Chucks

Drama Österreich 2015

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Geh in den Schuhen eines anderen. Mae (Anna Posch) hat ein Paar Schuhe, kein Zuhause, aber jede Menge Courage, Wut und Liebe im Bauch: Eindringliche Verfilmung des Romans von Cornelia Travnicek.

On the road. Ein Paar runtergetretener roter Converse-Schuhe, Dosenbier und Wuzeltabak: Das sind die Überlebensutensilien von Mae (gespielt von Elfriede Otts Schülerin Anna Posch, als Kind: die hinreißende Lola Khittl), mit denen sie durch die Stadt zieht. Mae weiß sehr genau, was sie will, und noch genauer, was sie nicht will: vor allem keine Kompromisse. Wenn sie einer schief anredet, redet sie gerade zurück. Zum Beispiel ist da dieser Paul (Markus Subramaniam), der über sie stolpert, als sie bei ihrem strafweisen Sozialjob im Aids-Hilfe-Haus auf der Treppe eine Pausentschick raucht. Als sie ihn anpöbelt, lächelt der nur milde zurück, und so ein Lächeln bekommt Mae nicht oft zu sehen als Punk, Hausbesetzerin, Poetryslammerin. Punk’s not dead. Mae hat null Interesse an einem braven Leben. Sie trägt die „Chucks“ ihres verstorbenen Bruders, mehr Zuhause will sie nicht. Sie hat die enge Wohnung ihrer verbiesterten Mutter (Susi Stach) hinter sich gelassen, die Tupperpartys, die alles erdrückende Traurigkeit. Sie will das alles nicht, und sie will vor allem keine Vorschriften, die sogar ihre Hausbesetzerfreunde (unter anderen Thomas Schubert, Atmen) ihr machen wollen. Aber dann ist da eben Paul: Er ist Piefke, er ist Fotograf, er hat eine schöne, helle Wohnung, eigentlich ist er viel zu bürgerlich. Aber auch zu ihm ist das Leben nicht freundlich. Paul hat Aids, und seine angeblichen Freunde sind ihm nach Ausbruch der Krankheit einfach abhanden gekommen. Mae findet bei Paul eine unerwartete Zärtlichkeit, und für ihn kann sie auf einmal auch ganz weich und fürsorglich werden. Paul hat ein Aquarium mit bleichen Axolotls, er hat regalweise gute Bücher, und er begleitet Mae sogar zum schrecklichen Weihnachtsessen bei ihrer Mutter. Chucks ist Cornelia Travniceks fulminanter Erfolgsroman, den die damals erst 25-jährige Niederösterreicherin 2012 herausgebracht hat, über eine junge Frau an der Grenze zum Erwachsenwerden. Verfilmt haben diesen Roman nun Sabine Hiebler und Gerhard Ertl – jenes Regieduo, in dessen Senioren-Liebesfilm Anfang 80 sich 2012 Karl Merkatz frisch verliebte, gewissermaßen eine Love Story vom anderen Ende des Lebens. Chucks nun ist ein zugleich goscherter und unendlich zarter Film geworden, verortet in einem ganz anderen Wien, als es sonst im Kino zu sehen ist, und mit einem Spitzensoundtrack mit Songs von Soap&Skin, Clara Luzia, Bilderbuch und vielen anderen: ein eindringliches, unvergessliches Filmereignis.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at