Homoehe droht erneut Verzögerung

29. September 2009, 17:05
  • Artikelbild

    Knackpunkt für die ÖVP - so hört man aus dem Innenministerium - ist nach wie vor die Frage, wo die Männer- und Frauenpaare einander das Jawort geben sollen.

Jännertermin wackelt - Jawort in Bezirksverwaltungen statt auf Standesämtern

Wien - Viele Lesben und Schwule hätten es mit dem Heiraten eilig, berichtet Christian Högl, Obmann der Homosexuelleninitiative (Hosi)Wien: "Mich kontaktieren seit Monaten viele binationale Paare. Für sie macht es einen großen Unterschied, ob die Homoehe, wie die zuständigen Politiker mehrfach angekündigt haben, mit Jahresbeginn 2010 eingeführt wird oder später. Denn vielfach sind sie wegen der Fristen für eine Aufenthaltsberechtigung des ausländischen Partners in großer Sorge" .

In diesem Sinn sei die Frage des Homoehe-Timings "inzwischen eine Frage politischer Glaubwürdigkeit geworden. Wenn es wieder eine Verschiebung gibt, wird es peinlich", sagt Högl. Doch aus den drei Ministerien, die über dem Gesetzesentwurf brüten, kommen unterschiedliche Signale, die - zusammengenommen - in Richtung Verzögerung zu weisen scheinen.

"Wir sind auf einem guten Weg. Nur ein paar Details der Regelung sind noch offen", verkündet etwa Andrea Brunner aus dem Büro von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Dass das neue Gesetz noch im Herbst den Ministerrat passieren und im Parlamentsplenum beschlossen wird, ist für sie "sichergestellt" . Aber dafür will Paul Hefele, Pressesprecher von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, seine Hand nicht ins Feuer legen: "Wir haben niemals gesagt, dass bis Jahresende eine Lösung auf dem Tisch liegen muss", meint er. Im Gespräch mit derStandard.at hatte er jedoch noch im Mai dieses Jahres gesagt: Für die Justizministerin sei klar, dass es "bis Ende des Jahres eine Lösung" geben werde.

Keine "traditionelle" Heirat

Knackpunkt für die ÖVP - so hört man aus dem Innenministerium - ist nach wie vor die Frage, wo die Männer- und Frauenpaare einander das Jawort geben sollen. Um "den Unterschied zum Instrument der traditionellen Ehe klar herauszustreichen" würden die Standesämter weiterhin nicht ins Auge gefasst, sagt ein Beamter aus dem Ressort Maria Fekters (ÖVP).

Homosexuelle Paare sollten ihren Bund fürs Leben vielmehr "bei den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden" eingehen. Vor allem in den schwarz dominierten ländlichen Regionen sind das vielfach die Bezirkshauptmannschaften, während die Standesämter in den Gemeindeämtern angesiedelt sind. In den großen, meist rot regierten Städten - etwa in Wien - sind Personenstandsangelegenheiten hingegen prinzipiell Sache der Standesämter.

Im einem Gesetzesentwurf für "Eingetragene Partnerschaften" aus der interministeriellen Arbeitsgruppe, in die der Standard Einblick bekam, wird die Causa Prima elegant umschifft. Die Eintragung sei "bei der laut Personenstandsgesetz zuständigen Behörde zu protokollieren" , heißt es da. Eine Lösung, die nach einer eigenen Verordnung verlangen würde. Von einer allfälligen Zeremonie ist nicht die Rede, doch auf notwendig werdende Änderungen anderer Gesetze gibt es in dem Entwurf 28 Verweise. Jene auf sozialrechtliche Bestimmungen fehlen aber noch, ebenso wie die aufs Fremdenrecht.

Für Christian Högl wäre dieses Modell "insgesamt ziemlich unbefriedigend". Statt die Diskriminierung homosexueller Paare abzubauen, würde "die Bezirksverwaltungslösung zu einer neuen Ungleichbehandlung führen, die auf Lesben und Schwule nur demütigend wirken kann". (Irene Brickne, DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2009)

druckenweitersagen:
posten
«Posting 326 bis 374 von 374
1 2 3 4 5 6 7 8
Truhe   
29.09.2009 19:46

Sehen Sie mal auf den Kalender - da steht, neben Tag und Monat, auch das Jahr. Mit etwas Konzentration werden Sie die Jahreszahl als 2009 entziffern.
Kombiniert man diese Tatsache mit jener dass dieser Staat sekulär ist, das heiß religiöse Einflussnahme auf die Gesetzgebung nicht gestattet ist, dann können Sie sich mit ihrer Ansicht auf den Kopf stellen und das Ave Maria singen, sie bliebe dennoch uninteressant und unerheblich.

