Politischer Saustall

Haider ist angetreten, das politische System zu ändern - Letztendlich wurde aber auch er vom System korrumpiert

Vieles ist nicht belegt, nicht alles, was jetzt an Gerüchten herumschwirrt, muss auch stimmen. Aber eines ist klar, war längst klar: Wenn Vertreter des blau-orangen Lagers von einem "Schweine-Journalismus" sprechen, muss man ihnen entgegenhalten, dass die FPÖ und das BZÖ rund um Jörg Haider ein politischer Saustall waren. Geldgierig, unmoralisch, bestechlich, skrupellos.

Haider ist angetreten, das politische System zu ändern, die rot-schwarze Kruste aufzubrechen. Er hatte eine Vision und ein Bedürfnis. Viele haben das ähnlich gesehen. Sie haben in Haider investiert, auch finanziell, viele sind mit ihm gegangen. Haider hat die politische Landschaft in Österreich tatsächlich verändert, er hat vieles aufgezeigt und manches aufgebrochen. Letztendlich wurde aber auch er vom System korrumpiert. Er hat genommen und gegeben, nach seinen eigenen Maßstäben und Kriterien.

Noch schlimmer war es in seinem Umfeld. Eine Partie von politischen Glücksrittern, ideologischen Taugenichtsen, Opportunisten und Handaufhaltern hat sich unlauter am Staat und seinen Institutionen bereichert - ohne Vision, aber mit Vorsatz und Absicht. Einmal sei auch das noch gesagt: Auch dank Wolfgang Schüssel und der ÖVP.

Haiders politisches Erbe ist verspielt, was davon übrigbleibt, wird von den Gerichten gewogen, ein paar Krakeeler halten auf der politischen Bühne noch die Stellung, die Anständigen im dritten Lager haben sich zurückgezogen. (Michael Völker/DER STANDARD-Printausgabe, 4.8.2010)

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