Planet Ottakring

Liebeskomödie Österreich 2015

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Ein testosterongesteuerter Strizzi (Michael Steinocher), eine goscherte Deutsche (Cornelia Gröschel) und eine richtig böse Grätzl-Patin (Susi Stach): großartige Action-Komödie aus dem Wilden Westen von Wien.

Big in 1160. Ottakring, der sechzehnte Wiener Gemeindebezirk, ist eine ganz besondere Welt. Hier, zwischen U-Bahn Thaliastraße und Gallitzinberg, herrschen eigene Gesetze: Schon Helmut Qualtinger besang den einzigartig heftigen Charme des Grätzls in seinem klassischen Chanson Der G’schupfte Ferdl. Dessen legitimer Nachfahre ist Kleinganove Sammy (Michael Steinocher, Cop Stories), der ein generell gutes Herz, einen ziemlich hellen Kopf und grundlegendes Misstrauen gegenüber jeder Autorität hat. Und sich unvermittelt mit einem ziemlich haarigen Problem konfrontiert sieht: Bezirks-Pate Disko ist unerwartet verstorben, und niemand weiß, wer all seine laufenden halblegalen Deals weiterführen soll. So eine Wirtschaft. Währenddessen hat die deutsche Wirtschaftsstudentin Valerie (Cornelia Gröschel) eine ungewöhnliche Idee: Für ihre Abschlussarbeit will sie ein kleines, in sich abgeschlossenes Wirtschaftssystem erforschen. Und ihre Wahl fällt ausgerechnet auf – erraten: Ottakring! Und für die Feldforschung nimmt sie vor Ort einen Praktikumsplatz als Buchhalterin an – ausgerechnet im Büro der habgierigen Frau Jahn (Susi Stach), die sich unbedingt Diskos Erbe unter den wohlmanikürten Nagel reißen will. Doch dazu braucht sie Diskos kleines schwarzes Notizbuch. Und (noch) ahnen weder sie noch ihre Schwachmatiker von Handlangern, dass das Büchel längst in Sammys Hand ist.  Ottakring ist ein Dorf, und so sind sich mittlerweile zwangsläufig auch Valerie und Sammy über den Weg gelaufen. Zwar kauft die toughe Deutsche dem großgoscherten Möchtegern-Brad Pitt gleich mal ordentlich den Schmäh ab – kann seinem jungenhaften Charme aber halt doch nicht auf Dauer widerstehen. Zumal zwischen den beiden nicht nur die emotionale, sondern auch die ökonomische Chemie stimmt. Denn Sammy beeindruckt mit beträchtlichem, von seinem Querdenker-Opa (Lukas Resetarits) aufgeschnapptem Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge. Gemeinsam entwickeln sie einen genialen Plan, um die Ottakringer Wirtschaft sozialverträglich zu reorganisieren …  Eine tolle Story, zwei hinreißende Hauptdarsteller, viele liebevoll gezeichnete Nebenfiguren und ein knackiges Drehbuch: Regisseur Michi Riebl (Schnell ermittelt) ist mit seinem Kinodebüt etwas gelungen, was leider nur alle heiligen Zeiten entsteht – eine richtig gute österreichische Filmkomödie.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at