MacErik 
29.09.2009 18:36

http://www.youtube.com/watch?v=oh8kxIz0y-w


mehr ist dazu nicht zu sagen.

Kuchlkredenz
29.09.2009 17:40
O je, ein Hefele ist umgefallen!

:-(

European Thinktank
29.09.2009 20:33
PACTA SUNT SERVANDA!

(= Latein.: Verträge sind einzuhalten).
Was also, Mister Hefele, haben Sie dem "Standard" im oben erwähnten Interview "garantiert"?

gigngogn
30.09.2009 07:49
Der Herr ist nur der Pressesprecher und hat nichts mit der Entscheidung zu tun

Tüfteltüftel
30.09.2009 13:05
Hoffentlich!

Denn die Ministerin hatte ja zu Jahresbeginn in einem ORF-Interview im Report ZUGUNSTEN der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gesprochen mit dem bemerken: "Wir leben doch im 21. Jahrhundert!"

Frage: Die Partei (ÖVP), von welcher sie nominiert wurde, auch?

Josef Falk 
29.09.2009 23:24

Oh, Gesetze werden neuerdings in Gesprächen zwischen einem Pressesprecher und einer Tageszeitung gemacht?

Gay.LordX
29.09.2009 17:36
"Klar herausstreichen"

solten die Gesetzesverantwortlichen endlich jene ominösen "fünf Wörter" samt dem Beistrich, die laut Österreichischer Richter-Zeitung dieses Monats nur aus dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch entfernt werden müssten, um dem Gleichheitsgrundsatz zum Durchbruch zu verhelfen.

Dann macht mal.

Josef Falk 
30.09.2009 00:24

Na, das wäre dann ja wohl der Gipfel der Kinderfeindlichkeit.

Jetzt müssen die Kinder schon aus den Gesetzen gestrichen werden, weil sie einer bestimmten Minderheit im Weg sind.

So weit geht nicht einmal die SPÖ, hoffe ich halt (nicht zuletzt für sie).

Selbsterniedrigung durch Spazierengehen
29.09.2009 19:22
so?

§ 44 ABGB. Die Familien-Verhältnisse werden durch den Ehevertrag gegründet. In dem Ehevertrage erklären zwey Personen [streichen: verschiedenen Geschlechtes] gesetzmäßig ihren Willen, in unzertrennlicher Gemeinschaft zu leben [streichen: , Kinder zu zeugen, sie zu erziehen,] und sich gegenseitig Beystand zu leisten.

klingt irgendwie einfacher als die ministeriellen pläne.

Josef Falk 
29.09.2009 23:06
Schon wieder Kinderfeindlichkeit!

Genau wegen der Kinder gibt es die Ehe ja. Die darf man nicht aus dem Gesetz streichen!

galiontariaho 
30.09.2009 10:42
sie sagen es..

die kinder sind ja auch eines der argumente pro homo-ehe...
denn tausende kinder in österreich leben in regenbogenfamilien und die brauchen auch stabilität und rechtliche sicherheit.

sie sind ja gegner dieser rechtlichen sicherheit...

warum sie sich gerade als beschützer der kinder aufspielen, wo sie das genaue gegenteil betreiben, ist wohl weiter ein rätsel.

kinder vorschieben um seine eigene intoleranz zu begründen um im selben atemzug gegen das wohl tausender kinder zu handeln, das ist ein perfektes beispiel von scheinmoral.

galiontariaho 
30.09.2009 10:16
es bleibt wohl ewig ein rätse...

was daran kinderfeindlich sein soll..
die welt der fanatisierten fundamentalisten ist eine absurde...

Gay.LordX
29.09.2009 20:28
Beinahe genau so !

In Richter-Blatt-Variante wurde allerdings nur gestrichen: "verschiedenen Geschlechtes" und "zu zeugen, sie".

"Kinder zu erziehen" wurde der "Regenbogenfamilien" wegen, in die Kinder aus vergangenen Hetero-Beziehungen mitgebracht wurden, dringelassen.

Wahrhaftig, ganz einfach.


Selbsterniedrigung durch Spazierengehen
29.09.2009 21:44
verstehe ich

hätte die kinder auch gleich bereinigt, weil man kann ja zB auch mit 90 noch heiraten. dann sind die kleinen aus dem gröbsten meistens schon heraus.

