Für die Krise ist es nie zu spät: Kurz vor der Feier zu ihrem 45. Hochzeitstag gibt es zwischen Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courtenay) schwere Probleme. Großes Schauspielerkino, in Berlin mit 2 Silbernen Bären ausgezeichnet.

Home sweet home. Es ist ein warmherziges Idyll, das sich ganz offensichtlich zwei Menschen geschaffen haben, die einander zur Komfortzone geworden sind: Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courtenay) leben seit vielen Jahren in einem wunderschönen Häuschen irgendwo im britischen Norfolk. Sie haben keine Kinder, aber ein ausgefülltes Sozial- und Kulturleben – und sich auch noch nach viereinhalb Jahrzehnten Ehe viel zu sagen. Fest der Liebe. Ein 45. Hochzeitstag ist beileibe nichts Alltägliches, außerdem kam’s aus verschiedenen Gründen nie zur großen 40er-Jubiläumsfeier – also sollen diesmal Kate, Geoff und ihre große Liebe in einem großen Fest anständig gewürdigt werden. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, der Saal ist ausgesucht, die Gästeliste vollständig. Da kommt ein Brief an Geoff, aus der Schweiz. Die Leiche seiner damaligen Freundin Anya, die vor 50 Jahren bei einer Bergwanderung tödlich verunglückt ist, wurde jetzt endlich gefunden, unverwest, konserviert im Gletschereis. Slow shock. Nur langsam wird Kate bewusst, wie elementar diese Nachricht für Geoff eigentlich ist: Sie wusste zwar von Katyas Existenz, aber hatte sie immer als mehr oder weniger abgeschlossenen Teil seiner Vergangenheit betrachtet. Doch nun sieht er sich heimlich am Dachboden alte Aufnahmen von Katya an, und Kate spürt trotz der vielen gemeinsamen Jahre den Stachel der Unsicherheit und Eifersucht. Was wäre, wenn ihre Vorgängerin damals nicht verunglückt wäre? Ist sie etwa nur seine zweite Wahl? Leben sie eine einzige romantisch verbrämte Lüge? Liebe lebt. „Mir ging es darum, eine Geschichte über Entscheidungen in der Vergangenheit zu erzählen, die für uns heute von Belang sind“: Mit 45 Years verfilmte der britische Regisseur Andrew Haigh (Weekend) die Kurzgeschichte In Another Country von David Constantine. Besonders wichtig war Haigh natürlich die Auswahl der beiden Hauptdarsteller – und Charlotte Rampling und Tom Courtenay (Doktor Schiwago) verkörpern das Ehepaar mit der ganzen Seele ihrer schauspielerischen Erfahrung. Ein nur auf den ersten Blick stilles Stück Kino, unter dessen Oberfläche tiefe Dramen schwelen – ganz große Schauspielkunst, mit viel Liebe zum Detail inszeniert.

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