Escobar: Paradise Lost

Biografie, Drama, Thriller Belgien, Frankreich, Panama, Spanien 2014

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Kein Solo für Onkel. Das Regiedebüt von Schauspieler Andrea Di Stefano nähert sich dem kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar (Benicio Del Toro) auch aus außergewöhnlicher Perspektive – nämlich jener des Lovers (Josh Hutcherson) von Escobars Nichte.

Das gute, das schöne, das entspannte Leben: Das ist es, wonach dem kanadischen Brüderpaar Nick (Josh Hutcherson, Die Tribute von Panem) und Dylan (Brady Corbet) der Sinn steht. Dieser Traum führt die beiden Surferboys Mitte der Achtzigerjahre nach Kolumbien, wo alles wie gemalt für einen saloppen Neuanfang in paradiesischer Umgebung scheint: perfekte Wellen, himmlische Strände und, keinesfalls zu vergessen, wunderhübsche Mädchen. Besonders Maria (Claudia Traisac) hat es Nick recht rasch angetan – was zum Glück auch auf Gegenseitigkeit beruht. Und so dauert es nicht lange, bis er ihrer Sippe vorgestellt wird, insbesondere ihrem Onkel Pablo Escobar (Benicio Del Toro), dem einflussreichen „Patrón“, der sich das Wohlwollen der lokalen Bevölkerung mit zahlreichen reichen Gaben sichern konnte. Die Frage, woher der Oheim das Geld dafür hat, stellt sich der naive Nick erst viel zu spät – und so ist er, kaum dass er es sich versieht, auch schon Mitglied des inneren Zirkels des mächtigsten Drogen-Dons Südamerikas. Dass dem Vorsteher des berüchtigten Medellín-Kartells nichts wichtiger ist als seine Liebsten, erweist sich für Nick spätestens zu dem Zeitpunkt, als Escobar verstärkt ins Visier der Behörden gerät, freilich auch eher als Hypothek denn als Hoffnungsschimmer. Schließlich lässt man in diesem Dunstkreis seine „Familia“ um nichts in der Welt im Stich – selbst wenn das Opfer dafür ein denkbar hohes ist. Ärger im Paradies. Auch wenn der Titel möglicherweise anderweitige Erwartungen wecken mag, hat der Schauspieler Andrea Di Stefano (Life of Pi) für seine erste Regiearbeit keinesfalls bloß die seit Dekaden bestens etablierte Film-Formatvorlage „epische Gangstersaga“ (à la Scarface & Co.) durchexerziert. Vielmehr verfolgte der Italiener hierfür einen durchaus ambitionierteren Ansatz: unerschrocken die Erzählungperspektive zwischen Patrón und „Sohn“ wechselnd, Fakten und Fiktives nebenbei durchaus munter vermengend, überzeugt Escobar: Paradise Lost, unter maßgeblicher Beteiligung des wieder einmal ungebremst aufspielenden Benicio Del Toro, als atmosphärisch dichter Genre-Grenzgang zwischen Crime-Thriller und (Liebes-) Drama.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at