Christian Mathias Sand
30.09.2009 01:12
Man könnte auch gedanklich ergänzen:

»[vorhandene oder entstandene] Kinder [solange notwendig] zu erziehen«

Unjuristisch gesprochen sollte aber ohnehin unter den »Beystand« fallen, man wird ja kaum die Familie des Partners oder der Partnerin im Stich lassen wollen.

Josef Falk 
29.09.2009 23:25

Genau, tun wir "die Kinder auch gleich bereinigen" - sind eh nur im Weg :-(

galiontariaho 
30.09.2009 10:16
unfassbar..

was fundamentalisten da so rein interpretieren...

Selbsterniedrigung durch Spazierengehen
30.09.2009 10:03
sollten sie

beizeiten halb so viele kinder haben wie ich und diese mit erwerbsarbeit ernähren, denke ich nach, ob ich ein schlechtes gewissen haben muss....

David Seppi  
29.09.2009 19:18

Etwas mehr als fünf Wörter, eher acht (und zwei Beistriche):

ABGB,
„Zweytes Hauptstück.
Von dem Eherechte.

Begriff der Ehe,

§ 44. Die Familien-Verhältnisse werden durch den Ehevertrag gegründet. In dem Ehevertrage erklären zwey Personen verschiedenen Geschlechtes gesetzmäßig ihren Willen, in unzertrennlicher Gemeinschaft zu leben, Kinder zu zeugen, sie zu erziehen, und sich gegenseitig Beystand zu leisten.”

Gaytalk & Queerspeech
29.09.2009 17:32
"Um den Unterschied zum Instrument der traditionellen Ehe klar herauszustreichen..."

Nur weiter so!
2011 steht Österreich zur Prüfung durch die UNO im Hinblick auf Umsetzung der MENSCHENRECHTE heran.

Vielleicht wird man dann gegenüber Österreich auch den Unterschied zu z.B. Spanien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen "klar herausstreichen", die das Recht auf Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare betreffend die Eheschließung bereits umgesetzt haben!!!
Dann gibt's juristisch Saures!



In welcher hinterletzten Operettenprovinz leben wir hier eigentlich?

DER-STANDARD-JURIST
29.09.2009 19:05
wo soll es dieses menschenrecht

auf eine gleichgeschlechte ehe denn geben??

Angelika70
29.09.2009 21:41

Sie werden lachen. Es ist das gleiche Menschenrecht wie bei gemischtgeschlechtlichen Paaren.

DER-STANDARD-JURIST
30.09.2009 10:06
ich fragte deshalb, damit ich eine bestimmung

genannt bekomme ;)

ich kann Ihnen sagen, dass es kein recht auf gleichgeschlechtliche ehen gibt, da art 12 der mrk unter einem gesetzesvorbehalt steht.

sehr wohl gibt es das recht auf gleichgeschlechtliche partnerschaften (achtung des privatlebens).

Gaytalk & Queerspeech
30.09.2009 12:46
Ein Gesetzesvorbehalt ist aber keine Freibrief

für in ihrer Wurzel grundrechtswidrige einfache Gesetze!

Lesen Sie die MRK IM GANZEN und den Art. 7 B-VG noch dazu, dann fällt Ihnen bestimmt auch noch eine weitere Gesetzesstelle in der MRK ein...

Weiter helfen wir jetzt aber nicht!
Das Rätsel müssen Sie nun selber auflösen! ...




DER-STANDARD-JURIST
30.09.2009 14:27
es ist direkt schwierig

engstirnigen laien etwas erklären zu müssen. deshalb lass' ich es auch. das ist ein diskussionsforum und kein kindergarten.

1. haben Sie nicht verstanden was ein gesetzesvorbehalt ist.

2. weiß ich nicht, was Sie mir mit dem verweis auf die nulla poena sine lege sagen wollen. es gibt ja ein gesetz (ABGB).

3. das erkenntnis EXTRA für Sie: VfSlg 17.098/2003

4. ich hoffe Sie arbeiten in keiner organisation, die homosexuelle berät.

Gaudeamus.igitur
30.09.2009 15:54
In welchem Semester sind Sie?

Art. 7 des Österreichischen Bundesverfassungsgesetzes enthält den Gleichheitsgrundsatz.

"Nulla poena sine lege" bedeutet: "Keine Strafe ohne Gesetz", und steht dieser Grundsatz im § 1 des Österreichischen STRAFgesetzbuches.

Wenn Sie allerdings die EHE per se für eine STRAFE halten...

;-)))



Hubert Ungeist 
30.09.2009 08:11
Die haben auch kein Menschenrecht auf EHE..

da EHE nur ein formalakt ist.

