Die Frau in Gold

Drama GB, USA 2015

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Besser spät als nie. Der Krimi um die Rückgabe von Klimts berühmter „Goldener Adele“ ist österreichische Zeitgeschichte zum Schämen - und ein rasantes Pas-de-deux mit Helen Mirren und Ryan Reynolds.

Sturkopf. Nach Wien reisen? „Kommt gar nicht in Frage! Die haben meine Familie zerrissen und meine Freunde umgebracht.“ Maria Altmann, eine resolute Dame Mitte Achtzig, führt eine kleine Boutique in Los Angeles. Es sind die Neunziger Jahre, Altmann hat ein weitgehend bequemes Leben. Sie könnte die Vergangenheit ruhen lassen. Doch warum das Unrecht vergessen, das ihrer Familie in den Dreißiger Jahren in der alten Heimat widerfahren ist? Warum so tun, als wäre es in Ordnung, dass Gustav Klimts berühmtes Bildnis ihrer Tante Adele Bloch-Bauer das Prunkstück der Sammlung der Österreichischen Galerie im Belvedere ist? Goldmädchen. Als Maria in den Papieren ihrer verstorbenen Schwester Hinweise findet, dass die „Goldene Adele“ tatsächlich zu Unrecht in Wien hängt, erwacht ihr Kampfgeist. Randy Schoenberg (Ryan Reynolds), ein glückloser Junganwalt und Enkel des ebenfalls vom Naziterror aus Wien vertriebenen Komponisten Arnold Schönberg, soll ihren Fall übernehmen. Der ist zunächst nur genervt. Doch dann leckt er Blut: Das Gemälde soll über 100 Millionen Dollar wert sein. Und der österreichische Staat beharrt seit Jahrzehnten darauf, Adele Bloch-Bauer selbst habe ihr Porträt der Galerie im Belvedere vermacht, sie habe das in ihrem letzten Willen so notiert. Raubgut. Tatsächlich gehörte das Bild aber ihrem Mann Ferdinand Bloch-Bauer, und der sah sich vom Naziregime gezwungen, die „Goldene Adele“ herzugeben. Und nach Kriegsende wurde das Meisterwerk stillschweigend dem österreichischen Staatsbesitz einverleibt. Für dieses Unrecht gilt es Beweise zu finden. Doch Altmann hat in Wien einen Verbündeten, von dem sie noch nichts weiß: Der Journalist und ehemalige Profil-Herausgeber Hubertus Czernin (Daniel Brühl) setzt sich für eine faire Beurteilung des Falles ein. Die Mühlen der österreichischen Bürokratie mahlen allerdings in Zeitlupe – erst recht, wenn der Tod einer sehr alten Antragstellerin das Problem ganz einfach aus der Welt schaffen würde ... Lehrstück. Es ist einer der prominentesten Fälle in der Restitutionsgeschichte von Naziraubgut in Österreich, und kein Ruhmesblatt für die Republik. Unter der Regie von Simon Curtis (My Week with Marilyn) wurde daraus jetzt ein Film, der alle Stückln spielt: Thriller, aufwühlender Geschichtsstreifen und vergnügliches Gerichtssaaldrama. Gut, dass dieser Film nun auch bei uns ins Kino kommt. Eine Außensicht auf das eigene schäbige Verhalten ist manchmal recht heilsam.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at