Seelsorger, Sozialarbeiter und Pharmazeut

Sind Apotheker heute nur mehr Verkäufer? Oder ganz im Gegenteil: Sind sie Job-Allrounder?

Der Apotheker übt mehrere Berufe gleichzeitig aus. Zum einen macht er, was er studiert und gelernt hat. Er beschäftigt sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Arzneien. Claudia Franz bestätigt das aus ihrem Berufsalltag als angestellte Apothekerin in Wien: "Wir mischen sehr viel selber. Präparate, die von Hautärzten verschrieben werden, aber auch Mittel aus alternativmedizinischen Lehren wie TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) werden in den Apotheken hergestellt." In größeren Apotheken kann die Eigenproduktion eine Arbeitskraft auslasten. 

Trend zur Beratung

Dafür hat der Apotheker ein aufwendiges Pharmaziestudium absolviert, ein Jahr lang als Aspirant in einer Apotheke gelernt und eine abschließende Prüfung gemeistert. Zusätzlich übt der öffentliche Apotheker - im Gegensatz zu seinen Berufskollegen in Krankenhausapotheken - des Öfteren noch die Funktion eines Gesundheits- oder Medikamentenberaters aus. Die dafür notwendige Geduld und Empathie lehrt der Arbeitsalltag mit Kundenkontakt. "Die Menschen wünschen sich immer mehr Beratung", erzählt Claudia Franz. "In der Sprechstunde beim Arzt bleibt für ein ausführliches Gespräch oft zu wenig Zeit. Gerade ältere Menschen stehen dann ratlos mit dem Rezept bei uns in der Apotheke und sind dankbar, wenn man sie aufklärt und informiert." 

Als Apothekenangestellte sieht Franz es als ihre Aufgabe seriös zu beraten, Wirkungsweisen und Arzneien zu beschreiben oder die Dosierung zu erläutern. "Wir sind für Kundengespräche und qualifizierte Beratung, vermehrt auch zu alternativen Heilmethoden auch da", sagt sie. Die Trennlinie zwischen Beratung und Diagnose dürfen die Apotheker dabei niemals überqueren. Denn Diagnosen zu stellen ist nur Ärzten erlaubt.
Zusatzangebote wie Blutdruck-, Cholesterin-, Blutzuckermessungen oder Gewichtskontrolle werden in Franz' Apotheke in Wien gut angenommen. "Einsame Menschen kommen auch einfach zum Reden, bei Stammkunden ist man manches Mal auch ein bisschen Seelsorger", erzählt die Apotheken-Angestellte. 

Apotheke als Sozialraum

Je nach Lage der Apotheke spielen auch Fragmente aus dem Berufsbild des Sozialarbeiters in das des Apothekers hinein. Viele betreuen Patienten, die mithilfe von Substituten wie Methadon von ihrer Drogenabhängigkeit geheilt werden sollen. Mit der kontrollierten Abgabe ist es für die meisten Apotheken-Beschäftigten nicht getan.

"Wir haben in unserer Apotheke eine relativ hohe Zahl von Substitutionspatienten. Darunter sind auch Mütter oder Familien mit kleinen Kindern. Die kommen jeden Tag, da lernt man sich notgedrungen gut kennen", berichtet Apothekerin Franz. "Wenn jemand ein paar Tage lang nicht kommt, kümmern wir uns, halten Rücksprache mit dem betreuenden Arzt. Wir versuchen die Patienten im Programm und bei der Stange zu halten und freuen uns über jeden, der den Ausstieg schafft. Aber leider sind das nur sehr wenige."

Apotheker als Ausbildner

Eine Apotheke ist auch eine Ausbildungsstätte für den Pharma-Nachwuchs. Die angestellten und betreibenden Apotheker sind damit sozusagen Lehrbeauftragte. Das Aspirantenjahr trennt - nebst der bestandenen Abschlussprüfung - den Pharmazie-Studenten von der Beschäftigung in einer Apotheke. Nach fünf Jahren im Volldienst ist der Jung-Apotheker dann befähigt, selbst eine Apotheke zu leiten. 

