Man lernt nie aus

Komödie USA 2015

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Ages of Glory. Im chicen Brooklyner Bobo-Loft-Büro treffen der 70-jährige Seniorenpraktikant Ben (Robert De Niro) und die junge Karrierefrau Jules (Anne Hathaway) aufeinander … Hinreißend vergnüglicher Generationenkonflikt von Komödienspezialistin Nancy Meyers (Was Frauen wollen).

Altersfrage. Es mag ja sein, dass wie im Udo-Jürgens-Lied das Leben mit 66 Jahren erst anfängt – aber für Ben Whittaker (Robert De Niro) hat es mit 70 schon wieder aufgehört. Seine Frau ist tot, sein Sohn glücklich – und weit weg – verheiratet, sämtliche Hobbys ausgelutscht. Und es ist eine böse Ironie des Schicksals, dass sein langjähriger Job ausgerechnet einer war, den es wohl niemals wieder geben wird: Ben war äußerst erfolgreicher PR-Beauftragter für eine Firma, die gedruckte Telefonbücher vertrieb. Wie auch immer, jetzt ist Ben vor allem fad. Doch eines Tages findet er durch Zufall einen Flyer: „Erfolgreiches Internet-Startup sucht Senioren-Praktikanten. Senden Sie Ihr Bewerbungs-Video ein!“ Das wär doch was. Ben lässt sich von seinem Sohn erklären, wie man so ein Video überhaupt macht, lädt es hoch – und wird klarerweise engagiert. Einmal PR-Profi, immer PR-Profi. Anzüglich. Und so beginnt Ben seinen Praktikanten-Job bei ATF – einem supererfolgreichen Internet-Start-up für Online-Modeversand, für das so ein Seniorenpraktikums-Programm ein tolles Tool zur Imagepflege darstellt. Und gleich an seinem ersten Arbeitstag erlebt Ben einen Kulturschock der Extraklasse: Während er mit auf Hochglanz geputzten Schuhen, im makel-losen Anzug und passender Krawatte antritt, sind seine neuen Kollegen fast alle in Jeans und T-Shirt erschienen. Alles ist betont locker, frech und cool, – und vor allem unglaublich betont jugendlich. Der steife „Neue“, dessen Gesicht unzählige Falten trägt, sein Hemd dagegen keine einzige, sticht hier heraus wie ein schwarzer Kater unter lauter bunten Hunden.  Frau Chef. Als persönlicher Praktikant wird Ben ausgerechnet der Firmengründerin und Chefin zugeteilt: Jules Ostin (Anne Hathaway), eine bemerkenswerte junge Frau. Mit nicht mal 30 Jahren hat sie ihre Idee des perfekten Mode-Shopping-Onlineportals verwirklicht und umgesetzt, und in eineinhalb Jahren den Mitarbeiterstand von 14 auf 220 vervielfacht. Und immer noch ist sie in jede Ebene ihrer Firma involviert und achtet persönlich darauf, dass jedes Detail stimmt. Klar quillt ihr Terminkalender über, und für was anderes als Arbeit hat sie kaum jemals Zeit. Gut, dass sich zu Hause ihr Ehemann (Anders Holm) um die gemeinsame Tochter Paige kümmert. Zuerst wehrt sich Jules vehement dagegen, sich von ihrem neuen Praktikanten ernsthaft helfen zu lassen. Doch immer mehr kommt sie drauf, dass sich hinter der gebügelten Schale ein sehr kompetenter Kern verbirgt. Zwar mag es Ben an ju-gendlicher Dynamik und aktuellem Hightech-Wissen mangeln, aber in Sachen Arbeitserfahrung und Office-Management macht ihm keiner was vor. Und in der Stadt kennt er sich aus wie kaum ein anderer – so wird er auch schnell zum persönlichen Chauffeur „befördert“ und lernt bei den vielen gemeinsamen Fahrten ganz neue Seiten an seiner Chefin kennen. Denn sie ist nicht nur die selbstsichere, souveräne Business-Lady, sondern auch eine sensible junge Frau, die genau wie all ihre berufstätigen Geschlechtsgenossinnen ständig das Gefühl hat, dass immer irgend etwas zu kurz kommt im Leben: Beruf, Familie oder man selbst. Apropos: Wann hat Jules eigentlich zum letzten Mal etwas gegessen? Duo deluxe. Der Best-Ager und die Firmenchefin mit Familie: Regisseurin, Autorin und Produzentin Nancy Meyers hat sich für Man lernt nie aus Vertreter aus zwei ganz aktuellen Zielgruppen für ihr Protagonisten-Duo ausgesucht. Aber die passionierte Filmemacherin hatte immer schon ein unnachahmliches Gespür für die richtigen Figuren zur richtigen Zeit – von ihrem Drehbuch-Debüt Schütze Benjamin mit Goldie Hawn in Uniform über die ultimative Frauenversteher-Komödie Was Frauen wollen mit Mel Gibson und Helen Hunt bis zum vergnüglichen Seitensprung-Abenteuer Wenn Liebe so einfach wäre mit Meryl Streep, Alec Baldwin und Steve Martin. Was Man lernt nie aus zum besonders hinreißenden Kinoerlebnis macht, ist natürlich nicht zuletzt der großartige Robert De Niro, der als fleißiger Anzugträger ungewohnt zurückhaltend agiert – und Anne Hathaway, die dem Kampf der modernen Frau gegen sich selbst eine wunderbar menschliche Note gibt.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at