My Old Lady - Eine Erbschaft in Paris

Tragikomödie Frankreich, GB, USA 2014

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Was tun, wenn in der geerbten Pariser Traumwohnung eine komische Alte wohnt? Comedy-Großmeister Kevin Kline lernt im schrullig-sympathischen Erbschafsstreit mit Downton-Abbey-Star Maggie Smith fürs Leben - und Lieben.

Schön blöd: Der am Leben gescheiterte New Yorker Mathias Gold (Kevin Kline) hätte ja allen Grund zur Freude, hat ihm sein verstorbener Vater doch eine riesige Altbauwohnung mitten im Zentrum des schönsten Bezirks in Paris vererbt, ein Traum. Nur hat Mathias wenig davon: In diesem Apartment von schier unschätzbarem Wert am Immobilienmarkt wohnt die exzentrische Mathilde (Maggie Smith) mit ihrer dickschädeligen Tochter Chloé (Kristin Scott Thomas). Dank Leibrente darf die 92-jährige Mathilde nicht nur hier wohnen, bis sie stirbt, sie hat auch noch Anspruch auf monatlich 2400 Euro - ganz schön viel Marie für Mathias, der akut wenig flüssig ist und eigentlich die Wohnung zu Geld machen wollte. Gnadenhalber darf er in seiner eigenen Wohnung im zweiten Stock mit Blick auf den verwunschenen Innenhofgarten bei der streitlustigen Englischlehrerin unterkommen. Und die scheint seinen Vater Max deutlich besser gekannt zu haben, als Mathias geahnt hat. Nach und nach muss er erkennen, dass das Liebesleben seines Vaters wohl deutlich komplizierter war als angenommen. Und bei der eigensinnigen Mathilde kommt er mit seinen engstirnigen Moralvorstellungen gar nicht weit. Auch die Tochter des Hauses lässt den Eindringling deutlich spüren, dass man auf ihn hier aber sowas von gar nicht gewartet hat. Da nützt es auch wenig, dass Mathias dem Alkohol eigentlich abgeschworen hat - eine Flasche Wein ist grübelnd an der Seine eben schnell ausgetrunken, wenn man mitten in einer Lebenskrise steckt. Doch die hat auch ihre Vorteile: Die beiden Querköpfe Mathias und Chloé erkennen, dass sie in Sachen Weltanschauung doch ziemlich viel gemeinsam haben. Jetzt stellt sich nur mehr die Frage aller Fragen: Sind sie womöglich verwandt? Uns bleibt immer Paris. Der vergnügliche Wohnungsstreit verdankt seinen unvergleichlichen Charme seinen Hauptdarstellern - alle drei sind sie Großmeister im Charakterfach. Dame Maggie Smith beweist wie in Downton Abbey, dass ihr Wille Gesetz ist. Kristin Scott Thomas (Only God Forgives, Der englische Patient) verkörpert wie keine andere die fragile wie willensstarke Zerrissene. Kevin Kline (In & Out, Ein Fisch namens Wanda) gelingt es trotzdem, sich von den zwei Damen nicht an die Wand spielen zu lassen. Das liegt nicht zuletzt an der Regie: Der vielfach preisgekrönte Theater- und Drehbuchautor Israel Horovitz (übrigens Papa von Beastie Boy Adam Horovitz) liefert mit der Verfilmung seines Erfolgsstückes seine erste Regiearbeit ab und den Beweis, dass eine Schicksals-WG auch ein Neuanfang sein kann. Mehr Pariser Wohnungen für alle!

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at