Wie die anderen

Dokumentation Österreich 2015

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Jugend aus der Bahn. Depressionen, Missbrauch, Wut und Hoffnung: In seiner faszinierenden Doku gibt Constantin Wulff(In die Welt) einen Einblick auf den nicht gerade alltäglichen Alltag einer Station für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Leonie ist nicht glücklich. „Alle fragen sich, warum ich so seltsam bin. Dabei wäre ich so gerne genauso wie die anderen. Alle schauen mich so skeptisch an. Ich gehe dann immer, vor Wut. Ich hoffe, ich werde mich bald ändern, so dass ich wie die anderen sein kann.“ Erwachsen werden ist nie einfach. Jeder, der sich an seine Teenager-Zeit erinnert, kennt das Gefühl, anders zu sein als der Rest der Welt. Weiß, wie es ist, wenn man sich fragt, ob man ein Außerirdischer auf Feldforschungstrip auf der Erde ist, oder in Wahrheit von den Eltern heimlich adoptiert wurde, weil man so gar nichts mit ihnen gemein zu haben scheint. Aber bei einigen Kindern und Jugendlichen ist das keine normale Phase der Adoleszenz – sondern tatsächlich psychische Erkrankung. Kindheit mit Kratzern. Mit seiner Doku In die Welt setzte Constantin Wulff 2008 der Wiener Semmelweis-Geburtsklinik ein filmisches Denkmal. Für seinen neuen Kinofilm besuchte er mit seinem Filmteam die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Niederösterreichischen Landesklinikums Tulln – und zeigt eine Welt, die viele von uns lieber nicht wahrhaben wollen: Die von seelisch verletzten und kranken Kindern. Auch diesmal verzichtet Wulff auf Kommentare oder Erklärungen. Wir sehen Ausschnitte aus dem Alltag der Station, und die Unmittelbarkeit dieser Szenen braucht keine Hintergrundinformationen, um den Zuschauer bis ins Mark zu treffen. Denn hier ist allgegenwärtig, was eigentlich gar nicht sein darf: Hier stehen Kinder im Mittelpunkt, die „nicht normal“ sind. Kinder, deren Seelen in unserer Vorstellung unter „unschuldig“ rangieren, die verletzlichsten und wertvollsten Mitglieder der Gesellschaft, mit denen definitiv was nicht stimmt. Das verstört, verunsichert – und gibt aber auch wieder das Vertrauen in die Menschlichkeit zurück, wenn man sieht, wie hingebungsvoll und gleichzeitig selbstverständlich Ärzte und Therapeuten unter Primar Paulus Hochgatterer trotz des eklatanten Personalmangels sich um ihre Patienten kümmern. Nicht normal. „Ich habe gemerkt, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie für die meisten eigentlich ein unbekannter Ort ist“, meint Constantin Wulff. „Und ich habe den Eindruck, dass psychische Krankheiten in hohem Maße stigmatisiert sind. Unter  anderem auch deswegen, weil angemessene Bilder dafür fehlen.“

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at