American Sniper

Action, Biografie, Drama USA 2014

posten

Der Texaner Chris Kyle gilt offiziell als erfolgreichster Scharfschütze der US-Militärgeschichte. Clint Eastwood inszenierte mit Bradley Cooper in der Hauptrolle die Verfilmung von Kyles Autobiografie - ein heftig umstrittenes, mehrfach oscarnominiertes und vom US-Kinopublikum gestürmtes Werk.

Captain America. Der damals 25-jährige Profi-Rodeo-Reiter Chris Kyle aus Texas meldet sich 1999, nachdem er Berichte über die verheerenden Bombenschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam gesehen hat, freiwillig zum Militärdienst und wird Scharfschütze bei den Navy SEALs. Als nach den 9/11-Anschlägen der Irakkrieg beginnt, nimmt er an insgesamt vier mehrmonatigen Kampfeinsätzen teil und wird dank seiner Effizienz als Sniper schnell zur Legende unter seinen Kameraden. Seine Treffsicherheit bleibt auch dem Kriegsgegner nicht verborgen: Von den irakischen Aufständischen wird ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Bei seinem Ausscheiden aus dem Militär 2009 ist von bis zu 255 Treffern die Rede, die 160 offiziell bestätigten Tötungen machen Chris Kyle zum erfolgreichsten Scharfschützen der US-Militärgeschichte. Ein Mann im Krieg. Von nicht mehr und nicht weniger handelt American Sniper. Nicht vom Krieg an sich, nicht vom Irakkrieg mit all seinen komplexen Ursachen, langfristigen Auswirkungen oder politischen Dimensionen. Herausgegriffen wird hier lediglich ein einziges Element dieses militärischen Konflikts: der Krieg des Chris Kyle als Scharfschütze. Erzählt wird ausschließlich aus seiner Perspektive, und damit landet Regisseur Eastwood zwangsläufig bei einer höchst subjektiven und ausschnittsweisen Darstellung einer an sich vielschichtigen Materie. Und genau das ist gleichzeitig die Stärke dieses Films und seine größte Schwäche. Der sechsfach oscarnominierte Streifen (darunter Film, Hauptdarsteller und Drehbuch) ist auf die ganz speziell Eastwoodsche Art unspektakulär, aber wirkungsvoll inszeniert; eine von Bradley Cooper perfekt gemeisterte Charakterstudie eines Mannes zerrissen zwischen unvorstellbaren Taten im Krieg und völliger Deplatzierung im heimatlichen Alltag mit Frau (Sienna Miller) und Kindern. True American Hero? Nachdem die US-Kinos am Startwochenende von American Sniper gestürmt wurden, muss sich der Regisseur in den USA nun zunehmend unsachlich geführte Diskussionen darüber gefallen lassen, ob er einen eiskalten Killer, für den die Iraker zum Abschuss freigegebene "Wilde" waren, zum patriotischen Helden stilisiert hat. Darauf wird sich wohl so schnell keine zufriedenstellende Antwort finden lassen, denn gerade in einem dermaßen emotional aufgeladenen Bereich bestimmt der Standort den Standpunkt. So zweifelsfrei in gut und böse einteilen, wie es Chris Kyle für sich getan hat, und möglicherweise tun musste, um seinen Job zu erledigen, ist aber vermutlich trotzdem nicht der Weisheit letzter Schluss.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at