Ricki - Wie Familie so ist

Tragikomödie USA 2015

posten

Eine durchgeknallte Rocksängerin (Meryl Streep), ihr kreuzbraver schwerreicher Exmann (Kevin Kline) und ihre schwerst neurotische Tochter (Mamie Gummer) sind die Hauptfiguren von Jonathan Demmes umwerfender Tragikomödie nach einem Skript von Diablo Cody.

Addicted to Rock. Ricki (ganz großartig: Meryl Streep) liebt hautenge schwarze Jeans und ihre Lederjacke. Und natürlich den Rock ’n’ Roll. Als Leadsängerin ihrer Band „The Flash“ (Leadgitarrist: Rick Springfield!) steht sie allabendlich auf der Bühne und schmettert mit bemerkenswertem Talent alte und neue Rock-Hadern ins begeisterte Publikum. Allerdings steht diese Bühne in einer winzigen Absteige irgendwo in Los Angeles. Ricki, die in Wirklichkeit Linda heißt, ist eine der Tausenden, die ihren Traum vom Rock ’n’ Roll Lifestyle zwar leben, aber keinen Erfolg damit haben. Ohne ihren „richtigen“ Job als Kassierin im chicen Bio-Supermarkt könnte sie weder Miete noch neue Gitarrensaiten bezahlen. Family Music. Doch dann erreicht sie ein Anruf aus der Vergangenheit – beziehungsweise aus Indianapolis. Dort lebt  Rickis/Lindas wohlhabender Ex-Ehemann Pete (Kevin Kline) mit den drei Kindern und seiner neuen Frau Maureen (Audra McDonald, Private Practice), die er geheiratet hat, nachdem sich Ricki damals für den Rock und gegen die Familie entschieden hat. Doch jetzt ist Tochter Julie (gespielt von Streeps echter Tochter Mamie Gummer) schwerst depressiv und selbstmordgefährdet, und Pete mit seinem väterlichen Latein am Ende. Vielleicht kann ja Julies leibliche Mutter helfen. Als die, ähm, unkonventionelle Ricki in Petes und Maureens schickem Haus auftaucht, ist das natürlich ein gewaltiger Kulturschock. Lang haben sie einander nicht gesehen – und die Ressentiments sind spürbar. Vor allem Julie und ihre zwei Brüder nehmen ihre Mama, die sie damals einfach im Stich gelassen hat, nicht gerade mit offenen Armen auf. Doch schließlich gelingt es ihr doch, zu Julie durchzudringen – und auch Pete beginnt sich langsam wieder zu erinnern, was damals die Magie ihrer Liebe eigentlich ausgemacht hat. The dream is alive. Wenn der Lebenstraum der Liebe im Weg steht, ist das meist für alle Beteiligten schmerzvoll. Aber oft auch sehr komisch: Diablo Cody (Juno) hat sich von den Erinnerungen an ihre eigene Mutter, eine Sängerin, zu diesem Drehbuch inspirieren lassen, das Jonathan Demme grandios verfilmte – doch der Schlussapplaus gebührt Meryl Streep, die neben bekannt großer Schauspielkunst auch beeindruckendes Gesangstalent zeigt.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at