Taxi Teheran

Drama Iran 2015

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Tratsch von der Rückbank: Jafar Panahi, der wichtigste unabhängige Regisseur des Iran, hat wegen seiner regimekritischen Filme Arbeitsverbot – und nun umgesattelt auf Taxifahrer. Grandioses, herzerfrischendes, kluges Roadmovie von den Straßen Teherans.

Taxi! Wenn das mit dem Traumberuf nicht klappt, bleibt immer noch Taxifahren – dachte sich auch der berühmte iranische  Regisseur Jafar Panahi: Aufgrund von „Propaganda gegen das System“ wurde er vom Regime zu 20 Jahren Arbeitsverbot verurteilt. Nun setzt er sich hinters Lenkrad eines Sammeltaxis und, nein, macht natürlich keinen Film, das darf er ja gar nicht. Er montiert lediglich eine Kamera aufs Armaturenbrett, und lächelt milde in sich hinein. Und dann passiert, was einem Taxifahrer in Teheran eben so passiert. Raubkultur. Panahi nimmt zum Beispiel einen Mann mit, der ihn sofort als Regisseur erkennt, und der Raubkopien internationaler Filme und Fernsehserien in der ganzen Stadt verkauft: The Walking Dead, der neue von Woody Allen, und was sonst noch aktuell ist. „Das ist eine kulturelle Tätigkeit“, erklärt der Mann: „Diese Filme werden im Iran schließlich nicht gezeigt. Ohne mich kein Woody Allen!“ Und Jafar Panahi, der Fahrer, schweigt und lächelt. Gefängnisrosen. Zwei alte Damen steigen mit einem Goldfischglas ein, das sie in eine besondere Quelle leeren wollen; die Fische sollen ihnen ewige Jugend bringen. Eine tief verschleierte Dame beginnt Streit mit einem anderen Fahrgast, der meint, alle Diebe sollten einfach hingerichtet werden, irgendwann werde die Abschreckung schon wirken. Eine Frau mit einem Strauß Rosen nimmt Panahi auch mit, sie ist unterwegs ins Gefängnis, um einer jungen politischen Gefangenen Mut zuzusprechen. Und dann holt Panahi seine kleine Nichte von der Schule ab, eine Achtjährige mit Vorliebe für Frappucino, die ihm lästige, kluge Fragen stellt. Goldbär. Jede Begegnung in Jafar Panahis Taxifahrt hat eine Fülle von Zwischentönen und Andeutungen: das Filme-machen, die Stellung der Frau im Iran, Folter, Zensur und Todesstrafe – noch im banalsten Gespräch unter Fahrgästen schwingt ganz große, reflektierte Gesellschaftskritik mit. Es sind Geschichten aus einem Staat, dem nicht zu trauen ist, dabei aber großzügig, witzig und herzlich erzählt: Taxi Teheran ist ein herrliches Geschenk eines großen Regisseurs, das von Mut, Humor und Menschlichkeit unter größten Restriktionen zeugt und bei der Berlinale den Goldenen Bären bekam.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at