseits schweigend bekennen, dass ihnen die ideale nicht mehr so leuchtend erscheinen... die von ihnen genannten usa als beispiel haben ja auch nichts mehr anzubieten, als den großflächig protektionistischen homogenen wirtschaftsraum, statt eines gemeinsamen traums ... einige schweigen nicht und flüchten sich leider oft in utopien oder werden schlicht von den dumpfen angstmachern übertönt.

Die größten Probleme der Menschheit

sind Nationalismus, Religion und die Wirtschaft (nicht Wirtschaft generell sonder die momentanen Auswüchse).
Alles Andere sind nur Symptome.

dann wird wohl nix anderes übrig bleiben,

als diese Übel ein für allemal und schnellstens per Dekret abzuschaffen ...

und selbstverständlich braucht es eine rigide Durchsetzung dieser impliziten Lösung, die Ihrer Diagnose nolens volens inne wohnt ...

Was soll das sein?

Der Volkssturm der gekauften, neoliberalen Korruptions-Society?

Diese Leute machen sich doch nur mehr lächerlich.

Warum hat kein Politiker den Wählern vorgerechnet, was die Rückkehr zur nationalen Währung oder die Reduzierung des Euro auf Kerneuropa kosten würde?

ja, warum eigentlich nicht?

positive annahme:
die politiker halten die wähler für intelligenter als sie tatsächlich sind. und daher das vorrechnen für überflüssig.

Europa steht nicht am Ende, sondern am Anfang eines Enteignungsprozesses.

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