Sie könnten EHE ganz streichen und kein Menschenrecht wäre angetastet.

Angelika70
30.09.2009 10:58

Auch so ginge es aber das steht ja nicht zur Diskussion.

Die dritte Seite der Medaille
30.09.2009 10:28

Das wäre die zweite Alternative, damit dem Menschenrecht gedient wäre.

Loup Garou  
30.09.2009 11:16
welche Menschenrechte?

niemandem wird verboten, mit dem Menschen seiner Wahl zusammen zu leben.

Aber darum geht es hier garnicht, sondern vielmehr um ein "best of both worlds"; ganz nach dem Motto, ich weill nicht so sein wie du, aber deine Begünstigungen will ich gefälligst trotzdem konsumieren...

Die dritte Seite der Medaille
29.09.2009 21:32

Es gibt das Recht auf Familie.

DER-STANDARD-JURIST
30.09.2009 10:05
selbstverständlcih

dafür braucht es aber keine ehe

;)

Die dritte Seite der Medaille
30.09.2009 11:49

stimmt schon- aber für viele ist es selbstverständlich, dass da die ehe dazugehört. Aber egal.. unfair ist es jedenfalls.

DER-STANDARD-JURIST
30.09.2009 12:00
bin ich ja ganz

Ihrer meinung.

Loup Garou  
30.09.2009 07:53
danke! Genau das ist der Punkt...

"Familie" setzt Kinder voraus.
Das dürfte bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften (ohne Zutun von Dritten) dann doch ein wenig schwierig werden...

Gaytalk & Queerspeech
30.09.2009 12:49
Eben nicht!


Offenkundig gehören für Sie also die Angehörigen in aufsteigender Linie, also Eltern und Schwiegereltern, nicht zur Familie...!

Hoffentlich kümmern Sie sich dann wenigstens aus menschlicher Barmherzigkeit um Ihre alten Leutchen!

Angelika70
30.09.2009 10:59

Sie wollen die Ehe nur Paaren erlauben, die Kinder haben wollen und können?

Na in ihrer Welt möchte ich nicht leben.

Loup Garou  
30.09.2009 12:12
ich glaube fast,

ich in der Ihrigen auch nicht...

Die dritte Seite der Medaille
30.09.2009 10:27

Na, mit dem Argument dürften auch keine Frauen nach den Wechseljahren und andere unfruchtbare Menschen mehr heiraten.
Oder Menschen, die Kinder von anderen Partnern haben. Oder verwitwete Eltern mit Babys.
Ich wüsste nicht, dass es verboten ist, Kinder mit in die Ehe zu bringen oder von jemanden anderen schwanger zu werden, wenn man verheiratet ist.

aunty 
30.09.2009 10:25

deshalb verbieten wir die ehe für paare die keine kinder kriegen können oder wollen.

das ist es doch was sie wollen oder?

haarspalter 
29.09.2009 17:32

das land unmöglicher begrenzungen

SuperPot
29.09.2009 17:25
Nie und nimmer

Nach den Wahlresultaten in V and OO gibt es mit
der VP sicher keine "HomoEhe" in dieser Legislaturperiode!

Sowas kann es ueberhaupt nur bei einer rot-gruenen Koalition geben. Hoechsten noch bei starken Verlusten der VP bei gleichzeitigen starken Gewinnen der SP. Wie weit ist Oe davon im Moment entfernt? Lichtjahre? Megaparsecs? Pralleluniversen?


Gay.LordX
29.09.2009 17:38
Vielleicht lässt sich "diese Legislaturperiode"

dann ja auch früher beenden?

Truhe   
29.09.2009 17:10

Es ist so erbärmlich...

Rechtskonsument
29.09.2009 18:16
Erbärmlich...

... in einem Sinne des Wortes ja, andererseits aber ist mein Erbarmen mit den Gesetzesbastlern in dem Punkt allmählich aufgebraucht: Ehe für alle, die sie eingehen wollen, und basta!

Gluck
29.09.2009 22:14

Für alle? Auch für Kinder?

Die dritte Seite der Medaille
30.09.2009 10:29

Kinder, die von einem homosexuellem paar aufgezogen werden, wachsen nachweislich genauso gut oder schlecht auf, wie in anderen Partnerschaften.
wenn man die Kinder mit denen von Alleinerziehenden vergleicht, sogar ein wenig besser.

Ar Mutschgerl 
30.09.2009 00:42
Argument?

Oder nur ein wenig Klugschei*en?

posten
«Posting 326 bis 374 von 374

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.