Jazz ist Krieg, und die Percussion ein einziges Gemetzel: Miles Teller und J. K. Simmons als Feinde im Schützengraben namens Konservatorium - in einem der atemlosesten Musikfilme der Geschichte, ausgezeichnet mit 3 Oscars.

Trommeltortur. Dass es hart werden würde, hatte Andrew Neyman (Miles Teller, Die Bestimmung - Divergent) geahnt. Als erstsemestriger Schlagzeuger am Jazzkonservatorium ist man eben dazu verdammt, das Umblättern für den eigentlichen Drummer zu übernehmen und dabei aufzupassen wie ein Haftelmacher. Aber dann übt Andrew eines Abends noch, als der berüchtigt tyrannische Jazzlehrer Terence Fletcher (J.K. Simmons) in den Raum kommt. Zuerst macht Fletcher Andrew zur Schnecke, weil der unerlaubt auf Schuleigentum probt. Aber dann lädt er ihn ein, in seine Stunde zu kommen, Andrew habe nämlich Talent. Völlig aufgekratzt taucht Andrew am nächsten Tag bei Fletcher auf - und der macht ihn vor allen anderen Schülern so bösartig zur Sau, als hätte ihn Andrew persönlich beleidigt. Musikmartyrium. Fletcher ist nicht nur der fieseste, sondern auch der beste Lehrer der Schule. Ihm unterwerfen sich alle, mögen die Schikanen noch so grausam sein. Wer seinen Drill durchsteht, der hat es geschafft, das bisschen Masochismus muss es doch wert sein. Denn Jazz, verdammte Scheiße, ist nicht nur Talent, das ist vor allem viel Arbeit, und dafür seid ihr doch alle zu faul, zu träge, zu schwach, ihr verfickten Weicheier. Fletcher könnte kotzen. Alles aus. Eigentlich mag Andrew sein Leben: Er geht einmal die Woche mit seinem Onkel ins Kino, und da grüßt ihn immer die Popcornverkäuferin (Melissa Benoist), mit ihr könnte man doch was trinken gehen. Doch für einen, der es am Konservatorium ernst meint, gibt es kein Privatleben, nur Training, bis die Finger bluten, bis der Schlaf ausbleibt, bis Fletchers Geschrei noch in die Albträume nachhallt: "Schneller! Nein, du schleppst! Nicht hetzen! Das ist nicht mein Tempo!" Einzigartig. Irgendwo zwischen Rambo und Black Swan, zwischen Kriegsfilm und Coming-of-Age: Whiplash ist ein nie dagewesenes Kinoerlebnis und das Langfilmdebüt von Regisseur Damien Chazelle. Der Lohn sind gleich drei Oscars: für Schnitt, Sound und J. K. Simmons in einer Nebenrolle. Und grandios ist auch der charismatische Miles Teller, der seine Drumparts tatsächlich selbst spielt: ein brutal guter, gnadenlos blutiger Musikthriller, kühn, verrückt und atemlos.

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