Nur eine Stunde Ruhe!

Komödie Frankreich 2014

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Michel (Christian Clavier) wünscht sich einen geruhsamen Nachmittag mit einer guten Jazzplatte. Doch dann holen ihn alle alten Sünden ein, die er jemals begangen hat: feinster spießbürgerlicher Katastrophenmarathon von Patrice Leconte.

Biedermann. Er ist ein Mann der einfachen Freuden: eine Zigarette, guter Jazz und etwas Ruhe. Dabei hat Michel (Christian Clavier) durchaus Sinn für Luxus. Doch manchmal reicht ganz wenig zum Glück. Ein Streifzug über den Flohmarkt, zum Beispiel. Michel findet genau die Platte, die er sich seit Jahrzehnten wünscht, eine seltene Aufnahme, die ihm alles bedeutet: Me, Myself and I von Niel Youart, ein Klarinettist zum Niederknien. Hocherfreut eilt Michel nach Hause, um die Musik aufzulegen, sich in die Couch sinken zu lassen, und den Nachmittag zu genießen. Brandstifter. Auf dem Heimweg entkommt er nur knapp Elsa (Valérie Bonneton), die im Café gegenüber auf ihn lauert. Mit ihr hat er seit Jahren ein Verhältnis, eigentlich nervt sie ihn. Im Treppenhaus begegnet ihm sein Nachbar Pavel (Stéphane de Groodt), der ihn zu einer Nachbarschaftsparty einladen will. Michel redet sich raus. Daheim will seine Frau Nathalie (Carole Bouquet) irgend etwas Weltbewegendes mit ihm besprechen, es geht um ein Geständnis und den erwachsenen Sohn Sébastien (Sébastien Castro). Michel ist nicht interessiert und lässt ihr die Badewanne ein. Und dann liegt er endlich auf der Wohnzimmercouch, die Schallplatte dreht sich, atmosphärisches Knistern verheißt Jazzgenuss. Wumms. Doch genau für jetzt ist der Schwarzarbeiter Leo (Arnaud Henriet) engagiert, die Wand hinten neben dem Badezimmer niederzureißen. Geht denn das nicht leiser? Dann kommt der monatelang verschollene Sébastien vorbei und eröffnet, er habe die Dachwohnung an illegale Einwanderer vergeben. Die spanische Haushälterin (Almodovar-Ikone Roissy de Palma) putzt nicht, wie sie soll. Nathalie hat einen unerwarteten Nervenzusammenbruch. Elsa taucht auf und schaut bedeutungsvoll gekränkt. Schmutzige Familiengeheimnisse kommen ans Licht. Nachbar Pavel will einen Beitrag fürs Nachbarschaftsfest. Dann läutet Michels nichtsnutziger alter Freund an der Tür und möchte wieder einmal Geld ausleihen. Doch Michel bringt nichts davon auf die Palme. Das einzige was er will: Eine Stunde Ruhe … Patrice Leconte gelingt mit der Filmadaptierung von Florian Zellers Erfolgstheaterstück ein aberwitzig vergnüglicher Kinoabend. Und nach Monsieur Claude und seine Töchter bewährt sich Christian Clavier erneut in der Rolle des selbstsüchtigen, bequemen Bourgeois, dem die Realität viel zu laut und unordentlich ist.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at