Jack

Drama Österreich 2015

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Geläuterter Schwerkrimineller oder doch perverser Serienmörder: Elisabeth Scharangs packendes Filmportrait beleuchtet Mensch und Mythos Jack Unterweger. In der Hauptrolle beeindruckt Johannes Krisch, mit dabei u. a. Birgit Minichmayr, Corinna Harfouch und Inge Maux.

Nein, er war kein Guter. Er hat zahlreiche Frauen überfallen, schließlich mindestens eine getötet. Doch er hat gebüßt. Ist ein anderer Mensch geworden. Einer, der gelernt hat, die tiefen Wunden an seiner Seele aufzuarbeiten und sie in Worte zu gießen. In Briefen, die viele Leute zutiefst bewegen. In Romane wie Fegefeuer, Erzählungen, Manuskripte für den ORF. Und als Josef „Jack“ Unterweger (Johannes Krisch) 1990 nach 15 Jahren Haft frühzeitig entlassen wird, empfängt ihn ein wohlwollendes soziales Umfeld: Zahlreiche Prominente hatten ihn schon während der Haft durch Petitionen unterstützt. Jetzt ist er Instant-Mitglied der Wiener Society, macht sich im weißen Anzug auf Parties und in Talkshows wichtig. Der charmante und eloquente „Häfenpoet“, der sich in seinen Status als „echter Mörder“ hüllt wie andere sich in ein extravagantes Kostüm. Vor allem die Frauen erliegen reihenweise seinem Charme: So wie etwa die wohlhabende Architektin Susanne Sönnmann (Corinna Harfouch). Oder die Journalistin Marlies Haum (Birgit Minichmayr, ihre Figur ist an die Wiener Medienfrau und Szenelegende Margit Haas angelehnt). Doch eines Tages taucht auch Jacks Mutter (Inge Maux) wieder auf. Jetzt will sie auch ein Stück vom Wohlstand, der da über ihren Sohn niederregnet – und erinnert Jack schmerzlich an den Menschen, der hinter seiner Glamour-Künstlerfassade steckt … Mordsmäßig. Als der ehemalige Szene-Darling Jack Unterweger 1992 in Miami festgenommen und schließlich wegen mehrfachen Mordes angeklagt wurde, war das ein echter Schock: Der Häfenliterat war offenbar nie geläutert. Im Gegenteil, eine so gut wie lückenlose Indizienkette deutete darauf hin, dass Unterweger in nicht ganz 2 Jahren mindestens elf Prostituierte in Österreich und den USA ermordet hatte. Maßgeblich beteiligt an seiner Überführung war übrigens der Tiroler Profiler Thomas Müller, im Film Ziehofer genannt, gespielt wird er von Paulus Manker. Rätselkrimi. Unterweger, der sich 1994 in U-Haft das Leben nahm, wurde für die Mordserie nach seiner Enthaftung übrigens nie rechtskräfitg verurteilt, das Verfahren nach seinem Tod eingestellt. Auch Elisabeth Scharangs eindringliches, grandios gespieltes Drama hält sich nicht auf mit der „War ers oder war ers nicht“-Frage – hier gehts weniger um den Kriminalfall, sondern mehr um die rätselhafte Figur Jack Unterwegers. Ein faszinierendes Psychogramm eines Zerrissenen, das einen tiefen und wahrhaftigen Blick in menschliche Abgründe wirft.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at