Außerdem bilden die Apotheken zum pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten (PKA), der früher auch Apothekenhelfer genannt wurde, aus. PKAs sind hauptsächlich für kaufmännische Aufgaben wie Buchführung, Abrechnung, Preiskalkulation, Logistik, Kostenrechnung und Inventur zuständig. Sie dürfen aber auch Waren, die keine Medikamente sind, verkaufen. Alles in allem steckt hinter dem Apotheker-Abzeichen, das den weißen Arbeitskittel jedes ausgebildeten Apothekers ziert, ein breites Aufgabenspektrum, von dem man vieles erst im Berufsalltag lernt. (Gabriela Hartig, derStandard.at, 28.9.2011)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 78
1 2 3

Ist wohl auch eine Charaktersache, sich lang und breit beraten zu lassen, und dann die Dinge billiger im Discount oder sonstwo zu kaufen. Letztklassige Charaktereigenschaft, solche Dolme wird es wohl immer geben, die tonnenweise Schüsslersalze kaufen aber sich für die paar Netsch zu geizig sind diese in der Apo zu kaufen.

Na, in Wien sind seit neuestem manche sogar auch Postler!

erfahrungsbericht

Kundin lässt sich knapp 20min über Schüsslersalze beraten, verlässt darauf die Apotheke um gegenüber die Drogerie aufzusuchen... Echte Schweinerei, Danke Rose!

Da es bei Schüsslersalzen keinerlei erwiesene Wirkung gibt, müsste sich die "Beratung" darauf reduzieren, der Kundschaft zu erklären, dass man daran glauben kann oder nicht.

Juweliere

"Sind Apotheker heute nur mehr Verkäufer"

wohl eher Juweliere wenn man sich die Preise ansieht, die in anderen EU Ländern wesentlich günstiger sind.
Und nein, ich rede hier nicht von den "neuen EU Ländern" sonder zB. von Finnland.
Da kosted zB. ein Nasenspray die Hälfte von dem was in Österreich verlangt wird, Aspirin C, etc, etc. alles günstiger als in Österreich.

Frankreich!

Z.B. Nikotinersatz kostet dort nur ca. 1/3. Vom gleichen Produzenten! Von Kopfwehpulvern und dergl. rede ich gar nicht...

Dafür können die Apotheker nichts, da müssen Sie sich beim Hersteller aufregen.

leider ist der apotheker fast nie ein (aktiver) verkäufer

er gibt das aus, was auf dem rezept steht. sehr selten nimmt er sich die zeit, zusätzliches anzubieten, aktives verkaufen widerstrebt ihm meistens. nur wenige haben genug verkaufsfläche um ertragsstarke beauty etc anzubieten.
daher ist - bei niedrigen krankenkassenpreisen -eine apotheke auch nicht mehr eine goldgrube so wie vor 50 jahren. mittlerweile schmilzt auch die image-position des (zweiten) gottes in weiß, leute kommen internet-halbgebildet und glauben zu wissen, was sie brauchen...

meine apothekerin will mir immer viel zu viele sachen andrehen.
dann muss ich immer nachfragen, ob das wirklich alles unbedingt nötig ist und im endeffekt geh ich dann mit einer packung raus, wo sie vorher überzeugt war, ich brauche mindestens 5 verschiedene.
*g*

Was für eine Verschwendung !

In anderen Ländern gibt es eine Mischung aus Apotheke und Drogerie, in welcher nur ein Ausgebildeter Pharmazeut, jedoch mehrere (nach Bedarf) Hilfskräfte ihren Dienst versehen. Bei uns werden Kosmetika und rezeptfreie Produkte von unterforderten Akademikern verkauft, was zu extrem hohen Preisen führt. Siehe: "Apothekerpreise"

kennt jemand eine apotheke in wien die keine homöopathie, bachblüten usw. verkauft?
ich kann die anderen nicht ernstnehmen.

Da wirste wohl lange suchen Franz, abgesehen davon ist die Gewinnspanne bei Schwurbelprodukten sicher recht hoch.

weil ja die Schulmedizin mit ihren Chemiekeulen

alle Probleme prinzipiell besser löst...
Aber wenn wir schon dabei sind: Kennt wer eine Apo, die keine Kosmetika verkauft? Das find ich nämlich unseriös und reine Gschäftlmacherei. Die machen sogar schon Verkaufsschulungen für die ApothekerInnen, damit sie das teure Zeugs den KundInnen (früher gingen PatientInnen in die Apotheke) schneller andrehen.

