Was das AKH wirklich krank macht

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  • "Rettungsfall" AKH: zu groß, um gut zu funktionieren, wie Busek meint?
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    "Rettungsfall" AKH: zu groß, um gut zu funktionieren, wie Busek meint?

Erwiderung auf Erhard Buseks Klage über "einseitige Wahrheiten" - Von Thomas Szekeres

Sehr geehrter Herr Dr. Busek, zunächst eine grundsätzliche Feststellung: Standpunkte müssen einseitig sein, sonst wären sie keine. - Was Ihre Vorwürfe im Detail betrifft, die ich im STANDARD (30. 11.) mit einiger Verwunderung gelesen habe:

Dass die angeordneten Einsparungen der 27 Nachtdiensträder weitreichende negative Folgen haben und auch der Aufnahmestopp sich auf einige Abteilungen bereits jetzt desaströs auswirkt, sind Fakten. Als Betriebsrat muss ich darauf hinweisen.

Die Größe des AKH ist auch ein Faktum, für das weder ich noch einer meiner Kollegen verantwortlich zeichnet, vielmehr haben Sie in ihrer damaligen Funktion als Wissenschaftsminister das Haus eröffnet, es ist mir nicht erinnerlich, dass Sie die Größe oder die Aufgabenstellung des AKH damals kritisiert haben. Manche sind überzeugt, dass diese Größe auch Basis für spitzenmedizinische Leistungen ist. Es heute mit halber Kraft zu betreiben macht weder medizinisch noch wirtschaftlich Sinn. Zudem ist die Größe kein Nachteil für klinisch angewandte Forschung und praxisorientierte Lehre. - Im Übrigen, um auf einen weiteren Ihrer Kritikpunkte einzugehen, wissen wir sehr wohl, dass es Inflation und Biennalsprünge gibt.

Für die Finanzierung des ärztlichen Personals zeichnet nunmehr der Wissenschaftsminister via Med-Uni verantwortlich, weshalb sich unsere Forderungen auch an diese Stelle richten.

Bezüglich der Nebenbeschäftigungen gibt es, wie sie als Vorsitzender des Universitätsrats unserer Uni vermutlich wissen, klare Regelungen. Die Nebenbeschäftigungen sind mit maximal 10 Stunden pro Woche außerhalb der Dienstzeit limitiert, wobei nur sehr wenige meiner Kollegen Privatordinationen besitzen oder regelmäßig in Privatspitälern belegen. Auch die niedrigen Gehälter sind nicht in Stein gemeißelt, eine Überzahlung wäre leicht möglich, ich ersuche Sie, sich in Ihrer Funktion dafür einzusetzen.

Zu dem von Ihnen angesprochenen Zusammenarbeitsvertrag ist es seit Jahrzehnten vor allem deshalb nicht gekommen, da man sich über die Aufteilung der Gesellschaftsanteile nicht einigen konnte. Es wäre so eine Gesellschaft auch für die Med-Uni nicht unbedingt von Vorteil, wenn die Stadt Wien entsprechend ihrem finanziellen Einsatz die Mehrheit der Anteile halten würde.

Es ist jedenfalls Aufgabe der Politik - nicht der Betriebsräte -, eine neue Vereinbarung zu schaffen. In ihrer Zeit als verantwortlicher Politiker - Vizebürgermeister in Wien, Vizekanzler und Wissenschaftsminister - sind Sie offensichtlich auch daran gescheitert, tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Zudem waren Sie es, der den Autonomiestatus der Universitäten als Wissenschaftsminister ausgearbeitet hat. Dieses Problem jetzt Mitarbeitern des AKH oder dem Betriebsrat oder auch dem Rektor anzulasten ist ein wenig einfach. Eine erkennbare Bereitschaft des jetzigen Wissenschaftsministers, zu diesem Thema Stellung zu nehmen, hat es übrigens erst nach Beginn unsere Aktionen gegeben.

Was an meinem Kommentar einseitig sein soll, entzieht sich gänzlich meinem Verständnis, vielleicht vermissen Sie Kritik an der Stadt Wien. Die Stadt Wien pocht aber meiner Meinung nach zu Recht auf einen aufrechten Vertrag, der sie zur Finanzierung des Pflegepersonals und die Med-Uni zur Finanzierung der Ärzte verpflichtet. Die Tatsache, dass der Leistungsumfang in diesem Vertrag nicht festgelegt ist, kann man sicher nicht nur einem der Vertragspartner zum Vorwurf machen. - Übrigens werden Geräte, die zugegebenerweise in die Jahre gekommen sind, gemeinsam finanziert (paktierte Investitionen). (Thomas Szekeres, DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2011)

Der Autor ist Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal im AKH.

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