Warum soll die Apotheke keine Kosmetika führen?
fragen Sie mal bei Schlecker nach einem hypoallergenen Produkt :-(

jaja, die böse, böse chemie mit ihren keulen.

und die böse, böse kosmetik in der apotheke! schweinerei das aber auch!
eigentlich ein bisserl schade, dass wir selber wandelnde chemiewerke sind und auch die ach so gute nicht-schulmedizin ja überhaupt keine chemischen prozesse initiiert. jaja, die schule liegt lang zurück und die wissenschaftlichen fächer waren immer ein graus, gell!
vorurteile gepaart mit mangelndem wissen ist gleich ein unmündiger nachplapperer von intellegenzneutralen banalitäten!

bin beeindruck, was sie alles aus einem forenbeitrag rauslesen können!

und was das nachplappern und vorurteile betrifft: ich bin selbst ingenieur der technischen chemie (rosensteingasse, wenn sie's genau wissen wollen) und weiß die errungenschaften von chemischer technologie und pharmazie durchaus zu schätzen. aber ich seh auch ihre grenzen und kann anerkennen, dass alternativmedizin manchmal bessere lösungen kennt. kosmetik ist nicht an sich böse, aber ich halte heilsversprechen der kosmetikindustrie für unseriös.
wie siehts übrigens mit ihrer naturwissenschaftlichen ausbildung aus?

Vielleicht hätten Sie nach der Rosensteingasse ein Studium angeschlossen. Damit hätten Sie das Rüstzeug, klinische Studien von alternativmedizinischen Praktiken zu lesen und zu interpretieren und könnten sehen, wer wirklich die besseren Lösungen kennt

Allein die Erwähnung von "alternativmedizinischen Praktiken" in einem Aufwaschen zeigt die "Seriosität" dieses Glaubenskampfes. Was meinens denn? Akupunktur, Homöopathie nach Hahnemann, TCM, TEM, Dr. Bach, Lichtquanten nach Dr. Töth, Dr. Schüßler, oder gar Breuss und Maria Treben, oder Hademar Bankhofer? ;-)

hab ich auch

allerdings kein naturwissenschaftliches, u.a. weil ich nicht genauso ein fachidiot werden wollte wie die profs an der htl.
meine einschätzung von schul- und alternativmedizin stammen nicht aus dem lesen klinischer studien (ihre schon?), ist also keine wissenschaftliche bewertung, sondern eine, die sich aus persönlicher, beobachteter und berichteter erfahrung ableitet. mal hilft die schulmedizin, mal die alternativmedizin, mal beides, mal gar nix.

Aja, Bildung führt zur Fachidiotie und Anektoten sind relevanter als Studien; hätten wir das auch geklärt

so kompliziert hab ich mich doch nicht ausgedrückt

als dass meine worte nicht zu verstehen wären. also nochmals ganz langsam:
1. EINseitige bildung führt zur fachidiotie
2. ihre hypothese, dass alternativmedizin nix wirkt, kann schon durch EINEN fall, in dem sie schon wirkte, widerlegt werden. insoferne reichen mir die "anektoten" um mir eine meinung zu bilden (und ja, ich weiß, dass diese erkenntnisse nicht auf einem experimentellen design basieren).

apropos: bilden sie sich ihre meinung ausschließlich auf basis der lektüre wissenschaftlicher studien? dann habens wohl nicht viele meinungen. was eh nichst schlecht ist, angesichts ihres diskussionsstils...

1) Sie glauben, durch ein Studium würden Sie irgendwie die Spießigkeit Ihrer ehemaligen Lehrer annehmen? Das ist entweder schlechte Menschenkenntnis oder eine schlechte Ausrede.

2) Alternativmedizin wirkt per definitionem nicht. Alternativmedizin, die wirkt, wird zur medizinischen Wissenschaft; ihre Grundlagen können analysiert und weiterentwickelt werden.
Alternativmedizin entwickelt sich nicht weiter; die Homöopathie steckt immer noch in 18 Jahrhundert, als noch niemand über pathogenen Mikroorganismen, Genetik und Bildgebung bescheit wußte.

offensichtlich

haben wir zwei ein völlig unterschiedliches verständnis des begriffs wissenschaft, sodass mir eine weitere diskussion nicht sinnvoll erscheint. ich zitiere: "Alternativmedizin, die wirkt, wird zur medizinischen Wissenschaft"
schönen tag noch!

Apotheken sind der einzige Ort wo man heute noch freundlich bedient wird.

viele apotheker glauben sie sind ärzte

am besten ist, wenn diese eine Verabreichung eines Medikamentes, wie vom Arzt am Rezept gefordert widersprechen - ist mir schon passiert - einfach lachhaft....

Posting 1 bis 25 von 78
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.